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Fr, 17:45 Uhr
16.08.2019
Wie der Artenschutz Ferienhäuser verhindern soll

Zoff am See

Michael Bohnenberger ist ein Unternehmer aus Rhumspringe, der einige Jahre lang die Tauchbasis Oasis am Sundhäuser See betrieb. Er pachtete die Fläche am Ufer vom Eigentümer, dem Nordhäuser Immobilienhändler Axel Heck.

Archivbilder von der Baustelle
Nach einem Streit über verunreinigtes Trinkwasser durch Sulfate und Nitrate, die zwischen den beiden Brunnen auftraten, in deren Mitte die Tauchstation lag, kündigte der Besitzer dem Pächter. Diese Kündigung beschäftigte in drei Instanzen die Gerichte, wobei der Verpächter Heck zweimal Recht bekam und erst in dritter Instanz dem Kläger unterlag.

Eines Formfehlers wegen und nicht in der Sache. Außerdem verfügte das Gericht, dass Herr Bohnenberger dennoch seine Pacht zu zahlen habe, was er zwei Jahre lang ausgesetzt hatte. Bis heute sei der Betreiber der Tauchstation dieser Forderung nicht nachgekommen und habe auch das Angebot der Firma Heck eines auf 35% der eigentlich vereinbarte Summe reduzierten Pachtpreises ausgeschlagen.

Inzwischen sind am Ufer die ersten Ferienwohnanlagen des Seelano-Projektes entstanden, die Aktivitäten der Tauchbasis aber ruhen. Bevor Heck und Silvio Wagner dort bauen durften, gab es, wie in solchen Fällen üblich, eine Menge Sachverhalte zu prüfen und zu genehmigen. Darunter auch ein Artenschutzfachbeitrag (ASB), der sicherstellen sollte, dass die Bebauung keine geschützten Tier- oder Pflanzenarten bedroht.

Das geschah im Jahre 2015 durch die Nordhäuser Stadtplaner und das Planungsbüro Weise, woraufhin Teile des Bauvorhabens geändert werden mussten und beispielsweise ein angedachter Seedurchstich untersagt wurde, um die Konfrontation zweier Krebsarten zu verhindern, die sich gegenseitig nicht mögen und vermutlich ein blutiges Gemetzel begonnen hätten. So erzählt es jedenfalls Axel Heck, für den der Punkt Artenschutzfachbeitrag längst abgehakt und vollständig umgesetzt war.

Nicht aber für seinen Widersacher, den Pächter Bohnenberger, der sich nun an einen Professor der Göttinger Universität wandte. Besagter Prof. Dr. Mühlenberg gilt als ausgewiesener Fachmann, begründete er doch in Göttingen die Abteilung Naturschutzbiologie an der Uni. In einem Schreiben des Professors, das der nnz vorliegt, heißt es nun zum Artenschutzfachbeitrag der Nordhäuser: „Aus dem ASB geht hervor, dass das beauftragte Planungsbüro offensichtlich keine Erhebungen vor Ort selbst durchgeführt hat, sondern sich nur auf Literatur und Internetinformationen gestützt hat. Dies hat zur Folge, das nur ein Teil der Tiergruppen behandelt wurde und evtl. weitere wichtige Tiergruppen unberücksichtigt blieben.“ An anderer Stelle führt der Professor aus: „Die ausgewählten Tiergruppen wurden auch nur nach einem Paragraphen aus der Bundesnaturschutzgesetzgebung, nämlich §44 Abs. 1, geprüft. Aber selbst dieser Paragraph beinhaltet, dass zu jeder Zeit eine erhebliche Störung vorliegt, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert. Gerade dieser Sachverhalt wird in dem vorliegenden Gutachten bei den einzelnen behandelten Arten immer wieder als gering oder unerheblich eingeschätzt, wobei hier lediglich Behauptungen ohne Überprüfungen aufgestellt wurden.“

Abschließend regt Prof. Dr. Mühlenberg an, bei einem so weitreichenden Eingriff durch Bebauung ein Fachgutachten anzufordern, „welches vor Ort durch eigene Erhebungen so argumentiert, dass die Behauptungen mindestens einem wissenschaftlichen Standard entsprechen.“

Der damals mit dem ASB beauftragte Planer Dr. Weise aus Mühlhausen weist eigene Versäumnisse entschieden zurück: „Es gab frühzeitig die Möglichkeit für einschlägige Verbände und Vereine, weiterführende Untersuchung zu beantragen. Dem war aber nicht so. Es ist auch nicht zwingend, dass eine einzelne Erfassung von Tierarten durchgeführt wird.“ Dr. Weise sagte uns am Telefon, dass mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde in solchen Fällen immer ein worst case-Szenario durchgespielt würde. Im konkreten Fall wären keine Konflikte aufgetreten, weshalb damals keine Verpflichtung zu weiteren Untersuchungen bestand. Außerdem gäbe es bis heute keine Belege dafür, dass dort irgend eine Art bedroht wäre. Heute noch gegen die Bebauung des Ufers mit Ferienhäusern vorzugehen zu wollen, hält Weise für unrealistisch und weltfremd.

Es sieht also danach aus, dass Michael Bohnenberger mit seinem Vorstoß, den Streit mit Axel Heck über den Artenschutz erneut zu befeuern, wenig Erfolg beschieden sein wird. Prof. Mühlenberg wird mit seiner Expertise in diesem Falle kaum zum Einsatz kommen. So sehr das die eine Seite ärgert, wird es die andere erfreuen.
Olaf Schulze
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Kommentare

16.08.2019, 17.54 Uhr
Mueller13 | Und die Pinguine?
Wurde geprüft, ob die Pinguine auch von den Eisbären getrennt sind?

Ich bin auch für Naturschutz, aber das geht zu weit. Letztendlich sind diese Kiesgruben eine Industriebrache. Jeder der nicht blind ist, kann die Absicht hinter diesem Vorstoß erkennen. Ich hoffe, die Behörden wissen dies einzuordnen.

Und Herrn Heck wünsche ich ein ordentliches Inkasso. Unsere osteuropäischen Nachbarn sollen diesbezüglich gut ausgebildet sein.

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16.08.2019, 18.33 Uhr
Boom | @Mueller13
...Messerwerfer gibts doch inzwischen hier im Überfluss.
________
Spass bei Seite.
Natur- u. Artenschutz ist ganz klar wichtig, wichtiger als sich die Meisten vorstellen möchten !
Der Heimatschutz ist ja schon den Bach runter gegangen.(Schlimm Schlimm Schlimm)

Und wenn man die Namen der Personen dieses Beitrages mal aussen vor lässt, ist dieser Streit irgendwie schon begründet. Meiner Meinung ...

4   |  3     Login für Vote
16.08.2019, 19.33 Uhr
Paulinchen | Mir hat man mal gesagt,...
... mit Wessis sprich und lach, aber niemals Geschäfte mach. Trifft das hier etwa zu?

2   |  4     Login für Vote
16.08.2019, 20.28 Uhr
Grün | Schlimm,
dass nun hier und da auch noch gebaut werden muss. Alles muss heutzutage zubetoniert werden. Dafür wird dann zum Ausgleich ein Bäumchen gepflanzt. Die Tiere haben sich vor der Bebauung tausendmal wohler gefühlt. Aber Hauptsache ist die Geldbörse bei manchem wird voller und voller. Einfach mal urwüchsige Natur sein zu lassen, kommt nicht in Betracht. Ekelerregende Einstellung.

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