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Sa, 08:54 Uhr
03.02.2018
Angemerkt

100 Jahre Plastik Menschen

In unserem Leben geht ohne funktionale Kunststoffe in allen Lebensbereichen und der globalisierten Welt nichts mehr. Als Mensch wirst Du geboren, Windeln mit Superabsorbern halten Dich trocken und freundlich, in bestimmten Phasen Deines Lebens kann es wieder so sein. Der morgendliche Kaffee to go Deckel ist daraus, WC Deckel oft auch, und sehr sehr viel mehr... Eine Beitrag von Tim Schäfer...


Wir alle sind seit etwa 100 Jahren an industrielle Kunststoffe gewöhnt, wie Frank Zappa einst sang, Plastik Menschen.

Allein in Deutschland werden jedes Jahr über 20 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. Fast überall findet sich Plastik. Polyvinylchlorid (PVC), Polyethylen und – propylen, PA6, POM, PC, PMMA, PTFE, PVDF, ABS, PET, PEEK… Nein, die Groko ist nicht aus Plastik, Jamaika wäre wohl eher tendenziell gegen mehr Plastik gewesen, aber dass ist nicht sicher. Ein Löwenanteil wird zu Verpackungen verarbeitet, was für ein Luxus! Künftig sollen Kunststoffe nachhaltiger werden, vielleicht auch weil Öl irgendwann teurer wird. Diese jüngere Geschichte ist etwa 100 Jahre alt.

Ein Werkstück aus Kunststoff besteht aus Millionen sehr langer, ineinander verschlungener Molekülketten (Polymeren), die aus sich stets wiederholenden Grundeinheiten (Monomeren) zusammengesetzt sind. Beispielsweise besteht der Kunststoff Polypropylen aus sich vielfach wiederholenden Propyleneinheiten, soweit zum Grundlagenwissen.

Ein herausragendes Merkmal von Kunststoffen ist, dass sich ihre technischen Eigenschaften, wie Formbarkeit, Härte, Elastizität, Bruchfestigkeit, Temperatur-, Wärmeformbeständigkeit und chemische Beständigkeit, durch die Auswahl von Ausgangsmaterial, Herstellungsverfahren und Beimischung von Additiven in weiten Grenzen variieren lassen.

Früher hatte der Osten einen „Duroplastbomber“, den Trabi, heute baut die Deutsche Post (!) Elektroautos, die dank spezieller, kostengünstiger Kunststoffe im Tageslicht Ihre volle Farbtiefe entfalten. Selbst Li-Ionen-Akkus und Speicher sind teils aus Kunststoff. Oder was wären wir ohne die sparsamem LED`s? Moderne Medizin ohne Kunststoffe ist undenkbar! Zu DDR Zeiten gab es auch viel Plastik, sogar einen Polyolefinverbund.

Böse Berichte (Axel Springer?) sollen angesichts ekstatischer DDR Jugend zur Musik der Rolling Stones an der Berliner Mauer mal so etwas geschrieben haben wie, dass diese DDR Jugend seinerzeit abgegangen sei „wie auf einer geölten Bunaplastik.“ Plastik kann mit Bestandteilen wie Weichmacher auch für den Menschen ungesund sein.

Viele sehen ja im ZDF Horst Lichter mit seiner Sendung „Bares für Rares“, hier taucht mitunter Omas Bakelit Telefon oder Föhn auf, die verhökert werden, Bakelit war einer der ersten Massenkunststoffe der modernen Zeit. Die Erfinder der Kunststoffe sind oft sehr bekannte Persönlichkeiten und noch heute tragen berühmte Unternehmen ihren Namen, so wie Goodyear oder Bayer, um nur zwei Beispiele zu nennen. Darunter sind auch Nobelpreisträger. Auch unsere Vorfahren nutzten natürlich vorkommende Polymere seit grauer Urzeit.

Und die Fugger sollen bereits um 1530 (Mittelalter) eine Art durchsichtiges Kunsthorn aus Ziegenkäse gefertigt haben, was die wohl damit vorhatten? Wir alle kommen wohl im Leben nicht ohne Kunststoffe aus, unseren Plastikverbrauch sollten wir reduzieren oder zumindest Stoffkreisläufe erschließen und auch nicht mehr zulassen, dass sich auf den Weltmeeren Plastikmüllinseln bilden und Plastik vermehrt in unsere Nahrungskette gelangt! China nimmt ja nun unseren Plastikmüll nicht mehr ab. Die Hochschule Nordhausen forscht an neuen Lösungen. Kunststoffe können dazu beitragen, die Umwelt weniger zu belasten. Aus Plastik-Menschen werden sukzessive Kunststoff-Menschen. Ein Megatrend, unaufhaltbar, für mindestens weitere 100 Jahre, das ist ziemlich sicher.
Tim Schäfer
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Kommentare

03.02.2018, 12.24 Uhr
Bodo Schwarzberg | Tim Schäfer: zu viel Werbung für Plastik
Er trägt so viele Fakten über die Wunderpolymeren zusammen, und es fehlen nur noch die rauchenden Schornsteine, die einst ja auch die Urania-Zeitschrift aus der DDR zierten.

Zeitgemäßer wäre eine Darstellung der schlimmen Probleme, die uns diese Werkstoffklasse bringt: riesige Müllstrudel in den Weltmeeren, die PCB-Problematik in den Nahrungsketten, Mikroplastik in mittlerweile fast allen Ökosystemen, der Importstopp Chinas für den größten Teil des europäischen Plastikmülls, hormonelle Wirkungen von Plastikinhaltsstoffen auf das Leben und die Aktivitäten des Einzelhandels gegen die verheerende Müllflut.

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03.02.2018, 13.19 Uhr
LithiumTim | Menschen und Plastik,
Ja hätte man noch deutlicher kritisieren können, lieber Herr Schwarzberg. Meine Gedanken kreisen konkret um technologische Ansätze zum Recycling der vielen Lithium-Ionen-Polymer Zellen aus Handy, Smartphone, Tablet und EV und wir bieten kommerziell erste technische Prozesslösungen dafür an. Die plastischen Lithium-Ionen-Batterien weisen seit Jahren ein enormes Wachstum auf, demnächst kommen teilelektrifizierte Elektroautos, die ökologisch m.E. nur dann Sinn machen, wenn bei den Hybrid die Verbennerwerte zunächst einmal sauber angegeben werden. Dann sollte der wohl sehr langlebige Elektroauto-Akku mit möglichst großer Effizienz betrieben und unbedingt die weitest mögliche Reichweite mit elektrischem Fahren ermöglichen, ohne Tricks und künstliche Zyklen, die Autoverkäufer erfunden haben. Dann ist, nach allem was ich weiß, eine Ökobilanz gesamt gesehen vergleichsweise vorteilhaft. Und Envites Energy aus Nordhausen könnte dazu weitere Beiträge leisten. Lithium-Ionen-Polymer-Batterien! Bevor man wieder als Ökofritze denunziert wird hier in Folgekommentaren, ich habe mir die Mühe gemacht und die Frage Ökobilanz der Plastikbatterien anaylsiert und berechnet!

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