eic kyf msh nnz uhz tv nt
Fr, 14:46 Uhr
07.10.2016
Forschungsarbeit angedacht

Warum wurde Nordhausen bombardiert?

Eine wissenschaftliche Forschungsarbeit soll klären, warum Nordhausen am 3. und 4. April 1945 bombardiert wurde. Mit der neuen Form der Gedenkkultur habe man einen ersten Schritt getan. Jetzt sei es an der Zeit sich wissenschaftlich fundiert Klarheit über diese Frage zu verschaffen...

Jetzt wenden wir uns jener Frage zu, die elementar ist für das Selbstverständnis von Nordhausen und deren wissenschaftliche Beantwortung bis heute noch aussteht. Es ist an der Zeit, uns Klarheit zu verschaffen mit der systematischen Sichtung der nationalen und internationalen Archive“, sagte Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh auch mit Blick auf die sinkende Zahl der Zeitzeugen. „Mit der fundierten Erforschung der Gründe ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, keinen Raum mehr zu lassen für Umdeutungen der Bombardierung der Stadt“, so Dr. Zeh.

Anzeige Refinery (lang)
Man werde noch für dieses Jahr einen Stadtratsbeschluss vorbereiten zur Beauftragung der Wissenschaftler. Parallel dazu werde man sich um die Einwerbung von Forschungsmitteln, u.a. bei Stiftungen, kümmern.

Anstoß für die Forschungsarbeit war ein Gespräch von Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh im März 2014 mit dem früheren Leiter der Gedenkstätte `Mittelbau-Dora`, Dr. Jens Wagner, und Professor Volkhard Knigge, dem Leiter der „Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora.

„Damals hatten Professor Knigge und Dr. Wagner auf den Klärungsbedarf hingewiesen“, so Dr. Zeh.

Prof Knigge hatte beim Treffen gesagt: „dass es nun, mehr denn je, auf die Vermittlung von Fakten ankommt. Entscheidend muss die Antwort auf die Frage nach dem `Warum´ sein. Denn Täter und Opfer des Nationalsozialismus sind nicht vom Himmel gefallen.“


Dr. Wagner hatte darauf verweisen, „dass die inhaltliche Auseinandersetzung um das `Warum´ mit einem breiten Teil der Bevölkerung geführt werden sollte. So bedarf es im Fall von Nordhausen der dringenden wissenschaftlichen Untersuchung, warum Nordhausen in den letzten Kriegstagen noch bombardiert wurde. Dazu gibt es zwar eine Fülle von Thesen und Mythen. Aber keine methodische Untersuchung. Das könnte Thema einer Promotion sein, die die Stadtverwaltung initiieren könnte.“

Innerhalb des Forschungsvorhabens sollen darüber hinaus Anstöße entwickelt werden für eine Neugestaltung des Gedenkfriedhofs am Stresemannring, auf dem auch Häftlinge der Boelke-Kaserne beigesetzt sind sowie eine möglichst genaue Ermittlung der Opferzahlen.

„Auf diese Notwendigkeit haben insbesondere Überlebende des KZ `Mittelbau-Dora´ immer wieder verwiesen“, sagte Dr. Cornelia Klose, die Beauftragte für Gedenkkultur bei der Stadtverwaltung Nordhausen.

„Umgesetzt werden soll das Forschungsvorhaben durch den emeritierten Historiker Prof. Dr. Claus Füllberg-Stolberg an der Universität Hannover und die Historikerin Martina Scheitenberger“, sagte Dr. Zeh beim Auftaktgespräch im Rathaus. Professor Füllberg-Stolberg sei mit Nordhausen und dessen Geschichte vertraut, da er in Nordhausen geboren sei.

Sie selbst, so Frau Scheitenberger beim Treffen im Rathaus, habe u.a. 1994 / 1995 an der Konzeption für die Dauerausstellung der Gedenkstätte „Mittelbau-.Dora“ mitgearbeitet, für die Ausstellung in den früheren Raketen-Produktionsstollen im Kohnstein sowie an den aktuellen Text-Tafeln für das Denkmal auf dem Ehrenfriedhof.

Anhaltspunkte für die Forschungsarbeit, insbesondere bei der Methodik, könne die Untersuchung geben, die die Stadt Dresden mit ähnlichem Forschungsziel in Auftrag gegeben habe, sagte Frau Dr. Klose beim Treffen.

So habe man in Dresden eine Arbeitsgruppe gebildet, die die Forschung begleitet habe und auch Bürgerinnen und Bürger umfasste. Im Rahmen der Dresdner Forschungsarbeit sei zugleich ein Zeitzeugenarchiv entstanden.

In Nordhausen sei die Mitarbeit von Schülern, vom früheren Bürgermeister Dr. Manfred Schröter, der bereits im Jahr 1988 eine erste Forschungsarbeit zur Bombardierung der Stadt Nordhausen erarbeitet habe, weiteren Historikern aus Nordhausen, vom Stadtarchiv, sowie von Vertretern der Stadtratsfraktionen vorgesehen.
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
U. Alukard
07.10.2016, 16:22 Uhr
"Stadtratsbeschluss vorbereiten zur Beauftragung der Wissenschaftler"
Wozu wiedermal zusätzlich Geld ausgeben?
Hierzu ist von Herrn Walter Geiger im Jahr 2000 ein sehr Umfangreiches Werk erschienen: "Nordhausen im Bombervisier", dort sind alle diese Fragen schon geklärt.
Ich empfehle allen Beteiligten erst einmal dieses Werk zu lesen.
H.Freidenker
07.10.2016, 18:37 Uhr
Wie hoch wird die Zahl der Opfer sein,
wenn diese Arbeit abgeschlossen ist.
Die Verbrechen des Nationalsozialismus waren unmenschlich grausam, da gibt es nicht zu beschönigen.
Die Städtebombardierungen der Alleierten waren nicht weniger grausam.
Wurden doch hier die Verbrechen gegen die Zivielbevölkerung und das hauptsächlich an Frauen und Kindern verübt!
In einem unterscheiden sie sich jedoch beide Verbrechen gravierend.
Dies ist die Zahlenangabe der Menschenopfer!
Die Stadt Dresden z.B., beklagte bei der Bpmbardierung mehrere Hunderttausend Opfer, bis heute wirde die Opferzahl auf 25000 scöngerechnet.
Was mag der Grund für solche Korrekturen sein ?
milfhunter
07.10.2016, 19:30 Uhr
ungeheuerlich!
Ich gebe Alukard Recht! "Bibliografieren schützt vor mancher Neuentdeckung" (Zitat Hermann Heimpel). Für die Finanzierung solcher Vorhaben ist in Nordhausen die Lesser-Stiftung satzungsmäßig zuständig. Anderenfalls sollte man der Stiftung die Gemeinnützigkeit absprechen. Aber entweder hat diese Stiftung kein Geld mehr oder ist bei Herrn Zeh in Ungnade gefallen oder will hier im Verborgenen bleiben?

Martina Scheitenberger ist eine freiberufliche Ausstellungsmacherin aus Hannover. Das heißt, die Frau verdient damit ihr Geld und entsprechend hoch werden ihre Honorarforderungen sein. Die Personalie Prof. Dr. Claus Füllberg-Stolberg ist genauso anrüchig! Ein Blick in seine Publikationsliste verrät, dass er noch nie etwas über Nordhausen erforscht hat. Dasselbe gilt für Frau Scheitenberger. Will man uns wirklich für so dumm verkaufen? Übrigens stellt sich hier noch eine andere Frage: Wozu gibt es an der Uni Jena einen Lehrstuhl für Thüringische Landesgeschichte?
Hans Dittmar
07.10.2016, 23:06 Uhr
Bombardierung Nordhausen
Zahlreiche Arbeiten gibt es darüber. Die umfassende von Herrn Geiger wurde schon erwähnt. Im letzten Jahr entstand ein Film des Nordhäusers Andreas Meissner dazu. Sieh auch NNZ http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=168430
Doch es hat sich wohl eingebürgert, dass Forschungsergebnisse nur was zählen wenn es Historiker eruieren und dann das neue Ergebnis präsentieren.

Wie so etwas endet haben die Dresdner jüngst erfahren. Ihnen haben Historiker erzählt es habe nie Tieffliegerangriffe nach dem Bombenabwurf gegeben. Haben sich sämtliche Augenzeugen das nur eingebildet? Auch wollte man den Dresdner erzählen Phosphorbomben wären nicht abgeworfen wurden, weil sie zu diesem Zeitpunkt schon verboten waren.

Auch in Nordhausen hatte ein Historiker aus der Gedenkstätte sämtliche Augenzeugenberichte ausgebendet oder gar als Schutzbehauptungen bezeichnet und die Behauptung aufgestellt, die Nordhäuser hätten ihre Stadt selbst geplündert. Nur weil man nach seiner Aussage keine schriftlichen Befehl fand.

Naja, dann lassen wir uns mal überraschen, welche Geschichte fremde Historiker für Nordhausen schreiben wollen.
Johann George
08.10.2016, 12:26 Uhr
Kriegsverbrechen wegforschen?
Die wissenschaftliche Forschung zu diesen Bombardements sollte in London bei der Royal Air Force ansetzen. Wie will man denn in Nordhausen erforschen, warum die Stadt wenige Tage vor Kriegsende so gründlich zerstört wurde? Vielleicht kann man die Engländer ja fragen, ob sie evtl. den Russen nicht eine funktionierende Industriestadt am Harz hinterlassen wollten? Oder ob sie ein besiegtes Land mit dem Abwurf überschüssiger Bomben demütigen oder gar dauerhaft demoralisieren wollte?

Ich fürchte, hier soll ein Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung weggeforscht werden, so wie es in Dresden der Fall ist, wo die Opferzahlen in den offiziellen Verlautbarungen seit Jahren immer geringer werden. Aber auch wenn die Zeitzeugen wegsterben, die Gräueltaten der Alliierten werden von den Angehörigen der in Dresden und Nordhausen Ermordeten, Verstümmelten und später Verhungerten an folgende Generationen weitergegeben. Und daran kann keine "Ursachenforschung" etwas ändern.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)