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Do, 15:42 Uhr
07.09.2017
kn Kommentar

Radwegskonzeption für Nordthüringen?

Jüngst fand eine Informationsveranstaltung zum Thema Straßenverkehr statt. Ein bekennender Radfahrer hat die Sache mal aus seiner Sicht betrachtet...

Darüber wurde berichtet:
WIE WEITER MIT DEM VERKEHR? - Ortsumgehungen und Radwege im Fokus

  • Die Mobilität in Städten und im ländlichen Raum der Zukunft wird sich verändern, denn zum ÖPNV gehöre immer mehr das Fahrrad. Allein im Kyffhäuserkreis radeln 17 Prozent der Menschen zur Arbeit.
  • Nach den Straßen zu den Radwegen. Zwischen Niedersachswerfen über Harzungen und Neustadt gab es sehr viele Probleme, die vor allem in den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern begründet waren. Im November soll jedoch hier der Bau beginnen. Von Ellrich zur Landesgrenze nach Niedersachsen soll der Bau im nächsten Jahr begonnen werden, doch an der Landesgrenze enden. Zwischen Kleinfurra-Zoll nach Wolkramshausen und weiter nach Wipperdorf wird ebenfalls ein Radweg geplant. Vermutlich wird in Kleinfurra symbolisch noch in diesem Jahr der Spaten in die Erde gehauen werden.
  • Zwischen Wiehe und Roßleben soll nicht nur die Straße saniert werden, hier wird auch ein Radweg geplant. Es müsse nicht immer ein touristischer Radweg etabliert werden, sondern auch ein Alltagsradweg, der den ÖPNV sinnvoll ergänzen kann.


Gerade dieser Kernsatz:
Die Mobilität in Städten und im ländlichen Raum der Zukunft wird sich verändern, denn zum ÖPNV gehöre immer mehr das Fahrrad."
wird offensichtlich kaum in Taten umgesetzt. Straßenbegleitende Radweg gerade an wichtigen Strecken bleiben Mangelware.

Eine solche wichtige Strecke ist die B4. Ab Straußfurt in Richtung Norden bis Nordhausen ist Schluss. Nichts von wegen Radwegen. Der Norden Thüringens ist vom Zentrum des Landes Thüringen im Punkt Radweg abgemeldet.

Fahren Sie mal mit dem Rad von Greußen in die Kreisstadt Sondershausen. Über die B4 lebensgefährlich und nur über Nebenstrecken (Clingen, Wasserthaleben, Oberspier und den Unstrut-Werra-Radweg) ist die Kreisstadt erreichbar.

Auch wenn die Kreisreform erst mal auf Eis gelegt ist, so arbeiten doch die Städte Nordhausen und Sondershausen eng mit einander. Von der Entfernung her ist die Entfernung ein Klacks. Die Zahl der E-Bikes und Pedelecs nimmt stark zu, weil sie immer erschwinglicher werden. So sind die Berge zwischen Nordhausen und Sondershausen bald keine Hürde mehr, nicht mal für ältere Leute.

Mit die Fahrrad auf der B4 über die Sundhäuser Berge? Man kann es überleben, aber sehr ratsam ist dieser Weg nicht. Bleibt nur der sichere Weg durchs Hammatal von Heringen nach Sondershausen, aber diese Piste ist vielleicht was für Montainsbikes, aber nicht sonderlich für normale Tourenräder und erst recht nicht, wenn man gar ein Rennrad hat.

Auch an anderen Bundesstraßen sieht es nicht viel besser aus, sieht man mal von der Strecke Oldisleben - Bad Frankenhausen auf der B85 ab.

Noch finsterer sieht es in manchen Kommunen aus. Die Riesenstadt Sondershausen (flächenmäßig) von den Ortsteilen Kleinberndten bis Zentrum mit dem Rad zu benutzen? Oje, da gibt es nicht einen Radweg und die Stadt Sondershausen wird bei der Finanzlage kaum einen Kilometer Radwege bauen können. Hilfe vom Land ist kaum zu erwarten, weil man ja nicht mal die großen Städte miteinander verbindet.

Und dann kommen solche Halbherzigkeiten dazu, den Radweg zwischen Wolkramshausen und Kleinfurra nicht gleich bis nach Großfurra zu verlängern. Auch wenn der vorhandene Radweg durch die Schachtstraße von Großfurra nicht gerade die Offenbarung ist (Unmenge Absätze und schlechte Übergänge wegen vieler Firmenausfahrten) so wäre wenigstens ein Radwegsverbindung bis Sondershausen Zentrum geschaffen! DieVerlängerung der Verbindung bis ins Eichsfeld heißt "Wippertalradweg" und stand schon in alten Radwegskonzeptionen Thüringens. Aus und vorbei?

Es sollen Kreise fusionieren ohne vernünftige Infrastruktur. Radwege für den täglichen Bedarf sind nötig. Ehe eine Radwegsplanung steht, sind wahrscheinlich die Kreise schon fusioniert.

Und ein Schmankerl gibt es noch! Das Kyffhäuserdenkmal, eines der drei am meisten besuchten Denkmale Thüringens mit dem Fahrrad anfahren? Auf sicheren Radwegen kein hochfahren.

Was nicht zu erkennen ist, ein Gesamtkonzeption, wie im Norden Thüringens mit den Radfahrern umgegangen werden soll. Es sind mehr Lippenbekenntnisse und Stückwerk, als echte Umsetzung eines ÖPNV zu Gunsten der Radfahrer und der Umwelt.

Hier die Meinung eines Radfahress der dieses Jahr erst rund 3.500 Kilometer mit dem Rad unterwegs war.

Karl-Heinz Hermann
Redaktion kn

Update zu Harzer66

Gerade wurde heute beim Treffen von Landwirten des Kyffhäuserkreises bemängelt, dass es kein gutes Netz an ausgebauten Landwirtschaftswege im Kyffhäuserkreis gibt, und man zum Ärger der Bevölkerung auf öffntliche Straßen unterwegs ist. Befestigte Feldwege sind Mangelware im Kreis und man kann als Radfahrer kaum darauf ausweichen. Wir sind hier nicht im Westen, wo es das seit Jahren schon gibt.
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Kommentare

07.09.2017, 20.40 Uhr
Harzer66 | Radwege kontra Landverbrauch
Radfahrer als Zeitvertreib ,als Ergänzung zum ÖPNV oder auch nur zu touristischer oder sportlicher Betätigung ist ok. Aber muss das ständig einhergehen mit dem Verbrauch landwirtschaftlicher Nutzfläche,wie so oft erlebt? Ich sage nein. Wir sind sehr oft mit dem Rad unterwegs. Da fällt mir auf, dass zum Beispiel im Bereich Duderstadt die ohnehin vorhandenen Wirtschaftswege der Landwirtschaft gut ausgebaut und gleichzeitig als Radwege ausgeschildert sind. Und wenn uns als Radfahrer mal ein Traktordentliches begegnet. Was solls. Ich denke da sollte die Entwicklung hingehen. Förderprogramme für Radwege und den Ausbau landwirtschaftlicher Wege zusammen bringen. Das bringt Akzeptanz bei den Agrarproduzenten und spart jede Menge Geld für Grunderwerb incl.Nebenkosten und Vermessung.

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08.09.2017, 06.09 Uhr
Jörg Thümmel | Die meisten ausgewiesenen Radwege
befinden sich auf ehemals unbefestigten Wegen, die eh schon da waren. Lediglich deren sichere Fahrbarkeit im Sinne des Oberflächenbelages wird geändert.

Ich wüsste nicht, wo da landwirtschaftliche Flächen versiegelt würden. Ist ja nicht so, dass einer heute so mir nichts, dir nichts ein Feld einebnet und dort einen Radweg baut, der dann nur so da ist.
Ausser eventuell die gemeine deutsche Schotterflechte zählt jatzt zu den Nutzpflanzen.

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08.09.2017, 08.40 Uhr
I.H. | Landwirtschaft kontra Wege
Der Landverbrauch für Radwege ist ein Fliegenschi§§ gegen den "Wegeklau", den einige Landwirte betreiben. Man schaue sich mal eine Flurkarte aus dem Jahr 1980 an und dann schaue man sich mal die Realität von 2017 an. Auf zwei meiner Grundstücke muss ich heute mit Helikopter einfliegen, weil auf dem laut Grundbuch vorhandenen Weg Gülle für die nächste Maissaat ausgebracht wird.

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08.09.2017, 09.45 Uhr
I.H. | zu Update Radwegkonzeption
Danke Herr Hermann. Ich lach mich hier gerade schlapp über die Herrschaften.

" Gerade wurde heute beim Treffen von Landwirten des Kyffhäuserkreises bemängelt, dass es kein gutes Netz an ausgebauten Landwirtschaftswege im Kyffhäuserkreis gibt"

Die sollen mal unter ihre Pflüge gucken. Da finden sie auch die Landwirtschaftswege.

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