Mo, 08:36 Uhr
18.11.2019
BUND-Einsatz 89 mit Bodo Schwarzberg
Ein ungewöhnlicher Einsatz
Auf gleich fünf kleinen Flächen mit einem bemerkenswerten Arteninventar, gelegen in unterschiedlichsten Teilen des Landkreises, waren drei Mitlieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen am vergangenen Sonnabend im Einsatz. Tobias Strietzel und Lothar Burkhardt aus der Rolandstadt widmeten ihre Zeit an der Seite des Autors dieses Beitrages dem aktiven Naturschutz...
Die seltene Unterart des Gewöhnlichen Sonnenröschens (Helianthemum nummularium ssp. nummularium) kommt in Thüringen fast ausschließlich im Raum Südharz vor. Die Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen tragen mit dazu bei, diese floristische Besonderheit zu erhalten. Die Aufnahme entstand am 6.7.2014 im Raum Ilfeld.
Zunächst wandten wir uns einer Fläche im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz zu, auf der wir bei einem großen Einsatz im Sommer Teile zwecks Insektenschutz ungemäht gelassen hatten. Unter anderem siedeln auf dieser Fläche eine in Thüringen stark gefährdete Orchideenart und eine sehr seltene Unterart des Zwergstrauches Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium ssp. nummularium).
Die zweite Mahdstelle bei Gudersleben, ein kleiner natürlicher Gipsfelsen, beherbergt die deutschlandweit stark gefährdete Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea) mit alljährlich mitunter tausenden blühenden Pflanzen, sowie die mittlerweile selten gewordene, in Thüringen stark gefährdete Wildform der Echten Katzenminze (Nepeta cataria). Beide Arten haben sich durch die kontinuierliche Mahd in ihrem Bestand erholt. Am genannten Wuchsort sind aber auch die Folgen menschlicher Fehlentscheidungen zu beobachten: Im vergangenen Jahr wurde besagter, eigentlich nach Thüringer Naturschutzgesetz geschützte Gipsfelsen im Zuge von Stammholztransporten an dessen Fuß angeschnitten: Die Folge ist einsetzende Erosion. Stellenweise hat sich die gerissene Wunde mittlerweile vergrößert, anderenorts konnte die schnelle Besiedlung mit allerdings weniger geeigneten Pflanzenarten das weitere Abrutschen mit verhindern. Der invasive Neophyt Orientalische Zackenschote (Bunias orientalis), der sich auch schon vorher dort in einigen Exemplaren angesiedelt hatte, nimmt die entstandene Störstelle zunehmend in seinen Besitz. Damit aber bedroht er ebenso, wie die sich ebenfalls dort in der Wunde ausbreitenden Brombeerexemplare die zu erhaltende natürliche Biotopstruktur.
Ab kommenden Jahr wollen wir daher versuchen, die Orientalische Zackenschote mit Hilfe mechanischer Maßnahmen kontinuierlich zurückzudrängen. Einige Exemplare entfernten wir bereits am zurückliegenden Wochenende.
Die dritte und vierte Mahdstelle des vergangenen Sonnabends befinden sich im Raum Klettenberg. Die eine dient der Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Feld-Enzians (Gentianella campestris). Bisher gelang es zwar, mit aufwändigen Maßnahmen den Verlust der Art für Thüringen zu verhindern. Jedoch scheint sich der immer längere Dürreperioden verursachende Klimawandel zu einem weiteren, den Enzian bedrohenden Problem auszuwachsen. An einem der beiden letzten Thüringer Wuchsorte gab es 2019 nur eine einzige Pflanze zu sehen.
Von daher sollen die Erhaltungsmaßnahmen auch in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg (dort befindet sich eine Erhaltungskultur) angepasst bzw. verändert werden. Die zweite Mahdstelle im Raum Klettenberg dient der Erhaltung des evolutionsbiologisch alten Farns Gewöhnliche Natternzunge (Ophioglossum vulgatum). Dieser Farn wurde an besagter Stelle erst 2005 entdeckt. Ob er dort auch erhalten werden kann, ist jedoch fraglich: Sein Standort, eine zeitweise wasserführende Doline, trocknet zunehmend länger aus, was möglicherweise den Verlust der Art bedeuten könnte.
Und schließlich widmeten wir uns an der Hainleite einem winzigen Kalkquellmoor, in dem u.a. wenige Exemplare des in Thüringen stark gefährdeten Breitblättrigen Wollgrases (Eriophorum latifolium) siedeln. Zwar deutete sich auch hier eine positive Bestandsentwicklung an, jedoch scheint, womöglich als Folge der Dürren 2018 und 19, die Schüttung der Quellen gelitten zu haben. Es muss beobachtet werden, ob die für das Wollgras überlebenswichtigen nassen Bodenverhältnisse auch künftig fortbestehen.
Alles in allem machte auch der landschaftspflegerische Einsatz vom vergangenen Sonnabend in Verbindung mit jahrelangen Pflanzenbeobachtungen deutlich, wie zentral selbst kleinflächige Pflegemaßnahmen für die Erhaltung bemerkenswerter Arten sein können.
Machtlos sind wir aber gegen die globalen Klimaveränderungen. Ob wir diese und deren Folgen als Menschheit in den Griff bekommen, wird darüber entscheiden, ob wir viele gegenwärtig bei uns noch präsente Pflanzen- und Tierarten auch in 50 oder 100 Jahren noch werden beobachten können.
Auch Dank des unerschütterlichen Engagements von Lothar Burkhardt und Tobias Strietzel vom vergangenen Sonnabend konnten wir jedoch wenigstens kurzfristig etwas Positives für den Artenschutz erreichen, auch im Sinne der dringend notwendigen Kontinuität in der art- und wuchsortbezogenen Landschaftspflege.
Der nächste größere Einsatz ist für den 30.11. vorgesehen. Interessenten können sich gern melden: bodo_schwarzberg@yahoo.de.
Bodo Schwarzberg
Autor: redDie seltene Unterart des Gewöhnlichen Sonnenröschens (Helianthemum nummularium ssp. nummularium) kommt in Thüringen fast ausschließlich im Raum Südharz vor. Die Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen tragen mit dazu bei, diese floristische Besonderheit zu erhalten. Die Aufnahme entstand am 6.7.2014 im Raum Ilfeld.
Zunächst wandten wir uns einer Fläche im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz zu, auf der wir bei einem großen Einsatz im Sommer Teile zwecks Insektenschutz ungemäht gelassen hatten. Unter anderem siedeln auf dieser Fläche eine in Thüringen stark gefährdete Orchideenart und eine sehr seltene Unterart des Zwergstrauches Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium ssp. nummularium).
Die zweite Mahdstelle bei Gudersleben, ein kleiner natürlicher Gipsfelsen, beherbergt die deutschlandweit stark gefährdete Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea) mit alljährlich mitunter tausenden blühenden Pflanzen, sowie die mittlerweile selten gewordene, in Thüringen stark gefährdete Wildform der Echten Katzenminze (Nepeta cataria). Beide Arten haben sich durch die kontinuierliche Mahd in ihrem Bestand erholt. Am genannten Wuchsort sind aber auch die Folgen menschlicher Fehlentscheidungen zu beobachten: Im vergangenen Jahr wurde besagter, eigentlich nach Thüringer Naturschutzgesetz geschützte Gipsfelsen im Zuge von Stammholztransporten an dessen Fuß angeschnitten: Die Folge ist einsetzende Erosion. Stellenweise hat sich die gerissene Wunde mittlerweile vergrößert, anderenorts konnte die schnelle Besiedlung mit allerdings weniger geeigneten Pflanzenarten das weitere Abrutschen mit verhindern. Der invasive Neophyt Orientalische Zackenschote (Bunias orientalis), der sich auch schon vorher dort in einigen Exemplaren angesiedelt hatte, nimmt die entstandene Störstelle zunehmend in seinen Besitz. Damit aber bedroht er ebenso, wie die sich ebenfalls dort in der Wunde ausbreitenden Brombeerexemplare die zu erhaltende natürliche Biotopstruktur.
Ab kommenden Jahr wollen wir daher versuchen, die Orientalische Zackenschote mit Hilfe mechanischer Maßnahmen kontinuierlich zurückzudrängen. Einige Exemplare entfernten wir bereits am zurückliegenden Wochenende.
Die dritte und vierte Mahdstelle des vergangenen Sonnabends befinden sich im Raum Klettenberg. Die eine dient der Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Feld-Enzians (Gentianella campestris). Bisher gelang es zwar, mit aufwändigen Maßnahmen den Verlust der Art für Thüringen zu verhindern. Jedoch scheint sich der immer längere Dürreperioden verursachende Klimawandel zu einem weiteren, den Enzian bedrohenden Problem auszuwachsen. An einem der beiden letzten Thüringer Wuchsorte gab es 2019 nur eine einzige Pflanze zu sehen.
Von daher sollen die Erhaltungsmaßnahmen auch in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg (dort befindet sich eine Erhaltungskultur) angepasst bzw. verändert werden. Die zweite Mahdstelle im Raum Klettenberg dient der Erhaltung des evolutionsbiologisch alten Farns Gewöhnliche Natternzunge (Ophioglossum vulgatum). Dieser Farn wurde an besagter Stelle erst 2005 entdeckt. Ob er dort auch erhalten werden kann, ist jedoch fraglich: Sein Standort, eine zeitweise wasserführende Doline, trocknet zunehmend länger aus, was möglicherweise den Verlust der Art bedeuten könnte.
Und schließlich widmeten wir uns an der Hainleite einem winzigen Kalkquellmoor, in dem u.a. wenige Exemplare des in Thüringen stark gefährdeten Breitblättrigen Wollgrases (Eriophorum latifolium) siedeln. Zwar deutete sich auch hier eine positive Bestandsentwicklung an, jedoch scheint, womöglich als Folge der Dürren 2018 und 19, die Schüttung der Quellen gelitten zu haben. Es muss beobachtet werden, ob die für das Wollgras überlebenswichtigen nassen Bodenverhältnisse auch künftig fortbestehen.
Alles in allem machte auch der landschaftspflegerische Einsatz vom vergangenen Sonnabend in Verbindung mit jahrelangen Pflanzenbeobachtungen deutlich, wie zentral selbst kleinflächige Pflegemaßnahmen für die Erhaltung bemerkenswerter Arten sein können.
Machtlos sind wir aber gegen die globalen Klimaveränderungen. Ob wir diese und deren Folgen als Menschheit in den Griff bekommen, wird darüber entscheiden, ob wir viele gegenwärtig bei uns noch präsente Pflanzen- und Tierarten auch in 50 oder 100 Jahren noch werden beobachten können.
Auch Dank des unerschütterlichen Engagements von Lothar Burkhardt und Tobias Strietzel vom vergangenen Sonnabend konnten wir jedoch wenigstens kurzfristig etwas Positives für den Artenschutz erreichen, auch im Sinne der dringend notwendigen Kontinuität in der art- und wuchsortbezogenen Landschaftspflege.
Der nächste größere Einsatz ist für den 30.11. vorgesehen. Interessenten können sich gern melden: bodo_schwarzberg@yahoo.de.
Bodo Schwarzberg



