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Fr, 18:30 Uhr
09.11.2018
Gedenken an die Novemberpogrome

Der alte Hass lebt weiter

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten im deutschen Reich die Synagogen, Menschen wurden aus ihren Häusern getrieben, Geschäfte und Wohnungen demoliert. Auch in Nordhausen. Den Geschehnissen der Reichspogromnacht wurde heute gedacht. Und es wurde gemahnt: der Hass, der sich damals auf die Juden entladen hatte, lebt auch heute noch fort...

Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Am morgen des 10. November waren vom stolzen Gotteshaus der jüdischen Gemeinde, kaum hundert Jahre zuvor nach langem Exil errichtet, nur noch rauchende Ruinen übrig. In den jüdischen Geschäften der Stadt hatten die Nazis ebenso gewütet. Was mit zerbrochenem Glas begann, endete in der geplanten, industriell organisierten Zerstörung von Leben.

Der Hass war nicht neu, selbst der große Reformator Luther hat ihn schon geschürt. Am Rande der heutigen Gedenkveranstaltung hatte jemand auch auf diesen historischen Bezug hingewiesen: an der Lutherstatue gegenüber der Synagoge standen einige Zitate des Reformators zu lesen, darunter etwa dieses: "Erstens, dass man ihre Synagogen oder Schule mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und überschütte".

Die Nazis gingen im November 1938 noch ein Stück weiter. Nach dem Brand ließ man die Ruine bis auf den letzten Rest beseitigen, nichts mehr sollte an die Juden in Nordhausen erinnern. Tod allen Juden.

Die gleichen Worte führte vor kaum zwei Wochen ein Mann im Mund, der in der "Tree of Life"-Synagoge in Pittsburgh elf Menschen das Leben nahm. Alle Juden müssen sterben, soll er gesagt haben, als er um sich schoss.

Es ist derselbe Hass, der auch damals die Menschen zu den Greueltaten der Nazizeit anstachelte, meinte heute Hauke Meinhardt, Pfarrer der Blasii-Kirche, einer von vielen Sprechern, welche die Gedenkveranstaltung am Standort der alten Synagoge gestalteten. Man dürfe nicht erinnern, um zu vergessen, sagte Oberbügermeister Kai Buchmann, eine "Erinnerungspolitische Wende" brauche man nicht. Sich an die Katastrophe zu erinnern, sich gegen Antisemitismus, Diskriminierung und die Verfolgung von Minderheiten und Religionen zu stellen, sei man der Vergangenheit und den eigenen Kindern schuldig.

Geredet wurde am 9. November immer schon viel. Gedenken hat Tradition. Tradition, die immer mehr einem rituellen Akt glich, dem in der Vergangenheit immer weniger Menschen beiwohnten.

Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das hat sich inzwischen geändert, neben gewichtigen Redebeiträgen einschlägiger Würdenträger bemüht man sich seit einigen Jahren die Erinnerungskultur lebendiger zu gestalten. Mit Zeitzeugenberichten, Gedichten aus der Feder von Betroffenen und einem Einblick in das Leben der Nordhäuser, die man verfolgt und ermordet hat, halfen Schülerinnen und Schüler des Herdergymnasiums auch heute wieder, den Graben von 80 Jahren zu überwinden. Sie berichteten unter anderem vom Schicksal des Schneiders Isidor Levin, der mit so vielen anderen am Martinstag 1938, im Alter von fast 70 Jahren, nach Buchenwald gebracht wurde und dort in der "Schutzhaft" starb. Oder vom Rechtsanwalt Arthur Warburg, der seinem Land im ersten Weltkrieg gedient hatte, 1941 verhaftet wurde und bei der Verlegung von Buchenwald nach Bernburg starb.

Einblicke wie diese, die Erzählung persönlicher Schicksale von Menschen, Nachbarn und Mitbürgern und das Engagement der Jugendlichen, haben dem Gedenken gut getan. In einer Zeit, in der diejenigen, die sich noch an das Geschehene erinnern können, immer weniger werden, scheinen wieder mehr Menschen ihren Weg zu den Gedenkveranstaltungen zu finden.
Angelo Glashagel
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Gedenken an die Reichspogromnacht in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
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Kommentare

09.11.2018, 19.38 Uhr
Trüffelschokolade | Schande
An diesem Gedenktag ist es fast schon erschreckend sich daran zu erinnern, dass antisemitisches und rassistischtes Gedankengut wieder auf dem Vormarsch ist. Das sogar sehr dezidiert auch in den Landes- und Bundesparlamenten mit der AfD.

Die Opfer der Shoa drehen sich im Grabe um. Wobei einige davon, insofern sie noch leben, immerhin sehr stark vor dem Wiedererstarken genau dieser Denkrichtungen warnen. Was die Funktionäre allerdings nicht stört sondern fast noch anzufeuern scheint, siehe z.B. der AfD-Abgeordnete, der in Berlin bei der offiziellen Gedenkveranstaltung mit dem Symbol der österreichischen Faschisten auftrat, oder die fehlende AfD-Fraktion bei der Veranstaltung zur Erinnerung im Thüringer Landtag. Nicht umsonst hat das KZ Buchenwald Nazischreiber Landolf Ladig dezidiert ausgeladen in der Vergangenheit, während Gedenkstätten zunehmend davon berichten, dass AfD-nahe Besuchergruppen eindeutig geschichtsrevisionistische Ansichten haben und die Gedenkstättenarbeit stören.
09.11.2018, 21.58 Uhr
Realist 1.0 | @Trüffelschokolade eine Schande sind nicht nur die AFD sondern
auch die Menschen die in unseren Land zu Gast sind,und es sich dann erlauben einen Juden mit einem Gürtel zu schlagen oder zu bespucken nur weil er seine Kippe trägt.Das ist für mich die größere Schande,wen man bedenkt das die jüdische Kultur in Deutschland länger existiert, als die Kultur derer die jetzt nach Deutschland strömen.
10.11.2018, 08.06 Uhr
tannhäuser | Respekt Trüffelschokolade!
Man liest nicht alle Tage einen Kommentar, der direkt der Feder von Charlotte Knobloch entsprungen sein könnte.

Neben erwiesenen Wahrheiten natürlich wieder die bekannten Tiraden gegen die AfD und die scheinbar unvermermeidliche Igroranz gegenenüber dem importierten muslimischen Antisemitismus.

Aber warum treten Juden in die AfD ein? Sind das alles Masochisten ohne Lehr- oder Studienabschluss?

Ach nein, die sind ja alle bei den Grünen.
10.11.2018, 09.12 Uhr
Wolfi65 | Eigenartig ist nur
Dass das Judentum schon seit dem Mittelalter nicht sehr beliebt in deutschen Landen zu sein scheint. So prangen an verschiedenen Sakralbauten spezielle Reliefs, die jetzt auf Drängen entfernt werden sollen. Auch ein Martin Luther schreibt nicht nur gutes über den Semitismus. Woher diese Jahrhunderte alte Ablehnung einer gewissen Glaubensgemeinschaft kommt, hat bestimmt seine Gründe, denn ohne Grund wird niemand abgelehnt.
10.11.2018, 10.01 Uhr
Schultze | Menschenrechte?
Mich wundert das Israel selber Gebiete beschlagnahmt und auf palestinensische Kinder schießt und diese tötet. Ich hab mal die Suchworte "Israel schießt auf Kinder" in Google eingegeben. Erschreckend was man da liest.

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