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Do, 09:22 Uhr
12.07.2018
Update

Windpark in Friedrichsthal geplant

Die nnz hatte gestern über einen geplanten Windpark auf der Gemarkung von Friedrichsthal berichtet. Aber auch darüber, dass sich Bürgerinnen und Bürger der kleinen Gemeinde nicht ausreichend informiert fühlen. Am Abend fand eine Sitzung des Gemeinderates statt...


Der Gemeinderat fasste gestern Abend keinen Beschluss zu einer Willensbekundung zur eventuellen Errichtung der fünf geplanten Windräder, wie Bürgermeisterin Franka Hitzing der nnz sagte. Die Sitzung hatten 16 Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde mit großem Interesse verfolgt.

"Unser Gemeinderat hat erkannt, dass es nicht nur weiteren Redebedarf, sondern Informations- und Aufklärungsbedarf unter den Bürgern gibt. Deshalb haben wir uns entschlossen, im Frühherst eine Infomationsveranstaltung zu organisieren, wo Vertreter des interessierten Unternehmens das Vorhaben, den aktuellen Stand der Technik erläutern und Fragen der Bürgerinnen und Bürger beantworten wollen", sagte Frau Hitzing.

Das gesamte Vorhaben steht immer noch unter Vorbehalt, denn der neue Raumordnungsplan für Nordthüringen, der auch die Windkraft-Vorranggebiete ausweisen soll, wird im September veröffentlicht, dann ist er für eine gewisse Zeit einsehbar und es können Stellungnahmen abgegeben werden. Erst dann wird sich zeigen, ob die Etablierung eines Windparks für die Investoren an dieser Stelle des Landkreises Nordhausen überhaupt noch Sinn macht.
Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

17.07.2018, 17.40 Uhr
Fönix | Windkraftterror im rrG-Land - Teil 1
Das hier beschriebene Interesse und entsprechende Aktivitäten offensichtlich bereits auf den Plan getretener potentieller Investoren für große Windkraftanlagen sind zum aktuellen Zeitpunkt ausgesprochen auffällig. Das darüber hinaus die erste Information einer breiteren Öffentlichkeit "überraschenderweise " in einem Zeitfenster stattfindet, dass in erster Linie durch Ferien- und Urlaubsbeginn, noch überlagert mit der Fußball-WM geprägt ist, mag Zufall sein. Zumindest für Alle, die an Zufälle in der Politik glauben...

Im aktuell gültigen RROP Nordthüringen vom 13.09.2012 gibt es in der Region um Friedrichsthal und Trebra weit und breit keine Windvorranggebiete. Dabei sind konkrete Lagebeziehungen für einen solchen neuen Windpark offensichtlich schon bekannt. Wie sonst ist zu erklären, dass bereits jetzt bei den betroffenen Kommunen das Hick-Hack um die Flächenanteile und damit mögliche Steuereinnahmen entbrennt? Interessanterweise ist die Errichtung von WKA ja zwingend an das Vorhandensein eines Windvorranggebietes gebunden! Was steckt also wahrscheinlicherweise dahinter?

Der aktuelle RROP befindet sich seit über drei Jahren (entsprechend einem Beschluss der aktuellen RRG-Landesregierung vom 25.03.2015) in Überarbeitung. Es ist allgemein bekannt und auch offiziell verkündet, dass RRG, insbesondere G, den Windkraftanteil in Thüringen deutlich ausweiten will. Dafür ist es zwingend erforderlich, mit der Überarbeitung der RROP in Thüringen die gesetzlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, die betreffenden Verfahren laufen seit geraumer Zeit.

Laut website der Regionalen Planungsgemeinschaft Nordthüringen wird im Rahmen des laufenden Änderungsverfahrens derzeit (mit Beschluss vom 30.05.2018) die Auslegung des neuen Entwurfs für Nordthüringen vorbereitet. Dieser wird derzeit "endbearbeitet" und soll voraussichtlich im September für einen Zeitraum von 2 Monaten ausgelegt werden. Etwaige Entwurfspläne mit ggf. weiteren, neu ausgewiesenen Windvorranggebieten sind mit Datum heute für die Öffentlichkeit noch nirgendwo verfügbar. Nun ist es legitim, dass BürgermeisterInnen der betreffenden Kommunen vorab Kenntnis von geplanten Veränderungen haben, die Kommunen werden an der Überarbeitung unmittelbar beteiligt. Wie aber gelangen potentielle Investoren zu solchen Informationen? Mir persönlich ist eine solche Entwicklung unerklärlich, denn nicht zuletzt erlangen diese Investoren (unzulässigerweise?) dadurch einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil z.B. beim Flächenerwerb. Unter Umständen verkaufen einzelne Flächeneigentümer vorzeitig (an die Investoren oder auch an SpekulantInnen) und weit unter Marktpreis, weil sie von der geplanten Nutzung als Windpark noch gar nichts wissen. Letzteres ist natürlich rein spekulativ, sollte aber bei dieser seltsamen Abfolge trotzdem nicht unerwähnt bleiben. Schließlich ist der Beschluss für den zukünftigen RROP Nordthüringen zeitlich noch in weiter Ferne, zumindest wenn viele Widersprüche und Änderungswünsche eingearbeitet werden müssen, wird er wohl in die kommende Wahlperiode fallen. Wie die nächste Landesregierung dann zur Windkraftnutzung in sensiblen Gebieten steht, bleibt abzuwarten …

Es drängt sich jedenfalls auch hier wieder der Eindruck auf, dass die wichtigen Dinge für den gemeinen Bürger im Verborgenen bleiben und hinter verschlossenen Türen ausgekungelt werden. Dabei ist die grünideologische Energiewende gerade am Scheitern, weil sich die maßgeblichen Politiker bei ihren Entscheidungen offensichtlich an ihren Wünschen mehr orientieren als an Aspekten der technischen Realisierbarkeit, der überregionalen/internationalen Kompatibilität und der gesamtwirtschaftlichen, auch ökonomischen Auswirkungen (Stichwort EEG).

Wesentliche regionalpolitische und regionalwirtschaftliche Auswirkungen des hier geplanten Windparks sind zu umfangreich, um sie einschließlich interessanter und für manchen vielleicht auch seltsamer Hintergründe in diesem Kommentar darzulegen. Deshalb: Fortsetzung folgt!
17.07.2018, 17.45 Uhr
Fönix | Windkraftterror im rrG-Land - Teil 2
Viele mehr oder weniger geneigte Leser wird es wundern, warum hier ein wildgewordener nichtgrüner Naturfreund wegen eines absehbar noch lange nicht genehmigten und errichteten Windparks im flächenpolitischen Nirvana so einen Terz veranstaltet …
Zur Erklärung: Schaut man sich die wesentlichen Hintergründe auch unter regionalen Aspekten etwas genauer an, fallen einige Dinge auf, die man gerade nicht unter "Zufall" abbuchen sollte. So bedingt z.B. der Schutzstatus Landschaftsschutzgebiet eine aufwändige Einzelfallprüfung bei Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen mit geringen Genehmigungsaussichten bei hohem landschaftsästhetischen Potential. Nachzuschlagen z.B. in der Döpel-Studie zu Windkraftpotentialen in Thüringen (von der Landesregierung beauftragt!). Das wird weiter unten noch wichtig …
Wir haben (mittlerweile mit Einschränkungen) hier im Gebiet Kyffhäuser/ Hainleite/Bleicheröder Berge/Dün das Privileg einzigartiger, ungestörter Sichtachsen (mit der Sonne im Rücken!) auf das gesamte spektakuläre Harzpanorama. Viele Aussichtspunkte an Wanderwegen, an Burgruinen und Burgen profitier(t)en davon und waren/sind auch entsprechend ausgewiesen. Das damit verbundene touristische Potential ist bei Weitem noch nicht ausgereizt, ob aktuelle Bestrebungen hier den Durchbruch bringen, bleibt abzuwarten.
Auf jeden Fall aber wäre es grob fahrlässig, die verbliebenen Reste dieses Potentials mit einem Federstrich unwiederbringlich auszulöschen. Wer einmal auf der Burg Lohra stand (hier nur stellvertretend genannt!) und bei schönen Wetter und guter Sicht nach Norden schaute, wird diesen Anblick so schnell nicht vergessen. Auf diese Art und Weise erschließen sich die Begriffe "Heimat" oder auch "tolle Gegend" in ungeahnter Dimension zumindest für die Menschen, die sich eine entsprechende Sensibilität bewahrt haben.
Nun ist es wohl eher wirklichkeitsfremd zu erwarten, dass vor diesem Hintergrund in einer Region wie dem Südharz die Windkraftnutzung vollkommen ausgeblendet wird, auch wenn z.B. in südlicheren Bundesländern die Prioritäten völlig anders gesetzt werden. Was aber oft übersehen wird: In unserer Region ist nach den Winddargebotskarten des DWD allenfalls der Windpark in Hain ausreichend höffig, andere ggf. infrage kommende Standorte bieten weniger Ertrag. Auch besagte Döpel-Studie sieht die wirklich höffigen Potentiale (größer 300W/m²) in Nordthüringen eher im Unstruth-Hainich-Kreis, im Kyffhäuserkreis und im Eichsfeld. Jetzt trotzdem die am Schwellenwert von 200 W/m² kratzenden Hügel zwischen Harz und Hainleite von Ost nach West voranschreitend mit immer mehr WKA's vollzustellen scheint also eher ideologiebasiert als an der Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen orientiert. Es wäre interessant zu erfahren, wie die Kosten-Nutzen-Bilanz einer WKA im windenergetischen Hinterland ausfällt, erst recht, wenn man die direkten und indirekten Förderungen herausrechnet und dafür die Entsorgungskosten aller, insbesondere der CF-haltigen Bauteile berücksichtigt. Der gravierende Verlust an Landschaftspotentialen durch die Wipperdorfer Anlagen ist jedenfalls schon jetzt für die westliche Hainleite (Wöbelsburg bis Großlohra) zur Realität geworden. Für obrigkeitshörige brave Staatsbürger war das ggf. zähneknirschend, aber ohne Widerspruch hinzunehmen, weil im aktuell gültigen RROP als Windvorranggebiet ausgewiesen.
Es geht also noch besser, und es wird noch besser - siehe nachfolgenden Teil 3:
17.07.2018, 17.50 Uhr
Fönix | Windkraftterror im rrG-Land - Teil 3
Weiter westlich wird die Situation noch diffiziler. Spätestens mit einem Windpark unmittelbar nördlich der Bleicheröder Berge wird es auch regionalpolitisch spannend: In früheren RROP's waren die Bleicheröder Berge Landschaftsschutzgebiet, diesen Schutzstatus hat aber interessanterweise noch die eichsfeldaffine CDU-geführte Landesregierung aufgehoben, fein säuberlich abgetrennt an der rein politischen Kreisgrenze zwischen Eichsfeld und Nordhausen. Begründet wurde das seinerzeit mit dem schlechten Zustand des Wegesystems in den Bleicheröder Bergen und seiner mangelhaften Ausweisung. Absolut lächerlich, wenn man zum betreffenden Zeitpunkt die zur gleichen geologischen Formation gehörenden Wanderwege z.B. rund um die Hasenburg oder im Ohmberg zwischen Kaltohmfeld und Hauröden begangen hat (war hier nur mit guten topographischen Karten möglich, trotzdem blieb im Eichsfeldkreis der Status Landschaftsschutzgebiet erhalten!) und den unmittelbaren Vergleich zu den Wanderwegen in den Bleicheröder Bergen anstellte. Diese wurden nicht ohne Grund 2009 vom MDR zum Austragungsort des Osterspaziergangs auserkoren…

Alles deutet darauf hin, dass die Politik nur einen Vorwand suchte und fand, um ganz grundsätzlich ("wer weiß, was noch kommt" ;-) für diesen Bereich des Landkreises Nordhausen die faktische Möglichkeit eines erfolgversprechenden Widerspruchs gegen die Errichtung eines Windparks zu eliminieren. Im Eichsfeld blieb dagegen in dieser Hinsicht alles, wie es war. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus …

Ein weiteres Argument war in diesem Zusammenhang auch die Beibehaltung des Schutzstatus als FFH Gebiet. Das damit aber in den Bleicheröder Bergen nur die Vögel und ihre Lebensräume geschützt blieben, nicht aber die für die Lebensqualität der Menschen bedeutenden überregionalen Raumbezüge, hat man natürlich nicht erwähnt. Offensichtlich hat es auch in der Region kaum jemanden interessiert, jedenfalls nicht den im Bleicheröder Stadtrat vertretenen ausgewiesenen, weil ausgebildeten Tourismusfachmann. Dieser hat wie seine Kollegen die grundsätzliche Bedeutung der politisch geführten infrastrukturellen Rahmenbedingungen offensichtlich nicht erkannt (oder wollte oder durfte sie nicht erkennen), der Aufschrei ist jedenfalls bis heute ausgeblieben …

Es gab in den Bleicheröder Bergen über Generationen bestens besuchte Waldgaststätten wie Vogelberg, Waldschlösschen und Waldhaus Japan, zumindest Letzteres ist (noch) als Restauration präsent. Allen gemeinsam war der einzigartige Ausblick auf den Harz. Ich warte traurig auf den Tag, an dem die letzte dieser Bastionen fällt, weil man den Wald vor lauter 200m-Türmen kaum noch sieht. Es wäre ein unglaublicher Verlust, gerade wo sich das arg wendegebeutelte ehemalige Kalistädtchen zur Zeit mühsam aber stetig wieder aufrappelt und sich seiner naturgegebenen Schätze bedienen könnte.
18.07.2018, 08.41 Uhr
Andreas Dittmar | Da hab ich was gefunden
Guter Kommentar @Fönix . Sie haben auch den FFH-Schutzstatus angesprochen. Wenn es die Redaktion erlaubt, hier ein interressanter Link zum Thema :
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/fledermaeuse/wissen/15018.html
Wenn der Herr Schwarzberg auf den Artikel stößt schreibt er vielleicht auch ein paar Zeilen dazu. Soweit ich mal gehört habe erkunden die Fledermäuse ihre Umgebung mittels Ultraschall. Ich kann mir vorstellen, das dieses System in der Nähe der Windparks nicht mehr richtig funktioniert.
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