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Do, 15:04 Uhr
16.05.2019
Vertriebenenpolitik ist Europapolitik

Primas spricht auf dem Sankt-Annaberg

Auf dem oberschlesischen Sankt-Annaberg wurde am zurückliegenden Wochenende ein Jubiläum gefeiert: 25 Jahre Freundschaftsvertrag zwischen dem Dachverband der deutschen Minderheit in Polen – dem Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften (VdG) – und dem Landesverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Thüringen...

Primas spricht auf dem Sankt-Annaberg (Foto: Schlesien Journal)
Zur gemeinsamen Verbandsratssitzung und zum Festakt mit Frühjahrskonzert war eine kleine Delegation des BdV Thüringen unter Führung seines Landesvorsitzenden, dem Bundesvorsitzenden der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU (OMV) – Union der Vertriebenen und Flüchtlinge – Egon Primas, nach Polen gereist.


Empfangen wurden die Thüringer vom VdG-Vorsitzenden Bernard Gaida, der zur Veranstaltung auch wichtige lokale Politiker und Würdenträger wie etwa den Marschall der Woiwodschaft Oppeln Andrzej Buła, die deutsche Konsulin in Oppeln Birgit Fisel-Rösle, den Abgeordneten der deutschen Minderheit im polnischen Parlament Ryszard Galla oder den Präsidenten des Oppelner Landtages Rafał Bartek eingeladen hatte.

Auf der gemeinsamen Verbandsratssitzung sprach Egon Primas, der auch Mitglied im Präsidium des Bundes der Vertriebenen auf Bundesebene ist, ein Grußwort. Darin bilanzierte er die 25-jährige Zusammenarbeit zwischen den Verbänden und machte deutlich, auf wie vielen Schultern beiderseits der Grenze diese ruhe. Die Thüringer Seite hätte sich, etwa durch das Engagement von Peter und Susanne Gallwitz, besonders in der Lehrerausbildung und um den Spracherhalt verdient gemacht. Bernard Gaida wiederum ging u.a. auf drängende Anliegen der deutschen Minderheit ein, wie den deutschen Sprachunterricht, den Aufbau eines Dokumentations- und Ausstellungszentrum der deutschen Minderheit in Polen sowie die Aufstockung der Förderung für das Forschungszentrum der Deutschen Minderheit, wozu jeweils Resolutionen verabschiedet wurden.

Beim abendlichen Festakt zur Feier des Jubiläums erklärte Primas, es brauche symbolträchtige Orte wie den Sankt-Annaberg ebenso wie den Einsatz interessierter und kontaktfreudiger Menschen, um die Verständigung zwischen den Ländern wurzeln und wachsen zu lassen. Dort, wo einst Polen gegen Deutsche um die Zugehörigkeit Schlesiens zu einem der Länder gekämpft hätten, „wo sich das Trennende einst so manifestiert hat wie hier, achtet man das Verbindende umso mehr – und ist vielleicht auch dankbarer dafür“, so der stellvertretende CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende.

Aus der Verbindung zwischen den Organisationen werde deutlich, dass moderne Vertriebenenpolitik Europapolitik sei. Hieraus ergebe sich ein wichtiger Bildungsauftrag, denn es sei nötig, Heranwachsenden neben dem Wissen um den Zweiten Weltkrieg und die Nazi-Verbrechen auch das Wissen um die Vertreibungen und die Lebensbedingungen der Vertriebenen bzw. der deutschen Minderheiten in den kommunistischen Unrechtsregimen zu vermitteln. „Mit unserer gelebten Freundschaft über die Grenzen hinweg, mit unseren gemeinsamen Projekten wie etwa der jährlichen Schülerfreizeit tun wir unseren Teil dazu, dies in den Köpfen der nachwachsenden Generationen zu verankern“, so Primas abschließend.
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Kommentare

16.05.2019, 17.24 Uhr
Latimer Rex | Primas/Aussöhnung
Im Gegensatz zu den hohlen Propaganda-Phrasen des
SED-Regimes über Freundschaft mit Polen (Honecker
hätte am liebsten gegen die Solidarnosc interveniert)
förderte die Bundesregierung die Aussöhnung mit Polen.
Am 12. November 1989 kam es in Kreisau in Schlesien, früher Gut des Widerstandskämpfers James Graf Moltke,
nunmehr eine internationale Jugend-Begegnungsstätte,
zur freundschaftlichen Umarmung zwischen dem pol-
nischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mosowiecki und
Bundeskanzler Helmut Kohl. Wer dies miterlebte, war
gerührt wie beim Kniefall Bundeskanzler Willy Brandts
Jahre zuvor in Warschau. Mentor des Ausgleichs zwi-schen den in ihrer Heimat verbliebenen Schlesiern und den aus dem ehemaligen Ostpolen von den Sowjets ver-
triebenen Polen war Alfons Nossoi, Erzbischof von Oppeln. Mit ihm führte ich ein Interview auf dem Anna-
berg, als mein Redaktionsbüro im Auftrag des Bundes-
ministerium des Innern ein Magazin in deutscher und
polnischer Sprache für die deutsche Minderheit in
Polen herausgab.

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