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Di, 09:32 Uhr
10.09.2019
Infopunkt am Kohnstein wird eröffnet

Das Urtier von Sachswerfen

Ende September wir in Nedersachswerfen ein Informationspubk eingerichtet, der sich auf vier Schautafeln unter anderem mit dem Urtier Sachswerfens beschäftigt. nnz-Leser Tim Schaefer stellt das Projekt in einer Fortsetzungsreihe vor.

wllnashorn (Foto: Tim Schaefer) wllnashorn (Foto: Tim Schaefer)


Am Montag, dem30. September, ab 16.00 Uhr bekommt Niedersachswerfen-Harztor, der Kohnstein und das ehemalige Gipswerk einen Informationspunkt, der aus 4 Tafeln besteht.

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Der neue Infopunkt besteht aus 4 Tafeln, die nach einem Beschluss der Ortschaft Niedersachswerfen an der Ecke Schulstraße/Bahnhofstraße am 30. September feierlich eröffnet werden. Also in Nähe des Bahnübergangs zum ehemaligen Gipswerk und zur Leipziger Straße. Federführend ist hier der Arree-Traditions-Verein von Niedersachswerfen. Die alten Chronisten wie Hilmar Römer, Richard Bauersfeld, Günter Trautmann, Pfarrer Glaß, die Kirchen und Verwaltungen haben viele Informationen recherchiert und für uns verfügbar erhalten. Herr Baumgarten aus Niedersachswerfen hat quasi ehrenamtlich die künstlerisch-grafische Gestaltung realisiert.
Ausgehend von einer Idee, den alten Gedenkstein des Gipswerkes Niedersachswerfen für verunglückte Bergleute an der langen Wand am Kohnstein wieder in der Ortschaft der Gemeinde Harztor auszustellen, wurde ein neuer Infopunkt entworfen.

Dieser Infopunkt soll den Bogen zum Kohnstein, der Geschichte, Natur einerseits aber andererseits eben auch zur wirtschaftlich- industriellen Nutzung mit dem ehemaligen Gipswerk Niedersachswerfen oder den unterirdischen Rüstungsanlagen in Nazideutschland bis in unsere Zeit schlagen.

Der alte Gedenkstein war nicht mehr zu retten. Die lange Wand, am Kohnstein war der Anhydritfelsen steil und bis zu 200m mächtig, ist abbaubedingt temporärer Natur gewesen. Der alte Gedenkstein war zerbrochen und in sehr schlechtem Zustand. Aber die Erinnerung soll ermöglicht bleiben. Darauf waren Namen von 18 Bergleuten (Hauer) erfasst, die hier tödlich verunglückten. Darunter Namen von bekannten Familien, wie bspw. die Namen Ibe, Kirchner, Jödicke, Schmidt, aber auch ein Zwangsarbeitername soll sich auf dem Gedenkstein befunden haben. Bei den Hauern handelt es sich also um Bergleute, die hier im Tagebau Anhydrit sozusagen „abgehauen“ haben. Bergleute sind traditionsbewusst, so hat der Nordhäuser Bergmannsverein "Sankt Barbara" e.V., Nordhausen auch mit einer Spende zu dem Infopunkt beigetragen.

Zeitzeugen wie der Sachswerfer Wilhelm Stein, der ebenso einen finanziellen Beitrag dazu leistete, wollen die Erinnerung voller Stolz erhalten wissen. Getreu dem Motto des alten Gedenksteins: Wir vergessen Euch nie! Es war damals etwas Besonderes, im ehem. Gipswerk Niedersachswerfen zu arbeiten. Ganze Familien aus dem Südharz fanden hier Lohn und Brot. In einem Reim, der dem Hauer a.D. Wilhelm Stein besonders am Herzen liegt, wird dies erstmals auf der Tafel gezeigt.

Der Kohnstein selbst ist an sich einmalig in Europa. Prägend für den Kohnstein ist das grau- weiß anmutende Gestein, das hier bis zu 200 m mächtig anstand. Es handelt sich dabei um die Sulfatgesteine Anhydrit (CaS04) bzw. Gips (CaS04 x 2H2O), am Kohnstein dominiert aber Anhydrit. Der begehrte Bodenschatz entstand im Zechsteinmeer vor etwa 240 Mill. Jahren. Viele Informationen und Bilder auf den Tafeln des Informationspunktes betreffen den Kohnstein. Mittels QR Codes kann der Besucher vor Ort sein Wissen via Smartphone vertiefen.

Auch die Frage der Renaturierung kommt nicht zu kurz. Sachlich wird die Problemlage im 21. Jahrhundert dargestellt. Es findet oder fand ja eine Einlagerung von großen Mengen Abraum aus dem Großprojekt der Deutschen Bahn, Stuttgart 21, statt. Eine Renaturierung ist gleichwohl eine große Herausforderung, eine Abraumeinlagerung ist ja eigentlich keine Renaturierungsmaßnahme. Denn es bestehen noch alte, teils unerforschte Höhlen wie die Gängertalshöhle oder es wurde insbesondere im 20. Jahrhundert massiv in uralte Gewässerläufe und Feuchtgebiete eingegriffen. Die alten Sachswerfer schwärmen noch davon, wie fantastisch schön es am Kohnstein dereinst war.

Im Teil II wird der Bogen in die Stein- und Eiszeit geführt, mit spannenden Spuren anthropogener Einflüsse, Funde eiszeitlicher Säugetiere wie dem Wollnashorn als „Urtier von Nordhausen“ und dem Bronzering einer wohl germanischen Fürstentochter…
Am 30.09., ab 16.00 Uhr wird auch der oder die Gewinner (-in) des Namenswettbewerbes zum Wollnashorn geehrt, der Aree-Traditions-Verein von Niedersachswerfen sorgt sich um die Gäste, auch Überraschungen sind geplant, so der Besuch eines auch in Niedersachswerfen geliebten, legendären Nordhäuser Originals… Also, unbedingt den Termin vormerken und dabei sein!
Wird in Kürze fortgesetzt mit Teil II.
Tim Schaefer
Autor: red

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