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Di, 12:00 Uhr
09.07.2019
Englisch lernen in der Regenbogengruppe

Von Soweto in den Südharz

Von der brodelnden Metropole in den beschaulichen Südharz - vor sieben Jahren zog es Pertunia Mkhize-Hardrath von Südafrika in den Landkreis Nordhausen. Mitgebracht hat sie einen ordentlichen Kulturschock, einen Mann und zwei Kinder und neun Sprachen, von denen sie inzwischen eine an der Volkshochschule unterrichtet...


Please repeat after me: English is easy. Englisch ist leicht. Gerade für deutsche Lernwillige, sind die Sprachen doch nah verwandt und manches Wort erschließt sich schnell aus dem eigenen Wortschatz. Noch leichter geht das lernen von der Hand wenn man jemanden hat, mit dem man reden kann. Vorzugsweise mit einen "native speaker", einen Muttersprachler. Davon gibt es in Nordhausen nicht viele, an der Kreisvolkshochschule kann man sich seit neuestem aber über die Unterstützung einer solchen Kraft freuen.

Pertunia Mkhize-Hardrath beherrscht gleich neun verschiedene Sprachen, Englisch natürlich und Afrikaans, die "alten" Amtssprachen ihrer Heimat Südafrika. Dazu kommen Zulu, Xhosa, Ndebele, Tswana, Swati, Sotho und, seit einigen Jahren, auch Deutsch.

Fünf Jahre lang lebte Frau Mkhize-Hardrath mit ihrem Mann, einem Nordhäuser, in Südafrika. Als die Tochter geboren wurde entschied sich die junge Familie Südafrika gegen den Südharz zu tauschen. "Ich liebe Soweto, es gibt trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre zwar immer noch viel Armut, aber es ist ein schöner Ort, immer voller Leben, immer laut. Aber für unsere Kinder wollten wir das Gegenteil, sie sollen in Ruhe aufwachsen und auch die Kultur ihres Vaters kennen", erzählt Frau Mkhize-Hardrath.

Das neue Leben in Deutschland sei ein veritabler Kulturschock gewesen, der einiger Umstellung bedurft hätte. Ganz zu schweigen von der deutschen Sprache. Die spricht sie, dank Sprachkurs und Hilfe vom Töchterchen, inzwischen fließend, lediglich die Wahl des korrekten Artikels ist manchmal noch eine Herausforderung erzählt sie, aber das Problem hat auch manch Einheimischer.

Die Erfahrungen aus der eigenen sprachlichen Biographie und das Wissen aus ihrem alten Berufsleben als Management-Trainerin lässt Pertunia seit Beginn des Jahres in ihren eigenen Sprachkurs einfließen. An der Volkshochschule hilft die Muttersprachlerin lernwilligen bei ihren ersten Schritten in der englischen Sprache.

"Wenn man neue Sprachen lernen will, gibt es drei grundlegende Säulen: das eigene Vokabular, zuhören und verstehen und das wichtigste: Selbstvertrauen. Die meisten Leute tendieren dazu sich auf ihre Stärken zu konzentrieren und vernachlässigen ihre Schwachpunkte. Das gibt es bei uns nicht, ein "I can't" wird nicht akzeptiert." Rein frontal soll es im Klassenraum dabei aber nicht zugehen, sie möge kein klassisches Lehrer-Schüler Verhältnis, sagt Pertunia, der Lernprozess soll eine Konversation sein, Teamwork. "Finde was du liebst und sprich mit anderen darüber, dann stellt sich auch der "flow", der Sprachfluss ein. Man muss sich nicht melden, aber es muss jeder mitmachen". Wenn man sein gegenüber kenne, wenn die Chemie stimmt, dann könne man auch leichter auf individuelle Stärken und Schwächen eingehen. Gelehrt und geübt werden zunächst Alltagssituationen, Gesprächsführung und Grammatik.

Ihre Lerngruppen sind bunt bestückt, vom Rentner bis zu jungen Leuten, Pärchen und Geschäftsleute. Die meisten wollen ihr Englisch für Reisen in die weite Welt auffrischen, andere stehen ganz am Anfang, einige wenige brauchen die Fremdsprache für den Beruf. Ihre "Regenbogengruppe" nennt Pertunia das, in Anlehnung an die "Rainbow Nation" Südafrikas. "Es ist nicht immer leicht da einen Mittelweg zu finden, mancher ist weiter als andere und jeder hat einen anderen Hintergrund. Was uns alle eint ist ein Ziel: gemeinsam zu lernen".

Die nächste Gelegenheit zum Einstieg in den Englisch-Sprachkurs gibt es im September, am 11.9. startet Frau Mkhize-Hardrath ihren neuen Schnupperkurs, los geht es am Mittwoch im 18:40 Uhr im Herder-Gymnasium, die Anmeldung erfolgt über die Kreisvolkshochschule.
Angelo Glashagel
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Kommentare

10.07.2019, 12.20 Uhr
Latimer Rex | Soweto/Englisch lernen
Verspätestes Lob für einen spannend geschilderten
Artikel. Kleiner Nachtrag: Soweto war nicht die "Hölle"
unter dem weißen Apartheid-Regime, wie von der
DDR-Propaganda behauptet. Dort gab es schon
Wasser, Strom und Müllabfuhr, wovon Bewohner von
Slums in Südamerika (Argentinien: vilas miserias,
Peru (vilas calampas) nur träumen können.

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