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Di, 18:37 Uhr
10.09.2019
Neues aus dem NUV

Gipsdialog im Bürgerhaus

Der Nordthüringer Unternehmerverband (NUV) bringt sich mit einer Veranstaltung am Montag kommender Woche (16.9.) zum wiederholten Male in die aktuelle Rohstoffdiskussion ein...


“Wir wollen versuchen, die mit vielen Emotionen beladene Debatte ein Stück weit zu versachlichen und das Thema von den unterschiedlichen Seiten her beleuchten”, beschreibt NUV-Vorstandsvorsitzender Niels Neu die Motivation für die Diskussionsrunde unter dem Thema “Naturgips aus dem Südharz - Chance für die Region!?”

Hintergrund ist der von der Bundesregierung beschlossene Kohleausstieg bis zum Jahr 2038 und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die deutsche Gipsindustrie, vornehmlich für die im Südharz. Denn: die rund 50 Prozent des zu verarbeitenden Rohstoffes kommen als “Abfallprodukt” aus Rauchgasentschwefelungsanlagen wie sie in Kohlekraftwerken eingesetzt werden. Und diese Menge wird sukzessive wegfallen.

Welche Auswirkungen wird dieser Prozess für unsere Region haben? Ist er eine Chance oder ein Risiko, denn allen wissenschaftlich fundierten Berechnungen zufolge kann die wegfallende Menge nicht nur durch Recycling ersetzt werden. Daraus resultiert die Forderung der regionalen Wirtschaft an die Politik, den Südharz an der milliardenschweren Strukturhilfe des Bundes zu beteiligen und parallel die Rohstoffgewinnung perspektivisch zu sichern.

Im Ratssaal des Nordhäuser Bürgerhauses soll am 16. September unter anderem mit Mike Mohring und dem Ostbeauftragten der Bundesregierung, Christian Hirte (beide CDU), einer Vertreterin der Thüringer Staatskanzlei, dem Präsidenten der Hochschule Nordhausen, Prof. Jörg Wagner, sowie mit Dr. Burghardt Vogel vom BUND in Thüringen diskutiert werden. Dazu sind kommunale Politiker seitens des NUV ebenso eingeladen wie Vertreter von Umweltverbänden. Die Veranstaltung wird vom Journalisten und langjährigen ZDR-Redakteur Joachim Mahrholdt moderiert.
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Kommentare

10.09.2019, 23.47 Uhr
Bodo Schwarzberg | Gipsdialog: Moderation der weiteren Zerstörung
Angeblich würde es bezüglich der Gipsabbauproblematik zu viele Emotionen geben, ist im obigen Beitrag zu lesen. Mit derartigen Bemerkungen aber wird den Gegnern einer weiteren Zerstörung der Gipskarstlandschaft von vornherein eine sachliche Argumentation abgesprochen. So ist von vornherein keine Dikussion auf Augenhöhe gegeben.

Dabei gibt es eine Menge Fakten, z.B. zur Widerlegung eines angeblich "naturschonenden Gipsabbaus", die auch von unabhängigen Wissenschaftlern hervorgebracht werden können und die mit Emotionen wenig bis nichts zu tun haben.

Der NUV ruft zu einer "Versachlichung" der Diskussion auf. Bisher hat jede Diskussion über den Gipsabbau aber nur zu einer Fortsetzung des Abbaus, zu einer Ausweitung von Abbauwünschen und -plänen geführt. Denn der NUV vertritt verständlicherweise die Ziele von Knauf, Casea und Co.

Es geht dem NUV einzig und allein (alles andere wäre schier komisch) um eine Stützung der Gipsindustrie in ihrer althergebrachten, landschaftszerstörerischen Form, um die Lenkung von Fördermitteln in unsere Region unabhängig von deren Auswirkung im ökologischen Bereich..

Es wird sich von Dikussion zu Dikussion und von Forum zu Forum gehangelt: Bisher stand immer eine weitere Zerstörung unserer Heimat als Trend in der mittel- bis langfristigen Politik.

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11.09.2019, 08.59 Uhr
NUV | Einladung
Sehr geehrter Herr Schwarzberg,

entgegen Ihrer Auffassung unterstützt der Nordthüringer Unternehmerverband nicht nur die Gipsindustrie, sondern hat seine Stärke in der Vergangenheit besonders daraus gezogen, alle Branchen zu unterstützen, wie beispielsweise den Tourismus, die Gastronomie aber auch Land- und Forstwirtschaft.
Sie sind recht herzlich zu unserer Veranstaltung eingeladen, um mit fundierten Zahlen und Fakten unseren Podiumsgast – Ihren Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen – Dr. Vogel zu unterstützen.

i.A. Claudia Rheinländer
Nordthüringer Unternehmerverband e.V.
www.nuv-nordthueringen.de

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11.09.2019, 10.39 Uhr
TSHarztor | Geht die Gipsindustrie nachhaltigere Wege?
Als älterer Beobachter dieser Materie fällt zunächst einmal auf, dass sich die Strategie der Gipsindustrie geändert hat. Noch vor ein paar Jahren hat man immer betont, Reha -Gips geht oder reicht nicht, deshalb muss man mehr und in neuen Tagebauen abbauen. Heute heißt es aber, es gibt nicht mehr genug Rehagips weil die Kohlekraftwerksabgasanlagen ja stillgelegt werden. Das scheint also nur eine Art Marketing zu sein. Ist das überzeugend? Nein. Ich denke, hier in unserer Gegend wird man auch in vielen Jahren noch Gips abbauen. Und natürlich ist das wieder anschaulich dann herzurichten, aber es ist nicht von der Hand zu weisen. Der sich über lange Zeiträume gebildete Gips ist dann dort weg. Es ist dann was Anderes, was aber der Preis der Notwendigkeit eines nachhaltigen Wirtschaftens ist. Die Gipsindustrie könnte aber mehr den Weg der Kooperation gehen, d.h. nicht jedes Unternehmen muss für sich selbst graben. Oder?

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11.09.2019, 10.58 Uhr
Harzer66 | REA - Gips
Wenn der REA - Gips aus Deutschland nicht ausreicht, muss er halt importiert werden. Eine kleine Google - Recherche reicht aus um festzustellen, dass auch in Europa (z. B. Polen) immer noch Braunkohlekraftwerke gebaut werden bzw. geplant sind. Da kann die Gipsindustrie sich verdient machen indem man dort die Produktion von REA - Gips durch entsprechende Nachfrage fördert. Das Ganze noch auf der Schiene transportiert würde die Sache abrunden. Evtl. höhere Kosten werden ja wegen Wegfall der "Renaturierung" mehr als kompensiert.

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11.09.2019, 13.43 Uhr
Fönix | Die ganze unselige Diskussion ist nach meiner Wahrnehmung
vorrangig darauf ausgerichtet, das ausgesprochen profitable Geschäft mit der Naturgipsgewinnung so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Wie wäre es denn, wenn zur Abwechslung mal wieder Sand, Kies, Lehm und Holz als Basisbaustoffe eingesetzt werden, da sind die Ressourcen längst nicht so knapp wie beim Gips? Oder zumindest die verstärkte Entwicklung von hybriden Baustoffen mit deutlich reduzierten Gipsanteilen vorangetrieben wird? Ich habe schon vor 15 Jahren auf eigene Faust in meinem Wohneigentum lavabasiertes Granulat (Reste der Dämmschüttung) und Gips gemischt und eingebaut. Das hält wie der Teufel in einem äußerst sensiblen Bereich und ich bin froh, damals dieses Risiko eingegangen zu sein.

Aus meiner Sicht sind gerade bei uns in Nordthüringen auch noch weitere Aspekte zu betrachten. 1990 wurde durch das unselige Treiben der Treuhand im Auftrag der Bundesregierung unter anderem die ganze Nordthüringer Region plattgemacht, um unliebsame Konkurrenz für Kali Und Salz und andere Konsorten aus dem Weg zu räumen. Ohne jeglichen Ausgleich, so wie es jetzt zum Beispiel in den Braunkohlenrevieren geschieht, wurden der Maschinenbau (z.B. IFA), die Kaliindustrie und die Textilindustrie komplett geschliffen bzw. die lukrativen Unternehmenshauptsitze (wie bei der Energiewirtschaft) nach Erfurt und Jena verlegt. Im Ergebnis blutete unsere Heimat aus. Vollends ruiniert und ihrer Zukunftsperspektiven beraubt wurde sie durch den zwangsweise folgenden Wegzug vieler qualifizierter Arbeitnehmer, deren Kinder nun auch in anderen Regionen aufwachsen.

Warum betone ich diese allseits bekannten Fakten an dieser Stelle noch einmal besonders? Weil sie nach meiner Auffassung durchaus im Kontext stehen mit den aktuellen Entwicklungen. Wenn man ein regional betrachtet großes Industriegebiet brach liegen lässt und wenn man darüber hinaus für die zerstörten wertschöpfenden Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk über die Jahre keine adäquaten Alternativen schafft, dann bleibt in der Region eines Mangelware: Arbeitsplätze im wertschöpfenden Bereich mit auskömmlichen Einkommen. Und in dieser Situation wird die Region mit den dort lebenden Menschen ein gut Teil (politisch) erpressbar. Einerseits drückt es die Löhne für die verbliebenen Arbeitsplätze bis zum Erbrechen (das haben wir 25 Jahre live erlebt, die entsprechenden Defizite sind bis heute nicht abgebaut) und andererseits öffnet es Tür und Tor für Vorhaben und Investitionen, die in anderen wohlhabenderen Regionen aus gutem Grund abgelehnt werden. Da ist zum Einen die inflationäre Aufstellung immer größerer Windkraftanlagen zu nennen, deren Wirtschaftlichkeit in Gebieten mit eher mäßigem Winddargebot nach meinem Dafürhalten grundsätzlich in Frage zu stellen ist. Dabei ist es in meinen Augen ein weiterer Skandal, dass das Repowering für Anlagen mit mittlerweile über 200 Meter Höhe ohne jegliche weitere UVP an Standorten zugelassen wird, deren ursprüngliche Genehmigung nur für Anlagen bis 60 Meter Höhe erteilt wurde. Das nur nebenbei erwähnt.

Zum anderen ist es auffällig, dass in unserer Region enorme Mengen an Industriereststoffen aus ganz Europa angeliefert und entsorgt werden. Dabei will ich den Bergleuten in den ehemaligen Kaliwerken nicht absprechen, dass sie bei der Einlagerung in mehreren hundert Metern Tiefe die nötige Sorgfalt an den Tag legen. Mir ist diese Art der Entsorgung in den vergleichsweise sicheren Salzlagerstätten sogar lieber als eine mehr oder weniger illegale Entsorgung irgendwo jenseits des Urals. Aber die miserable wirtschaftspolitische Konstellation in unserer Region schließt eben auch nicht aus, dass diese Form der Abfallbeseitigung noch erheblich ausgeweitet wird und dabei auch viel gefährlichere Stoffe in's Spiel kommen. Ich wäre nicht überrascht, wenn alsbald verkündet wird, dass das Atommüllendlager Deutschlands in einer der ehemaligen Kaligruben Nordthüringens errichtet wird und die damit verbundenen neuen Arbeitsplätze bitteschön zu bejubeln sind.

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