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So, 07:00 Uhr
23.09.2018
Bibliothekstag rund um die Biene

Mein Freund die Biene

Das es die Bienen dieser Tage nicht so leicht haben sollte inzwischen allgemein bekannt sein. Das es der gemeinen Honigbiene dabei weit weniger schlecht geht als ihren wild lebenden Verwandten wissen vielleicht schon weniger. Diese und jede Menge mehr rund um die Biene und ihren süßen Honig konnte man gestern beim Bibliothekstag erfahren...


Das war zum Beispiel Wolfgang Bonke von den "Harz-Rittern". Der macht eigentlich Holzkunst und schmückt mit seinen schicken Statuen die Wanderwege des Harzes. Seit ein paar Jahren tut er das nun auch im Namen des Bienenschutzes. Zwölf seiner Statuen hat er den Rücken ausgehölt und so Lebensraum für die fleißigen Flieger geschaffen, sechs sind bereits nachweislich bewohnt.

Bonkes neuestes Projekt geht noch ein Stück weiter. Mit rund 100 Vereinsmitgliedern und Unterstützern im Rücken hat man im Harz das "Bienotopia" geschaffen, eine Fläche von 18.000 Quadratmetern, die unberührte Heimstatt für Wildbienen und andere bestäubende Insekten sein soll. "Der Honigbiene geht es gar nicht so schlecht. Die hat zwar auch mit der Varoamilbe und anderen Problemen zu kämpfen, aber da schaut der Imker drauf und hilft wenn es sein muss. Bei den Wildbienen und anderen Insekten sieht das anders aus. Wir erleben gerade ein allgemeines Insektensterben und dem wollen wir entgegenwirken", erklärt der Hobby-Imker. Erste Erfolge kann man da schon vermelden, auf dem "Bienotopia"-Gelände residierten aktuell 110 verschiedene Bienenarten, 45 davon stehen auf der Roten Liste, berichtete Bonke. "Jeder kann da selbst etwas machen, das fängt schon ganz klein an, etwa im eigenen Garten mit insektenfreundlicher Bepflanzung. Also nicht einfach nur Grün anpflanzen, sondern auch blühende Gewächse."


Was die Bienen aus denen machen können, das konnte man ein paar Schritte weiter am Stand von Imker Ralf Schuhmann sehen. Hier gab es "Stadthonig", also Honig den die Tiere im Nordhäuser Stadtgebiet gesammelt haben. Ist er sehr hell, dann hält man die erste Frühlingsausbeute in der Hand, Goldgelb wird der Pollen im Sommer, denn der bestimmt die Farbe des Honigs. Später im Jahr blühen Gewächse mit dunklerem Pollen, durch den dicken, dunklen Honig kommt dann kaum noch ein Sonnenstrahl hindurch.

Eine ähnliche Auswahl hatte auch Anja Schreiber dabei. Die kümmert sich an der Nordhäuser Hochschule eigentlich um Forschung und Lehre rund ums Biogas, betreut aber auch die 21 Völker, die auf dem Campus leben. Die Wissenschaftlerin ist Imkerin in der dritten Generation und stellt ihre Völker auch der Forschung zur Verfügung, etwa wenn sich die Studierenden mit ökologischem Stadtumbau und ähnlichen Themen befassen. In der Bibliothek referierte Frau Schreiber gestern ausgiebig, "schockierend" und "unverblümt" vom Liebesleben der Tiere. Spoiler: "Er" stirbt am Ende und wird "entmannt".

Was die Biene alles kann und wie sie lebt, das wissen auch die Kinder an der Heinz-Sielmann-Grundschule aus Niedersachswerfen. Hier lernen ausgemachte Bienenexperten, denn bis vor kurzem hielt man selbst zwei Völker auf einer kleinen Wiese hinter der Schule und befasste sich regelmäßig mit den Tieren. Das geht nun leider nicht mehr, der Imker, der die Unterrichtsstunden an der Bienenbeute betreut hatte, ist nach einer Erkrankung leider ausgefallen und Ersatz hat sich noch nicht gefunden.

"Wir suchen dringend einen Imker der uns wieder regelmäßig besuchen könnte, die Kinder sind da ganz wild drauf", sagt Schuldirektorin Karin Sommer. Bis dahin will man sich auch weiter mit dem Thema befassen, im April startete man deswegen das Projekt "Wir helfen Insekten". "Wir schaffen da gerade die Grundlagen. Wovon ernähren sich die Tiere? Was für Pflanzen sind Insektenfreundlich? Die Idee ist das dann auch aus der Schule herauszutragen, nach Hause in den eigenen Garten oder vielleicht sogar bis in die weitere Gemeinde Harztor", erläuterte die Schulleiterin.

Beide Projekte, die Campusbienen und die Insektenfreunde der Grundschule erhalten Förderung über das Programm "Demokratie, Natur, Mensch". Derlei Unterstützung braucht Sabine Bohlmann nicht mehr. Die Schauspielerin ist hierzulande vor allem als Synchronstimme von Lisa Simpson bekannt oder auch als die "maulende Myrte" aus den Harry Potter Filmen. Aber sie ist auch Autorin. Ihr Kinderbuch "Und plötzlich war Frau Honig da" hat den sprichtwörtlichen Stein ins rollen gebracht und den Bienentag an der Bibliothek ermöglicht, denn es war ihr Buch, das Bibliotheksleiterin Hildegard Seidel auf die Idee brachte. "Das war ganz schön, die Leute kamen auf einmal alle auf uns zu, wir mussten gar nicht erst viel fragen", erzählte Seidel. Die Biene ruft und ihre Freunde kommen.

Auch die Autorin war gestern zu Gast, plauderte mit dem großen und dem kleinen Publikum über ihren Beruf und las natürlich aus ihrem Werk. Alles in allem ein gelungener Tag, der vielleicht manch angehenden Imker inspiriert haben mag. Die Zahl der Hobby-Bienenzüchter jedenfalls ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Für die Biene können das nur gute Nachrichten sein.
Angelo Glashagel
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
Zum Bibliothekstag drehte sich alles um fleißige Bienen und süßen Honig (Foto: Angelo Glashagel)
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