Do, 11:00 Uhr
21.11.2019
Eine semantische Betrachtung zu neuen Stilblüten
Klimastreik an der Laterne
Überschwemmungen, Hitzerekorde, Greta T., schmelzende Gletscher, wochenlange Dürreperioden, aufgeregte Journalisten, abgestorbene Wälder, Kyoto-Protokoll, wütende Kinder und immer wieder dieser wahnsinnige C02-Ausstoß. Das Klima leidet, aber die Sprache auch!
Das Klima wird jetzt in Nordhausen an Laternen per Aufruf geschützt
Wer dieser Tage den Nordhäuser Taschenberg hinab spaziert hat großes Glück. Denn er trifft auf Laternenmasten, die ihm Mut geben in dieser, unserer schweren Zeit mit dem einzigen öffentlich zu verhandelnden Thema. Dort lesen wir nämlich im schönsten Vierfarbdruck auf Aufklebern, dass wir am 29.11. mit Friday for future auf die Straße gehen sollen, um unserem Protest eine Stimme zu verleihen und am Klimastreik teilhaben dürfen.
Zugegeben, meine Phantasie reicht nicht aus zu erklären, was ein Klimastreik sein könnte, aber es klingt erst einmal sehr revolutionär nach Verweigerung, Protest, Gerechtigkeit und Bioeierkuchen. Vielleicht bedeutet ja ein Klimastreik, dass sich die Organisatoren nicht mehr am Klima beteiligen wollen? Oder dass sie das Klima aufrufen, seine Arbeit niederzulegen. Oder dass es Nachrichten vom Klima gibt, welche offenbaren, dass sich das Klima jetzt für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen auf der Erde stark macht. Vielleicht wollen sich die Autoren des Aufklebers aber eigentlich für eine saubere Umwelt und den Naturschutz einsetzen.
Der Aufkleber, der sicher nicht rein zufällig auf dem Weg aus der Innenstadt zum Campus der Hochschule klebt, hat meines Erachtens eine ganz andere, simple Botschaft. Er besagt einfach: Hey, hallo, ich bin auch da! Nehmt mich wahr, ihr Saturierten, ihr Karrieristen, ihr Wohlhabenden! Er schreit geradezu den Protest der jungen Generation heraus, die sich wie jede junge Generation vor ihr auch betrogen fühlt, weil ihr nichts gehört, weil sie keine Macht hat und von der ganzen etablierten Gesellschaft gegängelt wird. Und weil sie wirklich glaubt, die spießigen Altvorderen versauen ihr gerade die Zukunft, indem sie zu viel am Klima herumdoktern.
Das "Klima" leitet sich übrigens vom griechischen klinein" ab, was neigen bedeutet und sich auf die Neigung der Erdachse bezieht. Sommer und Winter sind demnach Folgen der Neigung der Erdachse, die relativ zur Bahnebene der Erde um die Sonne ist, der sogenannten Ekliptik. Daher rührt auch die unterschiedliche Sonnenbestrahlung in den verschiedenen Jahreszeiten. Dies in irgend einer Form zu beeinflussen dürfte selbst für unsere hochentwickelte Zivilisation relativ schwierig sein. Soweit zu den semantischen Aspekten des Wortes Klima.
Der schöne, farbig gestaltete Aufkleber verleiht dem etwas abgeranzt aussehenden Mast gleich wieder neuen Glanz
Wenn wir davon ausgehen, dass ein Streik eine Arbeitsniederlegung oder noch allgemeiner ausgedrückt eine Verweigerung ist, dann haben wir es beim Klimastreik mit der Negierung der Erdachsenbewegung zu tun. Das ist dann in etwa so intelligent, wie das heliozentrische Weltsystem anzuzweifeln oder die Erdanziehungskraft.
Über die umweltschädlichen Auswirkungen eines Aufklebers an einem Laternenmast, über seine C02-Bilanz und seine schlechten biologischen Abbauwerte will ich gar nicht erst anfangen nachzudenken.
Allerdings könnte es dennoch passieren, dass trotz der guten Werbung an der Laterne nicht ganz so viele junge Menschen wie erhofft am Klimastreik teilnehmen werden, denn dummerweise ist an diesem Freitag auch wieder black friday und... hey, da gibt es viele geile Schnäppchen zu ergattern im Netz!
Olaf Schulze
Autor: redDas Klima wird jetzt in Nordhausen an Laternen per Aufruf geschützt
Wer dieser Tage den Nordhäuser Taschenberg hinab spaziert hat großes Glück. Denn er trifft auf Laternenmasten, die ihm Mut geben in dieser, unserer schweren Zeit mit dem einzigen öffentlich zu verhandelnden Thema. Dort lesen wir nämlich im schönsten Vierfarbdruck auf Aufklebern, dass wir am 29.11. mit Friday for future auf die Straße gehen sollen, um unserem Protest eine Stimme zu verleihen und am Klimastreik teilhaben dürfen.
Zugegeben, meine Phantasie reicht nicht aus zu erklären, was ein Klimastreik sein könnte, aber es klingt erst einmal sehr revolutionär nach Verweigerung, Protest, Gerechtigkeit und Bioeierkuchen. Vielleicht bedeutet ja ein Klimastreik, dass sich die Organisatoren nicht mehr am Klima beteiligen wollen? Oder dass sie das Klima aufrufen, seine Arbeit niederzulegen. Oder dass es Nachrichten vom Klima gibt, welche offenbaren, dass sich das Klima jetzt für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen auf der Erde stark macht. Vielleicht wollen sich die Autoren des Aufklebers aber eigentlich für eine saubere Umwelt und den Naturschutz einsetzen.
Der Aufkleber, der sicher nicht rein zufällig auf dem Weg aus der Innenstadt zum Campus der Hochschule klebt, hat meines Erachtens eine ganz andere, simple Botschaft. Er besagt einfach: Hey, hallo, ich bin auch da! Nehmt mich wahr, ihr Saturierten, ihr Karrieristen, ihr Wohlhabenden! Er schreit geradezu den Protest der jungen Generation heraus, die sich wie jede junge Generation vor ihr auch betrogen fühlt, weil ihr nichts gehört, weil sie keine Macht hat und von der ganzen etablierten Gesellschaft gegängelt wird. Und weil sie wirklich glaubt, die spießigen Altvorderen versauen ihr gerade die Zukunft, indem sie zu viel am Klima herumdoktern.
Das "Klima" leitet sich übrigens vom griechischen klinein" ab, was neigen bedeutet und sich auf die Neigung der Erdachse bezieht. Sommer und Winter sind demnach Folgen der Neigung der Erdachse, die relativ zur Bahnebene der Erde um die Sonne ist, der sogenannten Ekliptik. Daher rührt auch die unterschiedliche Sonnenbestrahlung in den verschiedenen Jahreszeiten. Dies in irgend einer Form zu beeinflussen dürfte selbst für unsere hochentwickelte Zivilisation relativ schwierig sein. Soweit zu den semantischen Aspekten des Wortes Klima.
Der schöne, farbig gestaltete Aufkleber verleiht dem etwas abgeranzt aussehenden Mast gleich wieder neuen Glanz
Wenn wir davon ausgehen, dass ein Streik eine Arbeitsniederlegung oder noch allgemeiner ausgedrückt eine Verweigerung ist, dann haben wir es beim Klimastreik mit der Negierung der Erdachsenbewegung zu tun. Das ist dann in etwa so intelligent, wie das heliozentrische Weltsystem anzuzweifeln oder die Erdanziehungskraft.
Über die umweltschädlichen Auswirkungen eines Aufklebers an einem Laternenmast, über seine C02-Bilanz und seine schlechten biologischen Abbauwerte will ich gar nicht erst anfangen nachzudenken.
Allerdings könnte es dennoch passieren, dass trotz der guten Werbung an der Laterne nicht ganz so viele junge Menschen wie erhofft am Klimastreik teilnehmen werden, denn dummerweise ist an diesem Freitag auch wieder black friday und... hey, da gibt es viele geile Schnäppchen zu ergattern im Netz!
Olaf Schulze



