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Mo, 18:45 Uhr
02.05.2016
PROJEKT „DEGAMBASCHULE“ IN ÄTHIOPIEN

Auch die Familie ist Feuer und Flamme

Anna möchte Kinder-Krankenschwester werden. Sie lernt in Halle. Nach dem Abitur verschlug es sie aber zunächst nach Äthiopien. Dort absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr. Sie wollte Menschen helfen, etwas Gutes tun...


Katrin Cieslak aus Nordhausen mit einer Schulklasse in Degamba

Nordhausen. Äthiopien hatte einen Hintergrund. Annas Mutter Katrin Cieslak singt im Cospel-Chor. Auch ein Sangesfreund aus Kirchworbis ist dabei. Der hatte schon Kontakt zu Äthiopien geknüpft. In diesem Land könne man sinnvoll für die Menschen, vor allem aber für die Kinder Gutes tun, um ihnen eine Schulbildung zu ermöglichen. Anna entschied sich für das Land.

Die 20-Jährige, die einst die Montessori-Grundschule in Nordhausen besuchte, begab sich in einen Kindergarten. Der befindet sich in Adigrat. Die Jugendliche lernte dort Cathrin kennen. Eine Engländerin aus London. Sie gab Englischunterricht in einer katholischen Privatschule. Die Frauen kamen sich näher. Anna lernte die Sorgen und Nöte der Menschen und Kinder in der Region kennen.

Eine Wanderung führte nach Degamba. Das ist ein kleines Dorf in den Bergen der Region Tigray im Osten Äthiopiens zwischen Adigrat und Hawzen. Dort lernen etwa 1000 Schüler von der 1. bis zur 8. Klasse und 84 Kindergartenkinder. In einer Klasse 50 bis 60 Schüler.
Die kommen aus den umliegenden Dörfern in einem Umkreis von über acht Kilometern. Eine Verkehrsverbindung gibt es nicht. Bis eineinhalb Stunden sind die Mädchen und Jungen auf den Beinen. Über staubigen Wegen und steinigen Pfaden.

Cathrin hatte schon ein Projekt mit einer Klasse einer Schule in London ins Leben gerufen. Anliegen war und ist es, den Mädchen und Jungen in dieser abgelegenen Bergregion eine Schulbildung zu ermöglichen, was sich oft als schwierig erweist. Der Staat verfügt nicht über genügend finanzielle Mittel, um seine Bildungseinrichtung ausreichend zu unterstützen. Es gibt keinen Strom, kaum Wasser. Es fehlen Stühle, Bücher, Stifte, Hefte. Es fehlt an allem, was eine Schule so benötigt.

Die Großeltern Renate und Lothar Gerhardt und Mutter Katrin Cieslak waren neugierig geworden, was denn Anna da so macht. Nach dem Besuch vor Ort wussten sie: In den Bergen, abgeschnitten von der Zivilisation, ist die Not der Menschen am größten und die Hilfe für die Kinder am Notwendigsten. Für die Familie stand fest: Wir wollen auch helfen!

Geboren wurde die Idee, ein persönliches Schulprojekt ins Leben zu rufen. Es nennt sich „Degambaschule“. Projektbetreuer ist Kiros Zeray, ein Äthiopier. Er weilte kürzlich für drei Wochen bei seiner Gastfamilie Gerhardt/Cieslak in Salza.

Alle drei Kinder von Katrin Cieslak besuchten die Montessori-Schule. Alle in der Familie sind Feuer und Flamme. Eine Klasse der Degambaschule wird nach Kräften unterstützt. Mittlerweile kann die Montessori-Schule auf 40 Klassen-Paten verweisen: Schulkinder, Lehrer, ehemalige Schüler, Eltern. 12 Euro im Jahr reichen, um ein Schulkind so auszustatten, damit es am Unterricht teilnehmen kann. Damit habe jedes Kind – 40 zählt die jetzige Klasse – einen Paten.

Im September 2015 ins Leben gerufen, kamen an Spenden bereits 1250 Euro zusammen. Für das Geld wurden neben Heften und Stiften auch Schulbänke – die Kinder sitzen oft auf der Erde oder Steinstufen - finanziert. Gegenwärtig ist man dabei, eine Bibliothek einzurichten. Dank dieser Spenden wurde es auch vier Waisenkindern ermöglicht, weiter zur Schule zu gehen.


Von dem Lerneifer der Kinder sind die Schulpaten hierzulande begeistert. Sie nehmen Wind und Wetter, oft auch enorme Hitze, staubige oder schlammige Pfade auf sich, um zur Schule zu kommen, dort zu lernen, sich Wissen anzueignen. Sie helfen auch fleißig mit, ihre Schule zu verschönern, beispielsweise die Schuleingangstür.


Im Oktober will Katrin Cieslak wieder nach Degamba reisen. Diesmal mit Tochter Laura und Schul-Paten, um zu sehen, was noch gemacht und wie noch geholfen werden könnte. Die 47-jährige Buchhalterin ist überzeugt: Wenn man Menschen in armen Ländern hilft, ihnen den Weg zur Bildung ebnet, sie im Bemühen auf ein menschenwürdiges Leben unterstützt, werden auch in Afrika immer weniger Menschen auf den Gedanken kommen, den lebensgefährlichen Weg nach Euro und in das gelobte Land Deutschland auf sich zu nehmen.
Kurt Frank
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Kommentare

04.05.2016, 21.23 Uhr
aurell | Großes Lob
Das ist sehr, sehr anerkennenswert was Anna in Äthiopien macht. Es ist auch eine schöne Erfahrung Menschen zu erleben die man mit kleinen Gesten glücklich macht.
Ich selbst war im vorigen Jahr in Tansania. Das schönste Erlebnis, daran muss ich oft denken. Den Freudentanz und die strahlende Augen von 3 Schulmädchen zu sehen, nur weil ich ihnen ein paar Bleistifte und Schulhefte schenkte.
Grüße
M.S.

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