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Do, 13:10 Uhr
09.11.2017
Neue Strukturen in der Jugendarbeit

Zurück zur Freiheit

Vorwärts zurück zu den Wurzeln - statt vieler kleiner Anlaufpunkte soll es für Kinder und Jugendliche in Nordhausen künftig vier Jugendzentren geben. Die sollen der jungen Generation mehr Freiheit bieten, aber auch mehr Verantwortung übertragen. Im Clubhaus freut man sich schon auf die Veränderung...

Neugestaltung der Jugendarbeit in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel) Neugestaltung der Jugendarbeit in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)

"Das Haus soll für alle Jugendlichen offen sein. Wir als Träger wollen immer nur Grobkonzepte vorlegen, die Spielräume für Spontanität lassen" - so stand es Anno 1990 im Harzkurier zu lesen, als der Kreisjugendring das Clubhaus übernahm.

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Die Zeiten haben sich geändert, der Weg des offenen Ansatzes, den man damals verfolgt habe, sei in den letzten Jahren verlassen worden, sagt Jennifer Pohl, Leiterin des Kreisjugendrings (KJR). Mehrere Angebote jede Woche, eine begrenzte Zahl an Teilnehmern in abgeschlossenen Räumen - alles hübsch übersichtlich, planbar, sicher und langweilig. "Mit einem Bastelnachmittag locke ich keinen Jugendlichen hinter dem Ofen hervor", erläutert Pohl, "in der Jugendarbeit wurden da in den letzten Jahren von vielen Stellen, uns eingeschlossen, Fehler gemacht. Wir können und müssen den Jugendlichen wieder mehr zutrauen Dinge für sich selbst zu organisieren. Wegzukommen von den vorgefertigten Angeboten hin zu einer freieren Jugendarbeit, das wird die große Herausforderung der nächsten Zeit".

Jennifer Pohl in den neuen Räumlichkeiten des Jugendclubs (Foto: Angelo Glashagel) Jennifer Pohl in den neuen Räumlichkeiten des Jugendclubs (Foto: Angelo Glashagel)

Mehr Freiheit, mehr Verantwortung

Der stellt man sich im Clubhaus mit Freuden, den "alten" Jugendclub P14 unter dem Dach des Hauses in Hör- und Sichtweite der Mitarbeiter und Projektbetreuer wird es nicht mehr geben. Stattdessen haben sich die Jugendlichen einen eigenen kleinen Raum auf dem Hinterhof eingerichtet und gestaltet, lediglich beim Fußboden habe man selber Hand angelegt, erklärte Pohl. Perspektivisch soll es einen eigenen Schlüssel für die Jugendlichen geben, organisiert über einen Clubrat. Im großen Haus hat man einen kleinen "Kinosaal" eingerichtet, in dem Filme geschaut und Konsole gespielt werden kann, über die Ertüchtigung weiterer Räume denke man nach.

Besonders stolz ist Frau Pohl auf den Proberaum für junge Musiker im Keller des Hauses, der bereits rege genutzt werde. Man will wieder näher an die Jugendkultur ran, sagt die Leiterin, und freut sich schon auf zukünftige Aktionen rund um Graffiti, Hip-Hop und Streetdance. "Die Jugendlichen können sich frei entfalten. Das ist der Charakter, den freie Jugendarbeit haben sollte", sagt Pohl, aus den Ortsteilen, in denen der KJR Jugendclubs betreut, kenne man es bis heute nicht anders. "Der Jugendbereichspfleger schaut nur ab und an vorbei, ansonsten können sich die Jugendlichen ihre Freizeit selbst gestalten. Das heißt auch, dass mal etwas schief gehen kann, das etwas kaputt geht, das sich jemand nicht an die Regeln hält oder das es mal eine negative Schlagzeile gibt", erklärte die KJR-Leiterin. Freiheit mit eigener Verantwortung statt Bespaßung im Zwangskorsett durchgeplanter Angebote.

Der Proberaum wird schon rege genutzt (Foto: Angelo Glashagel) Der Proberaum wird schon rege genutzt (Foto: Angelo Glashagel)

Über den neuen (alten) Ansatz würden auch wieder Kapazitäten für die weitere Arbeit frei, wenn die Mitarbeiter nicht mehr in stationären Angeboten gebunden sind, wird man wieder mobil, kann neben dem freien auch den aufsuchenden Ansatz verfolgen, zu den Jugendlichen hingehen, in die Marktpassage etwa und dort den Zugang finden, wo sich die junge Generation aufhält, so Pohl weiter.

Mehr Sicherheit, weniger Vielfalt

Das ist die eine, die praktische Seite der Neuausrichtung. Die andere ist eher bürokratischer Natur, gibt der Jugendarbeit aber mehr Rückhalt. Projekte und mit ihnen das finanzielle Wohl und Wehe von Vereinen und ihren Beschäftigten liefen bisher befristet, mehr als ein paar Monate im Voraus konnte kaum geplant werden. Auf Unterstützung von Seiten der Stadt und des Kreises musste man häufig warten, bis die Haushalte beschlossen waren und gegebenenfalls Projekte vorfinanzieren, manchmal ein halbes Jahr lang, in der Hoffnung das man am Ende tatsächlich Gelder erhält.

Die Entscheidung, um die man sich von Seiten der Politik lange gedrückt, hat ist gefallen, sowohl die Stadt wie auch der Kreis haben ihre Ansätze zur Gestaltung der Jugendarbeit in Nordhausen überarbeitet und auf den Tisch gelegt. Für die Stadt soll es in den vier Bereichen Ost, Mitte, Salza und Bahnhof je eine zentrale Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche geben, jede mit ihrem eigenen Schwerpunkt. Welcher das ist und wie die Angebote im Detail aussehen, dafür sind die jeweiligen Betreiber zuständig. Konzepte wurden geschrieben, es gab Bewerbungen, Gewinner und Verlierer.

Der Kreisjugendring gehört mit der Caritas am Bahnhof und den Falken in Salza zu Ersteren. Die Bereiche Mitte und Ost wird der KJR betreuen. Andere wie das Projekt Mobilé oder der Jugendclub JoJo hatten das Nachsehen, gerade bei kleineren Vereinen stoßen die neuen Pläne bisher nicht eben auf viel Gegenliebe. Für den Kreisjugendring keine leichte Situation, ist man doch auch Dachverband für die Jugendarbeit im Kreis. "Das wir die zentrale Anlaufstelle sind heißt nicht, das es hier nicht auch andere Projekte geben kann und wird", sagt Jennifer Pohl. Für die einzelne Projekte und kleinere Träger gebe es auch weiterhin Gelder, erklärte jüngst das Landratsamt. Nur wird man in Zukunft ein bisschen mehr so denken müssen wie damals 1990.
Angelo Glashagel
Autor: red

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