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Mo, 17:26 Uhr
12.09.2016
Sicherheitsmängel in der JVA Volkstedt?

Bewacher sucht seinen Gefangenen

Personalmangel? Weihnachtsgeschenk? Schlamperei? Der Gefangene Egon O. (Name von der Red. geändert) suchte vergeblich in dem Rettungstransportwagen (RTW), in dem er sich seit wenigen Minuten befand und gerade das Gefängnis verließ, nach seinem Bewacher. Weder vorn neben dem Fahrer noch unter seiner Pritsche: Nirgends eine Spur von einem Bediensteten, der ihn auf dem Weg ins Krankenhaus eigentlich begleiten müsste. Dem Häftling war ganz unheimlich zumute, denn ohne Bewachung auf Transport? Das geht ja nun gar nicht.

Die seltsame Fahrt des Egon O. geschah Ende vergangenen Jahres. Er hatte angegeben, krank zu sein und sollte deshalb in einer Klinik weiterbehandelt werden (der klassische Plan vieler Ausbruchwilliger, seit es Krankentransporte gibt). Am 22. Dezember 2015 war es dann so weit: Der RTW hatte beim Hereinkommen in die JVA alle Schleusen und Sicherheitskontrollen (darunter drei nahezu unüberwindbare Tore) erfolgreich hinter sich gelassen und wartete nun auf den Kranken. Dieser kam dann auch, betrat den Krankenwagen, machte es sich bequem und verließ mit dem Fahrer völlig unkontrolliert das Gefängnis. Er wurde durch sämtliche Sicherheitsschleusen und Tore gewunken und raus war er.


Anders als seinem Namensvetter Egon Olsen aus der berühmten dänischen Filmserie war dem Volkstedter Egon O. nicht an einer Flucht gelegen. Er wunderte sich nur. Und ihm wurde ein bisschen unheimlich. Doch nicht nur ihm allein. Derweil nämlich auch einem Bediensteten in der JVA Volkstedt, der seinen Gefangenen suchte. Den Mann, den er begleiten genau gesagt: bewachen sollte auf dessen Weg in das Krankenhaus. Doch wohin sollte der Mann eigentlich verlegt werden? Wo würde man den Inhaftierten finden?

In Volkstedt klingelten die Telefone heiß. Welches Krankenhaus, welche Klinik in der näheren und ferneren Umgebung erwartete einen Gefangenen? Wohin konnte man den Vollzugsbeamten bringen, damit er seinen Gefangenen wieder gefangen nehmen konnte?


Schließlich erfuhr jemand: Die Helios-Klinik Hettstedt erwartet einen Gefangenen. Aus Volkstedt. Heute. Das Ziel war erkannt. Der Bewacher wurde nach Hettstedt gebracht, wo er seinen Gefangenen wieder einsammeln konnte.

Soweit die Vorweihnachtsgeschichte. Was ist an ihr dran? Hat es eine Auswertung des Vorfalls gegeben? Welche Konsequenten hatte die Geschichte für die Bediensteten, die Fahrzeuge offenbar ohne Sicherheitskontrolle durchwinken und fluchtwilligen Gefangenen im wörtlichen Sinn Tür und Tor öffnen? Wir fragten heute Nachmittag den Leiter der JVA Volkstedt, Herrn Winterberg, ob die Kunde von dem Fall bis zu seinem Büro vorgedrungen sei. Herr Winterberg erklärte: „Das sind Betriebsinterna. Über so etwas muss ich mit Ihnen nicht reden.“


Wir fragten im Justizministerium in Magdeburg nach. Da es im Land Sachsen-Anhalt nur vier JVA - Halle, Burg, Raßnitz, Volkstedt - und die Jugendarrestanstalt Halle gibt, dürften die Volkstedter Vorgänge in Magdeburg längst Juristenstammtischgespräche sein. Doch die Anfrage erfolgte erst gegen 16.30 Uhr. Einen Rückruf gab es nicht, und 17 Uhr war Feierabend, wie ein Anrufbeantworter informierte.

Hauptsache, sämtliche JVA-Krankentransporte sind für heute durch...

Jochen Miche
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