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Mo, 09:00 Uhr
16.04.2018
Verwaltungskonflikt auf dem Rücken des Nordhäuser Sports

Stuhl-Probleme im Rathaus

Der Nordhäuser Sportverein ist einer der größten Vereine im Landkreis Nordhausen. Unter anderem gibt es eine Abteilung Boxen und die Männermannschaft boxt derzeit um die Deutsche Meisterschaft. Bislang gab es auch Unterstützung seitens der Stadtverwaltung. Das aber hat sich geändert...

Bestuhlt (Foto: ulleo/pixabay.com)
In der aktuellen Bundesligasaison wurden die drei Heimkämpfe - wie in den Jahren zuvor - in der Nordhäuser Ballspielhalle ausgetragen. Unendlich viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit erledigten die Mitglieder des NSV und unterhielten Unterstützung seitens der Stadt, die auch Eigentümerin der Halle ist.

Am kommenden Samstag wird es in punkto Deutscher Meisterschaft richtig Ernst. Im ersten Entscheidungskampf treffen der Nordhäuser und die Boxer aus Hannover Seelze aufeinander. Da die Verantwortlichen des Vereins dafür mit einem erhöhten Publikumsandrang rechnen, haben sie sich für die Austragung des Kampfes in der größeren Wiedigsburghalle entschieden.

Das wiederum passt nicht in die Vorstellungswelt des Rathauses und so wurde die bisher zugetane Unterstützung abgesagt. Die bestand und da ist die Verwaltung im Rathaus plötzlich sehr akribisch aus der:
  • "Bereitstellung von 75 Stühlen aus dem Bürgersaal des Neuen Rathauses als VIP Bestuhlung,
  • Bereitstellung von 450 Besucherstühlen,
  • Bereitstellung von Auslegmatten zum Schutz des Hallenbodens,
  • Personellen Absicherung der Halle."
Den Rechenschieber holten die Verwalter ebenfalls herbei und kommen auf eine Summe von rund 1.000 Euro pro Boxkampf. Hinzu addiert man die zusätzlichen Betriebskosten und die entgangene Miete, da die Halle kostenfrei überlassen wurde. Wer jedoch in das Thüringer Sportfördergesetz schaut, der weiß, dass die Hall einem Verein für den satzungsgemäßen Zweck zur Verfügung gestellt werden muss.

In der Abteilung Boxen des NSV weiß man die bisherige Unterstützung zu schätzen, dass man allerdings wöchentlich vor dem Rathaus auf die Knie fallen muss, daran haben die Sportler und Vereinsverantwortlichen, denen auch Oberbürgermeister Kai Buchmann am Freitagabend noch seine Wertschätzung ausdrückte, vermutlich nicht gedacht. Vermutlich haben sie auch die 100 Euro nicht an die Stadt gezahlt, die das Rathaus pro Veranstaltung "als Kostenbeteiligung erbeten" hatte.

Vielleicht waren es auch die derzeitigen atmosphärischen Störungen, vielleicht auch die Tücken der Doppik, die Bürgermeisterin Jutta Krauth dazu brachten, die Unterstützung für die Boxer an diesem entscheidenden Kampftag einzustellen. Auf Anfrage der nnz lässt sie folgendes mitteilen: "Die Wiedigsburghalle, als Halle des Kreises, verfügt über derartiges Equipment. Ob dem Verein für die Nutzung der Bestuhlung in der Wiedigsburghalle Kosten entstehen, entzieht sich der Kenntnis der Stadtverwaltung."

In ihren rund zehn Jahren, da sie in der Kreisverwaltung als Vizelandrätin tätig war, müsste Frau Krauth allerdings wissen, dass der Landkreis zwar über die Halle verfügt, aber eben nicht über "derartiges Equipment". Also wandten sich die NSV-Boxer an die Autohaus-Peter-Gruppe. Deren Chefs, Helmut und Andreas Peter, sagten sofort ihre Unterstützung zu und werden für die Bestuhlung der Halle sorgen. Kostenlos, versteht sich. Wenn schon die Kommune aus fadenscheinigen Gründen die Unterstützung verwehrt, dann muss die Wirtschaft einspringen.

Die Mitglieder des Nordhäuser Sportvereins sind jedenfalls richtig sauer über das kleinliche Verhalten im Rathaus. Sie tragen schließlich nicht nur den Namen der Stadt in ihrem Vereinsnamen, sondern sorgen mit ihren sportlichen Leistungen im Boxen für eine überregionale Vermarktung und Bekanntheit der Stadt. Und sie dachten, dass in den zurückliegenden Jahren ein Nordhäuser Verein unterstützt wird, egal, in welcher Halle der seinen Sport austrägt.

In den politischen Sphären ist man sich allerdings der Ursache für die mangelnde Unterstützung sicher. Es ist scheinbar eine Retourkutsche im Streit um den Bau einer neuen Feuerwache in Nordhausen zwischen dem Rathaus und der Kreisverwaltung.

Fakt ist jedoch: mit diesem Verhalten hat das Rathaus eine entscheidende Runde verloren. Vom Sympathieverlust gegenüber dem Sport und denen, die hunderte Stunden dafür ehrenamtlich arbeiten, ganz zu schweigen.
Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

16.04.2018, 09.22 Uhr
Rainer H. | Was ist los im Rathaus?
Den neuen Oberbürgermeister sieht man kaum beim Boxen, aber den sieht man auch so kaum im Vergleich zu seinen Vorgängern. Bei der letzten Boxnacht wies man darauf hin, dass die Besucherzahl akribisch von der Stadt beobachtet werde und nicht mehr als 1200 Personen in die Halle dürften. Aus diesem Grund wolle man die Wiedigsburghalle zum Finale nutzen, um keinen Zuschauer vor der Tür stehen zu lassen. Man bedankte sich ausführlich bei der Stadt. Aber es war ja keiner da von der Verwaltung!
16.04.2018, 10.27 Uhr
murmeltier | Wen?
Wen interessiert schon Sport? Zu jeder Ausstellungseröffnung mit 20 Leute ist ein Vertreter der Stadt da. Aber wenn 1000 Zuschauern kommen interessiert das das Rathaus nicht.
16.04.2018, 11.07 Uhr
Herr Schröder | Gepflegtes Desinteresse!
Ob Rinke, Zeh oder Buchmann alles das selbe. Man pflegt die Distanz zum Volk. Da wo über 1000 Zuschauer anwesend sind und vielleicht auch noch etwas Alkohol getrunken wird bleibt man fern.

Deshalb gibt man beim Theater jetzt auch richtig Gas.
Der AKS fällt hinten runter.
16.04.2018, 13.18 Uhr
Zukunft | Lobby
Der Sport hatte es in dieser Stadt schon immer schwer. Und immer sind dafür die selben Leute verantwortlich. Das sind die, die Hochkultur als den einzigen Zeitvertreib ansehen. Sie bedienen und beschenken sich also selbst.

Mal zogen sie vor den Kulissen die Fäden, dann hinter den Kulissen. Und sie ziehen nach wie vor die Fäden, an denen andere wie Marionetten zu tanzen haben.

Da gerade Fußball was für den Pöbel ist (jetzt vermutlich auch Boxen) wird es niemals städtisches Geld für den AKS geben.
16.04.2018, 13.58 Uhr
-Insider- | @Schröder
Wann wären denn bitte das letzte Mal 1.000 oder mehr Zuschauer im AKS? Als Steuerzahler bin ich ehrlich gesagt lieber bereit ein Theater zu finanzieren, wo jährlich 100.000 + X Zuschauer nach Nordhausen kommen und/oder an Aufführungen teilnehmen, als für 600 Mann, die alle 2 Wochen ein Spiel auf dem Acker neben dem Stadtpark bejubeln zu finanzieren.

Unabhängig von Theater, AKS und Co. : Solange wir marode Brücken, Straßen und Gehwege haben, verbietet sich mMn auch nur jeder Gedankengang an solche Prestigeprojekte.
16.04.2018, 15.19 Uhr
Flitzpiepe | Mehr als 1000 Zuschauer
waren gerade erst gegen Chemie Leipzig da. Und das war an einem Mittwoch.

100000 Besucher unseres Theaters!? Statistik ist wirklich schön. Die kann man so schön für seine Zwecke verbiegen. Da ist aber alles zusammengerechnet, was auch nicht zum Theater Nordhausen gehört? Wenn man alles weg rechnet (Gastspiele, Schloßfestspiele, Sondershausen, Zappelini usw.) kommt man vielleicht auf 50000 bei ca. 200 Veranstaltungen. Das ist in dem mir vorliegenden Jahresbericht von 2015 leider nicht einzeln aufgeschlüsselt. Und diese 100000 Zuschauer werden auch nur erreicht, indem über 10 Mio. jedes Jahr als 'Zuwendungen zur Aufwanddeckung' von außerhalb fließen. Pro Besucher also ca. 100 Steuergeld!!!

Im Vergleich dazu sollte man auch immer bedenken, dass manche Erfolgsfans auch wegen des schlechten Zustands des AKS wegbleiben. Das ist aber beim Theater nicht der Fall, denn da ist der Sanierungsstau hinter der Bühne.

Dass die Infrastruktur insgesamt total marode ist, steht auf einem anderen Blatt. Nur sind das eben andere Fördertöpfe, die man nicht beliebig tauschen bzw. anders verwenden kann. Wenn das Land nunmal nur Geld für Theater und AKS gibt, dann kann die Stadt nur das Geld nehmen und den Eigenanteil, den sie in beiden Fällen eigentlich NICHT hat, dazu geben oder es eben ganz lassen. Wenn Theater und AKS nicht saniert werden, wird dadurch keine Brücke oder Straße besser.
16.04.2018, 15.40 Uhr
Zukunft | Ich kann mich noch erinnern:
Im vergangenen Jahr war zumindest Frau Krauth einmal im AKS, als sie im Wahlkampfmodus war. Hat man sie danach wieder gesehen? Vermutlich nicht. Die Saison im Boxen begann ja erst nach der OB-Wahl, da brauchte sie wenigstens nicht auch noch dort hinzugehen. Welch eine Heuchelei?
16.04.2018, 16.30 Uhr
Pöbel_Ralle | Problem?
Früher, als wir nichts hatten, da haben wir immer unsere Stühle mit Sitzkissen selber mit gebracht.
16.04.2018, 18.49 Uhr
Blueman | na prima
Jetzt kommt hier noch einer ala früher war alles besser
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