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Do, 16:09 Uhr
01.11.2018
NACHWORT ZU „HUBERTUS, JAGD UND KIRCHE“

Dispute über die Jägerei

Schon vor Jahren, zur ersten Hubertusmesse im Dom zum Heiligen Kreuz, äußerte Egon Primas, CDU-Politiker, Landtagsabgeordneter und Jäger, Gedanken zur Jagd. Er hoffte seinerzeit, Vorbehalte ihr gegenüber in der Bevölkerung abbauen zu können. Zur Messe am 28. Oktober sah er sich zu dem Eingeständnis genötigt: Meine Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil...

Nordhausen. Warum gelingt es nicht, Vorbehalte gegenüber der Jägerei abzubauen? In „Hubertus, Jagd und Kirche“ war es ein Versuch, eine Antwort zu finden. Wir erhielten Kommentare zuhauf. Der Autor, heißt es da unter anderem, habe alle Jäger unter Generalverdacht gestellt, sich Statistiken aus Organisationen bedient, die verbotenen Sekten nahe stünden und zudem ungenügend recherchiert. Letztlich stand er als Jagdgegner da.

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Müßig, auf anonyme Kommentare auch nur ein Wort zu verlieren. Diesmal aber war ein Leser mutig. Nach der Lesart von Herrn Sven Becker bediente ein Jagdgegner die Tastatur. Beckers Wortmeldung ist schon von Interesse. Leider vermisste ich jedoch in seiner Betrachtung der Dinge eine Aussage auch darüber, warum es in der Bevölkerung allgemein Abneigungen gegen die Jägerei gibt. Das, Herr Becker, muss doch Ursachen haben. Etwa die Sonntags- und Trophäenjäger? Oder jene, die viel Geld in die Hand nehmen, um ein edles Wild erlegen zu dürfen?

Da braucht es keiner „jagdfeindlichen Statistik“ irgendeiner Initiative, um zu wissen: Trotz verpflichtender Jagdausbildung gibt es jedes Jahr bei Jagden unliebsame Unfälle, werden durch fahrlässiges Handeln Menschen getötet, verletzt oder zumindest verunsichert. Die in „Hubertus, Jagd und Kirche“ genannten Beispiele resultieren aus Medien und deren Schlagzeilen und haben einen realen Hintergrund. Ist es da noch relevant, ob ein kleines Mädchen bei einer „Erntejagd“ oder „Entenjagd“ fast ums Leben kam?

Sehr verehrter Herr Becker, sind Sie aufmerksamer Leser der nnz? Wenn ja, dann dürfte Ihnen nicht entgangen sein: Wie keine andere Zeitung in der Region sind wir es, die regelmäßig über das Thema Weidwerk und über Leute berichten, es veranschaulichen. Bei einem Interview mit dem Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, Torsten Meißner, wollten wir es nicht belassen.

Wir waren mit Jagd-Vorstandsmitglied Christian Büchting unterwegs. Wir stellten die Jagdhornbläser Birkenmoor vor. Versuchten, mit Carola Kaempffe die Kunst des Jagdhornblasens zu verdeutlichen. Wir veranschaulichten die lobenswerte Arbeit des Obmannes für Hundewesen, Ulrich Tischer, aus Wolkramshausen. Wir dokumentierten in „Ein Leben gegen das Artensterben“ die unermüdliche Tätigkeit des Weidmannes Hartmuth Bauer aus Kleinfurra für den Naturschutz.

Auch über das Allroundtalent Jens Schlichting aus Gudersleben schrieben wir. Nicht zuletzt lag uns die verantwortungsvolle Arbeit von Revierförstern am Herzen, so die von Wolfhard Gerlach aus Obersachswerfen. Ebenso die des ehemaligen Luchsbeauftragten, dessen Herz für die große Katze schlug. In Wort und Bild vergasen wir auch nicht das Infomobil der Kreisjägerschaft.

Ein positives Erscheinungsbild über das Jagdwesen war stets erkennbar. Der Verfasser, verehrter Herr Becker, war aber stets der, der Ihrer Meinung nach in „Hubertus, Jagd und Kirche“ alle Jäger unter Generalverdacht stellte, sie diskreditierte. Auch sollten sie wissen: Diese Zeitung war es, die anbot, kontinuierlich in Beiträgen zu veranschaulichen, dass eben Jagd mehr ist als Hege mit der Büchse.

Wir baten deshalb Jagdverantwortliche um geeignete Vorschläge. Leider war es fast ausschließlich der Redaktion überlassen, sich darum selbst zu bemühen. Und das, wo man doch die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren will, um Vorbehalte abzubauen. Wer sollte da nicht zu neuen An - oder Einsichten kommen? Unser Ergebnis: Aufzählung oben.

Sollten Sie, Herr Sven Becker, selbst Weidmann sein, dann schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen. Auch Ihre Ansicht, warum es nicht gelingt, das negative Jagd-Image abzubauen, würden wir gern hören. Mutig und ungeschönt!

Hartmuth Bauer aus Kleinfurra ist auch als Jäger unermüdlich für den Naturschutz tätig. In „Ein Leben gegen das Artensterben“ stellten wir ihn vor. (Foto: Kurt Frank/Archiv) Hartmuth Bauer aus Kleinfurra ist auch als Jäger unermüdlich für den Naturschutz tätig. In „Ein Leben gegen das Artensterben“ stellten wir ihn vor. (Foto: Kurt Frank/Archiv)
Hartmuth Bauer aus Kleinfurra ist auch als Jäger unermüdlich für den Naturschutz tätig. In „Ein Leben gegen das Artensterben“ stellten wir ihn vor. Foto: Archiv/Kurt Frank

Ohne Abstriche spricht mir hingegen das aus dem Herzen, was Sie über die Hubertusmesse schreiben: Die Hubertusmesse sollte man als das sehen, was sie ist – nämlich Folklore im Sinne des Wortes. Die hörenswerten Darbietungen der Jagdhornbläser Birkenmoor, die stimmgewaltige Chorgemeinschaft Großlohra/Trebra und die beeindruckenden Klänge der restaurierten Orgel in der unvergleichlichen Kulisse des Doms waren der Besuch im Dom allemal wert.

Jawohl! Das ist es, was auch mich Jahr für Jahr immer wieder dorthin führte.
Kurt Frank
Autor: red

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Kommentare
NAKS
02.11.2018, 13:00 Uhr
Vorbehalte gegenüber der Jagd?
Werter Herr Frank,

sehr gern ergänze ich mich, um Ihnen meinen Standpunkt zu erläutern. Ich teile weder Ihr
Fazit noch die Ansicht von Herrn Primas, dass es in der Bevölkerung eine allgemeine Ablehnung gegen die Jägerei gibt! Vielmehr durfte ich in über zwanzig Jahren als Jäger eine hohe Wertschätzung für die ehrenamtliche Arbeit in Wald und Flur erfahren! Was kann es anderes sein als Ehrenamt, wenn Jäger aus freien Stücken nachts um zwei zu einem Wildunfall fahren und das Leiden eines schwer verletzten Rehs beenden, schwer an Räude oder Staupe erkrankte Füchse und Waschbären aus Gartenlauben oder Garagen holen und diese dann auf eigene Kosten entsorgen, Nistkästen aufhängen, für Kindergärten und Schulen Wanderungen und Waldtage organisieren und durchführen, viele Hektar Land aus der Nutzung nehmen und dort Lebensräume für Insekten, Lurche, Bodenbrüter usw. schaffen?

Aber Sie haben Recht und es in Ihrem Artikel aufgezeigt - all das geschieht in weiten Teilen völlig nebenbei und unbemerkt von der (unbeteiligten) Öffentlichkeit!
„Tue Gutes und sprich darüber“, ist das was die Jägerschaft lernen sollte!

Wenn Sie „Sonntags- und Trophäenjäger“ ansprechen, frage ich Sie - wer ist das?
Sind das etwa Leute wie Sonntagsfahrer oder welche die sich mit dicken Autos, Uhren oder sonst was schmücken? Sollen sie doch! Sind diese Leute ein Abbild der Jägerschaft? Ich denke nicht und kann Ihnen versichern, dass diese Gestalten in der Jägerschaft mit demselben Argwohn betrachtet werden, wie von der nicht jagenden Bevölkerung!

Sie haben netterweise eine Reihe verdienter und auch von mir sehr geschätzter Jäger aufgezählt, für die Jagd eben viel mehr ist als ein Hobby, nämlich Lebenseinstellung bei der es darum geht, in der Natur und mit der Natur im Einklang zu leben – soweit das in unserer Kulturlandschaft noch möglich ist!
Und das ist es auch, was die Jagd in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit eben nicht so schlecht dastehen lässt! Eine aktuelle repräsentative Umfrage belegt, dass 80% der Bevölkerung die Jagd für notwendig hält! Sogar 88% der Bundesbürger glauben, dass Jäger die Natur lieben! (Institut für Marktforschung und Kommunikation, Bremer und Partner)
Die Resignation des Herrn Primas kann ich mir nur mit der politischen Situation in Zusammenhang mit der geplanten Jagdgesetzänderung erklären. Hier wird völlig ideologisch unter Außerachtlassung von Expertenmeinungen (auch jagdferner) versucht, etwas durchzupeitschen, was jeder Vernunft und wissenschaftlicher Erkenntnis entbehrt!
Leidtragende werden die Natur und der Steuerzahler sein! Beweise? Schauen Sie nach NRW - dort versucht man gerade, den Schaden durch das „Ökologische Jagdgesetz“ des Herrn Remmel zu begrenzen.

Mit freundlichen Grüßen
Sven Becker
Leo 1A5
02.11.2018, 13:27 Uhr
Der Jäger ist
prinzipiell erstmal ein Tierfreund.

Jeder der schonmal gesehen hat wieviel Arbeit im abrichten eines Jagdhundes steckt dem sollte klar sein das es bei der Jagd nicht um das ,,abballern"geht, den das kann man auf dem Schießstand am laufenden Keiler haben.

Definition ,,Sonntagsjäger"?

Es gibt auch noch Personen die durch Arbeit,Soziales Engagement und Familieäre Verpflichtungen nur ein begrenztes Zeitkontingent pro Jahr für die Jagd zur Verfügung haben.

Ist man deshalb ein Sonntagsjäger?

Solange man das Wildbret ordentlich ansprechen und versorgen kann und seine Passion dabei lebt denke ich nicht!

Nirgendwo wird so viel gelogen wie auf der Jagd und in der Politik

(Drei goldene Eicheln )
Horrido
Peppone
02.11.2018, 17:00 Uhr
Spiegel der Gesellschaft
Auch wenn ich mich wiederhole, bitte lassen Sie die Kirche im Dorf Herr Frank. Die Jägerschaft ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Das ist in ihrer Masse weder eine Elite, die sich für einen Unfall selbst geißeln muss, noch die Schergen Luzifers, denen das Leid von Mitgeschöpfen schnuppe ist.

So wie im richtigen Leben gibt es Solche und Solche. Vom weidheiligen Überheger bis zum waffenaffinen Knochensammler ist da alles dabei. Richtig ist jedoch auch, dass die große Masse ganz normale Menschen sind. Eben Menschen, denen auch Fehler oder Unfälle passieren können. Unfälle, die handwerksbedingt, in seltenen Fällen mit Schußwaffen zu tun haben.

Der angeführte Unfall mit dem kleinen Mädchen war schlimm, aber eben auch tragisch und mit einem Querschläger als Ursache ohne jeglichen Vorsatz. Die Beurteilung hat durch ein Gericht zu erfolgen, nicht durch die Presse und auch nicht durch die Jägerschaft selbst.

Das es Menschen gibt, die bei Jagd an Bambi-Filme denken und der Natur entrückt sind, ist nun einmal so. In der Regel sind das die Gleichen, die die "Drecksarbeit" für die Bärchenwurst von der Tierfabrik und dem Kopfschlachter erledigen lassen. Da kann das Infomobil des Jagdverbandes sich die Reifen abfahren, da kann Herr Primas Messen organisieren, da kann Herr Meißner von der KJS noch zehn Interviews geben, da ändert sich nichts daran.

Ich selbst bin schon lange der Überzeugung, dass ich mich nicht demütig erklären muss, für das was ich tue. Was ich tue liegt im Ursprung des Menschen und ist eines der letzten Stückchen Freiheit, die diese Gesellschaft noch bietet. Das was ich esse, schmeckt nicht nur besser als Antibiotika-Wasser-Schnitzel, mein Schnitzel hat bis zu seiner Erlegung auch artgerecht gelebt. Dafür, dass ich mich weitgehend um mein Essen selber kümmere, muss ich mich nicht rechtfertigen.

M. Hänel
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