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Sa, 19:40 Uhr
13.05.2017
Waldbewirtschaftung

Primas sagt nicht die Wahrheit

Die intensive Forstwirtschaft gegen „Urwald“konzepte in Schutz zu nehmen und dies auch noch mit der angeblich größeren Artenvielfalt in heutigen Nutzwäldern zu begründen, halte ich für nicht den Fakten entsprechend.
Egon Primas tritt natürlich als Lobbyist der Forstwirtschaft auf, wie sollte es bei ihm auch anders sein. Ein Beitrag von Bodo Schwarzberg...

Abbiss-Pippau (Foto: B. Schwarzberg) Abbiss-Pippau (Foto: B. Schwarzberg)
Der Abbiss-Pippau (Crepis praemorsa, in Thüringen stark gefährdet), eine Art von Halbtrockenrasen und lichten Wäldern, hat in Thüringen u.a. durch die Forstwirtschaft schätzungsweise 70 bis 80 Prozent seiner einstigen Wuchsorte verloren. Forst und Naturschutzbehörden tragen eine große Verantwortung für die Erhaltung der letzten Wuchsorte, wozu Verpflichtungen aus der FFH-Richtlinie und den Schutzgebietsverordnungen ableitbar sind. Der BUND-Kreisverband Nordhausen pflegt zwei von ihnen.(05.06. 2016, NSG Alter Stolberg).

Doch dürfte ihm wahrscheinlich das Wissen zur Einschätzung der Artenvielfalt in Wäldern zumindest auf manchen Gebieten fehlen. Aus botanischer Sicht kann ich sagen, dass eine ganze Reihe von Arten in unseren heutigen, intensiv bewirtschafteten Wäldern bedrohter denn je ist. In der aktuellen Roten Liste Thüringens von 2011 wird die Ausdunklung von Wäldern als Rückgangsursache explizit benannt.

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Dies betrifft vor allem also jene Arten, für die in der Bestimmungsliteratur meist „lichte Wälder“ als bevorzugte Standorte angeben sind. Noch nie in der jüngeren Menschheitsgeschichte dürften unsere Wälder so dicht und so holzreich gewesen sein, wie heute. Dies liegt in erster Linie an der fast ausschließlich auf maximalen Gewinn ausgerichteten Forstwirtschaft und an einem weiteren wirtschaftlichen Grund:
Bis zur vielfach angenommenen Ausrottung der großen Pflanzenfresser wie zum Beispiel Auerochse, Wisent, Elch sowie der Wildpferde, verstärkt einsetzend nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren, wurde die Waldentwicklung viel mehr von natürlichen Prozessen bestimmt als heute.

So besagt die Megaherbivorentheorie u.a., dass es in diesen natürlichen Wäldern, also Urwäldern, natürliche Weiden gab, in denen lichtliebende Pflanzenarten, heute selten oder am Rande der Ausrottung, ihre Nischen fanden. Die Wälder trugen den Charakter von Parklandschaften. Und nach dieser weithin akzeptierten Theorie gehörten die Arten der Wiesen und Weiden schon damals, also ohne Zutun des Menschen zu unserer Landschaft. In diesem einen Punkt ist Primas wohl recht zu geben: Würde die Forstwirtschaft gar nicht mehr einschlagen, würden die von ihr verursachten dichten Wälder noch dichter, als sie es ohnehin bereits sind, so dass weitere lichtliebende Arten, als ohnehin schon, vermutlich auch noch verschwänden.

Besser aber wäre es, wieder verstärkt extensive Waldweide zuzulassen, als gewinnorientierten Holzeinschlag, da die Waldweide den ursprünglichen Verhältnissen ohne menschlichen Druck am ehesten entsprechen würde. Urwälder, wie sie zu Zeiten der großen Tiere bei uns vorherrschten, würden diese von Frau Siegesmund favorisierten sekundären Urwälder von des Menschen Gnaden also wohl nicht wieder. Frau Siegesmunds Wälder wären botanisch artenarm. Es sei denn, man ließe eine ähnliche Fauna wie aus der Zeit vom Beginn des Holozäns wieder zu. Zumindest aus botanischer Sicht würden also „neue Urwälder“ ohne große Pflanzenfresser recht sicher im Vergleich zur Gegenwart noch mehr Artenvielfalt kosten.

Der Verlust zahlreicher lichtliebender Waldarten geht nachweislich auf das Konto der intensiven Forstwirtschaft mit ihren dichten Altersklassenwäldern. Das scheint Herr Primas komplett zu vergessen oder unterschlagen zu wollen. In den letzten Jahrzehnten wurden die Verluste geradezu dramatisch:

Auf dem Gewissen hat die heutige Thüringer Forstwirtschaft z. B. zahlreiche Wuchsorte folgender Bewohner einst lichter Laubwälder: Preußisches Laserkraut, Laserpitium prutenicum (Rote Liste Thüringen 1, nur noch einen Wuchsort im Ilmkreis), Abbiss-Pippau Crepis praemorsa (Rote Liste Thüringen 2, Rückgang 70 bis 80 Prozent), Borstige Glockenblume, Campanula cervicaria (Rote Liste Thüringen 1) und Tephroseris helenitis ssp. helenitis, das Spatelblättrige Greiskraut, das überdies weltweit fast nur in Deutschland und Frankreich vorkommt (Rote Liste Thüringen 2). Auch einige Orchideenarten, wie das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens, Rote Liste Thüringen 2 und der legendäre Frauenschuh, (Cypripedium calceolus, Rote Liste Thüringen 2) kamen einst bedeutend häufiger in den einst mehr lichtdurchfluteten Wäldern vor.

Auch deren Verluste können jedenfalls ohne Wenn und Aber sehr geehrter Herr Primas, der von Ihnen favorisierten Forstwirtschaft zugeschrieben werden. Übrigens sind Arten wie das in Mitteleuropa weitestgehend endemische Spatelblättrige Greiskraut geradezu ein Beleg dafür, dass unsere früheren Wälder lichter, extensiver, also ganz anders als Primas‘ „Naturschutzwälder“ waren und dass diese Art bereits ohne menschliche Beeinflussung bei uns heimisch war.

Zu Zeiten der Nieder- und Mittelwälder und der Waldweide konnten die lichten Waldverhältnisse der Urwaldzeit noch imitiert werden, aber diese Bewirtschaftungsformen mit der Folge großen botanischen Artenreichtums sind leider weitestgehend aus den heutigen Konzepten verschwunden. – Was Herr Primas verschweigt.

Aus faunistischer Sicht aber könnten „neue“ Urwälder wahrscheinlich artenreicher sein, als die heutigen Wirtschaftswälder. Sie lässt in ihren Wirtschaftswäldern zu wenige alte Bäume eines natürlichen Todes sterben. Nicht umsonst gehören die Bewohner alter, dicker und sterbender Bäume (Totholz), wie Hirschkäfer und andere Schröter- und Bockkäferarten (z.B. der Held-Bock als attraktive Charakterart Jahrhunderte alter Eichen in den Hutewäldern) zu den weithin bedrohten, verschwundenen oder fast verschwundenen Spezies.
Primas lässt also nach Politikermanier entscheidende Fakten weg, um die Interessen einer bestimmten Wirtschaftsklientel zu pflegen. Das schafft kein Vertrauen in Politik und Wirtschaft, da die Welt zu komplex und zu bedroht ist, als dass man sich es als Verantwortungsträger im Interesse einer Minderheit allzu einfach machen sollte.

Frau Siegesmund muss man den Vorwurf machen, dass sie in Bezug auf unsere Umwelt alles auf einmal aufholen zu wollen scheint, was die CDU-Herrschaft von 25 Jahren vernachlässigt hat und am Ende vieles nicht immer von ihr richtig, oder gar falsch angestoßen wird. Von überzeugenden, also wirksamen und kontinuierlich über viele Jahre finanzierten Bewirtschaftungs- und vor allem Arterhaltungskonzepten für unsere Naturschutzgebiete weiß ich noch immer nichts.

Ohne Ehrenamt, z.B. des BUND-Kreisverbandes Nordhausen mit seiner kontinuierlichen, aktiven Naturschutzarbeit im Landkreis Nordhausen, würden wir gegenwärtig noch mehr verlieren, als ohnehin schon. In diesem Zusammenhang danken wir auch einigen Waldeigentümern im Naturschutzgebiet Alter Stolberg, die bereit sind, die stellenweise dort noch vorhandenen lichten Strukturen sozusagen als eine Art Museum zu erhalten. Dadurch ist es uns möglich, einige lichtliebende Waldarten im Einklang mit der Schutzgebietsverordnung zu sichern. Zu diesen gehört insbesondere der oben abgebildete Abbiss-Pippau.

Am Ende muss ich aber doch noch eine kleine Lanze für unsere Forstwirtschaft brechen. Brauchten wir vom BUND-Kreisverband Nordhausen oder ich allein Unterstützung für die Entfernung einzelner Bäume z.B. auf Halbtrockenrasen oder in kleinen Quellmooren, letztlich um bedrohte Arten zu erhalten, so haben uns deren Vertreter aus Stadt und Landkreis bisher immer geholfen. Den amtlichen Forstverantwortlichen kann ich daher in diesem Punkt nur danken. Sie sind im Kleinen offen für den botanischer Artenschutz.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

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Kommentare
Sparer
13.05.2017, 19:57 Uhr
Sie sollten eher Mitleid mit
Herrn Primas haben, da er in Niedergebra offensichtlich nicht mehr rein gelassen wird, obwohl er ja dort geboren ist, aber offenbar Heimat vertrieben wurde. Wie soll er sich da mit Naturschutz und anderen Dingen auskennen, er hat so ein schweres Los. Mir tut er richtig Leid. Also Aufarbeitung von Traumata ist angesagt und nicht irgendwelche Beschuldigungen.
Landesvorsitzender des Bundes der Heimatvertriebenen e.V. Landesverband Thüringen
Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen Landesverband Thüringen e.V.
Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, Kreisverband Nordhausen e.V.
stellv. Bundesvorsitzender der Ost - und Mitteldeutschen Vereinigung - Union der Vertriebenen und Flüchtlinge
Landesvorsitzender der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung - Union der Vertriebenen und Flüchtlinge, Landesverband Thüringen
Frankledig
13.05.2017, 20:27 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema des Beitrages
altmeister
13.05.2017, 22:33 Uhr
Bewirtschaftung
Sehr geehrter Herr Schwarzberg, so intensiv, wie Sie sich mit Anderen um den Erhalt dieser Trockenrasenflächen kümmern, nur um zu verhindern, dass sich die Natur dort ungehindert entwickelt, das ist wohl besser?
Ich meine, dass auch diese Aktionen nicht weniger als eine forstwirtschaftliche Nutzung Einfluss nehmen, wenn auch in einer von Ihnen gewünschte Richtung, welche aber ebend nicht natürlich gewachsen ist.
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