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Fr, 10:17 Uhr
07.04.2017
Kommunalpolitiker äußern sich

Kreisstadtstatus für Sondershausen

Die Diskussion um den zukünftigen Sitz der Kreisverwaltung nach der geplanten Gebietsreform in Thüringen entwickelt sich derzeit immer intensiver. In der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses des Sondershäuser Stadtrates unterzeichneten der Bürgermeister der Stadt Sondershausen und die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen gemeinsam einen offenen Brief an Ministerpräsident Bodo Ramelow sowie die beteiligten Thüringer Ministerien und die Mitglieder des Thüringer Landtages. Dazu diese Meldung aus dem Rathaus Sondershausen...

In dem Schreiben betonen die Stadtratsmitglieder die „besondere“ Situation der Stadt Sondershausen und die Notwendigkeit, den Status als Kreisstadt auch nach der Gebietsreform für Sondershausen zu erhalten und weiter auszubauen.
Die besondere Situation Sondershausens und die zentrale Lage prädestinieren die Stadt einerseits. Andererseits wurden in der jetzigen Kreisstadt des Kyffhäuserkreises beste Bedingungen aufgebaut, die eine herausragende Arbeit der Kreisverwaltung garantieren. Darüber hinaus wurden Voraussetzungen geschaffen, effiziente Kreisstadtstrukturen in Sondershausen auszuweiten und zukunftsfähig zu erhalten.

Ein Verlust des Verwaltungssitzes des neu zu bildenden Landkreises würde für Sondershausen einen tiefen Einschnitt bedeuten sowie die weitere Entwicklung der Stadt massiv gefährden. Die vorherrschende Struktur würde durch den Verlust des Status’ als Kreisstadt in einem Ausmaß gefährdet, das die Charakteristik der Stadt unwiederbringlich vernichten würde.

Das offene Schreiben wurde einstimmig von den Fraktionsvorsitzenden des Sondershäuser Stadtrates gebilligt und unterschrieben.



Das Schreiben im Wortlaut:


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

Anlass dieses Schreibens ist, auf die „besondere“ Situation der Kreisstadt des Kyffhäuserkreises hinzuweisen.

Sondershausen ist bereits seit der Zeit vor dem 16. Jahrhundert insbesondere als „Verwaltungsstadt“ geprägt“. Ursache hierfür ist die damals existierende Grafschaft bzw. später das Fürstentum „Schwarzburg – Sondershausen“ mit seinem Verwaltungszentrum in der Stadt Sondershausen. Historisch geht letztlich auch ein Stern im Thüringer Wappen auf „Schwarzburg – Sondershausen“ zurück.

Die o. g. Prägung hält bis heute an. Kennzeichnend bzw. charakteristisch für das öffentliche Leben in der Innenstadt von Sondershausen ist einerseits die kleinere Stadtverwaltung bzw. in besonderer Form und herausragender Weise die Verwaltung des Landkreises. Diese Verwaltungsinstitution mit ihren Mitarbeitern trägt entscheidend zur Aufrechterhaltung des „öffentlichen Lebens“ bei. Wäre diese im Rahmen der Gebietsreform nicht mehr hier ansässig bzw. spürbar verringert, käme das „öffentliche Leben“ in der Innenstadt nahezu zum Erliegen und Sondershausen würde alles andere als anziehend auf Zuzugswillige aber auch hier wohnende Menschen wirken. Die weitere Entwicklung der Stadt würde gestoppt und Sondershausen verlöre seinen seit Jahrhunderten prägenden Charakter.


Die Lage der Stadt zwischen den Höhenzügen von Hain- und Windleite sorgt für ein ansprechendes Panorama jedoch auch für eine Begrenzung weiterer wirtschaftlicher Entwicklungen. Die Gewerbegebiete sind nahezu belegt und eine zusätzliche Ausdehnung ist aufgrund der topographischen Gegebenheiten nicht möglich. Dennoch bieten die angesiedelten Betriebe, darunter befinden sich auch Weltmarktführer, ein ansprechendes Angebot an Arbeitsplätzen in Industrie und produzierendem Gewerbe. Darüber hinaus bietet die Stadt alles Wünschenswerte, um die Merkmale einer attraktiven Kreisstadt zu erfüllen. Wesentlich dabei sind die jetzigen repräsentativen Räumlichkeiten des Landratsamtes sowie eine reizvolle Kulturlandschaft, die wiederum merklich vom Vorhandensein der Landkreisverwaltung abhängt.

Die Kreisgebietsreform unter Einbeziehung des jetzigen Kyffhäuserkreises führt bereits seit längerem zu der intensiv geführten Diskussion, in welcher Stadt künftig der Kreissitz angesiedelt sein soll, welche Stadt Kreisstadt wird. Aufgrund der aufgeführten Prägung und dem Umstand, dass in Sondershausen eine weitere Entwicklung im Bereich des räumlichen Gewerbeausbaus kaum möglich ist und im Gegensatz zu den anderen hier betroffenen Kreisstädten Sondershausen über keinen direkten Autobahnanschluss verfügt, der auch in Zukunft entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung ist, ist diese Stadt auf den Kreissitz angewiesen. Für die zahlreichen Einrichtungen im gewerblichen, kulturellen oder auch verwaltungsgeprägten Bereich würde sich unweigerlich die Standortfrage stellen. Wo andere Städte Möglichkeiten insbesondere auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung haben, sind in Sondershausen keine diesbezüglichen Entfaltungen möglich. Der Verlust würde zu einem nicht kompensationsfähigen Eingriff führen. Nicht nur die weitere Entwicklung der Stadt wäre gefährdet, sondern die vorherrschende Struktur würde in einem Ausmaß gestört, die die Charakteristik der Stadt unwiederbringlich vernichtet.

Aus den dargestellten Gründen ist es uns daher ein besonderes Anliegen, Sie auf den hier auch künftig notwendigen Kreisstadtstatus hinzuweisen, um die Basis für den vorherrschenden Charakter der Stadt erhalten zu können. Ein Verlust würde einen tiefen Einschnitt bedeuten. Sondershausen würde auf eine so elementare Art verändert, dass ein Vergleich mit den jetzt hier noch vorherrschenden Verhältnissen nicht mehr möglich wäre.

Die strukturelle Wandlung der beginnenden 90er Jahre – Schließung des „Kaliwerkes“, von der sich die Stadt bis heute nicht vollständig erholt hat, würde mit dem Verlust des Kreissitzes fortgeführt und der Stadt letztlich einen tiefgreifenden Wandel hin zum einschneidenden und existenziellen Abstieg bescheren.

Auch vor dem Hintergrund des verfassungsrechtlichen Ziels, der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse, ist Sondershausen im Gegensatz zu den konkurrierenden Städten um den Kreissitz in einem künftig nach der Gebietsreform veränderten Landkreis auf die Kreisstadt angewiesen. Wir bitten Sie daher die aufgeführten Gedanken und Gründe in Ihre Überlegungen und Debatten einzubeziehen.

Um dem vorgebrachten Ziel, einer Stärkung durch die Gebietsreform, zu entsprechen, ist die Bestimmung von Sondershausen als künftige Kreisstadt naheliegend und folgerichtig. Eine andere Entscheidung würde zu den erläuterten Folgen bzw. einer Schwächung der ganzen Region und der Zerstörung über einen sehr langen Zeitraum gewachsener Strukturen führen. Wir erwarten daher auch Ihren Einsatz für unser vorgetragenes Anliegen, damit diese Region künftig auch weiter eine Chance auf Entwicklung hat. Hierfür ist es unerlässlich, dass Sondershausen auch weiter Kreisstadt bleibt!


Für Fragen stehen wir gern zur Verfügung. Zu weiteren Erläuterungen und Gesprächen sind Sie auch gern nach Sondershausen eingeladen, um vor Ort die vorgebrachten Erforderlichkeiten in Augenschein zu nehmen.


Mit freundlichen Grüßen
Kreisstadtstatus für Sondershausen (Foto: Stadt Sondershausen) Kreisstadtstatus für Sondershausen (Foto: Stadt Sondershausen)
Autor: khh

Kommentare
Eckenblitz
07.04.2017, 12.00 Uhr
Liebe Stadträte von Sondershausen,.....
gehen sie einmal mit weit geöffneten Augen durch Ihre Stadt. Und dann überdenken sie noch einmal, was sie da verlangen.
tannhäuser
07.04.2017, 13.43 Uhr
Genau, weit auf die Äuglein!
Was sehen Sie? Irgendetwas, das ausser der Moralkrücke zentrale Lage für den Kreisstadtstatus spricht?

Ausser natürlich den vielen Verwandten, Bekannten und Freunden in den Amtsstuben?

Wie wäre es z. B. mit einem besseren Nahverkehr. Es muss nicht unbedingt eine Straßenbahn sein, die öfter als stündlich wochentags und ein halbes Dutzend Mal an Wochenenden und Feiertagen das Krankenhaus anfährt.

Eines, das nicht die Geriatrie als Vorzeigestation bewerben muss, aber Kinder als Notfälle abweist?

Natürlich hat niemand von Ihnen ursächliche Verantwortung für diese Misere.

Aber hören Sie auf, aus parteipolitischen und Postengeschacher-Gründen sich und die Bürger lächerlich zu machen!

Diese Provinzposse wird mit keinem Kreisstadtstatus zur lebenskulturellen Metropole!
Gemeindediener
07.04.2017, 14.53 Uhr
An Overhead
Sie haben den Nagel genau auf den Kopf getroffen.

Die kostbare Zeit die für die Anfertigung des Briefes an den Ministerpräsidenten verwendet wurde, sollte lieber für die Stadtentwicklung von Sondershausen genutzt worden sein.

Was gibt es in Sondershausen außer dem Schloss und vielleicht noch "Cafe Pille" für eine Attraktion? Ach vielleicht noch die leeren Läden in der Schlossgalerie ?

Egal es ist nun einmal so, aber Achtung auch große Dörfer können Kreisstadt werden, noch dazu wenn sich die Nordhäuser mit der Nachfolge ihres OB z.Z. mehr beschäftigen müssen, als mit dem künftigen Kreisstadtsitz.
RWE
07.04.2017, 17.52 Uhr
Naja,
Sonderschauen hat noch den Possen mit Kletterpark und Hüpfburgen, einen Kaufland und einen OBI...
Aber am Ende des Tages geht in beiden Kreisstädten nur die Angst um gutgezahlte Posten umher und die Leute werden mit Lokalpatriotismus aufgewiegelt. Der jeweilige "Verlierer" würde irgendeine Art Servicestelle bekommen. Ich vermisse das Finanzamt jedenfalls nicht.
Man sollte echte Argumente abwägen, und nicht "Panoramen" (Hammerargument aus SDH) oder vorhandene oder eben nicht vorhandene Einkaufsmöglichkeiten. Da wo effizienter gearbeitet werden kann muß der Standort sein. Der Sinn der Reform soll ja Sparsamkeit sein.
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