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So, 16:37 Uhr
13.12.2015
gelebte Integration in Nordhausen

Sprechen ohne zu reden

Die Sprache ist, wie allgemein bekannt, ein großes Hindernis in Sachen Integration. An der Jugendkunstschule probiert man Wege aus, die Kommunikation mit Bleistift und Pinsel ermöglichen. Das es hier inzwischen fast jeden Tag Kurse für Flüchtlinge gibt, ist nicht allein der Schule zu verdanken, sondern dem Engagement der Einheimischen...

Sprechen ohne zu reden - an der Jugendkunstschule Nordhausen versucht man neue Wege der Kommunikation zu finden (Foto: Angelo Glashagel) Sprechen ohne zu reden - an der Jugendkunstschule Nordhausen versucht man neue Wege der Kommunikation zu finden (Foto: Angelo Glashagel)

Es ist Donnerstagnachmittag und in den Räumen der Jugendkunstschule herrscht das übliche Chaos aus Papier, Farbe, Klebstoff und Pappmache - der Kinderkurs malt im Erdgeschoss, oben bastelt man an Theaterrequisiten. Seit kurzem gibt es am Donnerstag noch einen "Kurs" mehr in der Jugendkunstschule, Schülerinnen und Schüler der Lessingschule treffen sich mit Flüchtlingsfamilien. Im Fokus stehen vor allem die Kinder der Neuankömmlinge, gemeinsam mit den einheimischen Schülerinnen und Schülern malt man Bilder und übt eine Tanzchoreographie.

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Die Kommunikation ist naturgemäß schwierig, schließlich spricht die eine Seite die Sprache der jeweils anderen nicht. Ein Bild von einem Haus, einem Apfel oder auch einem Boot auf dem Meer versteht hingegen jeder. "Über die Kunst kann man Ausdrucks- und Kommunikationsformen finden, bei denen Sprache keine Rolle spielt", erklärte Martina Degenhardt, Leiterin der Jugendkunstschule. Eigene Erlebnisse könnten so verarbeitet werden, gerade bei den jüngeren Kindern finde das häufig unbewusst statt.

Das Treffen am Donnerstag ist nicht das einzige Angebot dieser Art, über die letzten Wochen hat sich die Jugendkunstschule immer mehr zu einem Treffpunkt für Einheimische und Zugezogene entwickelt. Montags sind es zwei Studenten der Nordhäuser Hochschule, die mit Erwachsenen malen und zeichnen und nebenher über Familie und Heimat sprechen, auf Deutsch und auf Englisch. Mittwochs findet ein richtiger Sprachkurs statt, ehrenamtlich über den Verein Schrankenlos organisiert und durchgeführt von Kerstin Marx, Lehrerin an der Lessingschule.

Martina Degenhardt: "Notwendigkeit gesehen und einfach gemacht"  (Foto: Angelo Glashagel) Martina Degenhardt: "Notwendigkeit gesehen und einfach gemacht" (Foto: Angelo Glashagel) Unterstützung bekommt sie wiederrum von mehreren Schülern aus dem Herder- wie auch dem Humboldtgymnasium, die in Kleingruppen mit den Flüchtlingen arbeiten. Freitags schließlich trifft sich das Projekt "Thüringen - mein nahes, fernes Land", das schon seit längerem in Kooperation mit der Petersbergschule und der Jugendkunstschule in Weimar durchgeführt wird.

Der Stein für die neuen Angebote kam ins Rollen ohne viel hinzutun der Kunstschule, erzählte Martina Degenhardt, Studenten, Schüler und Lehrer seien aus eigenem Antrieb und mit dem Wunsch zu helfen an die Schule herangetreten. "Sie haben eine Notwendigkeit gesehen und das einfach gemacht", sagte Martina Degenhardt der nnz, "sie sind sehr engagiert und wollen mithelfen, wollen etwas tun was über den Spracherwerb hinausgeht".

Man trifft sich, versucht einander kennen zu lernen, versucht mit allen Mitteln zu kommunizieren. Es sind erste Schritte auf dem Weg der Integration in eine neue, sich wandelnde Gesellschaft und diese Schritte müssen von beiden Seiten kommen. Den Kindern fällt das ohnehin nicht schwer und auch die Erwachsenen bemühen sich. Einer der Teilnehmer war in Syrien Sportlehrer und übt mit den Kindern Tanzchoreographien, andere helfen beim übersetzen wenn Pinsel und Stift dann doch einmal nicht weiterhelfen.

Leute, Sprache und die Stadt kennen lernen (Foto: Angelo Glashagel) Leute, Sprache und die Stadt kennen lernen (Foto: Angelo Glashagel) Dank guter Verbindungen zum Schrankenlos und anderen Einrichtungen wie dem Lift oder dem Bildungsträger FiB aus Salza schauen auch immer mal wieder fachkundige Personen in der Domstraße vorbei. Sie klären Fragen, die am Rande entstehen oder weisen zumindest den Weg in die richtige Richtung. Zum Beispiel wenn ein Vater wissen will, ab wann seine Töchter zur Schule gehen können, ob sich die Eltern bei einer bestimmten Schule melden müssen oder ob es eine andere Instanz gibt, die das entscheidet.

Die Kunst kann bei solchen Fragen keine Antwort geben. Aber sie verbindet, kann helfen sich zu artikulieren und Menschen zusammenbringen. Und am Ende werden es die Taten der Menschen sein, die für Erfolg oder Misserfolg der Großaufgabe Integration von Bedeutung sind. An der Jugendkunstschule scheint man da auf einem guten Weg, auch wenn der noch lang sein wird.
Angelo Glashagel
Autor: red

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