So, 11:43 Uhr
21.12.2014
Schwarzbergs Wegwerfgesellschaft (7)
Ein Plastikbeutel in einem Zufluss des Gumpebachs. Halb zugedeckt von altem Laub und Erde.- Leider ein gewohntes Bild in den Fluren rund um Nordhausen. Wirklich verschwinden wird der blaue Sack jedenfalls so schnell nicht. Zumindest nicht völlig, berichtet Bodo Schwarzberg...
Im Gegenteil: Zunächst wird sein Material spröde, um dann in kleineren Teilchen, zum Beispiel nach einem Starkregen, vom Bach fortgespült zu werden. Im Gumpebach und später in der Zorge zerreiben Steinchen das Material. Am Ende braucht man fast ein Mikroskop, um es sich anzuschauen.
In der Donau beispielsweise wurden pro Kubikzentimeter Wasser bereits mehr Plastikteilchen als Plankton gezählt, also kleine Lebewesen!
Fluss- oder später Meeresfische in der Nordsee fressen den Mikroplastikmüll aus dem Gumpebach, aus dem in ihrem Körper u.a. Weichmacher (Phtalate) freigesetzt werden können. Diese gelten als krebserregend bzw. schädlich vor allem für Hoden, Niere und Leber.
Werden die Plastikteilchen nicht gleich gefressen, sinken sie in die Tiefsee ab. Forscher fragten sich seit langem, warum in den berühmten marktwirtschaftlichen Müllstrudeln der Ozeane zwar Millionen Tonnen Plastik umhergeschleudert werden, aber eben viel weniger, als ins Meer gelangt: Auf dem Meeresgrund fanden sie die Antwort: Nicht Millionen, sondern Billiarden Plastikteilchen mischen sich dort mit den Sedimenten. Erst in 500 Jahren ist alles komplett aufgelöst, viel Zeit bleibt also, um Schaden anzurichten.
Ein Plastikbeutel im Bachbett - wirklich verschwinden wird der Beutel so schnell nicht (Foto: Bodo Schwarzberg)
Die größeren Stücke aus den Strudeln werden immer wieder in den Mägen von Haien, Pottwalen und Seevögeln gefunden, die zu Tausenden qualvoll verenden.
Ich würde mich freuen, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, keine Plastiktüten mehr verwenden, und wenn sie die, die sie doch glauben verwenden zu müssen, nicht in unserer Landschaft entsorgen.
Der Bumerang kommt, z.B. über die erwähnten Weichmacher, bereits zurück. Engels warnte bereits vor mehr als 100 Jahren in seinem Werk "Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen" vor den fernen Auswirkungen der Eingriffe des Menschen in die Natur, die die gewünschten Effekte all zu oft und wirtschaftlich unsinnig, wieder aufheben. Zudem ist die Einsparung von Plastik eine Frage der Ressourcenschonung und auch damit eine wirtschaftlich sowie ökologisch sinnvolle Maßnahme.
Vielleicht findet sich ja jetzt auch jemand, der den unscheinbaren Plastiksack aus dem kleinen Bächlein holt: An der Kreuzung Gumpeweg-Aufstieg zum Harzrigi.
Bodo Schwarzberg
Autor: redIm Gegenteil: Zunächst wird sein Material spröde, um dann in kleineren Teilchen, zum Beispiel nach einem Starkregen, vom Bach fortgespült zu werden. Im Gumpebach und später in der Zorge zerreiben Steinchen das Material. Am Ende braucht man fast ein Mikroskop, um es sich anzuschauen.
In der Donau beispielsweise wurden pro Kubikzentimeter Wasser bereits mehr Plastikteilchen als Plankton gezählt, also kleine Lebewesen!
Fluss- oder später Meeresfische in der Nordsee fressen den Mikroplastikmüll aus dem Gumpebach, aus dem in ihrem Körper u.a. Weichmacher (Phtalate) freigesetzt werden können. Diese gelten als krebserregend bzw. schädlich vor allem für Hoden, Niere und Leber.
Werden die Plastikteilchen nicht gleich gefressen, sinken sie in die Tiefsee ab. Forscher fragten sich seit langem, warum in den berühmten marktwirtschaftlichen Müllstrudeln der Ozeane zwar Millionen Tonnen Plastik umhergeschleudert werden, aber eben viel weniger, als ins Meer gelangt: Auf dem Meeresgrund fanden sie die Antwort: Nicht Millionen, sondern Billiarden Plastikteilchen mischen sich dort mit den Sedimenten. Erst in 500 Jahren ist alles komplett aufgelöst, viel Zeit bleibt also, um Schaden anzurichten.
Ein Plastikbeutel im Bachbett - wirklich verschwinden wird der Beutel so schnell nicht (Foto: Bodo Schwarzberg)
Die größeren Stücke aus den Strudeln werden immer wieder in den Mägen von Haien, Pottwalen und Seevögeln gefunden, die zu Tausenden qualvoll verenden.
Ich würde mich freuen, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, keine Plastiktüten mehr verwenden, und wenn sie die, die sie doch glauben verwenden zu müssen, nicht in unserer Landschaft entsorgen.
Der Bumerang kommt, z.B. über die erwähnten Weichmacher, bereits zurück. Engels warnte bereits vor mehr als 100 Jahren in seinem Werk "Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen" vor den fernen Auswirkungen der Eingriffe des Menschen in die Natur, die die gewünschten Effekte all zu oft und wirtschaftlich unsinnig, wieder aufheben. Zudem ist die Einsparung von Plastik eine Frage der Ressourcenschonung und auch damit eine wirtschaftlich sowie ökologisch sinnvolle Maßnahme.
Vielleicht findet sich ja jetzt auch jemand, der den unscheinbaren Plastiksack aus dem kleinen Bächlein holt: An der Kreuzung Gumpeweg-Aufstieg zum Harzrigi.
Bodo Schwarzberg


