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Mi, 11:25 Uhr
30.08.2017
Kunstschau beendet

Der Kunst Philip Oesers zugetan

Über zwei Monate waren über 100 Exponate des Künstlers Philip Oeser aus Weimar im Kunsthaus Meyenburg zu sehen. Nun sind sie wieder unterwegs gen Weimar-Taubach, wo das Oeser-Müller-Haus mit dem Atelier steht. Kunstkennerin Heidelore Kneffel lässt die Schau noch einmal Revue passieren...

Zeichnungen, Radierungen, Malereien, Monotypien, Materialdrucke, Collagen, Copygrafien, Assemblagen, Prägedrucke kehren zurück. An dieser Aufzählung erkennt man, wie vielseitig Oesers künstlerische Handschrift ist. Er gehört zu den großen deutschen Künstlerpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und des angebrochenen 21. Jahrhunderts. Und, er stammte aus Nordhausen und fand seine künstlerische Prägung hier durch Martin Domke und Renate Niethammer.

Seine zweite Ehefrau, Dr. Renate Müller-Krumbach, hatte die Kunstwerke in mehrmonatiger Durchsicht für den Geburtsort ausgewählt. Dass dies überzeugend war, zeigen die Eintragungen in das Gästebuch.

Die Laudatorin Cornelie Becker-Lamers aus Weimar begann am 25. Juni ihre Hinführung zum Werk Oesers im Kunsthaus so: „Vor drei Jahren, Mitte 2014, wäre Helmut Müller, der sich seit 1965 Philip Oeser nannte, 85 Jahre alt geworden. Diesen Anlass nutzte damals das Museum Flohburg zu einer Retrospektive zum Werk des am 1. Juni 1929 in Nordhausen geborenen Künstlers, der am 3. Januar 2013 in Weimar verstorben war. Man zeigte damals auch Werke von Marlies Pape, seiner frühverstorbenen ersten Frau. Nun lädt die Meyenburg zu einer weiteren Schau . ein - dankenswerter Weise, denn das Atelier in Weimar ist noch voller nicht gehobener Schätze und etliche Exponate dieser Ausstellung, etwa die Handzeichnungen, sind ab heute zum ersten Mal öffentlich zu sehen“.



Eine der Eintragungen ins Gästebuch, eine Zeichnung, stammt von zwei Schülerinnen Oesers, die in Dresden die Neustädter Musik- und Kunstschule führen und sich „Castorp&Ollux“ nennen. Von den Frauen stammen auch Kinderbuchillustrationen. Bereits 2014 kamen sie in die Nordhäuser Oeser-Pape-Ausstellung in der Flohburg, waren voll des Dankes und zeichneten zwei Schnecken im Gespräch. „Es braucht Talent und Langsamkeit, um ein großes Werk zu schaffen“. Die Antwort: „Wem sagst du das“. Dieses Mal, wiederum in Freude über die gezeigten Bildfindungen, entstand die Zeichnung, signiert Castorp '17, „Philip Oeser Eine Schnecke porträtierend“.

Diejenigen, die den Weg in die Präsentation fanden, wissen um des Künstlers Zuneigung zum Scheckengehäuse und dessen einfallsreiche Verwendung. Ein Blick in sein Atelier offenbart seine Sammelleidenschaft. Ich durfte es ansehen und dort fotografieren.

Seit November 2000 befindet es sich in Weimar-Taubach, dem Lärm entzogen, in zwei Stockwerken des Hauses. Druckerpressen, unterschiedliche Papiere, zahlreiche Pinsel und Stiftarten, Druckwalzen, Farben und Tinkturen u. a. m. stehen und liegen griffbereit. Dass er sammelte, war für die Art seiner Kunst-Ausübung geradezu notwendig.

Da sind Muscheln, Schneckenhäuser, getrocknete Pflanzen, Federn verschiedener Größe, Knochen, einige kleine Tierschädel, Hölzer, auch verkohlte und angeschwemmte, beschriebene und bedruckte Papiere in unterschiedlichen Erhaltungszuständen, Stoffe, derbe und zarte, Metallteile, gröbere und feinere, auch rostige Nägel. Bücher sind unübersehbar. Jedes dieser Dinge trägt ein Da-Sein in sich, das es für den Künstler zu entschlüsseln galt, um es in eine künstlerische Aussage zu verwandeln. Darin war er ein genialer Meister, wie seine Werke bekunden.

Dank geht an Renate Müller-Krumbach für die überzeugende Auswahl. Sie wird nun weiter an der Werkübersicht ihres Mannes arbeiten, denn drei Museen in Deutschland, so Oesers Wunsch, sollen die Kunstwerke bewahren.
Heidelore Kneffel,
der Kunst Philip Oesers zugetan
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