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Verwaltungskonflikt auf dem Rücken des Nordhäuser Sports

Stuhl-Probleme im Rathaus

Montag, 16. April 2018, 09:00 Uhr
Der Nordhäuser Sportverein ist einer der größten Vereine im Landkreis Nordhausen. Unter anderem gibt es eine Abteilung Boxen und die Männermannschaft boxt derzeit um die Deutsche Meisterschaft. Bislang gab es auch Unterstützung seitens der Stadtverwaltung. Das aber hat sich geändert...


In der aktuellen Bundesligasaison wurden die drei Heimkämpfe - wie in den Jahren zuvor - in der Nordhäuser Ballspielhalle ausgetragen. Unendlich viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit erledigten die Mitglieder des NSV und unterhielten Unterstützung seitens der Stadt, die auch Eigentümerin der Halle ist.

Am kommenden Samstag wird es in punkto Deutscher Meisterschaft richtig Ernst. Im ersten Entscheidungskampf treffen der Nordhäuser und die Boxer aus Hannover Seelze aufeinander. Da die Verantwortlichen des Vereins dafür mit einem erhöhten Publikumsandrang rechnen, haben sie sich für die Austragung des Kampfes in der größeren Wiedigsburghalle entschieden.

Das wiederum passt nicht in die Vorstellungswelt des Rathauses und so wurde die bisher zugetane Unterstützung abgesagt. Die bestand und da ist die Verwaltung im Rathaus plötzlich sehr akribisch aus der:
  • "Bereitstellung von 75 Stühlen aus dem Bürgersaal des Neuen Rathauses als VIP Bestuhlung,
  • Bereitstellung von 450 Besucherstühlen,
  • Bereitstellung von Auslegmatten zum Schutz des Hallenbodens,
  • Personellen Absicherung der Halle."
Den Rechenschieber holten die Verwalter ebenfalls herbei und kommen auf eine Summe von rund 1.000 Euro pro Boxkampf. Hinzu addiert man die zusätzlichen Betriebskosten und die entgangene Miete, da die Halle kostenfrei überlassen wurde. Wer jedoch in das Thüringer Sportfördergesetz schaut, der weiß, dass die Hall einem Verein für den satzungsgemäßen Zweck zur Verfügung gestellt werden muss.

In der Abteilung Boxen des NSV weiß man die bisherige Unterstützung zu schätzen, dass man allerdings wöchentlich vor dem Rathaus auf die Knie fallen muss, daran haben die Sportler und Vereinsverantwortlichen, denen auch Oberbürgermeister Kai Buchmann am Freitagabend noch seine Wertschätzung ausdrückte, vermutlich nicht gedacht. Vermutlich haben sie auch die 100 Euro nicht an die Stadt gezahlt, die das Rathaus pro Veranstaltung "als Kostenbeteiligung erbeten" hatte.

Vielleicht waren es auch die derzeitigen atmosphärischen Störungen, vielleicht auch die Tücken der Doppik, die Bürgermeisterin Jutta Krauth dazu brachten, die Unterstützung für die Boxer an diesem entscheidenden Kampftag einzustellen. Auf Anfrage der nnz lässt sie folgendes mitteilen: "Die Wiedigsburghalle, als Halle des Kreises, verfügt über derartiges Equipment. Ob dem Verein für die Nutzung der Bestuhlung in der Wiedigsburghalle Kosten entstehen, entzieht sich der Kenntnis der Stadtverwaltung."

In ihren rund zehn Jahren, da sie in der Kreisverwaltung als Vizelandrätin tätig war, müsste Frau Krauth allerdings wissen, dass der Landkreis zwar über die Halle verfügt, aber eben nicht über "derartiges Equipment". Also wandten sich die NSV-Boxer an die Autohaus-Peter-Gruppe. Deren Chefs, Helmut und Andreas Peter, sagten sofort ihre Unterstützung zu und werden für die Bestuhlung der Halle sorgen. Kostenlos, versteht sich. Wenn schon die Kommune aus fadenscheinigen Gründen die Unterstützung verwehrt, dann muss die Wirtschaft einspringen.

Die Mitglieder des Nordhäuser Sportvereins sind jedenfalls richtig sauer über das kleinliche Verhalten im Rathaus. Sie tragen schließlich nicht nur den Namen der Stadt in ihrem Vereinsnamen, sondern sorgen mit ihren sportlichen Leistungen im Boxen für eine überregionale Vermarktung und Bekanntheit der Stadt. Und sie dachten, dass in den zurückliegenden Jahren ein Nordhäuser Verein unterstützt wird, egal, in welcher Halle der seinen Sport austrägt.

In den politischen Sphären ist man sich allerdings der Ursache für die mangelnde Unterstützung sicher. Es ist scheinbar eine Retourkutsche im Streit um den Bau einer neuen Feuerwache in Nordhausen zwischen dem Rathaus und der Kreisverwaltung.

Fakt ist jedoch: mit diesem Verhalten hat das Rathaus eine entscheidende Runde verloren. Vom Sympathieverlust gegenüber dem Sport und denen, die hunderte Stunden dafür ehrenamtlich arbeiten, ganz zu schweigen.
Peter-Stefan Greiner
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