Fr, 07:53 Uhr
08.04.2016
Seltene Südharzer Pflanzenwelt
Die schöne Viola Collina
Dass Veilchen blau blühen, ist eine Volksweisheit, jedoch stimmt sie nicht in jedem Fall. Im Gipskarst finden sich sehr seltene Vertreter der kleinen Blumen, Bodo Schwarzberg hat sich auf die Spur der Frühblüher begeben...
So entwickelt das in Fluss- und Stromtälern selten zu findende Gräben-Veilchen (Viola stagnina) auch weißliche Blüten und das Zweiblütige Veilchen (Viola biflora), bekannt aus der Drachenschlucht bei Eisenach, blüht gelb.
Eine seltene heimische Vertreterin dieser Frühblühergattung ist auch das Hügel-Veilchen (Viola collina), das immerhin neben einem sanften blauviolett einen weißen Blütengrund und einen weißen Sporn zu bieten hat - zumindest wenn es genetisch ein reines Hügel-Veilchen ist. Vom nahe verwandten Rauhhaarigen Veilchen (Viola hirta) unterscheidet es sich u.a. aber auch durch die reichgefransten Nebenblätter (ein Hauptmerkmal) und die tief herzförmigen, aber in der Grundform eher rundlichen Laubblätter, die zudem gelbgrün, statt frischgrün sind.
In diesem Tagen verblühen gerade die letzten Exemplare von Viola collina, die Art gehört zu den sehr früh blühenden Veilchenarten. Und es blüht nur für wenige Tage, im Gegensatz zu seinem kräftigeren Bruder. Meist kann man es schon Ende März finden – jedoch nur an ganz besonderen Orten: Seine Vorkommen beschränken sich auf offenerdige, flachgründige Kuppen und Hänge in einigen Teilen unserer Gipskarstlandschaft. Um zu ihm zu gelangen, darf man steilere Anstiege nicht scheuen.
Seine gegenwärtigen Vorkommen im Landkreis Nordhausen beschränken sich mit einer Ausnahme auf die östlichen Teile der Gipskarstlandschaft. An den ihm zusagenden Wuchsstellen tritt es nie in so großer Zahl auf, wie das sehr ähnliche und ungleich häufigere Rauhhaarige Veilchen (Viola hirta). Denn das Hügel-Veilchen ist konkurrenzschwächer, als sein wohl nächster Verwandter, inmitten dichten Graswuchses wird es verdrängt. Dementsprechend tritt das Rauhhaarige Veilchen an den kargen, sehr nährstoffarmen, lückigen Bodenstellen ähnlich wie andere Pflanzen auch zurück – und Viola collina nutzt diese Chance für sich.
Ein Exemplar des Hügel-Veilchens mit seinen typischen gelb-grünen, leicht samtigen, unten tief herzförmig eingeschnittenen Blättern (hier nicht zu sehen) und der innen weißlichen Blüte - aufgenommen im Landkreis Nordhausen (Frühjahr 2016) (Foto: Bodo Schwarzberg)
Ein Exemplar des Hügel-Veilchens mit seinen typischen gelb-grünen, leicht samtigen, unten tief herzförmig eingeschnittenen Blättern (hier nicht zu sehen) und der innen weißlichen Blüte - aufgenommen im Landkreis Nordhausen (Frühjahr 2016)
Lange Austrocknung während der sommerlichen Hitze und extreme Nährstoffarmut machen ihm nichts aus. Kein Wunder: Die Art hat ein kontinentales Verbreitungsgebiet, das bis weit nach Ostasien hinein reicht wo es bekanntlich wenig regnet und extreme Temperaturunterschiede im Jahresgang die Regel sind. Bei uns siedelt die Art am Rand ihrer Möglichkeiten, am Westrand ihres riesigen, eurasiatischen Verbreitungsgebietes. Das Rauhaarige Veilchen hingegen ist etwas stärker ozeanisch verbreitet, es bevorzugt also ein wenig ausgeglichenere Niederschläge und Temperaturen.
An den sehr wenigen Stellen im Südharzer Gipskarst, wo das Hügel-Veilchen heute noch gefunden wird, kommt es vorzugsweise inmitten lückiger, blaugrasreicher Kiefernwälder, in lichten Gebüschen und gelegentlich sogar in saumartigen, gehölznahen Halbtrockenrasen vor.
Als kleiner, wählerischer und wärmeliebender Spezialist verlangt das Hügel-Veilchen eine Süd- und Südwestexposition seiner Standorte oder wenigstens kräftige Sonnenbestrahlung der von ihm ebenfalls besiedelten Gipskuppen. Das Rauhaarige Veilchen ist da etwas weniger anspruchsvoll.
Dennoch: Beide Arten kommen oft nebeneinander vor, haben hinsichtlich Temperatur, Wasserversorgung, Kalk-/Basenreichtum und Nährstoffarmut ähnliche Ansprüche. Diese Ähnlichkeiten bedingen eine Neigung zur Bastardierung, was die Bestimmung der beiden ähnlichen Arten noch zusätzlich erschwert.
Das Hügel-Veilchen ist deutschlandweit und auch in Thüringen stark gefährdet (Rote Liste 2), das flexiblere Rauhhaarige Veilchen gilt als ungefährdet. Zu den Gefährdungsursachen gehören der allgemeine anthropogene Stickstoffeintrag aus der Atmosphäre und die Verschattung unserer Wälder durch ausbleibende bzw. unterdrückte natürliche Walddynamik und intensive Forstwirtschaft. Am Kohnstein wurde es vom Gipsabbau vernichtet.
Im Zuge des Referenzprojekts Artenschutz unter Federführung des Landschaftspflegeverbandes Südharz-Kyffhäuser e.V. wird ein Bestand des seltenen Veilchens betreut.
Bodo Schwarzberg
Autor: redSo entwickelt das in Fluss- und Stromtälern selten zu findende Gräben-Veilchen (Viola stagnina) auch weißliche Blüten und das Zweiblütige Veilchen (Viola biflora), bekannt aus der Drachenschlucht bei Eisenach, blüht gelb.
Eine seltene heimische Vertreterin dieser Frühblühergattung ist auch das Hügel-Veilchen (Viola collina), das immerhin neben einem sanften blauviolett einen weißen Blütengrund und einen weißen Sporn zu bieten hat - zumindest wenn es genetisch ein reines Hügel-Veilchen ist. Vom nahe verwandten Rauhhaarigen Veilchen (Viola hirta) unterscheidet es sich u.a. aber auch durch die reichgefransten Nebenblätter (ein Hauptmerkmal) und die tief herzförmigen, aber in der Grundform eher rundlichen Laubblätter, die zudem gelbgrün, statt frischgrün sind.
In diesem Tagen verblühen gerade die letzten Exemplare von Viola collina, die Art gehört zu den sehr früh blühenden Veilchenarten. Und es blüht nur für wenige Tage, im Gegensatz zu seinem kräftigeren Bruder. Meist kann man es schon Ende März finden – jedoch nur an ganz besonderen Orten: Seine Vorkommen beschränken sich auf offenerdige, flachgründige Kuppen und Hänge in einigen Teilen unserer Gipskarstlandschaft. Um zu ihm zu gelangen, darf man steilere Anstiege nicht scheuen.
Seine gegenwärtigen Vorkommen im Landkreis Nordhausen beschränken sich mit einer Ausnahme auf die östlichen Teile der Gipskarstlandschaft. An den ihm zusagenden Wuchsstellen tritt es nie in so großer Zahl auf, wie das sehr ähnliche und ungleich häufigere Rauhhaarige Veilchen (Viola hirta). Denn das Hügel-Veilchen ist konkurrenzschwächer, als sein wohl nächster Verwandter, inmitten dichten Graswuchses wird es verdrängt. Dementsprechend tritt das Rauhhaarige Veilchen an den kargen, sehr nährstoffarmen, lückigen Bodenstellen ähnlich wie andere Pflanzen auch zurück – und Viola collina nutzt diese Chance für sich.
Ein Exemplar des Hügel-Veilchens mit seinen typischen gelb-grünen, leicht samtigen, unten tief herzförmig eingeschnittenen Blättern (hier nicht zu sehen) und der innen weißlichen Blüte - aufgenommen im Landkreis Nordhausen (Frühjahr 2016) (Foto: Bodo Schwarzberg)
Ein Exemplar des Hügel-Veilchens mit seinen typischen gelb-grünen, leicht samtigen, unten tief herzförmig eingeschnittenen Blättern (hier nicht zu sehen) und der innen weißlichen Blüte - aufgenommen im Landkreis Nordhausen (Frühjahr 2016)
Lange Austrocknung während der sommerlichen Hitze und extreme Nährstoffarmut machen ihm nichts aus. Kein Wunder: Die Art hat ein kontinentales Verbreitungsgebiet, das bis weit nach Ostasien hinein reicht wo es bekanntlich wenig regnet und extreme Temperaturunterschiede im Jahresgang die Regel sind. Bei uns siedelt die Art am Rand ihrer Möglichkeiten, am Westrand ihres riesigen, eurasiatischen Verbreitungsgebietes. Das Rauhaarige Veilchen hingegen ist etwas stärker ozeanisch verbreitet, es bevorzugt also ein wenig ausgeglichenere Niederschläge und Temperaturen.
An den sehr wenigen Stellen im Südharzer Gipskarst, wo das Hügel-Veilchen heute noch gefunden wird, kommt es vorzugsweise inmitten lückiger, blaugrasreicher Kiefernwälder, in lichten Gebüschen und gelegentlich sogar in saumartigen, gehölznahen Halbtrockenrasen vor.
Als kleiner, wählerischer und wärmeliebender Spezialist verlangt das Hügel-Veilchen eine Süd- und Südwestexposition seiner Standorte oder wenigstens kräftige Sonnenbestrahlung der von ihm ebenfalls besiedelten Gipskuppen. Das Rauhaarige Veilchen ist da etwas weniger anspruchsvoll.
Dennoch: Beide Arten kommen oft nebeneinander vor, haben hinsichtlich Temperatur, Wasserversorgung, Kalk-/Basenreichtum und Nährstoffarmut ähnliche Ansprüche. Diese Ähnlichkeiten bedingen eine Neigung zur Bastardierung, was die Bestimmung der beiden ähnlichen Arten noch zusätzlich erschwert.
Das Hügel-Veilchen ist deutschlandweit und auch in Thüringen stark gefährdet (Rote Liste 2), das flexiblere Rauhhaarige Veilchen gilt als ungefährdet. Zu den Gefährdungsursachen gehören der allgemeine anthropogene Stickstoffeintrag aus der Atmosphäre und die Verschattung unserer Wälder durch ausbleibende bzw. unterdrückte natürliche Walddynamik und intensive Forstwirtschaft. Am Kohnstein wurde es vom Gipsabbau vernichtet.
Im Zuge des Referenzprojekts Artenschutz unter Federführung des Landschaftspflegeverbandes Südharz-Kyffhäuser e.V. wird ein Bestand des seltenen Veilchens betreut.
Bodo Schwarzberg

