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Sa, 09:45 Uhr
14.04.2018
Bisher keine Entschädigung für Zwangsumgesiedelte

Wer an der Grenze wohnte, galt als Ungeziefer

Bis heute sind Vertriebene aus dem Sperrgebiet an der ehemaligen Zonengrenze im Landkreis Nordhausen nicht entschädigt worden. Im Juni 1952 wurden 143 Familien mit 521 Personen vom SED-Regime zwangsumgesiedelt. Manfred Neuber berichtet...


In einer Nacht-und-Nebel-Aktion mussten Bauern, Landarbeiter und kleine Gewerbetreibende ihre Heimat verlassen. Unter dem menschenverachtenden Decknamen „Ungeziefer“ wurden sie in den Kreis Sömmerda und in den Raum Neustrelitz (Mecklenburg) verfrachtet.

Die Räumung des fünf Kilometer breiten Sperrgebietes geschah nach einer Verordnung der DDR-Regierung über die Einrichtung einer Sperrzone entlang der Demarkationslinie,um – so die offizielle Begründung – das Eindringen von „Diversanten, Spionen, Terroristen und Schädlingen in die DDR zu verhindern“. Tatsächlich sollte die Flucht von Bürgern aus dem Unrechtsstaat, der ihnen die Reisefreiheit verwehrte, in den Westen verhindert werden. Mit einer Polizei-Verordnung wurde ein strenges „Grenzregime“ zur „Säuberung“ des Sperrgebietes von „unzuverlässigen Personen“ eingeführt.

Als die Familien und einzelnen Personen am Abend des 6. Juni 1952 von ihrer für den nächsten Tag vorgesehenen „Umsiedlung“ erfuhren, flüchteten 19 von ihnen – jeweils sechs aus Mackenrode und Ellrich, jeweils zwei aus Rothesütte, Beneckenstein und Jützenbach (Eichsfeld) und eine Familie aus Sülzhayn. In den Kreis Neustrelitz wurde eine Gruppe von 13 bäuerlichen Familien verbannt. Unter den Landwirten war ein Großbauer mit einem Hof von mehr als 50 Hektar Nutzungsfläche, zwei weitere mit über 20 Hektar, die Mehrzahl der bewirtschafteten Höfe unter zehn Hektar.

„Die Aktion ‚Ungeziefer’ war keine Initiative der Stasi oder der Polizei, sondern sie lief im Auftrag und unter Kontrolle der SED“ mit Unterstützung durch die Kampfgruppen aus den Betrieben, ermittelte Dr. Hanna Labrenz-Weiß in ihrer wissenschaftlichen Dokumentation für die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.

„Die Bevölkerung sollte auch mithilfe entsprechender ‚Gehirnwäsche’ der SED-Propaganda davon überzeugt werden, dass die Zwangsumsiedlung sie vor Feinden schützen würde“, stellte sie fest. Die Bewohner in den Grenzgemeinden hinter dem Sperrgebiet sollten gemeinsam mit der Volkspolizei „den Schutz ihres Dorfes“ übernehmen. Mit dem Ausbau der Grenzposten und der Errichtung der ersten Sperranlagen wurde die „grüne Grenze“ zwischen West- und Mitteldeutschland geschlossen und der vorher noch mögliche kleine Grenzverkehr unterbunden. Für Jahrzehnte blieben Familien und Verwandte, Freunde und einstige Nachbarn in Grenzorten voneinander getrennt.

Nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde die Abriegelung der Grenze verschärft und die zweite Vertreibung in Gang gesetzt. Unter der Parole „Kornblume“ waren im Kreis Nordhausen 98 Personen erfasst worden; von ihnen wurden schließlich dreißig zwangsumgesiedelt. Anders als im Juni 1952 wurden die Betroffenen nicht am Vorabend über ihr Schicksal informiert, um Fluchten zu vereiteln. Eine Stunde vor Beginn der Aktion wurden acht Personen in Ellrich abgefangen, die mit einem Zug zur Arbeit in Nordhausen fahren wollten. Andere wurden um 5.45 Uhr aus den Betten gerissen, so dass sie keinen Widerstand leisten konnten.

An Zynismus nicht zu überbieten war der Schlusssatz der Begründung, der ihnen vorgelesen wurde: „Obwohl ein Wechsel des Wohnortes natürlicherweise von gewissen Beschwernissen begleitet ist, hoffen wir, dass Sie Verständnis für diese Maßnahme aufbringen und uns helfen, in Ihrem eigenen Interesse alles Erforderliche schnell und reibungslos durchzuführen.“ „Reibungslos“ bedeutete, dass die Vertriebenen ihre Wohnung nicht mehr verlassen durften und auf die Fahrzeuge für ihren Abtransport warten mussten.

Sie durften nicht einmal ihre Sachen selbst einpacken; das übernahmen Angehörige der Kampfgruppen. Ohne Vorwarnung landeten sie in einer völlig fremden, oft sehr ärmlichen Gegend der DDR. Mit Ausnahme der Zwangsumsiedler aus Klettenberg verließen alle betroffenen Personen das Kreisgebiet in den frühen Nachmittagsstunden. In Klettenberg kam es zu Verzögerungen, weil sich dort zwei Einwohner meldeten, die den Ort freiwillig verlassen wollten. Dafür benötigten sie die Genehmigung der Einsatzleitung in Erfurt, die zwei Stunden später eintraf.

„Die Einschüchterung der Bevölkerung war offensichtlich so groß, dass niemand sich traute, gegen die Aktion vorzugehen. Die Einsatzleitung wertete dieses Verhalten als ‚diszipliniert’ und sprach sogar davon, dass es eine Reihe von Zustimmungen zum Wohnungswechsel gab.“
Die verlassenen Gebäude und Gehöfte wurden anschließend geschätzt, über das Inventar und das Vieh eine Übersicht erstellt. Die Schlüssel der geräumten Wohnungen zog die Grenzpolizei ein. Einen Tag nach der Vertreibung fanden in allen Gemeinden des Sperrgebietes öffentliche Versammlungen statt, weil große Unruhe über mögliche weitere Umsiedlungen herrschte.

In einem Rapport der Kreiseinsatzleitung Nordhausen wurde über Sicherungs- und Räumkommandos berichtet, aber auch über verzweifelte Menschen, die entweder flüchteten, zu fliehen versuchten oder ihre Wohnungen nicht verlassen wollten. In Mackenrode legte sich ein Bauer in seinen Pferdestall; zwei andere Einwohner wurden festgenommen, weil sie vor der Aktion warnten.

„Eher nehme ich mit meinen Kindern Gift, als dass ich wieder umziehe“, soll eine Frau in Mackenrode wütend erklärt haben. „1947 haben uns die Polacken rausgeworfen, und heute kommt ihr und vertreibt uns!“ In Branderode soll eine Heimatvertriebene ihre Angehörigen, die sich aufhängen wollten, von der „Notwendigkeit“ der Umsiedlung überzeugt haben. Diesmal gebe es aber eine „humane Vorgehensweise“.

Im Umfeld der Zwangsumsiedlungen kam es zu Denunziationen und Schadenfreude. So in Mauderode, wo die Einwohner die Aussiedlung des Leiters der Konsum-Verkaufsstelle forderten, weil er angeblich Fleisch, Wurst und Schokolade veruntreute. In Ellrich prangerte ein Schulrektor einen früheren Lehrer an, weil dessen Vater Nazi gewesen sei. Seine Aussiedlung solle „nachgeholt werden“. Ein Beispiel von Sippenhaft gab es in Branderode, weil der Sohn Heinz der Bauernfamilie Stülzebach eine Woche vor der Umsiedlungsaktion in den Westen gegangen war, mussten die Eltern ihren Hof verlassen, obwohl sie beteuerten, von der Flucht nichts gewusst zu haben. Der Sohn war Vorsitzender der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Unter einer Mistfuhre brachte er Frau und Kinder über die Grenze, da er die Grenzposten unverdächtig passieren konnte.

Ein LPG-Mitglied zürnte: „Seine ruchlose Tat ist für alle Branderöder nur Anlass, sich noch fester zusammenzuschließen und ihr sozialistisches Dorf aufblühen zu lassen. . . Je besser wir im Kollektiv arbeiten, desto empfindlichere Schläge versetzten wir Adenauer, Atom-Strauß und Konsorten.“ Im Dorf sollten sofort alle Westkanäle aus den Fernsehern entfernt werden. Von den generalstabsmäßig durchgeführten Operationen entlang der innerdeutschen Grenze sind mehr als 12 000 Personen betroffen worden. „Wir wurden auf Güterwagen der Bahn wie Vieh verladen, Zielort unbekannt“, erinnert sich eine Vertriebene. Schätzungsweise 3 000 Personen entgingen der Zwangsumsiedlung durch Flucht in den Westen. An den neuen Wohnorten wurde verbreitetet, bei den Ankömmlingen handele es sich um Kriminelle.

Im Unterschied zu politischen Haftopfern und Dopingopfern der DDR sind die Zwangsumgesiedelten nie entschädigt worden. Initiativen auf politischer Ebene, die daran etwas ändern wollen, sind bisher im Sande verlaufen. Einen neuen Vorstoß haben jetzt Wolfgang Clement, ehemaliger Bundesminister, und Jürgen Aretz, früher Staatssekretär, unternommen. Beide fordern eine Stiftung, die in Verbindung mit den Landesbeauftragten für die Aufarbeitung des SED-Unrechts eine systematische dokumentarische Erfassung vornimmt, durch Befragungen, Suche nach privaten Erinnerungsstücken, Dokumentensicherung, und Archivarbeiten in Zusammenarbeit mit Heimatforschern und kirchlichen Stellen, wissenschaftlichen Projekten unter Einbeziehung Betroffener.

„Die Wiedervereinigung liegt inzwischen eine Generation zurück. Die Mauer ist ebenso lange wieder geöffnet, wie sie zuvor die Menschen in Ost-Berlin eingesperrt hat. Die Erinnerung an die damaligen Geschehnisse verblasst immer mehr. Dem gilt es entgegen zu wirken und auch, ganz konkret, dem Schicksal der Zwangsausgesiedelten gerecht zu werden“, meint Wolfgang Clement. „Vielleicht könnte die Initiative dazu von den Landtagspräsidenten der neuen Länder ausgehen.“ Manfred Neuber
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Kommentare

14.04.2018, 10.33 Uhr
pitti7
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema
14.04.2018, 11.03 Uhr
henry12 | Tja, Herr Neuber,
an diesen Ereignissen können wir heute leider nichts mehr ändern. Ihr Kanzler Adenauer hat 1952 die Vereinigung Deutschlands nach einem Vorschlag Stalins leider abgelehnt. Aber das werden vielleicht sogar Sie wissen. Dann hätte es keine innerdeutesche Grenze gegeben.
Aber wie hat Ihr Kanzler damals gesagt ? " Lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze Deutschland halb" . Der Westen war von Anfang an auf Krawall gebürstet. So einfach ist die Wahrheit.
14.04.2018, 12.58 Uhr
Latimer Rex | Stalinist / Tja, Henry12
Völlig Recht haben Sie, dass Adenauer die Bundesrepublik
im westlichen Bündnis verankerte, anstatt auf den Ratten-fänger-Trick Stalins für eine Wiedervereinigung unter Ham-
mer und Sichel hereinzufallen. Soviel Naivität heute noch
gegenüber Moskauer Desinformatije hat fast einen Platz
im Guinness-Buch der Rekorde verdient.
14.04.2018, 13.35 Uhr
Leser X | Richtig, Henry12...
... und wie wir heute früh erfahren mussten, hat sich am Wesen des Westens nichts geändert. Immer noch auf Krawall gebürstet und auch weiterhin verlogen. Da müssen einmal mehr Lügen her, um andere Länder zu überfallen. Initiiert wieder durch die kriegslüsternen Axle-of-evil-Staaten USA, Frankreich und England.

Und sekundiert von einer Kanzlerin, die das richtig gut findet. Da hat sie wohl völlig ihre gute Erziehung im friedliebenden Teil Deutschlands vergessen. Unglaublich: Kriegshetze durch die Kanzlerin - sofort zurücktreten!
14.04.2018, 15.39 Uhr
henry12 | @Latimer Rex
Tja, leider keine Ahnung ,meine Bester. Deutschland war bei der angebotenen Vereinigung eine neutrale Rolle zugedacht und diese Idee war nicht die schlechteste, wenn man die Vergangenheit und die Gegenwart dieses Landes sieht. Deutschland sollte eine neutraler souveräner Staat als Pufferzone zwischen den Großmächten sein. Aber
was hätte Adenauer dann mit seinen ganzen Wehrmachts-Generälen gemacht, die doch lieber wieder ein bischen Krieg spielen wollten ?
14.04.2018, 17.04 Uhr
Andreas Dittmar | Interressanter Artikel Herr Neuber
Auch wenn einige wieder gern Vergleiche zur Bonner Republik einfordern um damit das Geschehen zu relativieren. Dieser Artikel braucht aus meiner Sicht keine solche Querverweise . Zum aktuellen Geschehen hänge ich hier aber auch ein paar Worte an.

@Leser X sie haben da voll ins Schwarze getroffen. Es gibt eben Staaten, die weder eine Kriegserklärung noch stichhaltige Beweise auf den Tisch legen müssen, geschweige denn das Ergebnis einer unabhängigen Untersuchungskommission abwarten brauchen, um eben mal 110 Raketen auf ein fremdes Land abzufeuern.

Jeder kennt auch die Videosequenzen und Bilder, die der sogenannte Auslöser waren und uns die Situation nach einem Chemiewaffenangriff zeigen wollen. Da sieht man Helfer teilweise ohne Schutzausrüstung agieren. Das mag aus meiner Sicht bei Tränengas funktionieren aber nicht bei Chlor und Sarin. "Unabhängige Beobachter" teilten sogar schon 45 min nach dem Beginn des Angriffs mit, dass Assads Chemiewaffenarsenal erfolgreich!!! zerstört wurden.

Da hat man mit der Bewertung der westlichen Militärdoktrin in der DDR nicht falsch gelegen. Scheute man die offene militärische Intervention, stiftete man auch gern mal die Opposition zum Staatsstreich gegen gewählte Regierungen an. Allerdings @Leser X hoffe ich das ihr Part mit dem "friedliebende Teil Deutschlands" ironisch gemeint ist. Auch die DDR und die ehemalige Sowjetunion unter Stalin und seinen Nachfolgern waren Diktaturen mit einer nach außen hin gespielten demokratischen Fassade, die Demokratiebestrebungen gnadenlos zusammengeschossen haben, Menschen deportierten und wegsperrten, die Todesstrafe vollstreckten und Personenkult um ihre Führer betrieben. Auch die Bluthunde, die solche Diktaturen mit Feuer und Schwert festigen braucht man nicht lange suchen. Zwischen Hilde Benjamin und Roland Freissler gab es keinen Unterschied genau so wenig wie zwischen Erich Mielke und Reinhard Heydrich.
14.04.2018, 17.52 Uhr
Latimer Rex | Wirklich unglaublich / Leser X
Die Bundeskanzlerin hat die nach Ihrer Auffassung "gute
Erziehung im - angeblich - friedliebenden Teil Deutsch-
lands" nicht vergessen, sondern klare Worte der Verurteilung
für den Massenmörder Assad und dessen Komplizen Putin
gefunden. Selten so gelacht: "Friedliebende DDR"? Eine
militarisierte Gesellschaft mit mehr Nazi-Offizieren in der
NVA als geläuterte Berufssoldaten in der Bundeswehr!
14.04.2018, 19.14 Uhr
Blueman | Krim und Paulus
Da kann ich Rex nur zustimmen. Afganistan, Ostosetien, Krim und die Unterstützung eines Massenmörders Assads zeugen auch nicht gerade von moralischer Integrität.

Im übrigen ist beispielsweise der durchhalte Generalfeldmarschall Paulus der verantwortliche für das Vorschriftenwesen det NVA gewesen. Lupenreine Menschenfreunde waren das in der DDR.
14.04.2018, 19.22 Uhr
tannhäuser | Nazioffiziere in der NVA?
Wenn das keine Steilvorlage für den Volkspädagogen Herrn Neuber ist.

Aber jetzt erinnere mich, dass damals beim Wehrdienst mein 70-Jähriger Kompaniechef so eine merkwürdige Tätowierung, dazu ein Bild von einem Österreicher auf dem Schreibtisch stehen hatte und im Politunterricht irgendwas vom Kursker Bogen erzählte...

Stationiert war ich übrigens in der Rudolf-Hess-Kaserne...
14.04.2018, 20.25 Uhr
Leser X | Ach Latimer Rex...
... Sie scheinen auch gern Parolen nachzuplappern, nur weil Sie sie jeden Tag hören. Für einen Massenmörder, wie Sie ihn betiteln, ist Assad jedenfalls erstaunlich beliebt im eigenen Land. Beliebter jedenfalls als Merkel in Deutschland.

Die hilflose Raketenaktion letzte Nacht ist doch nur ein wütende Grunzen des Westens, weil diesmal der von seinen imperialistischen Vasallen angestrebte Regime-Change nicht geklappt hat. Daher spucken die Gescheiterten Gift und Galle vor allem gegen Russland und tun alles dafür, diesen Krieg unmittelbar vor seinem Ende in die Länge zu ziehen.
14.04.2018, 20.55 Uhr
Latimer Rex | Keine Ahnung / Henry12
Hier Fakten statt Propaganda-Lügen aus:
www.geschichte-abitur.de/lexikon/uebersicht-deutsche-.
Die Stalin-Noten vom März/April 1952 waren ein Angebot des sowjetischen Staatschefs Stalin zur Wiedervereinigung eines neutralen Deutschlands. Bundeskanzler Konrad Adenauer und die Westmächte lehnten dessen Vorschlag jedoch ab, da sie ihn als Täuschungsmanöver betrachteten.
Stalin-Noten:
Die westdeutsche Bundesregierung lehnte jegliche Gespräche mit der DDR-Führung ab, da sie diese nicht als völkerrechtlichen Staat anerkennen wollte. Nach einem Vorschlag der SED richtete sich die sowjetische Führung mit den sogenannten Stalin-Noten an die Westmächte, um eine Lösung bezüglich der Deutschen Frage zu finden.*
Diese wurden am 10. März 1952 von Andrej Gromyko überreicht. Sie beinhalteten Vorschläge für einen gemeinsamen Friedensvertrag,
die deutsche Wiedervereinigung unter neutralen Vorzeichen,
den Abzug alliierter Streitkräfte sowie Einführung demokratischer Rechte.
Die Westmächte reagierten darauf, indem sie freie Wahlen und die Eingliederung Deutschlands in ein defensives Militärbündnis forderten. Konrad Adenauer lehnte die Stalin-Noten schließlich ab und befürwortete weiterhin
die Westintegration.
Diese sollte die Bundesrepublik zu einem wirtschaftlich starken Staat machen, sodass sie auf den Osten wie ein Magnet wirke, um somit eine deutsche Wiedervereinigung zu ermöglichen.
Folgen
Adenauer und die Westmächte betrachteten die Stalin-Noten eher als Täuschungsmanöver, da sie befürchteten, dass die Sowjetunion den Sozialismus schrittweise über Gesamtdeutschland ausbreiten könne.
Sie lehnten die Kollektivierung und das sozialistische Einparteiensystem der SED in der DDR kategorisch ab.
Infolgedessen kam es zur endgültigen Teilung Deutschlands und Europas in zwei Machtblöcke.
Adenauers Westintegration zementierte demzufolge zwar die deutsche Teilung, schuf aber auch die Grundlage für das „Wirtschaftswunder“ in den 1950er Jahren.
---------------------------------------------
Die SED hätte ein wiedervereinigtes Deutschland genauso vor die Wand gefahren wie die DDR.
Gruss vom DDR-Facharbeiter Dieter -
schrieb mir ein alter Freund.
14.04.2018, 22.46 Uhr
Kartoffelschäler | Lieber Sonntagsradler 2/henry12
ich bin mir nicht sicher, warum Sie zwei verschiedene Accounts nutzen, aber Sie werden schon Ihre Gründe haben.

Ihrer Aussage nach nehme ich an, dass Sie noch relativ jung sind. Anders wäre Ihre Kritik wegen der verwehrten Wiedervereinigung etwas unschlüssig. Stimmt, wenn die Wiedervereinigung damals stattgefunden hätte, wären jene Personen nicht umgesiedelt worden. Dafür vielleicht Personen an der österreichischen Grenze (oder an der niederländischen etc.). Wer weiß das schon.

Zwangsumsiedlungen gibt es heute übrigens immer noch in Deutschland. Jedoch werden die Personen deutlich früher informiert. Ich spreche natürlich von Dörfern in der Nähe eines Tagebaus.

Da ich das Thema zu ernst finde, gibt es heute keinen interessanten Fakt.
15.04.2018, 15.16 Uhr
Andreas Dittmar | Stalin hatte andere Pläne
Das Jahr 1952 war nicht irgendein Jahr. Hier mal ein Verweis auf meinen Kommentar vom 21.01.2018, 10.10 Uhr http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=229240 Dann ergibt es einen Zusammenhang. Die Allierten hatten mit ihrem Marshallplan, nicht ganz selbstlos, in Deutschlands Zukunft investiert. Auch die beiden deutschen Staaten existierten schon. Eine ideologische Orientierung war auch erkennbar. @Latimer Rex und @Henry12 Die Wahrheit liegt aus meiner Sicht in der Mitte. Die Stalin-Noten waren kein Täuschungsmanöver, sondern hatten politische und wirtschaftliche Hintergründe. Adenauer hat sie auch nicht abgelehnt. Ihm wurde, wenn überhaupt, eher untersagt, diese anzunehmen. Ich gehe davon aus, das er die Note schlichtweg ignoriert hat. Das damalige Bonner Gebilde war nicht nur von der finanziellen Unterstützung der Westmächte abhängig, sondern bediente auch die gemeinsamen Reparationsverpflichtungen. Eine Annahme der Stalin-Note hätte für die westlichen Besatzungszonen nicht nur einen wesentlich höheren Beitrag als die tatsächlich geleisteten 2 % bedeutet, sondern einen nicht absehbaren wirtschaftlichen Stillstand. Der Weg in die EU war zwar auch ein Knebelvertrag, jedoch die einzige Chance kein Entwicklungsland zu werden.
Der selbe Weg, wie ihn Österreich gehen durfte : die Wiedererlangung der staatlichen Souveränität, Abzug der Besatzungsmächte und Selbstbestimmung gegen die Auflage, keinem Bündnis beizutreten war für Deutschland nie vorgesehen. Im Gegensatz zu Deutschland hatte Österreich keine nennenswerte Schwerindustrie, wenig Rohstoffe und auch der Transit über die Alpen war noch kein Thema. Über den Seeweg war es auch nicht direkt zu erreichen und 7 Mio. Einwohner waren keine Basis für eine militärische Großmacht.

Nicht nur die Bonner Repulik besetzte neue Posten in Bundeswehr, Polizei, Justitz, Geheimdienst uvm. mit belasteten Altkadern bzw. ehemaligen Wehrmachtsdienstgraden (sogar der bayrische Scharfrichter wurde übernommen). Auch nach dem Fall des SED-Regimes sah man alte Gesichter an neuen Schreibtischen. Beamte fallen nicht vom Himmel.
15.04.2018, 18.59 Uhr
Andreas Dittmar | Kleine Ergänzug
Mein lieber Blueman ihren Kommentar hab ich erst jetzt gelesen und bin da etwas verwirrt. Über Putin mag ja jeder seine eigene Meinung haben aber ihre Fakten sind echt sportlich. Es gehört zwar nicht direkt zum Thema aber so kann man es nicht stehen lassen. Die Ereignisse aus meiner Sicht, Bewertung in Bezug auf Putin überlasse ich ihnen : Der sowjetische Einmarsch in Afganistan fand 1979 statt. Das war noch in der Ära Breshnew. Weder er selbst noch seine beiden Nachfolger Andropow und Tschernenko erlebten die Niederlage und den Abzug 1989. Die offizelle Version : Der damalige Präsident Karmal bat die Sowjets um militärische Unterstützung beim Kampf gegen die aufständischen Mudschaheddin. Sein Schicksal endete an einem Laternenmasten. In diesem Land kämft seit dem jeder gegen jeden incl. Sylvester Stallone alias Rambo. Da dürfen natürlich auch Friedenstruppen nicht fehlen. Bei den folgenden Punkten sind sie schon näher an Putin.
Der Konflikt zwischen Südossetien und Georgien hat eine lange Geschichte und ist auch nur einer von Vielen. In den Teilrepubliken gab es weitere Minderheiten, die im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion eigene Ziele verfolgten. Auf der Krim und im Donbass leben vorwiegend Russen, welche auf einer Autonomie bestehen. Nationalistische Tendenzen in der Ukraine sehen diese jedoch nicht vor. Die Krim spielt weiterhin auch strategisch eine wichtige Rolle. Sewastopol sichert Putin den Zugang zum Mittelmeer. Ein möglicher Beitritt der Ukraine zur NATO birgt auch hier gewaltiges Potential. Wir Deutschen haben eine belastete Vergangenheit, was eine Bewertung erschwert. Sogar Sigmar Gabriel hat hier mal mit einer Grußbotschaft ordentlich in den politischen Fettnapf getreten.
16.04.2018, 09.01 Uhr
Blueman | 2 mal 3 macht 4...
Lieber Andreas Dittmar,

ich nehme ihre Entschuldigung an!

Vielen Dank für ihre Ergänzung. Wenn ich sie richtig verstehe bestehen also zwischen Ostosetien und der Krim durchaus parallelen zu den Sudetendeutschen und Österreich am Ende der dreißiger Jahre? Heim ins Reich und Schutz der deutschen Bevölkerungsanteile? Ich glaube, dort geht es auch nur um Machtinteressen und der russische Bevölkerungsanteil wird auch nur vorgeschoben. Wenn sie die einfachen Leute mal fragen würden, dann würden sie sehr schnell feststellen, dass es denen ziemlich egal ist in welchen von beiden Staaten sie in Frieden leben. Und da ist eine militärische Intervention nicht der Friedensbringer.
16.04.2018, 21.36 Uhr
Andreas Dittmar | Um Macht und Einfluß geht es immer...
Die einfachen Menschen wollen auch nur in Ruhe leben, Frage ist, ob man die leben lässt oder ob da nicht doch noch einige die alten Rechnungen begleichen wollen.

Einen Vergleich zwischen Hitlers Einmarsch in Österreich und ins Sudetenland und Putins Politik zu ziehen wäre eine abstrakte Verallgemeinerung. Hitler selbst hat das aus meiner Sicht auch nur getan, um sein persönliches Ego aufzubessern. Ob Putin die ehemaligen Sowjetrepubliken wieder zurückerobern will wage ich zu bezweifeln. Er wird es aber nicht toll finden wenn der Westen in diesen Ländern fragwürdige Militärmanöver durchführt.

Ossetien besitzt einen Autonomiestatus und ist komplett von georischen Staatsgebiet umschlossen. Es gab und gibt dort Kräfte, die auch unter Einsatz von Waffengewalt einen eigenen Staat anstreben. Der Konflkt geht bis 1918 zurück. Die georgische Regierung duldet das natürlich nicht und greift militärisch durch. Bis hier hin könnte man es eher mit Katalonien vergleichen. Die Eskalation hatte zur Folge, das Georgier aus Ossetien nach Georgien flohen und andersrum. Die darauf folgende militärische Intervention Russlands in diesen Konflikt wird gern als Überfall auf Georgien dargestellt. Wie kommt man allerdings auf dem Landweg in eine Enklave ? Georgien selbst strebte eine Lösung unter internationalem Mandat an, was auch eine US-Beteiligung mit Friedenstruppen nicht ausschloß.

Bei der Krim denke ich um die Ecke, kann mich allerdings auch irren. Hätte die ukrainische Regierung die NATO um militärische Unterstützung gebeten, wäre die Krim von ihrer geographischen Lage her gesehen ein mögliches Einfallsstor. Dem könnte Putin zuvorgekommen sein auch mit dem Hintergrund, den Zugriff auf seine eigene Schwarzmeerflotte weiterhin zu gewährleisten.

Man sollte von Putin nicht erwarten, das er vor der Weltgemeinschaft die Hosen runterlässt. Das wäre respektlos, gerade weil man auch seinen Vorgängern mehr Wertschätzung eingeräumt hat.

Die permanente Osterweiterung der NATO ist an einem Punkt angekommen, wo man mit Manövern und Sandkastenspielen nicht weiterkommt. Der nächste Schritt würde unweigerlich in die Katastrophe führen. Meine Sicht auf das Aggressionspotential der USA hat sich auch nach der DDR nicht geändert. Da gibt es zu viele Beispiele die immer nach dem selben Muster ablaufen. Auch die Notwendigkeit mich kritisch mit den Medien und dem Handeln von Politikern auseinander zu setzen, habe ich aus der DDR-Zeit mitgenommen.
17.04.2018, 13.28 Uhr
Blueman | Das Völkerrecht gilt für alle
Jetzt muss ich mich wohl bei Ihnen Entschuldigen Herr Dittmar.

Ihre Argumentationsweise ist schon erstaunlich. Sie denken scheinbar nicht nur um die Ecke, sondern in erstaunlicher Art und Weise im Zickzack. Wo jetzt der Unterschied zwischen einer militärischen Intervention des Westens und Russlands liegt ist mir nicht ganz klar. Fakt ist doch, dass die Ukraine inkl. der Krim ein souveräner Staat ist. Und wenn sie mir erklären wollen, dass dort ein Aufstand ohne russische Beteiligung stattgefunden hat dann kann ich sie nicht ernst nehmen. Ebenso die vermeintlich notwendige Intervention in Georgien. Für mich existiert da kein Unterschied zu der Argumentationslinie Hitler-DEUTSCHLANDS.

Das Völkerrecht gilt für alle, auch für Herrn Putin. Im übrigen auch für Herrn Trump und seine Vorgänger.

In Tschetschenien geht es wahrscheinlich auch nur um die Erhaltung der russischen Integrität und den Schutz russischer Bürger. Alles ganz anders gelagert als in Katalonien oder Bayern.
17.04.2018, 23.02 Uhr
Andreas Dittmar | Das Völkerrecht gilt definitiv für alle
Das sehe ich genau so. Allerdings sind weder Rußland, die USA und auch nicht die NATO Richter und Vollstrecker. Die Gewalt geht allein vom zuständigen iGH in Den Haag aus. Dieser hat gemeldete Verstöße zu überprüfen und an Hand der Aktenlage über Maßnahmen zu entscheiden. Wird dieser iGH gar nicht erst in Entscheidungen einbzogen dann darf ich mir, genau so wie Sie die Freiheit rausnehmen und die Situation für mich beurteilen. Ob das nun richtig oder falsch ist bleibt eben offen oder man diskutiert darüber.
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