Mo, 07:29 Uhr
27.05.2019
Berichte aus den Hotspots der Artenvielfalt 18 und 19
Seltene Ackerwildkrautart wiederentdeckt
Im Jahre 1886 schrieben die Nordhäuser Botaniker Adolf Vocke und Carl Angelrodt über die bevorzugten Lebensstätten des Morgenländischen Schöterichs (heute Acker-Kohl, Conringia orientalis) Lehmige und kalkige Äcker, nicht selten. In ihrer Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend benannten sie auch zahlreiche Ortschaften und Gebiete, in denen die auffallende, blau-grün bereifte Art damals zu finden war als Beispiele, so Nordhausen, unter dem Kohnstein, Petersdorf, Rüdigsdorf, Steigerthal, Stempeda…...
Doch das ist lange her. Heute zählt der Acker-Kohl zu den ausgesprochen seltenen und hochgradig gefährdeten Acker-Wildkräutern. Ich selbst hatte sie in 30 Jahren Botanisiertätigkeit bis gestern noch nie live gesehen. Die Autoren der aktuellen, erst 2018 erschienenen Roten Liste der Pflanzen Deutschlands hat sie gegenüber der vorhergehenden, 20 Jahre zurückliegenden Ausgabe von stark gefährdet auf die Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) hochgestuft.
Dabei ist Thüringen noch ein Verbreitungsschwerpunkt für den Acker-Kohl innerhalb Deutschlands. In der aktuellen Roten Liste von 2011 gilt sie trotz beträchtlicher Wuchsortverluste noch als stark gefährdet. Der Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens (KORSCH et al. 2002) weist auch z.B. für das Kyffhäusergebiet noch eine ganze Reihe von besetzten Rasterfeldern aus.
Über die seit über 100 Jahren anhaltende Tendenz nach unten kann aber auch das nicht hinwegtäuschen.
Ackerwildkräuter sind hochinteressante Pflanzenarten, da sie sich an die typische Bewirtschaftungsdynamik auf einem Acker, ja an die jeweiligen Kulturpflanzen angepasst haben. Dass sie dabei natürlich zu deren Konkurrenten werden und so die Erträge schmälern können, ist bekannt.
Eine ganze Sparte der chemischen Industrie macht allein mit der Bekämpfung von Ackerwildkräutern (hier besser ganz traditionell Acker-Unkräuter) Milliarden und sorgt mit für ein zweifelhaftes Image der intensiven Landwirtschaft. Der Wunsch nach billigen, also landwirtschaftlich intensiv erzeugten Nahrungsmitteln scheint im Widerspruch zu dem anderen Wunsch recht vieler Menschen nach durch viele Blumen bunten Ackerrainen und Wiesen mit einer artenreichen Insektenwelt zu stehen. Der Einsatz hunderttausender Bayern für den Schutz wildlebender Bienen ist dennoch eine von der Politik bisher für kaum möglich gehaltene Entwicklung.
Der Acker-Kohl galt im Umfeld von Nordhausen nach 1949 als ausgestorben. Der aktuelle Fund von einem Exemplar an einem Ackerrand stimmt ein wenig optimistisch. Jedoch kann dies nur gelten, wenn es deutlich mehr Bemühungen im Landkreis, als bisher gibt, die Reste einer heute stark gefährdeten Ackerwildkrautflora zu erhalten. Eventuelle Ertragseinbußen der Landwirte durch eine örtlich extensivere Bewirtschaftungsweise können durch einen finanziellen Ausgleich kompensiert werden.
Es liegt an Behörden und Landschaftspflegeverbänden, aber auch an der Landesregierung, Landwirte auf besonders artenreiche Ackerränder aufmerksam zu machen und sie zu deren Schutz zu motivieren. Hier ist noch etwas Luft nach oben. Unterstützung gibt es aber u.a. von Botanischen Gärten. Und natürlich müssen die Gebietskenner die Verantwortlichen auf seltene Arten auch auf unseren Äckern aufmerksam machen. Der aktuelle Fund des Acker-Kohls und weiterer seltener Arten während der letzten Jahre im Raum Nordhausen wird ihnen zugeleitet.
Und es sind weitere Anstrengungen vonnöten. Denn oft liegt der Fokus des botanischen Artenschutzes einseitig auf Arten von extensiv bewirtschafteten Wiesen und Weiden. Von vielen Spezialisten werden z.B. verstärkt Erhaltungskulturen gefordert, um die Genotypen seltener Arten zu erhalten. Längst gibt es auch internationale Projekte, um angesichts eines galoppierenden Artensterbens Samenbanken anzulegen.
Auch der Acker-Kohl soll durch gärtnerische Hilfestellungen erhalten werden. Diesbezüglich gibt es auch in Nordhausen bereits zumindest private Bemühungen. Der Acker-Kohl gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse und fällt mit seinen blaugrünen, eiförmigen und ihren Stängel fast vollständig umschließenden Blättern sofort ins Auge. Seine vierzähligen Blüten sind weiß oder gelblichweiß. Er gilt als einjährig oder einjährig überwinternd.
Die Art ist in zahlreichen Ländern Europas bis hin nach Westasien heimisch. Nach Nordamerika wurde er eingeschleppt.
Bodo Schwarzberg
Autor: redDoch das ist lange her. Heute zählt der Acker-Kohl zu den ausgesprochen seltenen und hochgradig gefährdeten Acker-Wildkräutern. Ich selbst hatte sie in 30 Jahren Botanisiertätigkeit bis gestern noch nie live gesehen. Die Autoren der aktuellen, erst 2018 erschienenen Roten Liste der Pflanzen Deutschlands hat sie gegenüber der vorhergehenden, 20 Jahre zurückliegenden Ausgabe von stark gefährdet auf die Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) hochgestuft.
Dabei ist Thüringen noch ein Verbreitungsschwerpunkt für den Acker-Kohl innerhalb Deutschlands. In der aktuellen Roten Liste von 2011 gilt sie trotz beträchtlicher Wuchsortverluste noch als stark gefährdet. Der Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens (KORSCH et al. 2002) weist auch z.B. für das Kyffhäusergebiet noch eine ganze Reihe von besetzten Rasterfeldern aus.
Über die seit über 100 Jahren anhaltende Tendenz nach unten kann aber auch das nicht hinwegtäuschen.
Ackerwildkräuter sind hochinteressante Pflanzenarten, da sie sich an die typische Bewirtschaftungsdynamik auf einem Acker, ja an die jeweiligen Kulturpflanzen angepasst haben. Dass sie dabei natürlich zu deren Konkurrenten werden und so die Erträge schmälern können, ist bekannt.
Eine ganze Sparte der chemischen Industrie macht allein mit der Bekämpfung von Ackerwildkräutern (hier besser ganz traditionell Acker-Unkräuter) Milliarden und sorgt mit für ein zweifelhaftes Image der intensiven Landwirtschaft. Der Wunsch nach billigen, also landwirtschaftlich intensiv erzeugten Nahrungsmitteln scheint im Widerspruch zu dem anderen Wunsch recht vieler Menschen nach durch viele Blumen bunten Ackerrainen und Wiesen mit einer artenreichen Insektenwelt zu stehen. Der Einsatz hunderttausender Bayern für den Schutz wildlebender Bienen ist dennoch eine von der Politik bisher für kaum möglich gehaltene Entwicklung.
Der Acker-Kohl galt im Umfeld von Nordhausen nach 1949 als ausgestorben. Der aktuelle Fund von einem Exemplar an einem Ackerrand stimmt ein wenig optimistisch. Jedoch kann dies nur gelten, wenn es deutlich mehr Bemühungen im Landkreis, als bisher gibt, die Reste einer heute stark gefährdeten Ackerwildkrautflora zu erhalten. Eventuelle Ertragseinbußen der Landwirte durch eine örtlich extensivere Bewirtschaftungsweise können durch einen finanziellen Ausgleich kompensiert werden.
Es liegt an Behörden und Landschaftspflegeverbänden, aber auch an der Landesregierung, Landwirte auf besonders artenreiche Ackerränder aufmerksam zu machen und sie zu deren Schutz zu motivieren. Hier ist noch etwas Luft nach oben. Unterstützung gibt es aber u.a. von Botanischen Gärten. Und natürlich müssen die Gebietskenner die Verantwortlichen auf seltene Arten auch auf unseren Äckern aufmerksam machen. Der aktuelle Fund des Acker-Kohls und weiterer seltener Arten während der letzten Jahre im Raum Nordhausen wird ihnen zugeleitet.
Und es sind weitere Anstrengungen vonnöten. Denn oft liegt der Fokus des botanischen Artenschutzes einseitig auf Arten von extensiv bewirtschafteten Wiesen und Weiden. Von vielen Spezialisten werden z.B. verstärkt Erhaltungskulturen gefordert, um die Genotypen seltener Arten zu erhalten. Längst gibt es auch internationale Projekte, um angesichts eines galoppierenden Artensterbens Samenbanken anzulegen.
Auch der Acker-Kohl soll durch gärtnerische Hilfestellungen erhalten werden. Diesbezüglich gibt es auch in Nordhausen bereits zumindest private Bemühungen. Der Acker-Kohl gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse und fällt mit seinen blaugrünen, eiförmigen und ihren Stängel fast vollständig umschließenden Blättern sofort ins Auge. Seine vierzähligen Blüten sind weiß oder gelblichweiß. Er gilt als einjährig oder einjährig überwinternd.
Die Art ist in zahlreichen Ländern Europas bis hin nach Westasien heimisch. Nach Nordamerika wurde er eingeschleppt.
Bodo Schwarzberg




