So, 11:57 Uhr
26.08.2001
Vorauseilender Gehorsam am Theater
Nordhausen/Sonderhausen (nnz). Im Zusammenhang mit den neuen Strukturen der Thüringer Theaterlandschaft hört man seit Monaten in Nordhausen einen neuen Slogan: Wir werden keinen vorauseilenden Gehorsam leisten! Worte, die unlängst erst Oberbürgermeisterin Barbara Rinke und Aufsichtsratsvorsitzender der Theater GmbH, Klaus Wahlbuhl (beide SPD) von sich gaben.
Wiederholt merkten in der nnz verschiedene Autoren an, daß zwar an anderen Theaterstandorten in Thüringen schon Front gegen die ministeriellen Pläne der Ministerin Schipanski gemacht wird, in Nordhausen aber noch die Gelassenheit das Sagen hat. Da gibt es zwar einen Förderverein in neuer vorständlicher Zusammensetzung, doch der hat vermutlich mehr mit dem Ausrichten von Grillfesten zu tun, als mit der Mobilmachung zur Rettung des Theaters, zumindest aber einer Sparte. Die Schauspielsparte steht in Nordhausen auf dem Spiel. Das wird wahrscheinlich auch das Ergebnis einer Expertenrunde sein, die jetzt in Abstimmung des Kunstministeriums und der Träger der Thüringer Theater eingesetzt wurde. Ergebnisse sollen Ende September vorliegen.
Doch bleiben wir beim vorauseilenden Gehorsam. Der wird zwar von der Politik propagiert, eine Instanz in Nordhausen jedoch macht sich schon lange ihre Gedanken um die Zukunft des Theaters. Das Theater selbst. Die Damen und Herren in der Intendanz wissen wohl am besten, wie es mit der Zukunft der Spielstätte bestimmt ist. Da soll es nach nnz-Informationen bereits Ende Mai einen Brief gegeben haben, der an den Aufsichtsrat der Theater GmbH gerichtet war. Das Datum ist hier entscheidend: 28.5.2001. In diesem Brief macht sich die Intendanz so ihre Gedanken um die personelle Zukunft des Hauses. Vorgeschlagen wurde unter anderem die baldige Einsparung von 27,5 Stellen. Das wäre das Ende des Schauspiels. Bestätigt wurden der nnz der Eingang und Teile des Inhaltes des Schreibens durch den Aufsichtratsvorsitzenden der GmbH, Klaus Wahlbuhl.
Erst rund zwei Wochen später, Mitte Juni, kam dann Ministerin Dagmar Schipanski mit ihren Vorstellungen an das Licht der Öffentlichkeit. Da müßte sie doch erfreut gewesen sein, ob der vorauseilenden Gedanken der Theater-Experten in Nordhausen. Im Fußball spricht man hier von einer Steilvorlage. Was werden wohl die Schauspielfreunde oder die Mitglieder des Fördervereins sagen? Hat man sich mit dem Sterben des Nordhäuser Schauspiels bereits abgefunden? Oder hat man von den Gedankenspielen der Intendanz überhaupt keine Ahnung?
In Sondershausen ist man - theatralisch gesehen - dem Loh-Orchester zwar ein kleines Stückchen näher, doch der dortige Förderverein macht mobil. nnz erhielt jetzt ein Schreiben des Förderverein Loh-Orchester Sondershausen e.V. in dem sich Widerstand gegen den Erfurter Trend ankündigt. Diesen Trend können wir nicht ohne Widerspruch hinnehmen, zuviel wurde Nordthüringen bereits entzogen, zum Beispiel auf dem Wirtschaftssektor, wo neben der gesamten Kaliindusrie auch andere tragende Wirtschaftszweige zum Opfer gefallen sind. Nun droht uns der Verlust von Kultur, die sich über Jahrzehnte aufgebaut und in viel schwierigeren Zeiten wie heute erhalten wurde, heißt es in einem Schreiben, das von Vereinschef Wolfgang Wytrieckus unterzeichnet ist. Sparen muß nicht zerstören und auch nicht zentralisieren heißen. Alle Regionen sollten daher die Bemühungen der Gesellschafter sowie der Theaterleitung unterstützen und nachdrücklich kundtun, daß wir das Ensemble erhalten und stabilisieren wollen.
Alle Theater-Interessierten sind Mitte September in den Carl-Schroeder-Saal nach Sondershausen eingeladen. Hier sollen ersten Positionen bestimmt werden. Da darf man dann äußerst gespannt sein, welche Position die Nordhäuser Seite, vor allem aber die Theaterleitung selbst einnimmt, und wie man die Einsparungsvorschläge begründen will.
Autor: nnzWiederholt merkten in der nnz verschiedene Autoren an, daß zwar an anderen Theaterstandorten in Thüringen schon Front gegen die ministeriellen Pläne der Ministerin Schipanski gemacht wird, in Nordhausen aber noch die Gelassenheit das Sagen hat. Da gibt es zwar einen Förderverein in neuer vorständlicher Zusammensetzung, doch der hat vermutlich mehr mit dem Ausrichten von Grillfesten zu tun, als mit der Mobilmachung zur Rettung des Theaters, zumindest aber einer Sparte. Die Schauspielsparte steht in Nordhausen auf dem Spiel. Das wird wahrscheinlich auch das Ergebnis einer Expertenrunde sein, die jetzt in Abstimmung des Kunstministeriums und der Träger der Thüringer Theater eingesetzt wurde. Ergebnisse sollen Ende September vorliegen.
Doch bleiben wir beim vorauseilenden Gehorsam. Der wird zwar von der Politik propagiert, eine Instanz in Nordhausen jedoch macht sich schon lange ihre Gedanken um die Zukunft des Theaters. Das Theater selbst. Die Damen und Herren in der Intendanz wissen wohl am besten, wie es mit der Zukunft der Spielstätte bestimmt ist. Da soll es nach nnz-Informationen bereits Ende Mai einen Brief gegeben haben, der an den Aufsichtsrat der Theater GmbH gerichtet war. Das Datum ist hier entscheidend: 28.5.2001. In diesem Brief macht sich die Intendanz so ihre Gedanken um die personelle Zukunft des Hauses. Vorgeschlagen wurde unter anderem die baldige Einsparung von 27,5 Stellen. Das wäre das Ende des Schauspiels. Bestätigt wurden der nnz der Eingang und Teile des Inhaltes des Schreibens durch den Aufsichtratsvorsitzenden der GmbH, Klaus Wahlbuhl.
Erst rund zwei Wochen später, Mitte Juni, kam dann Ministerin Dagmar Schipanski mit ihren Vorstellungen an das Licht der Öffentlichkeit. Da müßte sie doch erfreut gewesen sein, ob der vorauseilenden Gedanken der Theater-Experten in Nordhausen. Im Fußball spricht man hier von einer Steilvorlage. Was werden wohl die Schauspielfreunde oder die Mitglieder des Fördervereins sagen? Hat man sich mit dem Sterben des Nordhäuser Schauspiels bereits abgefunden? Oder hat man von den Gedankenspielen der Intendanz überhaupt keine Ahnung?
In Sondershausen ist man - theatralisch gesehen - dem Loh-Orchester zwar ein kleines Stückchen näher, doch der dortige Förderverein macht mobil. nnz erhielt jetzt ein Schreiben des Förderverein Loh-Orchester Sondershausen e.V. in dem sich Widerstand gegen den Erfurter Trend ankündigt. Diesen Trend können wir nicht ohne Widerspruch hinnehmen, zuviel wurde Nordthüringen bereits entzogen, zum Beispiel auf dem Wirtschaftssektor, wo neben der gesamten Kaliindusrie auch andere tragende Wirtschaftszweige zum Opfer gefallen sind. Nun droht uns der Verlust von Kultur, die sich über Jahrzehnte aufgebaut und in viel schwierigeren Zeiten wie heute erhalten wurde, heißt es in einem Schreiben, das von Vereinschef Wolfgang Wytrieckus unterzeichnet ist. Sparen muß nicht zerstören und auch nicht zentralisieren heißen. Alle Regionen sollten daher die Bemühungen der Gesellschafter sowie der Theaterleitung unterstützen und nachdrücklich kundtun, daß wir das Ensemble erhalten und stabilisieren wollen.
Alle Theater-Interessierten sind Mitte September in den Carl-Schroeder-Saal nach Sondershausen eingeladen. Hier sollen ersten Positionen bestimmt werden. Da darf man dann äußerst gespannt sein, welche Position die Nordhäuser Seite, vor allem aber die Theaterleitung selbst einnimmt, und wie man die Einsparungsvorschläge begründen will.



