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Mo, 10:16 Uhr
23.01.2017
Dichterstätte Sarah Kirsch

Erste Lesung im Jubiläumsjahr

1997, also vor 20 Jahren war es, als die Dichterin Sarah Kirsch am 2. Juni wieder in unsere Region kam. Vor vollem Haus las sie im Thomas-Mann-Club aus ihren Werken und besuchte die Ruinen ihres Geburtshauses. Heute erstrahlt das Haus wieder in neuem Glanz, und auch die Worte der einstigen Bewohnerin sind wieder regelmäßig zu hören...

Gekommen war sie auf Einladung des Landrates des Landkreises Nordhausen, Joachim Claus, des Buchhändlers Dietrich Rose, des evangelischen Pfarrers von Limlingerode, Michael Wegner, und des Bürgermeisters der Gemeinde Hohenstein, Martin Höche. Die Kirsch traf mit dem Zug in Nordhausen ein, wo sie am Abend im prall gefüllte Thomas-Mann-Club las, wie das Foto es zeigt. An den Wänden hingen ihre farbenfrohen Aquarelle, die Karin Kisker und Heidelore Kneffel aus Tielenhemme an der Eider, wo die Dichterin in einem ehemaligen Schulhaus lebte, abgeholt hatten.

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Am 4. Juni fand im Geburtsort Limlingerode die 2. Lesung statt. Mit Freude begrüßte sie die rote Erde, die sie vergessen hatte und las in der überfüllten Kirche. Der restaurierte barocke Taufengel schwebte ihr zur Seite, mit dem sie der Großvater Paul Bernstein, der Pfarrherr, am 19. Mai 1935 getauft hatte.

Sarah Kirsch stieg damals durch ein kaputtes Fenster von der Ostseite in ihr verfallendes Geburtshaus ein, das sie als einen „Schutthaufen“ erlebte.

Volles Haus zur ersten Lesung - vor 20 Jahren kam Dichterin Sarah Kirsch zum ersten Mal wieder nach Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel) Volles Haus zur ersten Lesung - vor 20 Jahren kam Dichterin Sarah Kirsch zum ersten Mal wieder nach Nordhausen (Foto: Heidelore Kneffel)

Sie fragte:... und das Haus, bleibt es? Ja, es konnte durch das Engagement vieler „auferstehen“! Also begehen die Mitglieder des nach Sarah Kirsch benannten Fördervereins das Jahr 2017 als ein Jubiläumsjahr und möchten andere mit einem abwechslungsreichen Programm daran teilhaben lassen. Während der 12 Monate gibt es viele Berührungspunkte zu der Kirsch.

Gleich am 28. Januar können die Gäste ab 14. 30 Uhr eine besondere Lesung von Texten erleben, die sie für Kinder in Versen oder in Prosa schrieb. Eine Aufarbeitung dieses Werkteiles fand so bisher noch nicht statt!

1963 konnte man ihren Text „Die betrunkene Sonne“ in Szene gesetzt im Rundfunk in „Die kleine Hörspielstunde“ hören. Damals wohnte sie mit ihrem Mann Rainer Kirsch in Halle. 1965 erscheint das Buch mit Bildern von Erich Gürtzig. Eine eigenwillige Handlung nimmt ihren Lauf, da die untergehende Sonne Bier trinkt und zu singen anfängt: „Spaß muß sein/Bier schmeckt fein!/ Schlafengehn ist nicht schön...“ Der Leser erlebt, wie die Naturgegebenheiten durcheinander geratenen und wie es dem kleinen Paul mit Verbündeten gelingt, die Sonne doch zum Untergang zu bewegen. Diese phantasiereiche Geschichte fand soviel Anklang, dass sie den bekannten Komponisten Tilo Medek aus Jena bewog, das Geschehen zu vertonen. 1972 erschien „Hänsel und Gretel, eine illustrierte Geschichte für kleine und große Leute nach der gleichnamigen Märchenoper von Engelbert Humperding...“, neu erzählt von Sarah Kirsch, mit farbigen Bildern von Werner Klemke und einem auch von ihm illustrierten Notenheft mit ausgewählten Stücken für Klavier. Eine Schallplatte kam auch heraus. Die von dem berühmten Grafiker, Illustrator und Buchgestalter Klemke üppig bebilderten Drucke sind eine Augenweide und gehören zu den bibliophilen Kostbarkeiten. Es freut uns, dass wir diese Druckwerke im Jahr des 100. Geburtstages des Künstlers vorstellen können.

Vor 20 Jahren noch "ein Schutthaufen" - das Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch (Foto: Heidelore Kneffel) Vor 20 Jahren noch "ein Schutthaufen" - das Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch (Foto: Heidelore Kneffel) Die Kirsch wohnte seit ihrer Scheidung von Rainer Kirsch in Ostberlin, 1969 wurde ihr Sohn Moritz geboren und der Ansporn, für Kinder zu schreiben, war noch größer. 1975 erscheinen gleich drei Werke: „Caroline im Wassertropfen“ mit Bildern von Erdmut Oelschlaeger, „Die Igeltreppe“, ein modernes Märchen, das den den Komponisten Georg Katzer zur Vertonung anregt und „Zwischen Herbst und Winter“, illustriert von Ingrid Schuppan. Diese poetischen Verse regen auch den bekannten Maler Kurt Mühlenhaupt zu einer eigenen Illustration an. Das Buch, das der Förderverein besitzt, trägt die Autographen der Dichterin und des Malers.

Der Schriftsteller Franz Fühmann regte Sarah Kirsch an, das anonyme mittelalterliche russische Epos „Das Lied von der Heerfahrt Igors“ den Kindern in deutscher Übersetzung nahezubringen. Kein geringerer als Rainer Maria Rilke hatte den kampfreichen Stoff bereits früher für sich entdeckt. 1977 kam der Kirschtext mit Illustrationen von Norbert Pohl im Kinderbuch „Sagen und Epen der Welt neu erzählt“ heraus.

Nach der Umsiedlung nach Westberlin bat man die Poetin, Verse für die zarten Aquarelle der Japanerin Kota Taniuchi zu schaffen.: „Ein Sommerregen“, „Wind“ und „Schatten“ entstanden. Den Abschluss des Nachmittags bildet das 1980 erschienene Märchen „Hans mein Igel“ mit Bildern von Paula Schmidt. Vorbild dafür waren die Gebrüder Grimm.
Also, „Es war einmal“ und die Gäste können am 28. Januar daran Anteil haben und außerdem die Kunst der Ute Zyrus genießen!
Heidelore Kneffel
Autor: red

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