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Mo, 11:05 Uhr
18.02.2019
Zum 60. Todestag von Otto Bartning

Auch in Nordhausen Spuren hinterlassen

Im Nordhäuser Ortsteil Salza steht die äußerlich unscheinbare Justus-Jonas-Kirche, die eine interessante Geschichte hat. Deren 1883 in Karlsruhe geborene Architekt Otto Bartning entstammte einer Kaufmanns- und Pastorenfamilie. Der Großvater, ein Schüler Karl Friedrich Schinkels, war Kirchenbaumeister. Offenheit, Wagemut und Respekt vor den Menschen waren ihm in die Wiege gelegt...


Bereits im Alter von 23 Jahren baute er seine erste Kirche und dieses Thema sollte ihn sein ganzes Leben begleiten. Im protestantischen Kirchenbau nahm Otto Bartning rasch denselben Rang ein, wie ihn Dominikus Böhm und Rudolf Schwarz auf katholischer Seite innehatten.

Die 1922 entworfene „Sternkirche“ ist noch heute wegweisend, ebenso die Stahlkirche in Köln, die Rundkirche in Essen und die Fächerkirche in Berlin. Otto Bartning, schuf insgesamt 150 Kirchen zwischen Lissabon, Belgrad und Beirut.

Doch auch weitere Themen prägten Bartnings Schaffen: Kliniken, sozialer Wohnungsbau und Schulbauten. Form und Material beziehen sich dabei immer auf den Menschen. Die moderne Architektur brach mit der historisierenden Tradition. Im Jahr 2019 darf daran erinnert werden, dass Bartning als Vorsitzender des Unterrichtsausschusses im „Arbeitsrat für Kunst“ einer der Väter des 1918/19 entwickelten „Lehrplanes für Handwerker, Architekten und Bildende Künstler“ war, den Walter Gropius mit dem Bauhaus in Weimar umsetzte.

Als Bartning 1926 die Leitung der „Staatlichen Bauhochschule“ übernahm, die als Nachfolgeinstitution des Bauhauses gegründet worden war, entstand seine erste Verbindung mit Thüringen. Hier konzentrierte er die Arbeit der Schule stärker auf die Architektenausbildung. Mit dem Studentenhaus und dem Abbeaneum schuf er zusammen mit Ernst Neufert zwei wegweisende Bauten in Jena. Als Thüringen immer brauner wurde, kündigte man Bartning 1930 und setzte mit Paul Schultze-Naumburg einen völkischen Architekten ein.

Bis 1943 lebte und baute Bartning in Berlin, unter anderem an der Siemensstadt. Dann zog er ins Badische. Die umfangreichste Phase seines Schaffens verband Bartning erneut mit Mitteldeutschland: das Notkirchenprogramm. Noch heute begegnet man dem schlichten Begriff „Bartningkirche“ für diese Kirchen, die in der Nachkriegszeit überall in Deutschland gebaut wurden. Sie sollten entwurzelten Gemeinden in zerstörten Städten schnell ein neues Zuhause geben.

Bartning bekannte: „Denn jetzt weiß ich …, daß Form nicht ist ohne Geist, und Notkirche nicht ist ohne Notgemeinde“ und entwarf fast 100 einfach zu errichtende und doch würdevolle Gotteshäuser in Montagebauweise. Zwei dieser Notkirchen finden sich in Thüringen: die Justus-Jonas-Kirche in Nordhausen und die Cyriakkapelle in Erfurt. Beide erfüllen bis heute ihren Zweck.

In den Aufbaujahren widersetzte sich Bartning dem funktionalistischen Vorrang der Verkehrsplanung. Er sah in der Stadtplanung den Mensch als Maßstab: „Den Verkehr zum Gesetz der Stadt zu machen ist etwa so, als ob man Haustür, Treppe und Müllabfuhr zum Sinn des Wohnhauses macht“.

Bartning zählt zu den wegweisenden Architekten Deutschlands des letzten Jahrhunderts. Er war Präsident des Bundes Deutscher Architekten, Vorsitzender im Deutschen Werkbund und Ausschussvorsitzender der berühmt gewordenen Internationalen Bauausstellung in West-Berlin. Heute vor 60 Jahren, am 20. Februar 1959, starb Otto Bartning nach einem erfüllten Leben im Alter von 76 Jahren. Seine durch Martin Niemöller geleitete Beerdigung in Darmstadt war ein nationales Ereignis. Sein aktuell gebliebenes Wirken in Theorie und Praxis der Architektur sichern Bartning einen bleibenden Rang unter den herausragenden Baumeistern des 20. Jahrhunderts.

Aktueller Hinweis: Im Rahmen des Baushausjahres 2019 findet im August in der Erfurter Cyriakkapelle eine durch die Thüringer Staatskanzlei geförderte Ausstellung „Kirche(n) und Bauhaus: Eine Spurensuche“ statt.
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18.02.2019, 21.50 Uhr
Iffland | Justus Jonas Kirche in Niedersalza
Damit keine Verwirrung entsteht. Die Kirche steht im Nordhäuser Stadtteil Niesersalza.

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