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Di, 13:30 Uhr
27.11.2018
Nordhausen soll märchenhaft werden

Eine Stadt im Märchenfieber

Weihnachten ist Wettbewerb, auch für Städte, zumindest wenn es um Besucher von außerhalb geht. Drei Größen der Nordhäuser Kulturszene wollen die Stadt im weihnachtlichen Treiben stärker zum leuchten bringen und Nordhausen zur "Märchenstadt" machen...

v.l.: Theaterintendant Daniel Klajner, Kunsthauschefin Susanne Hinsching und Museumsleiter Thomas Müller (Foto: Angelo Glashagel) v.l.: Theaterintendant Daniel Klajner, Kunsthauschefin Susanne Hinsching und Museumsleiter Thomas Müller (Foto: Angelo Glashagel)

Adventsstimmung aller Orten, wohin soll man sich da wenden? Nach Quedlinburg zum Weihnachtsmarkt auf den Höfen? Nach Gotha oder Erfurt? Oder nach Nordhausen?

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Geht es nach dem Nordhäuser Theater, der Traditionsbrennerei und dem Kunsthaus Meyenburg, soll die Wahl in Zukunft öfter auf Nordhausen fallen. Gemeinsam will man Nordhausen zur "Märchenstadt" machen und hat ein umfangreiches Programm rund um Grimm'sche Klassiker, Nordhäuser Märchenmythen, französische Erzählkunst und Weihnachtsgeschichten gebaut.

Die Zusammenarbeit kommt nicht von ungefähr, Kunsthaus und Theater oder respektive Theater und Traditionsbrennerei sind seit Jahren über verschiedene Projekte miteinander verbunden, seien es Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Appetithappen aus aktuellen Produktionen oder gleich ganze Theaterstücke. Neu ist, dass man die eigene Kreativität bewusst gemeinsam unter einem thematischen Rahmen bündelt. "Um alleine zu leuchten ist unsere Strahlkraft zu gering", fasst Theaterintendant Daniel Klajner die Idee zusammen.

Das Programm

Der Startschuss für das "Märchenhafte Nordhausen" fällt bereits am Freitag. Dann feiert die Oper "Hänsel und Gretel" aus der Feder von Engelbert Humperdinck um 19:30 Uhr auf der Nordhäuser Bühne Premiere. Ab dem 20.12. steht wieder ein Publikumsliebling auf dem Spielplan: der Weihnachtsklassiker von Charles Dickens "Vom Geist der Weihnacht" als Musical-Inszenierung für die ganze Familie. Auch nach den Festtagen bleibt es am Theater märchenhaft, die Oper "Cendrillon" von Jules Massenet sei ein "französicher Leckerbissen", der die Geschichte vom Aschenbrödel im Stile einer comédie française auf ihre ganz eigene Art erzähle und gerade die Figuren der Stiefmutter und ihrer Töchter stark überzeichne, erläutert Theaterintendant Daniel Klajner. "Dem Aschenbrödel wird zum Beispiel nicht aus dem Totenreich heraus von ihrer verstorbenen Mutter geholfen, sondern von einer guten Fee, die Geschichte wird anders ausgedeutet als in der deutschen Tradition und so noch märchenhafter", so Klajner weiter.

In der Traditionsbrennerei steht die Adventsausstellung vor der Tür. Am 7. Dezember wird man die nunmehr 14. Ausgabe unter dem Titel "Märchen - Es war einmal" eröffnen. "Das ganze Brennerei wird unter dem Thema dekoriert werden", sagt Museumsleiter Thomas Müller, anders als das Programm des Theaters richte sich die Traditionsbrennerei dabei nicht primär an Kinder und Familien. So wird man sich unter anderem mit den Erzählungen Theodor Storms beschäftigen. Am Thüringer Märchenerzähler Ludwig Beckstein komme man als Traditionsbrennerei freilich auch nicht vorbei, so der Museumsleiter weiter, Beckstein ist in hierzulande vor allem für sein Märchen "Wie der Teufel den Branntwein erfand" bekannt, in dem die Nordhäuser und ihre Liebe zum Schnaps eine prominente Rolle spielen. Der Belzebub höchstselbst werde die Brennerei in der Advenstzeit besuchen, versprach Müller.

Für die künstlerische Note der Adventsausstellung werden Erika Schirmer und die Nordthüringer Floristen sorgen. Frau Schirmer stellt in der Traditionsbrennerei ihre Scherenschnitte aus. Das Thema, man erät es, sind Märchen. Der Adventskranzwettbewerb bildet wiederrum einen ganz eigenen Höhepunkt der Ausstellung. Rund 15 Kränze werden in diesem Jahr von Floristen aus dem Norden Thüringens unter Aufbietung all ihrer Kunst gestaltet und ausgestellt, bevor sie sich dem Votum von Jury und Publikum stellen.

Auch im Kunsthaus will man sich in den kommenden Wochen ganz dem Märchen widmen. "Ruckediguh...Die Grafik dazu" heißt die neue Ausstellung, die am 19. Januar eröffnet werden soll. In Zusammenarbeit mit der Grimm-Gesellschaft aus Kassel will man das Leben und Wirken der berühmten Brüder beleuchten. Zu sehen sein werden unter anderem Originaldokumente und Erstausgaben der Grimm'schen Märchen, frühe Illustrationen der Geschichten sowie sogenannte "Figurinen", Kostümentwürfe des Theaters aus den Märchen-Produktionen des Hauses. Bereits am 6. Januar lädt man zudem zu einem weiteren "Kunstsalon". Im Zentrum der Podiumsdiskussion steht dann der Blick auf das Märchen aus Sicht von Kunst, Kultur und Psychologie.

Auch die Stadt beteiligt sich an der thematischen Ausgestaltung des "märchenhaften Nordhausens" während des Weihnachtsmarktes mit einem "Märchenlabyrinth" auf dem Lutherplatz. Zudem bieten auch die städtischen Museen und die Stadtbibliothek ein reichhaltiges Programm an, unter anderem mit einem Besuch des "echten" St. Nikolaus.

Und bis in den April hinen soll es in märchenhaft bleiben. Mit der Museumsnacht im Kunsthaus am 6. April soll die Aktion ihren Abschluss finden. Auf einen Erfolgsmaßstab wollen sich die drei Institutionen nicht festlegen lasse, es gehe vor allem darum gemeinsam mehr für die Stadt zu tun. Im Dreiklang zwischen Quedlinburg, Gotha und Nordhausen müsse man die Kräfte bündeln und sie besser kommunizieren, meinte Thomas Müller, wenn man zusammenwirke, könne man auch mehr Leute außerhalb der Region erreichen. Dabei müsse es nicht bei dem Trio aus Theater, Tradi und Museum bleiben, wo es Anknüpfungspunkte gebe, müsse man sie nutzen. Gut möglich also, das dass "märchenhafte Nordhausen" nicht die einzige gemeinsame Aktion der Nordhäuser Kulturszene bleibt.
Angelo Glashagel
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