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Fr, 12:00 Uhr
28.09.2018
Lindenhof-Areal soll verkauft werden

Geld für die Stadtkasse - warum erst jetzt?

"Planungskosten in Höhe von 30.000 Euro hat der Nordhäuser Stadtrat heute ausgegeben." So sollte eigentlich die Einleitung zu diesem Beitrag lauten, der eigentlich gestern, nach der Sitzung des Stadtrates, online gehen sollte. Doch es kam anders...

Nach mehr als 20 Jahren Verfall - der Lindenhof (Foto: nnz) Nach mehr als 20 Jahren Verfall - der Lindenhof (Foto: nnz)
Die Vorgeschichte: Für diese 30.000 Euro sollen Planungen zur Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Lindenhof in der Nordhäuser Oberstadt bezahlt werden. Allerdings wurde diese Vorlage gestern von der Mehrheit des Stadtrates von der Tagesordnung genommen.

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Zur Historie: In den vergangenen Jahren gab es aus Sicht des Nordhäuser Rathauses wiederholt Bemühungen, das denkmalgeschützte Ensemble von Villa und Parkanlage Lindenhof zu entwickeln und einer Vermarktung zuzuführen. Nachdem diese Versuche scheiterten, befindet sich die Villa nunmehr in einem derart desolaten baulichen Zustand, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist.

Vor diesem Hintergrund wurden die Entlassung des Ensembles aus dem Denkmalsschutz und der Abbruch der ehemaligen Villa beim zuständigen Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) beantragt. Eine Entscheidung hierzu steht aber noch aus.

"Im Flächennutzungsplan der Stadt Nordhausen ist das Areal mit Verweis auf dessen frühere Nutzung als Fläche für soziale Zwecke dargestellt", steht in der Begründung zur Beschlussvorlage der Verwaltung und weiter wird ausgeführt: "Eine derartige Nutzung konnte hier jedoch in den letzten Jahren nicht mehr etabliert werden." Schon diese Behauptung ist sehr abenteuerlich formuliert, doch dazu mehr am Ende dieses Beitrages.

Lesen wir erst einmal weiter im Beschlusstext: "Um das Areal wieder einer geeigneten Nutzung zuzuführen und gleichzeitig eine geordnete städtebauliche Entwicklung zu gewährleisten, bedarf es der Aufstellung eines Bebauungsplanes. Dies gilt insbesondere für die nördliche Grundstückshälfte, die sich im sogenannten Außenbereich befinde, heißt es in der Begründung der Verwaltung.

Der straßenbegleitende Grundstücksteil entlang der Alexander-Puschkin-Straße könnte auf Grund seiner Lage im städtebaulichen Innenbereich bereits jetzt vermarktet werden, soll im Rahmen einer abgestimmten Entwicklung des Standortes gleichwohl mit überplant werden. Das Ziel des Bebauungsplanes besteht darin, die Flächen des Lindenhofs als Wohnstandort für bis zu 35 Wohneinheiten planungsrechtlich vorzubereiten. Das Nutzungskonzept kann zudem auch durch einen Beherbergungs- und/oder Gastronomiebetrieb oder mit Einrichtungen für soziale Zwecke ergänzt werden. Es ist beabsichtigt, den vorhandenen Baumbestand soweit wie möglich zu schonen und einen parkähnlichen Charakter zu erhalten. Dafür kann die Errichtung von Tiefgaragenstellplätzen sinnvoll sein. Die Kosten, die in einer ersten Phase der Stadt Nordhausen entstehen, zum Beispiel für Erschließung und Vermessung, können durch den Verkauf des Grundstückes mehr als refinanziert werden". Soweit der Vorschlag des Nordhäuser Rathauses.

Etwas merkwürdig muten dieser Vorschlag und seine Begründung schon an, denn es soll seit 2016 bereits mehrere Kaufanträge des Südharz Klinikums für das Areal gegeben haben. Und dessen Projekte sollen nicht sozial ausgerichtet sein? Nur, das kommunale Unternehmen, das Grundstücksnachbar ist und das gesamte Areal perspektivisch entwickeln und den Park erhalten würde, hatte auf seine Kaufgesuche nicht einmal eine Eingangsbestätigung aus dem Rathaus erhalten. Eine weitere Frage bleibt offen, warum nach mehr als 20 Jahren Stillstand und Verfall nun mit einem Mal Druck gemacht werden soll? Wieso benötigt das Rathaus jetzt Geld aus einem Verkauf, wo es bislang jahrelang verzichtete?

Und wie steht ein Verkauf und die Etablierung von Wohnraum, der nicht für die bekannten Äpfel und Eier zu haben sein wird, im Einklang mit der erst in dieser Woche erhobenen Forderung der Nordhäuser SPD nach mehr bezahlbarem Wohnraum für alle Bürger. Die wahrscheinlich hochpreisige Vermietung der 35 Wohnungen fällt garantiert nicht in die sozialverträgliche Kategorie. Vermutlich ist der Käufer des von der Stadt dann erschlossenen Areals schon ausgemacht. Er wird vermutlich schnellst möglich eine Eingangsbestätigung auf ein eventuelles schriftliches Begehren erhalten, oder?

Aber letztlich kam alles anders. Fraktionsübergreifend wurde die Rathaus-Vorlage von der Tagesordnung genommen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Herr Taft
28.09.2018, 12:21 Uhr
Oh Mann, Herr Greiner...
... So viele Vermutungen. Was soll das schon wieder? Wäre es Ihnen lieber, das Areal würde weiter verfallen?
Crimderöder
28.09.2018, 12:54 Uhr
Der Lindenhof ist verloren
Seit 2008 ist der Lindenhof Eigentum der Stadt und wäre zu dem Zeitpunkt vielleicht noch zu retten gewesen (damaliger Stand für Sanierung 2,4 Millionen Euro).

Siehe: https://www.nordhausen.de/news/news_lang.php?ArtNr=8266

@Spätzlevernichter: Das Areal ist bereits verfallen. Seit dem Kauf ist nichts passiert und Stadt bzw. Stadtrat haben tatenlos zugesehen. Der Entschluss zum Abriss traf die Stadt bereits im Februar 2017.

Es wird wohl einen Neubau geben, der mit der Gründerzeit-Villa nichts mehr zu tun haben wird. Wieder ist ein Stück Geschichte und Kultur unserer Stadt zerstört worden - aus Dummheit und Ignoranz. Die Verantwortlichen sitzen im Kommunalparlament.
h3631
28.09.2018, 12:59 Uhr
@Spätzlevernichter
Das Areal ist schon verfallen.
Über 20 Jahre ist nichts geschehen.
Warum jetzt plötzlich wird Druck gemacht?
Da steckt doch was dahinter.
Der Grundstücksnachbar hat noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung seiner Anfrage aus dem Rathaus erhalten.
Ist das normal?
Aber was ist im Rathaus normal,nicht viel.
Bodo Bagger
28.09.2018, 13:40 Uhr
stellt sich hier die berechtigte Frage,
was die Stadt mehr braucht, Wohnraum bzw. möglichst innenstadtnahe Standorte um Wohnungsbauvorhaben umzusetzen oder aber eine weitere Erweiterung des Klinikums bzw. eine finaziell nicht umzusetztende sozial genutzte Bebauung für die dann ohne Wohnraum irgendwann die Nutzer fehlen dürften.

Wer das Areal dann entwickeln wird und in welcher Form das geschieht ist doch sicher noch nicht entschieden, oder weiß die NNZ hier schon mehr?
35 Baueinheiten decken den derzeitigen Nordhäusser Bedarf an Bauland nicht mal annähernd. Für etwa 100 Bauwillige stehen im Moment im Bereich der ehemaligen Stadtfläche Nordhausens gerade mal etwa 20 bebaubare Flächen zur Verfügung (Strasse der Genossenschaften, Ost und einige Restflecken in Nord) und die Innenstadtverdichtung der Altstadt, die bisher als vorrangig beschrieben wurde ist nahezu abgeschlossen.

Von daher ist in dieser Richtung sicher ein erhöhter Bedarf vorhanden, wie anders will man Menschen davon überzeugen nach Nordhausen zu ziehen, wenn man Ihnen nicht einmal die notwendige Perspektive bieten kann, dort Wurzeln zu schlagen.
sima
28.09.2018, 17:29 Uhr
Grundstücke für Innenstadtverdichtung
Quartiere zur Innenstadtverdichtung gibt es in der Altstadt noch viele: Elisabetstraße, Mühlhof, Johannishof, Johannistreppe, beide Seiten Neuer Weg, Bäckerstraße, Kutteltreppe, Königshof ...
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