Di, 13:22 Uhr
05.01.2016
Nordthüringer Arbeitsmarkt
Die Glaskugel ist eingetrübt
Eigentlich wagt der Leiter der Nordhäuser Arbeitsagentur Karsten Froböse, zu Beginn des Jahres gerne einen Blick in die Glaskugel um die Entwicklungen am Arbeitsmarkt in Nordthüringen zu prognostizieren. Im neuen Jahr blieb diese Prognose aus, 2016 warten zu viele Unwägbarkeiten, gerade auch wegen der Flüchtlingsfrage...
"Die niedriegste Arbeitslosigkeit seit 1990" - der Satz ist für den Leiter der Nordhäuser Arbeitsagentur Karsten Froböse inzwischen zu so einer Art Mantra geworden, das er in den vergangenen Monaten regelmäßig wiederholen konnte. Und auch am Jahresende bleibt es dabei: die Arbeitslosigkeit ist zwar im Vergleich zum Vormonat gestiegen, gegenüber dem Vorjahr aber gesunken und so niedrig wie seit 1990 nicht mehr.
Kurzum: aus Sicht der Arbeitsagentur war 2015 ein gutes Jahr, besser noch als erwartet. Mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit zwischen 1,5 und 2% hatte Froböse vor einem Jahr gerechnet, im Jahresdurschnitt kam man auf -5,5%. Die genauen Zahlen findet der geneigte Leser hier und noch genauer hier .
Die Zahl der arbeitslosen Ausländer, wozu nicht allein Asylbewerber gehören, stieg von 383 im Januar auf 489 im Dezember 2015. Insgesamt für die drei Nordthüringer Kreise, die von der Agentur betreut werden. Das will nicht so recht ins Bild passen, immerhin dürfte es in der gesamten Region zur Zeit rund 3000 Aslybewerber geben. Das die noch nicht in der Statistik der Agentur auftauchen hat verschiedene Gründe: zum einen dürfen sich Asylbewerber grundsätzliche erst nach drei Monaten überhaupt nach einer Arbeit umsehen und werden zum anderen von der Agentur dann zumeist als "Arbeitssuchend" geführt, erklärte Froböse.
Diese Unterscheidung macht man auch bei deutschen Arbeitnehmern. Insgesamt sind in Nordthüringen zur Zeit 19.500 Personen als Arbeitssuchend gemeldet, davon allein im Landkreis Nordhausen rund 7000. Das rückt die Erfolgsmeldungen auf den ersten Blick in ein anderes Licht. Allerdings sind hier auch Personen enthalten, die tatsächlich einfach einen anderen Beruf suchen und selbst in Lohn und Brot stehen wie auch Leute, die von außerhalb kommen. Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt auch hier die Kurve deutlich nach unten, zwischen 2014 und 2015 gab etwa einen signifikanten Rückgang von 8%, also 1700 Personen.
Klarer wird das Bild auch, wenn man erfährt das zur Zeit 870 Erwachsene Asylbewerber in Nordthüringen an Deutschkursen teilnehmen. Einige haben zudem mit Einstiegsqualifizierungen begonnen, die letztlich in eine Ausbildung münden sollen. Die Methode ist nichts neues und findet auch bei schwächeren Einheimischen Jugendlichen Anwendung. Zur Jahresmitte hin hofft man die ersten Asylbewerber in Ausbildung bringen zu können, erklärte Froböse. Das ist der Fahrplan der zum Erfolg führen soll. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, wie in Deutschland nunmal üblich. "Die Zeit muss man sich nehmen. Wir haben ein Niveau zu halten", sagte Froböse, "die Region braucht Fachkräfte, keine Hilfsarbeiter".
Bis 2025 würden ohne Zuwanderung sechs Millionen Stellen in Deutschland verloren gehen, so der Agenturleiter, das bedeute weniger Beschäftigte und mehr Rentner und wenn dadurch die Produktion in den Betrieben nicht mehr gehalten werden kann, stünden auch Arbeitsplätze auf dem Spiel. Zudem ist es keine ausgemachte Sache, das die Asylbewerber, die jetzt hier sind auch hier bleiben. Viele würde es in die Ballungszentren ziehen, obwohl dort zum Teil die Chancen weniger gut stünden, als vor Ort, erläuterte Froböse. Die Aufgabe für die nahe Zukunft sieht man in der Uferstraße deswegen darin sowohl bei Unternehmen wie auch bei den Flüchtlingen für den Ausbildungsweg in Nordthüringen zu werben. "Wir müssen den Leuten Perspektiven zeigen, wenn wir sie in der Region halten wollen und darüber informieren das es hier Chancen gibt", sagte Froböse.
Das gilt nicht nur für Asylbewerber sondern auch für Einheimische, insbesondere die Jugend. "Die Flüchtlingsfrage ist wichtig", erklärte Froböse, "unser Hauptaugenmerk gilt aber nach wie vor den Menschen, die schon hier sind". Man müsse den Leuten Mut machen und zeigen das man mit guter Qualifikation und Motivation heute ganz andere Chancen in der Region habe, als noch vor fünf Jahren. Dann klappts vielleicht auch in 2016 mit dem Mantra.
Angelo Glashagel
Autor: red"Die niedriegste Arbeitslosigkeit seit 1990" - der Satz ist für den Leiter der Nordhäuser Arbeitsagentur Karsten Froböse inzwischen zu so einer Art Mantra geworden, das er in den vergangenen Monaten regelmäßig wiederholen konnte. Und auch am Jahresende bleibt es dabei: die Arbeitslosigkeit ist zwar im Vergleich zum Vormonat gestiegen, gegenüber dem Vorjahr aber gesunken und so niedrig wie seit 1990 nicht mehr.
Ein gutes Jahr
Die Zahl der Sozialversicherungspflichtigen Stellen ist gestiegen, seit 2004 um 11,5%, die der Arbeitslosmeldungen im letzten Jahr um 6,7% gesunken und auch der Mindestlohn hat nicht wie von einigen erwartet zu Massenentlassungen geführt. 3.842 Arbeitslose führt die Nordhäuser Agentur noch, 13,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Bundesvergleich der Arbeitsagenturen landen die Nordthüringer damit auf Platz 16 von 156. Bei den Vermittlungen auf den ersten Arbeitsmarkt konnte man die größte Steigerung in Ostdeutschland im Norden des Freistaates feststellen.Kurzum: aus Sicht der Arbeitsagentur war 2015 ein gutes Jahr, besser noch als erwartet. Mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit zwischen 1,5 und 2% hatte Froböse vor einem Jahr gerechnet, im Jahresdurschnitt kam man auf -5,5%. Die genauen Zahlen findet der geneigte Leser hier und noch genauer hier .
Glaskugel getrübt
Ob es auch 2016 so weiter geht ist zumindest fraglich, eine Vorhersage wollte Karsten Froböse dieses Jahr nicht machen. Es gäbe zu viele Unwägbarkeiten um eine seriöse Prognose abzugeben, so der Agenturleiter. Das liegt auch an der Flüchtlingsfrage. Beispiel Jugendarbeitslosigkeit: 2009 gab es 2.134 arbeitslose Jugendliche, was einen Schnitt von 11,5% bedeutete. Heute sind es 715 oder 6,7%. "Kommen hier 30 jugendliche Flüchtlinge dazu, dann steigt die Quote schon um einen guten Prozentpunkt", so Froböse, die Zahlen differenzieren da (noch) nicht. Daran werde gearbeitet, man wolle die Asylbewerber nicht herausrechnen, sondern die Entwicklung transparent darstellen.Die Zahl der arbeitslosen Ausländer, wozu nicht allein Asylbewerber gehören, stieg von 383 im Januar auf 489 im Dezember 2015. Insgesamt für die drei Nordthüringer Kreise, die von der Agentur betreut werden. Das will nicht so recht ins Bild passen, immerhin dürfte es in der gesamten Region zur Zeit rund 3000 Aslybewerber geben. Das die noch nicht in der Statistik der Agentur auftauchen hat verschiedene Gründe: zum einen dürfen sich Asylbewerber grundsätzliche erst nach drei Monaten überhaupt nach einer Arbeit umsehen und werden zum anderen von der Agentur dann zumeist als "Arbeitssuchend" geführt, erklärte Froböse.
Diese Unterscheidung macht man auch bei deutschen Arbeitnehmern. Insgesamt sind in Nordthüringen zur Zeit 19.500 Personen als Arbeitssuchend gemeldet, davon allein im Landkreis Nordhausen rund 7000. Das rückt die Erfolgsmeldungen auf den ersten Blick in ein anderes Licht. Allerdings sind hier auch Personen enthalten, die tatsächlich einfach einen anderen Beruf suchen und selbst in Lohn und Brot stehen wie auch Leute, die von außerhalb kommen. Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt auch hier die Kurve deutlich nach unten, zwischen 2014 und 2015 gab etwa einen signifikanten Rückgang von 8%, also 1700 Personen.
Klarer wird das Bild auch, wenn man erfährt das zur Zeit 870 Erwachsene Asylbewerber in Nordthüringen an Deutschkursen teilnehmen. Einige haben zudem mit Einstiegsqualifizierungen begonnen, die letztlich in eine Ausbildung münden sollen. Die Methode ist nichts neues und findet auch bei schwächeren Einheimischen Jugendlichen Anwendung. Zur Jahresmitte hin hofft man die ersten Asylbewerber in Ausbildung bringen zu können, erklärte Froböse. Das ist der Fahrplan der zum Erfolg führen soll. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, wie in Deutschland nunmal üblich. "Die Zeit muss man sich nehmen. Wir haben ein Niveau zu halten", sagte Froböse, "die Region braucht Fachkräfte, keine Hilfsarbeiter".
Bis 2025 würden ohne Zuwanderung sechs Millionen Stellen in Deutschland verloren gehen, so der Agenturleiter, das bedeute weniger Beschäftigte und mehr Rentner und wenn dadurch die Produktion in den Betrieben nicht mehr gehalten werden kann, stünden auch Arbeitsplätze auf dem Spiel. Zudem ist es keine ausgemachte Sache, das die Asylbewerber, die jetzt hier sind auch hier bleiben. Viele würde es in die Ballungszentren ziehen, obwohl dort zum Teil die Chancen weniger gut stünden, als vor Ort, erläuterte Froböse. Die Aufgabe für die nahe Zukunft sieht man in der Uferstraße deswegen darin sowohl bei Unternehmen wie auch bei den Flüchtlingen für den Ausbildungsweg in Nordthüringen zu werben. "Wir müssen den Leuten Perspektiven zeigen, wenn wir sie in der Region halten wollen und darüber informieren das es hier Chancen gibt", sagte Froböse.
Das gilt nicht nur für Asylbewerber sondern auch für Einheimische, insbesondere die Jugend. "Die Flüchtlingsfrage ist wichtig", erklärte Froböse, "unser Hauptaugenmerk gilt aber nach wie vor den Menschen, die schon hier sind". Man müsse den Leuten Mut machen und zeigen das man mit guter Qualifikation und Motivation heute ganz andere Chancen in der Region habe, als noch vor fünf Jahren. Dann klappts vielleicht auch in 2016 mit dem Mantra.
Angelo Glashagel

