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Fr, 08:44 Uhr
01.06.2018
Patientenakamdie Bleicherode

Wenn das Knie Probleme macht

Höchstleistung rund um die Uhr: der Körper muss viel aushalten. Knie und Hüfte machen uns beweglich und halten dabei enorme Belastungen aus. Doch die ständige Beanspruchung und Belastung bleibt nicht ohne Folgen. Welche Therapiemöglichkeiten es gibt klärt Dr. med. Steffen Kohler, Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Orthopädie der Helios Klinik Bleicherode...

Die Folgen können Gelenkverschleiß und quälende Dauerschmerzen sein. In dieser Situation erden oft künstliche Knie-und Hüftgelenke eingesetzt. Zur Vermeidung von Operationen bzw. Linderung von bereits vorhandenen Schmerzen gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und Verhaltensempfehlungen. Doch um welche Therapien handelt es sich im Einzelnen?

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Ist das Gelenk durch eine Arthrose so geschädigt, dass es nur noch schmerzt und nicht mehr belastet werden kann, und alle konservativen Behandlungsversuche sind ausgeschöpft, ist eine OP oft die letzte Lösung. Hier wird häufig das navigierte Einsetzen von künstlichen Gelenken vorgenommen, doch was bedeutet dies und welche Vorteile gibt es für die Patienten? Auf diese zwei Themenbereiche wird Dr. med. Steffen Kohler, Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Orthopädie der Helios Klinik Bleicherode, in der Patientenakademie am 05.06.18 um 18.00 Uhr näher eingehen.

Herr Dr. Kohler, die Operation sollte die letzte Lösung nach einer Reihe von Behandlungen sein. Was beinhalten diese sogenannten konservativen Behandlungsformen?

Das Wort konservativ steht dem Wort operativ gegenüber und bedeutet in diesem Fall, dass ohne Operation behandelt wird. Dazu gehören alles, was gegen die schmerzhafte Bewegungseinschränkung, das wesentliche Merkmal eines Gelenkverschleißes, wirkt. Einerseits zählt dazu eine effektive Schmerzbekämpfung, z.B. durch Medikamente, aber auch durch Stabilisierung der Muskulatur. Von wesentlicher Bedeutung sind ebenfalls die koordinativen Fähigkeiten: Jeder kann bei geschlossenen Augen genau sagen, wie stark beispielsweise sein Kniegelenk gebeugt ist – der Körper erkennt dies an den im Unterbewusstsein weitergegebenen Signalen von Sensoren, die in der Gelenkschleimhaut, in den Bändern und in der Gelenkkapsel sitzen. Diese Fähigkeit kann man trainieren. Ergänzend dazu kann es auch sinnvoll sein, mit stabilisierenden äußeren Hilfsmitteln, wie z. B. Schienen oder Orthesen, zu unterstützen. Zu guter Letzt ist es auch möglich, mit Injektionen in die Nähe des Gelenkes oder in das Gelenk hinein den begleitenden Reizzustand zu beeinflussen oder auch die Knorpelernährung zu verbessern.

Dr. med. Steffen Kohler spricht bei der nächsten Patientenakademie der Helios Klinik Bleicherode (Foto: Helios Klinik Bleicherode) Dr. med. Steffen Kohler spricht bei der nächsten Patientenakademie der Helios Klinik Bleicherode (Foto: Helios Klinik Bleicherode)

Was kann der Patient selbst aktiv im Alltag tun, um seine geschädigten Gelenke zu entlasten?

Die Devise ist: Ausreichende Bewegung, aber keine Überlastung des Gelenkes. Jeder Patient mit einer Kniearthrose wird übertriebene sportliche Belastung von sich aus vermeiden, weil er es schmerzmäßig nicht toleriert. Spaziergänge – durchaus im sportlichen Stil mit Unterstützung von Nordic-Walking-Stöcken – sind auch mit mittelgradigen Arthrosen noch gut machbar und tragen daneben zur Verbesserung der Kondition und Stabilisierung des Kreislaufs bei.

Ganz wichtig ist auch das leidige Thema des Übergewichts: Vor allem das Kniegelenk, aber auch das Hüftgelenk reagieren sensibel auf Übergewicht. Dessen Normalisierung hat einen sehr hohen Stellenwert in der Vermeidung einer Arthrose bzw. in deren Verlangsamung, wenn sie einmal aufgetreten ist.

Wann ist der Zeitpunkt für ein künstliches Gelenk gekommen?

Der Zeitpunkt ist sehr individuell geprägt. Es ist letztlich die Lebensqualität, die so stark eingeschränkt sein soll, dass der Patient sagt: „So komme ich nicht mehr zurecht.“. Dazu zählen z.B. die Mobilität, also die schmerzarm zurücklegbare Gehstrecke, die Bewältigung von Treppen, der nächtliche Schmerz, die eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit, aber auch der Schmerzmittelverbrauch. Die Schwelle ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und bedarf einer individuellen Bewertung durch den Operateur und durch den Patienten.

An dieser Stelle eine ganz wichtige Feststellung: Wir Ärzte sind dafür da, den Patienten zu beraten und ihm auch Empfehlungen zu geben. Entscheiden muss immer der betroffene Patient selbst!

Auch die Konservative Therapie hat Grenzen und irgendwann ist eine Operation die einzige Lösung. Heutzutage wird hierbei vermehrt ein Navigationssystem zum Einsetzten von künstlichen Gelenken verwendet. Können Sie uns kurz erklären was ein Navigationssystem kann?

Ein Navigationssystem ist ein Hilfsmittel, mit dem man Implantate hoch präzise einsetzen kann. Am Hüftgelenk betrifft es vor allem die dreidimensionale Positionierung der Hüftpfanne, die eine gewisse Kippung zur Horizontalen, aber auch einen definierten Öffnungswinkel nach vorn haben muss. Am Knie wiederum weiß man, dass es höchstwahrscheinlich für das Überleben des Gelenkes wichtig ist, neben gut ausbalancierten Weichteilen eine korrekte Beinachse herzustellen. Bei beiden hilft das Navigationssystem. Man kann es sich ähnlich wie einen künstlichen Horizont in einem Flugzeug vorstellen – sobald das Flugzeug in eine Kurve fliegt und sich zum Horizont neigt, wird das auf einem speziellen Instrument im Cockpit angezeigt. Ähnlich sieht es auf dem Bildschirm des Navigationsgerätes aus: Die Abweichung wird gradgenau angezeigt und der Operateur kann in Echtzeit korrigierend eingreifen. Man muss ein Navigationssystem unbedingt von einem Operationsroboter unterscheiden. Dieser agiert bis zu einem gewissen Maße selbständig, während bei der Navigation immer der Arzt die Instrumente selber in der Hand hat.

Gibt es Vorteile für die Patienten?

Ja, die gibt es: Am Hüftgelenk ist es möglich, einen Großteil vor allem der Pfannenimplantate punktgenau im Zielbereich einzusetzen. Damit sinkt insbesondere die Rate von Gelenkausrenkungen dramatisch, was wir in unserer eigenen Statistik seit der Einführung der Navigation sehr genau nachvollziehen können. Am Kniegelenk steigt die Haltbarkeit, oder anders herum, es sinkt die Rate von Wechseloperationen. Wir haben das nach 10 Jahren im Rahmen einer Doktorarbeit untersucht und trotz ohnehin schon guter Resultate ohne Navigation die Rate von Wechseloperationen nach 10 Jahren mit Navigation nochmals etwa halbieren können. Für diese Arbeit erhielt Frau Oberärztin Dr. Baumbach vor einigen Jahren den Preis als beste wissenschaftliche Arbeit auf dem Weltkongress für computergestütztes Operieren in Seoul.
Helios Klinik Bleicherode
Autor: red

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