Do, 13:10 Uhr
26.11.2015
Theater, AKS und Feuerwehr
Die erlaubte Frage: Wer soll das bezahlen?
In periodisch wiederkehrenden Abständen wird in Nordhausen über die Zukunft des Theaters nachgedacht. Immer dann, wenn beim Land neue Finanzierungsrunden anstehen. Doch kaum wird die Frage diskutiert: Wer soll das bezahlen?
Diese Frage bezieht sich in diesen Tagen nicht nur auf das Nordhäuser Theater, dessen laufende Finanzierung oder gar Sanierung, sondern auch auf die immer wieder diskutierten Vorhaben zum Albert-Kuntz-Sportpark und zum Feuerwehrneubau.
Zur laufenden Finanzierung des Theater kann momentan nur spekuliert werden, denn noch ist nicht klar, wie sich das Land einbringen wird? Da hält man sich bedeckt und allein dieser Umstand lässt nichts Gutes erahnen. Auch, weil es die Unbekannte der Kosten für die Bewältigung des Flüchtlingsstromes gibt. Nur soviel ist sicher, für die Gesellschafter im Landkreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis wird es nicht preiswerter.
Etwas genauer sind schon die Zahlen, die derzeit im Rathaus die Runde machen, wenn man auf die Sanierung des Musentempels schaut. 17 Millionen Euro soll die kosten, wenn das Konzept vollständig durchgezogen wird. Spekuliert man dabei mit rund 12 Millionen Euro an Fördermitteln (woher sollen die kommen?), dann bleiben für die Stadt Nordhausen, die nicht mal eine Brücke neu bauen oder das Rolandsfest ausrichten kann, immer noch fünf Millionen Euro an Eigenmitteln. Auf eine Laufzeit von 30 Jahren gerechnet, ist das allein ein jährlicher Schuldendienst von 250.000 Euro.
Weitere 250.000 Euro sind die geschätzten Kosten für Instandhaltung und Betrieb auf Grundlage der bisherigen Planungen, hinzu prognostiziert die Stadtverwaltung schon mal mit einer halben Million Euro mehr für den laufenden Betrieb. Das ist dann zusammen eine Million Euro mehr als das bisher der Fall ist. Also statt rund 2,7 Millionen Euro dann 3,7 Millionen Euro für das Theater und das Orchester in der benachbarten Kreisstadt. In jedem Jahr.
Noch beharrt Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh wie alle anderen am Theater interessierten Bürger dieser Stadt darauf, das Theater als Produktionsstätte beizubehalten. Ein Bespieltheater kommt für Zeh nicht in Frage. Klar, ein Politiker muss das von sich geben, doch die Frage muss erlaubt sein, wo die zusätzliche Million Euro weggenommen werden soll? Von dem wenigen, was an freiwilligen Aufgaben übrig bleibt, die übrigens im nächsten Jahr mit noch weniger Geld ausgestattet werden können, weil das Land die Zwei-Prozent-Grenze festgelegt hat.
Was ist, wenn der Solidarpakt nicht verlängert wird, zumindest nicht auf dem aktuellen Niveau? Wenn in die dann nicht mehr ganz jungen Ländern nicht mehr die Millionen und Milliarden fließen? Kann sich dann eine Kommune mit knapp 40.000 Einwohnern im Jahr 2020 überhaupt noch ein Theater leisten? Was ist, wenn der Großteil der Stammbesucher, die momentan im Rentenalter ansässig sind, biologisch nicht mehr vorhanden ist? "Wächst" junges Publikum nach?
Übrigens sollte eine solche Diskussion nicht nur für das Theater angeschoben werden, sondern auch für den Albert-Kuntz-Sportpark. Hier wollen wir uns die Details ersparen, stattdessen den Fußballfan gleich mit dem zu erwartenden Mehrbetrag nach der Generalsanierung "beglücken": Es werden jährlich 400.000 Euro sein. Hier allerdings ist ein Schimmer an Hoffnung am Horizont möglich. Für das Vorhaben interessieren sich durchaus auch private Sponsoren.
Bleibt noch das dritte Vorhaben - der Neubau eines "Feuerwehr-Kompetenzzentrums". Nach Berechnung der städtischen Verwaltung kostet dieser Neubau der Stadt Nordhausen 570.000 Euro jährlich. Mal angenommen, der VEB Service des Landkreises oder die SWG in Nordhausen würde das Vorhaben durchziehen - die Kosten bleiben annähernd die gleichen und gleich bleibt auch die Frage: wer soll das bezahlen? Vielleicht nicht in diesem Jahr, spätestens ab dem Jahr 2019, dann müssen die Neuen Bundesländer zeigen, was sie drauf haben, was sie zu leisten imstande sind. Mich persönlich beschleicht dabei ein ziemlich ungutes Gefühl.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redDiese Frage bezieht sich in diesen Tagen nicht nur auf das Nordhäuser Theater, dessen laufende Finanzierung oder gar Sanierung, sondern auch auf die immer wieder diskutierten Vorhaben zum Albert-Kuntz-Sportpark und zum Feuerwehrneubau.
Zur laufenden Finanzierung des Theater kann momentan nur spekuliert werden, denn noch ist nicht klar, wie sich das Land einbringen wird? Da hält man sich bedeckt und allein dieser Umstand lässt nichts Gutes erahnen. Auch, weil es die Unbekannte der Kosten für die Bewältigung des Flüchtlingsstromes gibt. Nur soviel ist sicher, für die Gesellschafter im Landkreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis wird es nicht preiswerter.
Etwas genauer sind schon die Zahlen, die derzeit im Rathaus die Runde machen, wenn man auf die Sanierung des Musentempels schaut. 17 Millionen Euro soll die kosten, wenn das Konzept vollständig durchgezogen wird. Spekuliert man dabei mit rund 12 Millionen Euro an Fördermitteln (woher sollen die kommen?), dann bleiben für die Stadt Nordhausen, die nicht mal eine Brücke neu bauen oder das Rolandsfest ausrichten kann, immer noch fünf Millionen Euro an Eigenmitteln. Auf eine Laufzeit von 30 Jahren gerechnet, ist das allein ein jährlicher Schuldendienst von 250.000 Euro.
Weitere 250.000 Euro sind die geschätzten Kosten für Instandhaltung und Betrieb auf Grundlage der bisherigen Planungen, hinzu prognostiziert die Stadtverwaltung schon mal mit einer halben Million Euro mehr für den laufenden Betrieb. Das ist dann zusammen eine Million Euro mehr als das bisher der Fall ist. Also statt rund 2,7 Millionen Euro dann 3,7 Millionen Euro für das Theater und das Orchester in der benachbarten Kreisstadt. In jedem Jahr.
Noch beharrt Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh wie alle anderen am Theater interessierten Bürger dieser Stadt darauf, das Theater als Produktionsstätte beizubehalten. Ein Bespieltheater kommt für Zeh nicht in Frage. Klar, ein Politiker muss das von sich geben, doch die Frage muss erlaubt sein, wo die zusätzliche Million Euro weggenommen werden soll? Von dem wenigen, was an freiwilligen Aufgaben übrig bleibt, die übrigens im nächsten Jahr mit noch weniger Geld ausgestattet werden können, weil das Land die Zwei-Prozent-Grenze festgelegt hat.
Was ist, wenn der Solidarpakt nicht verlängert wird, zumindest nicht auf dem aktuellen Niveau? Wenn in die dann nicht mehr ganz jungen Ländern nicht mehr die Millionen und Milliarden fließen? Kann sich dann eine Kommune mit knapp 40.000 Einwohnern im Jahr 2020 überhaupt noch ein Theater leisten? Was ist, wenn der Großteil der Stammbesucher, die momentan im Rentenalter ansässig sind, biologisch nicht mehr vorhanden ist? "Wächst" junges Publikum nach?
Übrigens sollte eine solche Diskussion nicht nur für das Theater angeschoben werden, sondern auch für den Albert-Kuntz-Sportpark. Hier wollen wir uns die Details ersparen, stattdessen den Fußballfan gleich mit dem zu erwartenden Mehrbetrag nach der Generalsanierung "beglücken": Es werden jährlich 400.000 Euro sein. Hier allerdings ist ein Schimmer an Hoffnung am Horizont möglich. Für das Vorhaben interessieren sich durchaus auch private Sponsoren.
Bleibt noch das dritte Vorhaben - der Neubau eines "Feuerwehr-Kompetenzzentrums". Nach Berechnung der städtischen Verwaltung kostet dieser Neubau der Stadt Nordhausen 570.000 Euro jährlich. Mal angenommen, der VEB Service des Landkreises oder die SWG in Nordhausen würde das Vorhaben durchziehen - die Kosten bleiben annähernd die gleichen und gleich bleibt auch die Frage: wer soll das bezahlen? Vielleicht nicht in diesem Jahr, spätestens ab dem Jahr 2019, dann müssen die Neuen Bundesländer zeigen, was sie drauf haben, was sie zu leisten imstande sind. Mich persönlich beschleicht dabei ein ziemlich ungutes Gefühl.
Peter-Stefan Greiner

