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Mo, 15:44 Uhr
28.06.2004

Zum 80.

Nordhausen (nnz). Im 11. Jahrbuch "Heute und einst", das im August erscheint, steht eine Laudatio auf den Künstler Heinz Scharr, verfasst von Karl-Heinz Hänel. Die nnz veröffentlicht vorab eine gekürzte Fassung.


"Heinz Scharr ist Thüringer - geboren 1924 in Sondershausen. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft studierte er bei Elisabeth Voigt, Ernst Hassebrauk und Max Schwimmer an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, um sich 1952 als freischaffender Künstler in seiner Heimatstadt niederzulassen.

Heinz Scharr kehrte zu einem Zeitpunkt zurück nach Thüringen, als es für viele Künstler zunehmend schwerer wurde, sich selber treu zu bleiben. Ohne stilistische Drahtseilakte, ohne qualitätsminderndes Zugeständnis an Auftraggeber, ehrlich und nur dem eignen künstlerischen Wollen verpflichtet, ging er seinen Weg. Trotzdem nicht im Verborgenen, trotzdem immer präsent, immer hellwach und den Beweis führend, dass Geradlinigkeit möglich war, wenn auch nicht ohne die eine oder andere Blessur, und wenn auch nicht ohne Bitterkeit. Zugeständnisse mag er bis heute nicht.

Seit fünf Jahrzehnten gehört die Kunst von Heinz Scharr zu Thüringen. Unverwechselbar, sich immer wieder erneuernd, aus der rastlosen Kraft einer sehr diesseitigen Künstlernatur geboren. Ernsthaft und augenzwinkernd, sensibel und stark, phantastisch und bedrückend gegenwärtig. Es ist das Maß des "Sich-Verantwortlich-Fühlens", das wir an Heinz Scharr bewundern - Intensität, mit der er sich den Dingen widmet, die Beharrlichkeit, mit der er hinterfragt, die Tiefe, die er sucht, um den Dingen auf den Grund zu gehen, um die Seele zu suchen unter dem bloßen Schein. Bei solchem Tun liegen Stärke und Verletzlichkeit sehr nahe beieinander.

In seinen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten hat sich Heinz Scharr nie festlegen lassen. Er hat das ganze weite Feld der Kunst beschritten – mit Tatendrang - und wohl auch voller Lust. Seine Plastiken hat er zuweilen mit ekstatischer Kraft gebaut. Er unterwirft sich das Material, um sich – so scheint es - an anderer Stelle der Schönheit der Details oder dem ästhetischen Reiz des Filigranen hinzugeben. Aber hinter allem, Unterwerfung wie der Hingabe, spüren wir Respekt und Sensibilität.

Der Radier- und Aquatintatechnik und dem Holzschnitt hat sich Scharr bisweilen mit dem Gestus des Eroberers genähert: Kraftvoll, dramatisch setzt er kräftige Spuren, verdichtet, strukturiert. Reich ist die Welt feiner und finsterer Zwischentöne. Vergehendem Leben hat er nachgespürt in Vegetationsfragmenten, geschundener Natur, Baumtorsi, Urstrukturen von Landschaft und Leben, dramatisch im Kampf und tragisch im vergeblichen Versuch der Behauptung.

Utterode heißt das Feld der Inspiration seit Jahren, dieser winzige, uralte, historische Ort, der einmal als Exil empfunden, ein andermal die ganze Welt in sich zu bergen scheint. Wer ihn kennt, diesen Ort, der weiß um seine Faszination. Er ahnt aber auch, wie sehr der Ort selbst durch den Künstler, durch die Kraftnatur Heinz Scharr lebt."
Autor: nnz

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