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Fr, 09:00 Uhr
30.03.2018
Sozialberatung auch für Migranten

Hilfe zur Selbsthilfe

Seit über 25 Jahren engagiert sich die Thüringer Arbeitsloseninitative Soziale Arbeit, kurz "Talisa", schon in Nordhausen. Für das Jahr 2018 hat man sich in der Wolfstraße vorgenommen das Hilfsangebot noch zu erweitern, insbesondere in der Beratung und Betreuung von Migranten. Das Rezept: Hilfe zur Selbsthilfe...

Hussam Albalkhi und Benjamin Höche - Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen (Foto: Angelo Glashagel) Hussam Albalkhi und Benjamin Höche - Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen (Foto: Angelo Glashagel)

"Mein Handwerkskasten" nennt Benjamin Höche den dicken Wälzer auf seinem Schreibtisch: die Sozialgesetzbücher I bis XII, die Grundlage des deutschen Sozialstaates. "Wir bieten Hilfe bei Anträgen und Formularen, bei Bewerbungen, bei Fragen zum Familienrecht, zu Eltern- und Kindergeld, zur Erwerbsminderungsrente und vielen anderen Themen", erklärt Höche den Arbeitsauftrag des Teams, "viele Menschen fühlen sich unsicher beim Umgang mit Ämtern, wir bieten Begleitung und Beistand."

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In gewissem Maße war der Leitspruch von der "Hilfe zur Selbsthilfe" der selbstständigen Hilfe schon immer auch das Motto der "Talisa" in Nordhausen. Man will Leute in die Lage versetzen, sich im Dschungel der deutschen Sozialgesetzgebung zurecht zu finden und zu ihrem Recht zu kommen.

Vor gut zweieinhalb Jahren ergaben sich in der Nordhäuser Niederlassung der Initiative größere Veränderungen, man musste sich neu aufstellen und sei in der Folge in der Öffentlichkeit weniger präsent gewesen als zuvor, das wolle man jetzt langsam wieder ändern. "Es gab Leute die dachten das hier die Lichter ausgegangen seien", erklärt Benjamin Höche, tatsächlich sei das Gegenteil der Fall, neben dem üblichen Beratungsangeboten biete man auch die Freizeit- und Handarbeitsprojekte weiterhin an, die sich in der Vergangenheit größerer Beliebtheit erfreuten, darunter auch eine günstige Änderungsschneiderei.

Über letztere lernte die Initiative auch Hussam Albalkhi kennen, geflohen aus Syrien und gelernter Schneider. Die Anerkennung als Meister seines Faches hat er in Deutschland nicht, auch wenn die Ergebnisse seiner Arbeit eine andere Sprache sprechen mögen. Bei Talisa hat Herr Albalkhi inzwischen eine Möglichkeit gefunden, seiner Berufung nachgehen. ein Stück weit Fuß fassen in Deutschland, seine Fähigkeiten zu ergänzen und dabei nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Mitmenschen zu helfen.

Denn mit Herrn Albalkhi will die Talisa in Nordhausen neue Wege gehen und ihn dazu befähigen als Muttersprachler selber als ehrenamtlicher Berater in sozialen Fragen tätig zu werden. "Es ist wichtig die Menschen darüber aufzuklären wie das soziale System in Deutschland funktioniert", sagt Höche, für viele Migranten sei die Möglichkeit überhaupt zu arbeiten wichtiger als die Teilnahme an Sprach- und Integrationskursen, auf diesem Wege ließe sich aber kaum eine stabile Beschäftigung finden. Kommt man als EU-Bürger nach Deutschland kann er oder sie für sechs Monate Hartz IV beziehen, danach ist Schluss. Wer sich bis dahin keine Existenz aufgebaut hat, kann schnell Probleme bekommen Weitere Ansprüche gibt es nicht, auch nicht gegenüber öffentlichen Einrichtungen, wie etwa einem Frauenhaus. Bei Menschen mit anerkannten Flüchtlingsstatus sieht das wieder anders aus, aber auch hier gibt es Fallstricke, Widerspruchs- und Antragsfristen und die alltäglichen Hürden der deutschen Beamtensprache, die genommen werden müssen.

Der Bedarf an Aufklärung sei vorhanden, auch in Nordhausen, erklärt Höche, die Talisa sei deswegen bestrebt über ihr Projekt Migranten die Hilfe durch andere Migranten zu ermöglichen, von Muttersprachler zu Muttersprachler. Hilfe zur Selbsthilfe eben. Nebenbei würde man so auch helfen die "Übersetzerlücke" in der Integrationsarbeit ein Stück weit zu schließen.

Gefördert wird das Projekt vom Freistaat Thüringen für ein Jahr, gestartet war man im Dezember. Mit Hussam Albalkhi hat man seitdem einen ersten aussichtsreichen Teilnehmer, Herr Albalkhi als "Bufdi", als Bundesfreiwilligendienstleistender, bei der Nordhäuser Talisa tätig. "Er freut sich das er zeigen darf was er kann", sagt Benjamin Höche, in Zukunft soll er neben dem Umgang mit Nadel und Faden auch lernen, wie man mit deutschen Ämtern arbeitet.
Angelo Glashagel
Autor: red

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