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Mo, 08:51 Uhr
02.04.2018
Offener Brief an Kreisbauernverband

Eine Chance wird vertan

Die nnz hatte in der vergangenen Woche ausführlich über die Mitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes berichtet. Dazu gibt es jetzt einen offenen Brief der Bügerinitiative "Bürger fürs Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser" an die Vorsitzendes des Verbandes...


Sehr geehrte Frau Pietzer,

zunächst möchte ich Ihnen gratulieren zu Ihrer Wahl zur Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Nordhausen. In dieser Funktion tragen Sie eine wichtige Verantwortung für alle Ihre Mitglieder, insbesondere den akut-bedrohten Kleinbetrieben.

Ich verstehe die Sorgen Ihrer höchst unterschiedlichen Mitgliedsbetriebe, jedoch nicht, wie Sie damit als Verband umgehen. Seit Jahren gibt es in Berlin die immer größer werdende Demonstrationen "wir haben es satt", zu der aus dem gesamten Bundesgebiet Kleinbauern anreisen, die vom Aufgeben bedroht sind durch die von Ihnen aufgezeigten Marktmechanismen. Sie fühlen sich eben nicht mehr gut vertreten in den bundesweiten Bauernverbänden, die eher für die Interessen der Großbetriebe sprechen - das sind die, die bis heute dank hoher EU-Subventionen die von Ihnen dargelegten Minusgeschäfte trotzdem schon erstaunlich lange und gut verkraftet haben.

Es gibt einen EU-weit anwachsenden Unmut in der Bevölkerung, die die steigende Nitratbelastung der Böden durch hochsubventonierte Intensiv-und Überschusslandwirtschaft ebenso wenig noch hinnehmen will wie das unsere Ernährungsgrundlagen infolge Bestäubermangels bedrohende Insektensterben. Dies alles ist Ihnen sicher bekannt.

Auch, dass es einen wachsenden Markt gibt für Bio-Produkte, sogar bei den Discountern - den deutsche Bauern vollumfänglich garnicht bedienen können oder wollen. Infolge des Brexits wird es wohl ab kommenden Jahr nicht mehr wie bisher die 40% des dann empfindlich geschmälerten, aus Steuermitteln von uns allen gespeisten EU-Haushaltes für "die" Landwirtschaft geben, sondern, auch angesichts der geänderten politischen Landschaft und der überfälligen Berücksichtigung des Klimawandels, Landwirtschaftssubventionen nur noch gebunden an Leistungen für die Allgemeinheit.

Das kann nur heißen: für Maßnahmen zur Reduzierung - laut Ärztezeitung - zunehmend-darmkrebsauslösender Nitratbelastung der Böden/des Grundwassers und Maßnahmen zugunsten von Bestäubern. Ein weiter so wie bisher wird es also für die Landwirtschaft nicht geben, genauso wenig wie für die Autoindustrie.

Für tragisch empfinde ich, wenn Sie sich klar gegen ein Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser aussprechen, von dem Sie einerseits - dank Nichteinschränkungs-Vertragsangeboten des TMUEN! - keinerlei Restriktionen zu erwarten haben, Sie können also weiterwirtschaften wie bisher! Aber andererseits die damit verbundenen Chancen nicht erkennen für eine zeitgemäßen Umstellung, die hier im Landkreis Nordhausen im Zuge des Biores freiwillig möglich und über Förderungen tragbar-milde gestaltet werden könnte. Und das alles angesichts Ihrer nicht mehr ausreichend erwünschten und ökologisch-schädlichen Landwirtschaftsproduktion, zu deren Kehrtwende Sie andernfalls demnächst der Markt mit vernichtender Härte zwingen wird.

Sie verschließen sich damit ausgerechnet einem gut-situierten und anwachsend-bewußter-einkaufenden Kundenpotential, obwohl Sie von den oft von einigen Bevölkerungskreisen aus finanziellen Notwendigkeiten noch nachgefragten Billigangeboten nicht existieren könnten ohne den Export, der seinerseits an sich auch zunehmend unsicherer werden wird.

Auch wenn Sie über eine starke Dachmarke Ihre konventionellen Regionalprodukte anbieten würden, hätten Sie Vermarktungs-Vorteile vom Biores. Wenn Sie schon bemitleidet werden möchten, wie Ihr Statement vermuten lässt, sollten Sie zumindest die Intelligenz Ihrer Kunden nicht unterschätzen, die auch gut ohne Ihre Regionalprodukte überleben können dank dem heutigen globalisierten Markt. Und da sehe ich doch einen Nachfrageunterschied zur Autoindustrie, leider haben Sie die schlechteren Karten und das ist aus Ihrer Sicht sicher bedauerlich.

Doch es ist nicht mein Anliegen, auf Importe zu setzen, ich würde auch lieber Regionalprodukte kaufen, insofern Sie meinen Herstellungsansprüchen genügen : lassen Sie uns doch bitte mal das "halbvolle Glas", also das Biores-Angebot nochmal gemeinsam unter die Lupe nehmen. Auch unter Berücksichtigung Ihrer auch von mir durchaus erkannten schwierigen Lage, aus der mit guten Lösungen heraus zu kommen ich Ihnen ganz ehrlich wünsche.

Mit freundlichen Grüßen,
Heidemarie Heubach, Sprecherin der BI "Bürger fürs Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser"
Anmerkung der Redaktion:
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