Do, 09:49 Uhr
03.03.2016
nnz-Foum
Nochmal "Klartext"
Es war ein turbulentes letztes halbes Jahr. Genau 6 Monate ist es auch her, das nnz-Leser Jürgen Wiethoff "Klartext" forderte und sich Gedanken über politische Korrektheit und die Flüchtlingsproblematik machte. Inzwischen ist es Zeit für eine kurze Bilanz, meint Jürgen Wiethoff...
Das Wichtigste zuerst: Seit Paris und Hannover sowie den Ereignissen in der Silvesternacht in mehreren deutschen Städten wird in allen Medien weit mehr Klartext geredet/geschrieben als zuvor.
Als die Kanzlerin ihre Wir schaffen das-Rede hielt, hat sie für den Moment richtig gehandelt. Das ganze Ausmaß ihrer Worte hat sie nicht erkannt und befand sich damit offenbar in guter Gesellschaft mit vielen anderen Bürgern dieses Landes in den unterschiedlichsten politischen Zuordnungen. Dass von Syrien eine Völkerwanderung bis in Europas Norden ausgeht, war nur zu vermuten. Gewusst hat es anfangs keiner.
Eine Einschränkung des Wir schaffen das hätte es nach wenigen Tagen geben müssen und zwar dergestalt, dass man das auf die Ausnahmesituation an Ungarns Grenzen beschränkt. Vermutlich wurde die Bundeskanzlerin hier falsch beraten.
Kein auch nur halbwegs erzogener Zufallsgast wird doch seinem Gastgeber übelnehmen, wenn dieser Gegebenheiten in seiner Wohnung vor dem Betreten aufsagt: Schuhe bitte vor der Wohnungstür ausziehen; bei uns wird nicht geraucht und eben auch Männer pinkeln im Sitzen. Warum wurde nicht die flapsige Bemerkung Fühlt euch ganz wie zu Hause, aber benehmt euch nicht so! einfach um die für das friedliche Zusammenleben in Europa gültigen Grundwerte erweitert?
Klar: Nach dem Spiel kann jeder wissen, wie man´s hätte machen müssen, gilt außer im Sport auch in der Politik. Aber warum nur hat hier niemand erkannt, dass die zelebrierte übertriebene Willkommenskultur die Radikalen in der Gesellschaft groß macht? Diesen ins Stammbuch: Weder Sieg heil- noch Deutschland verrecke-Sprüche lösen das Problem, zeigen aber eure ganze Unfähigkeit, es auch nur in groben Zügen zu erfassen.
Um ein Lieblingswort der Kanzlerin zu benutzen: Das Problem dort zu lösen, wo es entstanden ist, ist mittelfristig alternativlos. Weder Europa noch gar ein einzelnes Land verkraftet auf Dauer eine Völkerwanderung diesen Ausmaßes.
Die Maßnahmen für den Moment bleiben umstritten und wer auch immer eine Lösung weiß, die uneingeschränkt tragfähig ist, hätte sich damit schon unsterblich gemacht. Werte, wie Gleichberechtigung von Frau und Mann, Glaubensfreiheit und Meinungsfreiheit, sind für die meisten Menschen in Europa unverzichtbar. Menschen, denen ihr Leben nichts wert ist und Terroristen kann man nicht mit heile, heile, Gänschen umerziehen.
Im ZDF-Morgenmagazin vom 15.02. versprach Herr Altmaier Lösungen durch den EU-Gipfel am darauf folgenden Wochenende. Der grausame terroristische Anschlag – von wem auch immer ausgehend – in der Türkei, verhinderte, dass die Zuschauer der Sendung ihn an seinen Versprechungen messen konnten. Aber wenn man diesen Gipfel am Erreichten misst, kann einem auch hinsichtlich der britischen Unwägbarkeiten Angst und Bange werden.
Und so bleibt es nur, sich Berni Bärchen Stelter anzuschließen:
Wenn Menschen in Massen ihr Land verlassen,
um vor Terror und Angst zu fliehn,
ihre Habe den Schleusern überlassen,
weil sie sonst keinen Ausweg sehen,
dann macht Orban in Ungarn die Grenzen dicht,
auf dem Balkan wachsen Zäune,
die Slowakei trat vor Gericht.
Das ist Europa heute.
Wir lassen das Licht an, obwohl es nicht leicht ist.
Mauern und Zäune haben wir schon gehabt.
Auch wenn im Gestatten, vielleicht ein Vielleicht ist.
Wir haben ein freundliches Gesicht gemacht.
Das freundliche Gesicht erwarten wir auch von ihnen.
Achtung vor Frauen, eine offene Hand.
Und wem das nicht passt, der kann gleich wieder gehen.
Den Anderen herzlich willkommen im Land.
Jürgen Wiethoff
Autor: redDas Wichtigste zuerst: Seit Paris und Hannover sowie den Ereignissen in der Silvesternacht in mehreren deutschen Städten wird in allen Medien weit mehr Klartext geredet/geschrieben als zuvor.
Als die Kanzlerin ihre Wir schaffen das-Rede hielt, hat sie für den Moment richtig gehandelt. Das ganze Ausmaß ihrer Worte hat sie nicht erkannt und befand sich damit offenbar in guter Gesellschaft mit vielen anderen Bürgern dieses Landes in den unterschiedlichsten politischen Zuordnungen. Dass von Syrien eine Völkerwanderung bis in Europas Norden ausgeht, war nur zu vermuten. Gewusst hat es anfangs keiner.
Eine Einschränkung des Wir schaffen das hätte es nach wenigen Tagen geben müssen und zwar dergestalt, dass man das auf die Ausnahmesituation an Ungarns Grenzen beschränkt. Vermutlich wurde die Bundeskanzlerin hier falsch beraten.
Kein auch nur halbwegs erzogener Zufallsgast wird doch seinem Gastgeber übelnehmen, wenn dieser Gegebenheiten in seiner Wohnung vor dem Betreten aufsagt: Schuhe bitte vor der Wohnungstür ausziehen; bei uns wird nicht geraucht und eben auch Männer pinkeln im Sitzen. Warum wurde nicht die flapsige Bemerkung Fühlt euch ganz wie zu Hause, aber benehmt euch nicht so! einfach um die für das friedliche Zusammenleben in Europa gültigen Grundwerte erweitert?
Klar: Nach dem Spiel kann jeder wissen, wie man´s hätte machen müssen, gilt außer im Sport auch in der Politik. Aber warum nur hat hier niemand erkannt, dass die zelebrierte übertriebene Willkommenskultur die Radikalen in der Gesellschaft groß macht? Diesen ins Stammbuch: Weder Sieg heil- noch Deutschland verrecke-Sprüche lösen das Problem, zeigen aber eure ganze Unfähigkeit, es auch nur in groben Zügen zu erfassen.
Um ein Lieblingswort der Kanzlerin zu benutzen: Das Problem dort zu lösen, wo es entstanden ist, ist mittelfristig alternativlos. Weder Europa noch gar ein einzelnes Land verkraftet auf Dauer eine Völkerwanderung diesen Ausmaßes.
Die Maßnahmen für den Moment bleiben umstritten und wer auch immer eine Lösung weiß, die uneingeschränkt tragfähig ist, hätte sich damit schon unsterblich gemacht. Werte, wie Gleichberechtigung von Frau und Mann, Glaubensfreiheit und Meinungsfreiheit, sind für die meisten Menschen in Europa unverzichtbar. Menschen, denen ihr Leben nichts wert ist und Terroristen kann man nicht mit heile, heile, Gänschen umerziehen.
Im ZDF-Morgenmagazin vom 15.02. versprach Herr Altmaier Lösungen durch den EU-Gipfel am darauf folgenden Wochenende. Der grausame terroristische Anschlag – von wem auch immer ausgehend – in der Türkei, verhinderte, dass die Zuschauer der Sendung ihn an seinen Versprechungen messen konnten. Aber wenn man diesen Gipfel am Erreichten misst, kann einem auch hinsichtlich der britischen Unwägbarkeiten Angst und Bange werden.
Und so bleibt es nur, sich Berni Bärchen Stelter anzuschließen:
Wenn Menschen in Massen ihr Land verlassen,
um vor Terror und Angst zu fliehn,
ihre Habe den Schleusern überlassen,
weil sie sonst keinen Ausweg sehen,
dann macht Orban in Ungarn die Grenzen dicht,
auf dem Balkan wachsen Zäune,
die Slowakei trat vor Gericht.
Das ist Europa heute.
Wir lassen das Licht an, obwohl es nicht leicht ist.
Mauern und Zäune haben wir schon gehabt.
Auch wenn im Gestatten, vielleicht ein Vielleicht ist.
Wir haben ein freundliches Gesicht gemacht.
Das freundliche Gesicht erwarten wir auch von ihnen.
Achtung vor Frauen, eine offene Hand.
Und wem das nicht passt, der kann gleich wieder gehen.
Den Anderen herzlich willkommen im Land.
Jürgen Wiethoff
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.


