Di, 16:20 Uhr
10.01.2017
Flucht und Vertreibung damals und heute
Versöhnung über den Gräbern
Neue und alte Konflikte halten die Welt in den letzten Jahren in Atem, die direkten Folgen um sich greifender Aggression spürt man nicht zuletzt auch in Deutschland in Form von neuen Flüchtlingen. Frei von Erfahrung ist man dabei hierzulande nicht, wie jetzt eine aktuelle Ausstellung der deutschen Kriegsgräberfürsorge zeigt...
Millionen starben im ersten Weltkrieg, Soldaten zumeist. Millionen starben im zweiten Weltkrieg, darunter viele, allzu viele Zivilisten. Millionen befanden sich während und auch nach dem Krieg auf der Flucht, wurden vertrieben, deportiert und umgesiedelt.
Aus den Erfahrungen dieser Jahre habe Deutschland gelernt, habe die Lehren der Geschichte im Grundgesetz wie auch in der Asylgesetzgebung festgeschrieben und in der alltäglichen Organisation der Flüchtlingshilfe praktiziert, erklärte heute Dr. Michael Krapp im Bürgersaal des Neuen Rathauses. Der Vorsitzende des Thüringer Landesverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eröffnete zusammen mit Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh am Nachmittag die Ausstellung "Geflohen, vertrieben - angekommen!? - Aspekte der Gewaltmigration im 20. und 21. Jahrhundert".
Die Wanderausstellung der Kriegsgräberfürsorge geht detailliert auf die unterschiedlichen Aspekte von Vertreibung und Flucht im vergangenen Jahrhundert und in unseren Tagen ein. Unterfüttert wird die Präsentation mit Zahlen, Statistiken und Grafiken aus den vergangenen 70 Jahren, aber auch mit Überlieferungen aus dem Alltag, etwa einem schwäbischen Schmähgedicht auf die Vertriebene und Kriegsflüchtlinge aus dem Jahr 1946 oder Wahlplakaten aus den 50er Jahren.
Der historische Fokus der Ausstellung liegt dabei vor allem auf den Westdeutschen Erfahrungen. Bis 1990 konnte die Kriegsgräberfürsorge in Osteuropa nicht tätig werden, erzählt Dr. Krapp. Gegründet wurde der Bund als Reaktion auf den ersten Weltkrieg im Jahr 1919. Im Gegensatz zu anderen Kriegsparteien wie Frankreich oder Großbritannien wurde die Fürsorge für die Gräber der Gefallenen nicht dem Staat oder dem Militär überlassen, sondern von der Bürgerschaft organisiert. Mit dem Ende des Dritten Reiches machte man es sich zur Aufgabe nicht nur das Gedenken der Gefallenen Soldaten zu pflegen, sondern das aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, erläuterte Dr. Krapp zur Ausstellungseröffnung.
Die Kriegsgräberfürsorge sei politisch neutral und will ihre Ausstellung nicht als Kommentar oder Kritik der akutellen Flüchtlingspolitik verstanden wissen, machte Dr. Krapp gegenüber der nnz deutlich. "Wir wollen zeigen welche Folgen schlechte Politik haben kann", so der Landesvorsitzende. Gemeint ist dabei vor allem der zweite Weltkrieg welcher damals auf Deutschland zurückgeschlagen sei, so Dr. Krapp. "Die Folge waren Millionen Flüchtlinge und Vertriebene. Die Lehren aus dieser Erfahrung haben wir im Grundgesetz niedergelegt und wir haben lange damit gelebt, ohne das man diese in größeren Umfang hätte umsetzen müssen", sagte der Vorsitzende des Verbandes, heute befinde man sich erstmals ernstlich in der "Praxisprüfung". Eine Haltung zur aktuellen Richtung der Weltpolitik liege jedoch nicht in der Kompetenz der Kriegsgräberfürsorge, "Versöhnung über den Gräbern, das war immer unsere Aufgabe", so der Vorsitzende. Bei schlechter Politik müsse man aber auch damit rechnen, das es neue Katastrophen geben könne.
Als erste Besucher waren Schülerinnen und Schüler des Humboldt Gymnasiums zu Gast, die sich zur Zeit unter anderem mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und den Folgen für Nordhausen beschäftigen. Wer selber einen Blick in die Geschichte werfen will, der kann die Präsentation noch bis zum 10.02. im Bürgersaal zu den Öffnungszeiten der Verwaltung besichtigen.
Angelo Glashagel
Autor: redMillionen starben im ersten Weltkrieg, Soldaten zumeist. Millionen starben im zweiten Weltkrieg, darunter viele, allzu viele Zivilisten. Millionen befanden sich während und auch nach dem Krieg auf der Flucht, wurden vertrieben, deportiert und umgesiedelt.
Aus den Erfahrungen dieser Jahre habe Deutschland gelernt, habe die Lehren der Geschichte im Grundgesetz wie auch in der Asylgesetzgebung festgeschrieben und in der alltäglichen Organisation der Flüchtlingshilfe praktiziert, erklärte heute Dr. Michael Krapp im Bürgersaal des Neuen Rathauses. Der Vorsitzende des Thüringer Landesverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eröffnete zusammen mit Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh am Nachmittag die Ausstellung "Geflohen, vertrieben - angekommen!? - Aspekte der Gewaltmigration im 20. und 21. Jahrhundert".
Die Wanderausstellung der Kriegsgräberfürsorge geht detailliert auf die unterschiedlichen Aspekte von Vertreibung und Flucht im vergangenen Jahrhundert und in unseren Tagen ein. Unterfüttert wird die Präsentation mit Zahlen, Statistiken und Grafiken aus den vergangenen 70 Jahren, aber auch mit Überlieferungen aus dem Alltag, etwa einem schwäbischen Schmähgedicht auf die Vertriebene und Kriegsflüchtlinge aus dem Jahr 1946 oder Wahlplakaten aus den 50er Jahren.
Der historische Fokus der Ausstellung liegt dabei vor allem auf den Westdeutschen Erfahrungen. Bis 1990 konnte die Kriegsgräberfürsorge in Osteuropa nicht tätig werden, erzählt Dr. Krapp. Gegründet wurde der Bund als Reaktion auf den ersten Weltkrieg im Jahr 1919. Im Gegensatz zu anderen Kriegsparteien wie Frankreich oder Großbritannien wurde die Fürsorge für die Gräber der Gefallenen nicht dem Staat oder dem Militär überlassen, sondern von der Bürgerschaft organisiert. Mit dem Ende des Dritten Reiches machte man es sich zur Aufgabe nicht nur das Gedenken der Gefallenen Soldaten zu pflegen, sondern das aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, erläuterte Dr. Krapp zur Ausstellungseröffnung.
Die Kriegsgräberfürsorge sei politisch neutral und will ihre Ausstellung nicht als Kommentar oder Kritik der akutellen Flüchtlingspolitik verstanden wissen, machte Dr. Krapp gegenüber der nnz deutlich. "Wir wollen zeigen welche Folgen schlechte Politik haben kann", so der Landesvorsitzende. Gemeint ist dabei vor allem der zweite Weltkrieg welcher damals auf Deutschland zurückgeschlagen sei, so Dr. Krapp. "Die Folge waren Millionen Flüchtlinge und Vertriebene. Die Lehren aus dieser Erfahrung haben wir im Grundgesetz niedergelegt und wir haben lange damit gelebt, ohne das man diese in größeren Umfang hätte umsetzen müssen", sagte der Vorsitzende des Verbandes, heute befinde man sich erstmals ernstlich in der "Praxisprüfung". Eine Haltung zur aktuellen Richtung der Weltpolitik liege jedoch nicht in der Kompetenz der Kriegsgräberfürsorge, "Versöhnung über den Gräbern, das war immer unsere Aufgabe", so der Vorsitzende. Bei schlechter Politik müsse man aber auch damit rechnen, das es neue Katastrophen geben könne.
Als erste Besucher waren Schülerinnen und Schüler des Humboldt Gymnasiums zu Gast, die sich zur Zeit unter anderem mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und den Folgen für Nordhausen beschäftigen. Wer selber einen Blick in die Geschichte werfen will, der kann die Präsentation noch bis zum 10.02. im Bürgersaal zu den Öffnungszeiten der Verwaltung besichtigen.
Angelo Glashagel






