Do, 11:43 Uhr
23.08.2018
25 Jahre AWO Jugendhilfe am Geiersberg
Mit kleinen Schritten in ein anderes Leben
Seit 25 Jahren hilft man am Geiersberg Kindern und Jugendlichen, die in ihren Familien keinen Halt mehr finden. Der Geburtstag wurde heute gebührlich gefeiert. Die Arbeit wird aber auch mit einem Vierteljahrhundert Erfahrung nicht leichter...
Die Jugend heutzutage! - eine Sentenz die in jedes Jahrhundert und in jede Generation passt. Wie es um "die Jugend" in der allgemeinen Wahrnehmung bestellt ist, damit war "die Jugend" am Vormittag gar nicht einverstanden. "Wir können auch anders" war das Motto, unter dem einige der Bewohner der stationären Jugendhilfeeinrichtung ihr kleines Geburtstagsprogramm vortrugen. "Die Jugend kann nichts außer schlagen? Dazu hätten wir noch ein paar Fragen!" - zu einem durchaus anklagenden Gedicht kam auch erheiterndes, das Rennsteiglied und Klaviermusik.
Aktuell leben 13 Jugendliche am Geiersberg, im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, aber auch jüngere Bewohner hatte man schon im Haus, erzählt Mario Herz, Leiter des Hauses am Geiersberg. Manche Kinder blieben nur wenige Wochen, andere bis zu fünf Jahre. In einem Vierteljahrhundert hat das Haus 247 junge Bewohner gesehen, ihnen alle wollte man einen anderen Weg in die Zukunft ermöglichen.
"Im Grunde hat sich in den letzten 25 Jahren alles verändert. Aber die Probleme sind immer noch ähnlich", erklärt Herz, heute sei die Digitalisierung des Alltags als neue Herausforderung hinzugekommen. Außerdem habe man feststellen müssen, das man es bei allem Wohlstand in der Gesellschaft immer öfter mit psychisch auffälligen Eltern zu tun habe, die an ihre Grenzen kämen.
v.l.: Landrat Matthias Jendricke, Hausleiter Mario Herz, AWO Geschäftsführer Michael Hack und Oberbürgermeister Kai Buchmann (Foto: Angelo Glashagel)
Den Kindern- und Jugendlichen will man helfen einen anderen Weg einzuschlagen. "Man muss sie da abholen, wo sie sind und dann mit ihnen an einer neuen Orientierung arbeiten. Das fängt in kleinen Schritten an, wir sitzen zum Beispiel gemeinsam beim Abendbrot, legen die Handys weg und reden miteinander. Verbindlichkeit muss gelernt werden und der Wert des eigenen Wortes. Das kennen viele unserer Jugendlichen gar nicht.", sagt Herz.
Je älter die Kinder werden, desto schwieriger wird es, neue Verhaltensweisen zu erlernen, sagt der Heimleiter. Eltern sollten sich nicht scheuen Hilfe zu suchen, auch beim Jugendamt. "Wenn man zum Jugendamt geht heißt das nicht das dass eigene Kind automatisch in der stationären Betreuung landet, hier kann auch ambulant und kleinschrittig geholfen werden. Man muss nur den Mut haben diesen Schritt auch zu tun."
Für das Engagement des Hauses und seines Teams gab es heute viel Lob. Tragische Kinderschicksale seien leider Realtität, sagte Landrat Matthias Jendricke, die Zahl der Fälle in denen das Amt eingreifen müsse, seien über die Jahre nicht zurückgegangen. Umso wichtiger sei die Arbeit der Jugendhilfe, rund 11 Mio. Euro stellt der Landkreis dafür bereit, "gutes und wichtiges Geld", das man gerne ausgebe.
Michael Hack, Geschäftsführer der Thüringer AWO, blickte zum 25. Jubiläum in die Vergangenheit. Als eine von sieben Einrichtungen sei das Kinderheim am Geiersberg eine der Wurzeln der AWO in Nordthüringen. Inzwischen halte man ein flexibles Netzwerk schneller Hilfen vor. Herz und sein Team hätten sich dabei immer durch "konkrete und manchmal knallharte Pädagogik und Sozialarbeit" ausgezeichnet.
Im Vakuum findet die Arbeit freilich nicht statt und so dankte man auch den Nachbarn am Geiersberg und den Partnern in Stadt, Kreis und Land. Schließlich griff man zum Spaten und pflanzte einen Kirschbaum als Symbol für die nächsten 25 Jahre.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Jugend heutzutage! - eine Sentenz die in jedes Jahrhundert und in jede Generation passt. Wie es um "die Jugend" in der allgemeinen Wahrnehmung bestellt ist, damit war "die Jugend" am Vormittag gar nicht einverstanden. "Wir können auch anders" war das Motto, unter dem einige der Bewohner der stationären Jugendhilfeeinrichtung ihr kleines Geburtstagsprogramm vortrugen. "Die Jugend kann nichts außer schlagen? Dazu hätten wir noch ein paar Fragen!" - zu einem durchaus anklagenden Gedicht kam auch erheiterndes, das Rennsteiglied und Klaviermusik.
Aktuell leben 13 Jugendliche am Geiersberg, im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, aber auch jüngere Bewohner hatte man schon im Haus, erzählt Mario Herz, Leiter des Hauses am Geiersberg. Manche Kinder blieben nur wenige Wochen, andere bis zu fünf Jahre. In einem Vierteljahrhundert hat das Haus 247 junge Bewohner gesehen, ihnen alle wollte man einen anderen Weg in die Zukunft ermöglichen.
"Im Grunde hat sich in den letzten 25 Jahren alles verändert. Aber die Probleme sind immer noch ähnlich", erklärt Herz, heute sei die Digitalisierung des Alltags als neue Herausforderung hinzugekommen. Außerdem habe man feststellen müssen, das man es bei allem Wohlstand in der Gesellschaft immer öfter mit psychisch auffälligen Eltern zu tun habe, die an ihre Grenzen kämen.
v.l.: Landrat Matthias Jendricke, Hausleiter Mario Herz, AWO Geschäftsführer Michael Hack und Oberbürgermeister Kai Buchmann (Foto: Angelo Glashagel)
Den Kindern- und Jugendlichen will man helfen einen anderen Weg einzuschlagen. "Man muss sie da abholen, wo sie sind und dann mit ihnen an einer neuen Orientierung arbeiten. Das fängt in kleinen Schritten an, wir sitzen zum Beispiel gemeinsam beim Abendbrot, legen die Handys weg und reden miteinander. Verbindlichkeit muss gelernt werden und der Wert des eigenen Wortes. Das kennen viele unserer Jugendlichen gar nicht.", sagt Herz.
Je älter die Kinder werden, desto schwieriger wird es, neue Verhaltensweisen zu erlernen, sagt der Heimleiter. Eltern sollten sich nicht scheuen Hilfe zu suchen, auch beim Jugendamt. "Wenn man zum Jugendamt geht heißt das nicht das dass eigene Kind automatisch in der stationären Betreuung landet, hier kann auch ambulant und kleinschrittig geholfen werden. Man muss nur den Mut haben diesen Schritt auch zu tun."
Für das Engagement des Hauses und seines Teams gab es heute viel Lob. Tragische Kinderschicksale seien leider Realtität, sagte Landrat Matthias Jendricke, die Zahl der Fälle in denen das Amt eingreifen müsse, seien über die Jahre nicht zurückgegangen. Umso wichtiger sei die Arbeit der Jugendhilfe, rund 11 Mio. Euro stellt der Landkreis dafür bereit, "gutes und wichtiges Geld", das man gerne ausgebe.
Michael Hack, Geschäftsführer der Thüringer AWO, blickte zum 25. Jubiläum in die Vergangenheit. Als eine von sieben Einrichtungen sei das Kinderheim am Geiersberg eine der Wurzeln der AWO in Nordthüringen. Inzwischen halte man ein flexibles Netzwerk schneller Hilfen vor. Herz und sein Team hätten sich dabei immer durch "konkrete und manchmal knallharte Pädagogik und Sozialarbeit" ausgezeichnet.
Im Vakuum findet die Arbeit freilich nicht statt und so dankte man auch den Nachbarn am Geiersberg und den Partnern in Stadt, Kreis und Land. Schließlich griff man zum Spaten und pflanzte einen Kirschbaum als Symbol für die nächsten 25 Jahre.
Angelo Glashagel














