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Mo, 19:39 Uhr
06.11.2017
BUND-Einsatz 61

Halbtrockenrasen im Harzfelder Holz

Kurzfristig anberaumt, aber trotzdem erfolgreich: Zwei Mitstreiter des BUND-Kreisverbandes Nordhausen haben am vergangenen Sonnabend im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz gemäht und entbuscht. Wie so oft, ging es um die Erhaltung eines Stücks historischer, artenreicher Kulturlandschaft...


Dieses Ziel wird in den Schutzgebietsverordnungen ebenso gefordert, wie in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Trotz hervorragender Regelwerke klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf diesem Gebiet seit der Wende eine besonders deutlich Lücke, die schon großen Flächen früheren Extensivgrünlandes nicht nur im Landkreis Nordhausen die Existenz gekostet hat.

Zwar gibt es mittlerweile durch die Neugründung von Landschaftspflegeverbänden bzw. durch die Planung diverser Projekte eine gewisse Hoffnung, dass der Abwärtsstrudel beim Verlust bedrohter Pflanzengesellschaften gestoppt wird. Bisher aber scheint mir die so dringend notwendige Kontinuität der Pflege bedeutsamer Flächen mit, das ist ganz wichtig, geeigneten Pflegemethoden, im Raum Nordhausen noch nicht dort zu sein, wo sie hingehört.

Auch ist die Zahl wenigstens zeitweise extensiv und geeignet bewirtschafteter Flächen nach wie vor zu gering. Dabei haben wir keinerlei Zeit mehr fürs Warten auf bessere Zeiten. Das gilt im Umweltbereich lokal wie global, wie uns gerade die Bonner Weltklimakonferenz vor Augen führt.

Um ein weiteres, regionales und überregionales Problem wird sich ebenso kaum Gedanken gemacht: Durch die seit bald 30 Jahren nur noch rudimentär praktizierte Hütehaltung von Schafen und die Verluste vieler Wuchsorte, sind immer mehr Populationen bedrohter Arten isoliert und haben keine Möglichkeit, ihren Genotyp fit zu halten, was umso mehr gilt, wenn die Populationen wie so oft, nur noch klein sind. Die damit langfristig heraufbeschworene Generosion sollte viel mehr bei künftigen Planungen Berücksichtigung finden. Zudem kommt es darauf an, kleine Populationen so schnell wie möglich zu vergrößern. Mit einfacher Pflege wird es schon bald nicht mehr getan sein, weswegen ex-situ-Erhaltungsmaßnahmen in Erhaltungsgärten weiter an Bedeutung gewinnen.

In diesem Sinne ist einzig die Entwicklung bedrohter Arten, beobachtet durch ein langfristiges Monitoring, ein eindeutiger Marker für den Erfolg der über staatlich finanzierte Projekte erzeugten Maßnahmen und natürlich auch der ehrenamtlichen. Daran werden sich alle künftigen Projekte messen lassen müssen.

Ohne konkrete, wuchsortbezogene Pflege wird man wahrscheinlich auch künftig nicht immer auskommen. So muss der BUND-Kreisverband ehrenamtlich-kostenlos auf bereits geförderten aber ungeeignet bewirtschafteten Projektflächen nachmähen, um dort befindliche Wuchsorte bedrohte Arten nicht zu verlieren. Oder die Untere Naturschutzbehörde darum bitten, bedrohte Vorkommen aus einer ungünstigen Bewirtschaftung zu nehmen. Andere Projekte, wie das sehr erfolgreiche Referenzprojekt Artenschutz enden nach ein oder zwei Jahren und werden nicht verlängert. Sollen die dafür aufgewendeten Steuergelder nicht in den Sand gesetzt sein, muss ehrenamtlich, d.h. ohne Geld oder mit einer geringen Aufwandsentschädigung weitergepflegt werden.

Aber auch hier gibt es vielleicht einen Hoffnungsschimmer durch neue, langfristigere, vielleicht zukunftsfähige Projekte. Wir vom BUND-Kreisverband werden wertvolle, artenreiche Flächen auch künftig artgerecht pflegen, sollte es auch in Zukunft keine bessere, effektivere Lösung geben. Die Betonung liegt hier auf effektiver: Auch eine Schafbeweidung kann potenziell zum Artenverlust führen, wenn sie zu extensiv betrieben wird. Rinderbeweidung einst extensiv genutzter Flächen führt, das ist hinreichend belegt, zu Artenverlusten in unseren Naturschutzgebieten.

Im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz mähen Mitglieder des BUND-Kreisverbandes mittlerweile relativ große Flächen. Am vergangenen Sonnabend geschah dies, um insbesondere Halbtrockenrasen der Aufrechten Trespe und der Fieder-Zwenke zu erhalten und ebenso die darin vorkommenden Pflanzenarten: Zu ihnen zählen mehrere Orchideenarten sowie der kleine urtümliche Farn Mondraute (Botrychium lunaria), der auf sehr magere, lückige Verhältnisse angewiesen ist. Das Schnittgut aus Entbuschung und Mahd wird vor allem als benjesartige Hecke gelagert, die dann nicht nur als Abgrenzung und Schutz zum benachbarten stark gedüngtem Grünland dient, sondern auch als Aufenthalts-, Brut- bzw. Überwinterungsort für Vögel, Kleinsäuger oder Reptilien.

Erwähnenswert ist, dass die am Sonnabend von uns bearbeitete Fläche seit vielen Jahren keiner Bewirtschaftung mehr unterlag und dadurch bereits Flächenverluste für die Halbtrockenrasen zu beklagen sind. Diese traten aber offenbar auch durch stellenweise Aufforstung mit Kiefer ein.

Glück hatten wir mit dem Wetter. So konnten wir von 11 bis 17 Uhr alle für diesen Tag geplanten Arbeiten durchführen. Künftig sind weitere Entbuschungen im NSG vorgesehen, um die von uns betreute Gesamtfläche möglichst in ihren ursprünglichen, historischen Zustand zurück zu versetzen und ein weiteres, herausragendes Refugium der Biodiversität in unserem Südharzer Zechsteinrand zu erhalten und zu fördern. Besonderer Dank gilt Rainer Peix aus Ilfeld für seine aktive, unverzichtbare Mitwirkung.
Bodo Schwarzberg, BUND-Kreisverband Nordhausen
Gemäht und entbuscht (Foto: Bodo Schwarzberg)
Gemäht und entbuscht (Foto: Bodo Schwarzberg)
Gemäht und entbuscht (Foto: Bodo Schwarzberg)
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Kommentare

07.11.2017, 09.52 Uhr
Kritiker2010 | Der Naturschutz, als Last für Mensch und Natur
Grundsätzliches Interesse und Respekt gegenüber Flora und Fauna begrüße ich durchaus. Jedoch frage ich mich immer wieder, ab welchem Level Naturschützer, nicht nur für Ihre menschliche Umgebung, sondern auch für die Natur, zur Last werden.

Es scheint gerade so, als wollten Sie Herr Schwarzberg und Gefolge jedem Grashalm vorschrieben, wie er zu wachsen und jedem Käfer wo er zu krabbeln habe.

Landschaften, auch Kulturlandschaften sowie das Klima sind einem ständigen Wandel unterworfen. Wenn Sie einzelne Pflanzenarten retten wollen, bleibt Ihnen letztlich nur das Florarium oder eine Samensammlung. Alles andere bleibt für Sie eine Sisyphos-Arbeit, die zum Scheitern verurteilt ist. Denn am Ende ist die Natur stärker und baut Habitate immer wieder erfolgreich selbst so um, dass sie lebensfähig sind.

Natur ist auch, was sie selbst draus macht. Also entspannen Sie sich und sehen Sie mal der Evolution bei der Arbeit zu.

Wenn Sie sich langweilen, können Sie aber gern mal bei mir vorbeikommen und mir helfen, den eingeschleppten Sauerklee auszupfen. Denn dieser ist eine echte Plage und verdrängt sehr schnell andere Pflanzenarten in meiner Kulturlandschaft (Garten).

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