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Mi, 13:52 Uhr
12.06.2019
22. Limlingeröder Diskurse

Rädelsführer und Ästhetische Verblendung

Zum 22. Mal lädt die Dichterstätte Sarah Kirsch zum literarischen Diskurs nach Limlingerode ein. Am 23.06. ab 10.00 Uhr wird es wieder Lesungen, Diskussionen und Wanderungen geben. Dabei wird man der Frage nachgehen wie sich das Verhältnis von Erlebnis- und politischer Lyrik darstellt...

Gabriele Stötzer (*1953, Erfurt) und Gerald Höfer (*1960, Kyffhäuserland) lesen aus ihren Büchern "das Brennen der Worte im Mund", "Rädelsführer" (Stötzer) sowie „bloß " und „Ästhetische Verblendung" (Höfer) und diskutieren mit den Besuchern die Frage, warum Erlebnislyrik auch immer politische Lyrik ist. Begleitet wird das Programm von Musikern des "Ensembles für Intuitive Musik“ Weimar. Außerdem fertigten beide für die Dichterstätte Sarah Kirsch eine Ausstellung, die an diesem Tag eröffnet wird.

Gabriele Stötzer ist die Tochter einer Buchhalterin und eines Werkzeugmachers und hat drei Geschwister. Im Sommer 1976 wurde sie wegen einer Petition gegen die Entlassung eines kritischen Kommilitonen von der Hochschule relegiert und zur „Bewährung“ in die Produktion geschickt. Im November 1976 beteiligte sie sich mit ihrer Unterschrift am Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Vor der Überbringung der Unterschriftenliste wurde sie von der Stasi festgenommen und zu einem Jahr Haft verurteilt. Während ihrer Haftzeit fasste Gabriele Stötzer den Entschluss zu schreiben. Gedruckt erschienen ihre Werke nur in diversen Untergrundzeitschriften mit Ausnahme des Bandes "Zügel los", der 1989 von Gerhard Wolf im staatlichen Aufbau Verlag herausgegeben wurde. 2017 gab Gerald Höfer ihren aktuellen Band "das Brennen der Worte Im Mund" heraus. 2013 erhielt sie das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2014 war Gabriele Stötzer die 49. Stipendiatin der Calwer Hermann Hesse-Stiftung.


Gerald Höfer studierte Lyrik und Prosa am Leipziger Literaturinstut. Sein Debütband "bloß" erschien 1990 im Forum Verlag Leipzig. Im Jahr 1986 startete mit dem Café-Pille-Experiment eine genreübergreifende Veranstaltungsreihe, die heute als eines der wenigen von Staat und Kirche unabhängigen und freien Kultur-Projekte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gilt und bis 1989 lief. Im Oktober 1989 erarbeiteten und veröffentlichten Höfer und die Unterstützer des Projekts einen Forderungskatalog, der u. a. freie (Neu-)Wahlen, das Ende der Überwachung und Bespitzelung kritischer Bürger und Pressefreiheit anmahnte. Die Gruppe um Höfer gilt als Mitbegründer des Neuen Forum in Nordthüringen. 1999 schuf Höfer mit seinem Sohn Martin das Kunst-Projekt Barbara Rossa, das Bildende Kunst, Literatur, Musik und Performances vereinen sollte.

Multimediale Performances starteten 1999, ab 2002 erschienen der Kurzgeschichtenband Sophie und Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts in der neu gegründeten ARTE Fakt Verlagsanstalt. Dort gab Barbara Rossa auch Bücher anderer Künstler, eine Anthologie sowie Schriften zur Kunsttheorie heraus. Außerdem erschienen Beiträge auf Musiksamplern, DVDs und eine Kunstedition mit CD/DVD in einer Metallbox. Seit 2005 beteiligt er sich mit Textinstallationen an Kunstausstellungen. 1989 erhielt er vom Kulturbund und der Akademie der Künste einen der letzten Literaturpreise der DDR. 2005 bekam er einen der Förderpreise des deutschen Bundespräsidenten. Im Jahr 2015 war Höfer Stipendiat der Thüringer Kulturstiftung.

23.06.2019 - 10.00 - 17.00 Uhr
Dichterstätte Sarah Kirsch, Limlingerode
22. "Limlingeröder Diskurse"
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