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Mi, 10:31 Uhr
30.08.2017
AM STEUER EINES REISEBUSSES

Mit Disziplin kontra „Fahrerbauch“

In einer Serie stellen wir in loser Reihenfolge langjährige und verdienstvolle Busfahrer im Reiseverkehr vor. Heute: Roland Merx. 30 Jahre lang sitzt er schon hinter dem Steuer, denn Beruf kommt von Berufung...

Nordhausen. Auf Anhieb fand ich ihn sympathisch. Ruhe und Gelassenheit strahlt der Mann aus. Jeden Satz wählt er mit Bedacht. Während wir gemütlich bei einer Tasse Kaffee sitzen, erzählt er mir aus seinem beruflichen Leben. 30 Jahre sei er nun schon auf der Straße unterwegs. Am Steuer eines Busses.

Vor 1990 war Roland Merx im VEB Kraftverkehr tätig. Als Fahrer im Linienverkehr. Dann kam die Wende. Mit ihr die große Unsicherheit. Wie würde es mit ihm weiter gehen? Unruhige Nächte. Die Hiobsbotschaften, die allenthalben zu vernehmen waren, und ein ungutes Gefühl sagten ihm, dass auch in seinem Betrieb Entlassungen bevorstünden.

Eines Tages vernahm er die Kunde, ein Jürgen Brauer baue ein Reiseunternehmen auf. Roland Merx bewarb sich. Und hatte Glück. Das war im August 1991. Die ersten 14 Tage als Beifahrer nur auf Schnuppertour. Auf Probe. Noch im gleichen Monat aber kam für den 23-Jährigen die Fahrt der Bewährung: acht Tage Spanien. Selbstständig. „Es muss wohl mein Gesellenstück gewesen sein“, sieht er es rückblickend. Mit Bravour bestanden. Brauer hatte einen weiteren Fahrer für seine im Aufbau begriffene Flotte gewonnen und seine Entscheidung nie bereut.

Beruf komme von Berufung, sagt Merx. Busfahrer im Reiseverkehr zu sein, sei vor allem Verantwortung für die Menschen an Bord. Verantwortung für stets zufriedene Gäste. Eine Herausforderung, der man sich immer wieder stellen müsse. Jede Reise sei ein Erlebnis. Hochzeitsgesellschaft, Geburtstagsparty, Betriebsausflug alles Mögliche habe er schon an Bord gehabt. Nur noch keine Geburt. „Mich bringt so leicht nichts aus der Fassung“, ist er sich sicher. Unzufriedene Gäste? Der Fahrer lächelt: Unzufriedenheit müsse man aus dem Weg räumen.


Roland Merx vor seinem hochmodernen Reisebus. Foto: privat

Um die 80 000 Kilometer bringt Roland Merx auf Deutschlands und europäischen Autobahnen und Straßen Jahr für Jahr hinter sich. An die 2,6 Millionen Kilometer könnten es insgesamt sein, hat er ausgerechnet. Um die 61-mal um den Globus. Einen nennenswerten Unfall habe es bislang nur in Norwegen gegeben. Eine Pkw-Fahrerin habe ihm die Vorfahrt genommen. Sie kam ins Krankenhaus, der Bus blieb fahrtüchtig.

Nächste Woche steuert Roland Merx das Dachsteingebirge in Österreich an. Überhaupt sei Österreich sein Lieblingsland. Der Natur und der Berge wegen. Italien liebe er auch. Die Mentalität der Menschen dort hätte es ihm angetan. Überdies sei es in jedem Land schön. Auf seine Weise.

Er, Roland Merx, ziehe den Hut vor jeder Frau, „die es mit uns Fahrern, die wir oft in der Ferne weilen, aushalte“, ist seine Überzeugung. Er sei einvernehmlich geschieden. Abgesehen von der Fernfahrerei habe man sich auseinander gelebt. Heute lebe er in einer soliden Beziehung, was in seinem Beruf sehr förderlich sei.


Bei dem Brauer-Reiseunternehmen sieht sich Busfahrer Merx gut aufgehoben. Foto: Kurt Frank

Er selbst halte sich durch Selbstdisziplin, wie er es nennt, für den Beruf fit. Merx schwört auf gesundes Essen. Alles nur in Maßen. Mit seiner Lebensgefährtin habe er eine Rennsteigwanderung begonnen. Im Winter fahre er Ski in Österreich und in Oberstdorf. Stundenlanges Sitzen und Bewegungsmangel könnten sich am Bauchumfang bemerkbar machen. Einen so genannten „Fahrerbauch“, der am Lenkrad schleift, möchte er unter allen Umständen vermeiden. Bei seiner Figur ist das wohl nicht zu befürchten.

Demnächst wird Roland Merx 50. Sein Wunsch ist es, noch viele Jahre lang in diesem Beruf tätig zu sein. Ob er es sich vorstellen könne, wie sein Fahrer-Kollege Thomas Erbsmehl, später einmal im Innendienst des Unternehmens tätig zu werden? Merx lächelt: „So viele Bürosessel gibt es da nicht, um einen zu besetzen. Reiseleiter oder -begleiter wäre eher was für mich“.

„Roland Merx ist noch sehr fit und dynamisch“, hebt Geschäftsführer Jens Zombik hervor. „Wir lassen ihn nicht im Stich, sollte er aus irgendwelchen Gründen gezwungen sein, diesen Beruf aufzugeben“, versichert der Chef. Sein Fahrer hebt seinerzeit das gute Verhältnis zwischen Firma und Belegschaft hervor. Die jährliche Weihnachtsfeier und der Ausflug mit allen Betriebsangehörigen festigten die Bande. Überhaupt gehe es bei Brauer wie in einer großen Familie zu.
Kurt Frank
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