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Mi, 08:00 Uhr
07.03.2018
Die andere Seite

An der Grenze der Belastung

Betrachtet man das etwas mehr als zwei Monate alte Jahr aus der Sicht der Unfallstatistik, dann ist das alles andere als positiv. Bei Verkehrsunfällen kamen bislang nach nnz-Recherchen fünf Menschen ums Leben. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille...

gestern bei einem Einsatz in Liebenrode (Foto: nnz)
Es waren die Unfälle in Werther, in Günzerode, in der Alten Leipziger Straße in Nordhausen sowie die Toten bei Unfällen auf der A38. Nicht nur der Porsche-Fahrer verunglückte tödlich, auch der Fahrer des Lkw, dessen Fahrerhaus am gleichen Tag abgetrennt wurde, verstarb später an den Folgen.

An den Rettungseinsätzen zu diesen Unfällen waren nicht nur die "Profis" der Nordhäuser Berufsfeuerwehr, sondern auch zahlreiche Kameraden von Freiwilligen Feuerwehren beteiligt. Besonders hat getroffen hatte es die Männer der Wehren der Gemeinde Werther. "Ganz schlimm war der Unfall zwischen Klein- und Großwerther in der Neujahrsnacht. Einige der Kameraden kannten das Opfer und mussten das Gesehene verarbeiten", berichtet Bürgermeister Jürgen Weidt. Derart komplexe Einsätze wie zum Beispiel auf der Autobahn stellen höchste Ansprüche an Körper und Seele der Feuerwehrleute.

In der Gemeinde ist Pfarrer Jochen Lenz als Seelsorger tätig. Der hilft den Kameraden in langen Gesprächen, diese schwierigen Einsätze zu verarbeiten. Ob das immer gelingt, sei dahin gestellt. Wichtig für die Betroffenen, die am nächsten Tag wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen müssen, ist die Tatsache, dass sie einen Ansprechpartner haben.

Die Häufung von schweren Unfällen auf der B243 und der A38 ist für Jürgen Weidt auch ein Ausdruck des sich immer weiter erhöhenden Verkehrsaufkommen auf den beiden Ost-West-Tangenten, vor allem des Lkw-Verkehrs. Die Kommunen sind hier oftmals machtlos, eine Änderung herbeizuführen, Umgehungsstraßen dauern den Menschen einfach unendlich lange bis zur Inbetriebnahme. Da ist Weidt schon glücklich, dass es nach vielen Gesprächen mit dem Straßenbauamt gelungen ist, eine kurze Strecke in Günzerode bis zurm Ortsausgang in Richtung Kleinwechsungen von 70 auf 50 kmh zu reduzieren.

Für den Bürgermeister von Werther tun sich in diesen Zusammenhängen einige Fragen auf:
  • Wann sind die Belastungsgrenzen der freiwilligen Helfer erreicht?
  • Wie lange tragen die Arbeitgeber, die Ausfallzeiten der Mitarbeiter mit, die in der Freiwilligen Feuerwehr organisiert sind? Hier verweist Weidt vor allem auf den 24-Stunden-Einsatz beim ausgelaufenen Aluminum-Unfall auf der A38.
  • Wann werden die Familien der Kameradinnen und Kameraden dieser erhöhten Belastung nicht mehr zustimmen?
Antworten hierauf hat der Bürgermeister nicht. Aber er fordert, dass die kommunale und die Landespolitik wenigstens für eine moderne Technik und Schutzausrüstung der Feuerwehrleute sorgen.

Tödlicher Unfall bei Günzerode (Foto: privat) Bis an die Grenze der Belastung - auch bei tödlichen Unfällen wie hier bei Günzerode

"Auch viele unserer Gemeinden sind durch die jahrelangen Kürzungen innerhalb der Finanzausstattung in die Haushaltssicherung gerutscht und teilweise nur noch mit Bedarfszuweisungen handlungsfähig. Sollte es hier zu keiner schnellen Kehrtwende kommen, dann wird das zu erheblichen Problemen bei der Bereitstellung und Einsatzbereitschaft der Technik und bei der Motivation der Kameradinnen und Kameraden führen."

Diese Ausstattung zu gewährleisten ist eine Pflichtaufgabe der Kommune. Dazu müssen von Jahr zu Jahr Ausgaben reduziert werden, auch im freiwilligen Bereich. Wenn die Kürzung nicht ausreicht, dann sind die Einnahmen zu erhöhen. Wie? Durch die Anhebung von Steuern und Abgaben.

Nicht nur in Werther, sondern auch in Nordhausen, Heringen und Bleicherode werden aktuelle die Kosten für den "Aluminium-Einsatz" sowie für die anderen Einsätze aufgerechnet. Grundlage sind die entsprechenden Satzungen der Kommunen. Nur, die Fahrzeuge, die zum Beispiel aus der Goldenen Aue im Rahmen des Gefahrgutzuges unterwegs waren, die können nicht abgerechnet werden. "Heringen und Uthleben waren als Gefahrgutzug des Landkreises im Einsatz, wie diese speziellen Fälle abgerechnet werden kann das Landratsamt beantworten", teilt der Heringer Bürgermeister Maik Schröter mit. Die Antwort aus dem Landratsamt aber ist auch nicht weiter hilfreich, denn laut Sprecherin Jessica Piper sind "für uns als Landkreis keine Kosten entstanden, die wir vom Verursacher per Bescheid einfordern könnten." Auch die Gemeinde Werther wird sich die Kosten erstatten lassen. Entsprechende Anfragen zu Kostenerstattungen an die Stadtverwaltungen in Bleicherode und Nordhausen blieben bislang unbeantwortet.
Peter-Stefan Greiner

Update Stadtverwaltung Nordhausen

Heute Vormittag erhielten wir aus dem Nordhäuser Rathaus folgende Stellungnahme: Nach der Satzung für den Kostenersatz für Hilfs- und Dienstleistungen für die Feuerwehr der Stadt Nordhausen werden alle Personalkosten und die Gebühren für die Fahrzeuge im Rahmen eines Gebührenbescheides in Rechnung gestellt. Folgende Fahrzeuge der Feuerwehr der Stadt Nordhausen waren am Einsatz innerhalb des örtlichen Brandschutzes beteiligt:
  • Einsatzleitwagen
  • Drehleiter
  • Tanklöschfahrzeug
  • Hilfeleistungslöschfahrzeug
  • Gerätewagen
  • zwei Rüstwagen
  • zwei MTW
  • Löschfahrzeug LF 16
  • Kommandowagen
Es wird ein Gesamtbetrag von rund 23.000 Euro dem Halter der Zugmaschine in Rechnung gestellt. Die Fahrzeuge
  • GWG 3 Baujahr 2003
  • GW Mess Baujahr 1994
  • FüKW Baujahr 2000
  • ABC-Erkunder Baujahr 2003 (Bundeskomponente; alle Reparaturen bzw. Neuanschaffungen finanziert der Bund)
sind Fahrzeuge des Landkreises. Diese Fahrzeuge sind dem Gefahrgutzug des Landkreises Nordhausen zugeordnet. Diese Fahrzeuge wurden durch den Landkreis beschafft außer ABC-Erkunder; Bundeskomponente und müssen nach ihrer Aussonderung durch diesen wieder beschafft werden. Alle anfallenden Kosten der Fahrzeuge trägt ebenfalls zu 100 Prozent der Landkreis (außer ABC-Erkunder).
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Kommentare

07.03.2018, 08.57 Uhr
Sven Svenson | Ich höre immer nur Feuerwehr
Was ist mit den Mitarbeitern des Rettungsdienstes? Auch diese waren bei all diesen Unfällen vor Ort und im Gegensatz zu den Feuerwehrleuten, arbeiten diese direkt an den schwer verletzten Patienten.Die Einsatzzahlen des Rettungsdienstes steigen in den letzten Jahren kontinuierlich an. Die Belastungsgrenze dieser Mitarbeiter ist schon seit Jahren erreicht und das in ganz Deutschland.
07.03.2018, 10.20 Uhr
NDH80 | Rettungsdienst
Es ist Richtig das für die Leute vom Rettungsdienst solche Einnsätze auch nicht Leicht sind, und auch da können wir froh sein das es noch Menschen gibt die sich dieser Aufgabe stellen.
Aber ich in dem Artikel geht es hauptsächlich um die Arbeit der Kamaradeninen und Kamaraden der Feuerwehreren in der Gemeinde Werther und im Landkreis.
Da die Gemeinde Werther nicht über einen Rettungsdienst verfügt, wird der Bürgermeister auch nicht auf diesen eingegangen sein.
Im Gegensatz zur Freiwilligen Feuerwehr ist eine Rettungswache meist ständig mit Rettungssanitäter besetzt. Die Feuerwehrleute müssen oft genug bei einem Einsatz ihre Arbeitsstelle verlassen. Für viele Arbeitgeber ist das nicht hinnehmbar.
Die Rettungssanitäter sind für unser Allgemeinwohl genauso wichtig wie die Feuerwehr.
07.03.2018, 14.38 Uhr
Kritiker86 | Man sollte
die Leute aus der Pflege im Krankenhaus und im Altenheimen aber auch nicht vergessen. Genauso wie die Feuerwehr und der Rettungsdienst leisten sie alle großes jeden Tag. Die Arbeit am Menschen ist immens physisch und körperlich anstrengend. Der nie in diesen Berufen gearbeitet hat kann sich nicht vorstellen wie extrem die Belastungen für diese Menschen sind.
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