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Sa, 17:00 Uhr
24.11.2018
EINE BRENNENDE KERZE FÜR JEDES OPFER

Der schwere Weg des Abschieds

Herzlich hatte sich ihr Junge am Morgen noch von den Eltern verabschiedet, der Mutter schnell noch einen Kuss auf die Wange gedrückt. „Bis heute Abend“ – das waren die letzten Worte, die sie von ihrem „Kleinen“ hörten. Sie nannten ihn immer noch ihren „Kleinen“, obwohl ihr Sohn schon an die 20 war und an Größe den Papa übertraf...

Eine Kerze für jedes Opfer (Foto: Kurt Frank) Eine Kerze für jedes Opfer (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen/Eichsfeld/Kyffhäuser. Der Tod war plötzlich gekommen. Auf einer Straße im Eichsfeld. Vielleicht war es überhöhte Geschwindigkeit, die den jungen Mann aus der Kurve trug. Der Wagen prallte wuchtig gegen einen Baum. Mitten in der Nacht. Die Feuerwehr musste den Verunglückten aus dem Wrack schneiden. Der war da schon tot. Eine kurze Polizeimeldung einen Tag später in den Medien.

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Für den, der die Todesnachricht den Angehörigen zu überbringen hat, eine schmerzliche Aufgabe, die zu Herzen gehen kann. Ein Polizeibeamter erzählte mir: „ Ich hatte die schreckliche Nachricht den Eltern zu überbringen. Sie wohnten in einem Dorf. Ihr 19-jähriger Sohn war mit dem Motorrad tödlich verunglückt. Als ich abends am Haus klingelte, öffnete die Oma das Fenster und fragte, ob was geschehen sei.“ Der Beamte hielt kurz inne, bevor er weiter erzählte: Die Haustür öffnete sich. Vor ihm habe der Vater des Verunglückten gestanden. Er musste wohl mitbekommen haben, dass da jemand was wollte. Ich stellte mich ihm vor. Er fragte, ob mit seinem Sohn was passiert sei? Ich nickte. Ob er einen Unfall gehabt habe. Ich nickte. Einen schlimmen Unfall? Ich nickte. Ist mein Sohn... - der Mann schluckte heftig, brachte die Frage nicht zu Ende. Ich nickte. Mein Gegenüber habe die Fäuste geballt, hart gegen die Hauswand geschlagen und geschrieen: „Nein!“, „Nein!“, „Nein!“ Immer und immer wieder. In so einem Moment Trost zu spenden, sei, trotz psychologischer Schulung, sehr schwer.

In der Cyriaci-Kapelle der Kreismusikschule an der Freiherr-vom-Stein-Straße ging vor wenigen Minuten die traditionelle Gedenkfeier für die Opfer im Straßenverkehr und anderer Unglücksfälle in den Stadt- und Landkreisen Nordhausen, Eichsfeld und Kyffhäuser zu Ende. Die 20. ihrer Art. Die Mitglieder des Vereins Notfallseelsorge und Krisenintervention Nordthüringen gedachten ihrer.

Es sei Anliegen des Teams, betonte Vereinsvorsitzende Michaela Knoblauch, den Angehörigen nochmals Raum und Rahmen für eine würdige und tröstliche Gemeinschaft der Trauer anzubieten, um das lebendige Andenken an ihre Kinder, Mütter oder Väter zu bewahren. An Menschen, die vom November des Vorjahres bis Oktober 2018 ums Leben kamen. Im Straßenverkehr, durch tragische Unglücksfälle und durch Gewalteinwirkung und deren Angehörige durch die Notfallseelsorge und Krisenintervention betreut worden sind. Eine brennende Kerze für jeden Toten. 36 an der Zahl.

Schüler, Schülerinnen und eine Lehrerin der Kreismusikschule umrahmten die Veranstaltung festlich.
Kurt Frank
Autor: red

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Kommentare
Hans Dittmar
24.11.2018, 20:30 Uhr
Seelsorge ist eine Aufgabe für Pfarrer
Das sind Schicksale die jeden treffen können und keiner erlebe möchte. Es ist gut das Polizeibeamte geschult werden, aber ich verstehe nicht, warum man nicht Pfarrer in solch schweren Situationen hinzu zieht. Während der Polizist die Nachricht überbracht hat und geht, bleibt ein großes Loch zurück. Daher ist es wichtig, dass Personen einige Zeit bei den Angehörigen bleiben, und notfalls einen Arzt hinzu ziehen. Nicht selten erleiden Angehörige bei solch plötzlichen tragischen Nachrichten einen Nervenzusammenbruch.
der_böhse_onkel
24.11.2018, 23:17 Uhr
Hallo, Hans Dittmar -
Googlen Sie mal nach "Polizeiseelsorge".
Da werden Sie garantiert fündig, rund um das Thema.
Bodo Schwarzberg
25.11.2018, 12:40 Uhr
Auch Suizidenten?
Eigentlich geht aus dem Beitrag schon hervor, dass wohl keine Suizidenten in der Zahl 36 enthalten sind. Dennoch zur Sicherheit die Frage: Sind sie enthalten oder nicht enthalten?

Pro Jahr nehmen sich rund 10.000 Menschen in Deutschland das Leben, dreimal mehr als Verkehrstote zu beklagen sind. Vor wenigen Tagen wurde ein Fall in Nordhausen öffentlich und es wird gern ein Schweigen zum Thema in unserer Gesellschaft beklagt.
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