Di, 12:42 Uhr
14.10.2014
Die Konjunktur bremst ab
Die Konjunktur befindet sich an einem Wendepunkt. Derzeit sind die Kapazitäten zwar noch gut ausgelastet und die Ertragslage bei vielen Unternehmen durchaus zufriedenstellend. Mit Blick auf die kommenden Monate vertiefen sich allerdings die Sorgenfalten bei den Unternehmern deutlich. Auch in Nordthüringen...
Grafik (Foto: IHK Erfurt)
Im Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage unter rund 800 Betrieben in Nord- und Mittelthüringen sinkt der Klimaindex zum zweiten Mal in Folge und erreicht nun 110 von 200 möglichen Prozentpunkten.
Die bisherige Wachstumsdynamik wird nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt bis zum Jahresende weiter deutlich an Schwung verlieren. Der konjunkturelle Rückenwind ist weg. Im Außenhandel bläst uns der Wind inzwischen sogar ins Gesicht. Sorgen bereiten den Firmenchefs vor allem die internationalen Krisenherde, eine nur zögerliche konjunkturelle Erholung der Euro-Zone und die nachlassende Konsumbereitschaft der Verbraucher, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.
Aber auch die jüngsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung würden ein erhöhtes Risikopotential beinhalten und die Unternehmen verunsichern. So könnte die künftige finanzielle Belastung aus den Beschlüssen zur Einführung des flächendeckenden Mindestlohnes oder die Preisentwicklung im Zuge der Energiewende die Stimmung weiter in den Keller treiben, warnt der IHK-Chef.
Darüber hinaus entziehe die Rente mit 63 den Firmen früher als geplant qualifizierte Fachkräfte. Branchenübergreifend rechnen nur noch 16 Prozent der Befragten mit einem besseren Geschäftsverlauf in der Zukunft. Trotz der aktuell günstigen Finanzierungsbedingungen verharren die Investitionsabsichten auf niedrigem Niveau.
Angesichts nicht kalkulierbarer Rahmenbedingungen werden zahlreiche Projekte verschoben oder noch einmal mit spitzem Bleistift durchgerechnet, so Grusser. In harten Zahlen: Jeder dritte Firmenchef plant eine Kürzung des Budgets oder will gar nicht investieren. Weniger Investitionen bedeuten aber auch einen Rückgang der Aufträge und somit eine Drosselung der Produktion.
Nichtsdestotrotz steht die Thüringer Wirtschaft gegenwärtig noch auf einem stabilen Fundament. 36 Prozent der Befragten schätzen ihre aktuelle Situation mit gut ein; 52 Prozent sind mit ihrer Geschäftslage durchaus zufrieden. Die Mehrzahl der Betriebe kann ausgelastete Kapazitäten und gefüllte Auftragsbücher vorweisen. Inzwischen haben 85 Prozent der Unternehmen die Gewinnzone erreicht oder arbeiten zumindest kostendeckend.
Erfreulicherweise wird auch der Arbeitsmarkt von den bestehenden Problemen bisher kaum tangiert. Die Beschäftigungspläne der Firmen lassen auf eine Fortsetzung des positiven Trends der vergangenen Monate hoffen. Schließlich spielt die Suche nach geeigneten Fachkräften zunehmend eine Rolle bei der langfristigen Personalplanung. Immerhin 86 Prozent der Betriebe wollen ihre Mitarbeiterzahl beibehalten oder sogar zusätzliche Stellen schaffen.
Die skeptische Haltung der Firmenchefs hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung belastet jedoch zunehmend das Gesamtbild. So stieg die Zahl der Pessimisten innerhalb der letzten vier Monate von 9 auf 17 Prozent. Vor allem das Ausland ordert weniger Waren und Ausrüstungen; rund ein Viertel der Befragten registriert rückläufige Auftragseingänge. Die anhaltend schwache Konjunktur bei wichtigen EU-Handelspartnern wie Frankreich und Italien sowie die geopolitischen Krisen machen vor allem den exportorientierten Betrieben zu schaffen. Dies spiegelt sich schließlich auch in den Investitions- und Beschäftigungsplänen wider.
Der Einzelhandel hat bis zuletzt von der optimistischen Verbraucherstimmung profitieren können. Die Rahmenbedingungen für eine rege Konsumtätigkeit sind nach den Beschäftigungszuwächsen der letzten Jahre durchaus gut. Zudem blieb das Preisniveau trotz steigender Stromkosten insgesamt stabil. Mehr als ein Drittel der Händler spricht von gut gehenden Geschäften und einer verbesserten Ertragslage. 78 Prozent der Befragten arbeiten sogar mit Gewinn oder zumindest kostendeckend. Für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft dürfte der Trend noch anhalten. Entsprechend zuversichtlich fallen auch die Prognosen aus. 30 Prozent der Handelsbetriebe erwarten einen günstigeren Geschäftsverlauf, gerade einmal 4 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.
Und auch das Baugewerbe weist im Ergebnis der vergangenen vier Monate eine durchaus positive Bilanz auf. 77 Prozent der Bauunternehmer beschreiben ihre aktuelle Situation mit gut bis befriedigend. Jeder Fünfte verzeichnet ein Auftragsplus; rund die Hälfte der Betriebe lastet inzwischen die Kapazitäten zu über 90 Prozent aus. Allerdings zeigen sich auch hier beim Blick auf die kommenden Monate dunkle Schatten: jeder dritte Unternehmer befürchtet dann eine Verschlechterung der Geschäftslage.
Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: Zuversicht sieht anders aus. Bisher hat sich die Thüringer Konjunktur zwar als äußerst robust erwiesen, doch nun mehren sich auch im Freistaat die Warnsignale. Die globalen Lasten mischen einen ziemlich bitteren Krisencocktail. Verständlich, dass unter den düsteren Vorzeichen bei der Mehrzahl der Betriebe die Stimmungslage eher von Unsicherheit und Skepsis geprägt wird. Planungssicherheit ist aber das Fundament für Investitionen, Beschäftigung und Wachstum. Lange Zeit hat die gute Konjunktur den mangelnden Reformeifer der Politik verdeckt. Das ändert sich jetzt. Die Wirtschaftspolitik in Deutschland wird auf den Prüfstein gestellt. Unsere Wettbewerbsfähigkeit sinkt – deshalb müssen die Prioritäten endlich neu gesetzt werden: vom Verteilen auf Wachstum. Wir brauchen Investitionen in die Infrastruktur, eine bessere Koordination der Energiewende und längst überfällige Entscheidungen in der Steuerpolitik.
Autor: red
Grafik (Foto: IHK Erfurt)
Im Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage unter rund 800 Betrieben in Nord- und Mittelthüringen sinkt der Klimaindex zum zweiten Mal in Folge und erreicht nun 110 von 200 möglichen Prozentpunkten.
Die bisherige Wachstumsdynamik wird nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt bis zum Jahresende weiter deutlich an Schwung verlieren. Der konjunkturelle Rückenwind ist weg. Im Außenhandel bläst uns der Wind inzwischen sogar ins Gesicht. Sorgen bereiten den Firmenchefs vor allem die internationalen Krisenherde, eine nur zögerliche konjunkturelle Erholung der Euro-Zone und die nachlassende Konsumbereitschaft der Verbraucher, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.
Aber auch die jüngsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung würden ein erhöhtes Risikopotential beinhalten und die Unternehmen verunsichern. So könnte die künftige finanzielle Belastung aus den Beschlüssen zur Einführung des flächendeckenden Mindestlohnes oder die Preisentwicklung im Zuge der Energiewende die Stimmung weiter in den Keller treiben, warnt der IHK-Chef.
Darüber hinaus entziehe die Rente mit 63 den Firmen früher als geplant qualifizierte Fachkräfte. Branchenübergreifend rechnen nur noch 16 Prozent der Befragten mit einem besseren Geschäftsverlauf in der Zukunft. Trotz der aktuell günstigen Finanzierungsbedingungen verharren die Investitionsabsichten auf niedrigem Niveau.
Angesichts nicht kalkulierbarer Rahmenbedingungen werden zahlreiche Projekte verschoben oder noch einmal mit spitzem Bleistift durchgerechnet, so Grusser. In harten Zahlen: Jeder dritte Firmenchef plant eine Kürzung des Budgets oder will gar nicht investieren. Weniger Investitionen bedeuten aber auch einen Rückgang der Aufträge und somit eine Drosselung der Produktion.
Nichtsdestotrotz steht die Thüringer Wirtschaft gegenwärtig noch auf einem stabilen Fundament. 36 Prozent der Befragten schätzen ihre aktuelle Situation mit gut ein; 52 Prozent sind mit ihrer Geschäftslage durchaus zufrieden. Die Mehrzahl der Betriebe kann ausgelastete Kapazitäten und gefüllte Auftragsbücher vorweisen. Inzwischen haben 85 Prozent der Unternehmen die Gewinnzone erreicht oder arbeiten zumindest kostendeckend.
Erfreulicherweise wird auch der Arbeitsmarkt von den bestehenden Problemen bisher kaum tangiert. Die Beschäftigungspläne der Firmen lassen auf eine Fortsetzung des positiven Trends der vergangenen Monate hoffen. Schließlich spielt die Suche nach geeigneten Fachkräften zunehmend eine Rolle bei der langfristigen Personalplanung. Immerhin 86 Prozent der Betriebe wollen ihre Mitarbeiterzahl beibehalten oder sogar zusätzliche Stellen schaffen.
Die Ergebnisse im Einzelnen
Bislang konnte sich die Industrie recht erfolgreich gegen die aufziehenden Krisenerscheinungen behaupten. Da verwundert es kaum, dass das Votum der überwiegenden Zahl der Unternehmer zur aktuellen Situation noch positiv ausfällt. Mehr als jeder fünfte Manager berichtet von einer verbesserten Ertragslage, über die Hälfte arbeitet in der Gewinnzone.Die skeptische Haltung der Firmenchefs hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung belastet jedoch zunehmend das Gesamtbild. So stieg die Zahl der Pessimisten innerhalb der letzten vier Monate von 9 auf 17 Prozent. Vor allem das Ausland ordert weniger Waren und Ausrüstungen; rund ein Viertel der Befragten registriert rückläufige Auftragseingänge. Die anhaltend schwache Konjunktur bei wichtigen EU-Handelspartnern wie Frankreich und Italien sowie die geopolitischen Krisen machen vor allem den exportorientierten Betrieben zu schaffen. Dies spiegelt sich schließlich auch in den Investitions- und Beschäftigungsplänen wider.
Der Einzelhandel hat bis zuletzt von der optimistischen Verbraucherstimmung profitieren können. Die Rahmenbedingungen für eine rege Konsumtätigkeit sind nach den Beschäftigungszuwächsen der letzten Jahre durchaus gut. Zudem blieb das Preisniveau trotz steigender Stromkosten insgesamt stabil. Mehr als ein Drittel der Händler spricht von gut gehenden Geschäften und einer verbesserten Ertragslage. 78 Prozent der Befragten arbeiten sogar mit Gewinn oder zumindest kostendeckend. Für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft dürfte der Trend noch anhalten. Entsprechend zuversichtlich fallen auch die Prognosen aus. 30 Prozent der Handelsbetriebe erwarten einen günstigeren Geschäftsverlauf, gerade einmal 4 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.
Und auch das Baugewerbe weist im Ergebnis der vergangenen vier Monate eine durchaus positive Bilanz auf. 77 Prozent der Bauunternehmer beschreiben ihre aktuelle Situation mit gut bis befriedigend. Jeder Fünfte verzeichnet ein Auftragsplus; rund die Hälfte der Betriebe lastet inzwischen die Kapazitäten zu über 90 Prozent aus. Allerdings zeigen sich auch hier beim Blick auf die kommenden Monate dunkle Schatten: jeder dritte Unternehmer befürchtet dann eine Verschlechterung der Geschäftslage.
Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: Zuversicht sieht anders aus. Bisher hat sich die Thüringer Konjunktur zwar als äußerst robust erwiesen, doch nun mehren sich auch im Freistaat die Warnsignale. Die globalen Lasten mischen einen ziemlich bitteren Krisencocktail. Verständlich, dass unter den düsteren Vorzeichen bei der Mehrzahl der Betriebe die Stimmungslage eher von Unsicherheit und Skepsis geprägt wird. Planungssicherheit ist aber das Fundament für Investitionen, Beschäftigung und Wachstum. Lange Zeit hat die gute Konjunktur den mangelnden Reformeifer der Politik verdeckt. Das ändert sich jetzt. Die Wirtschaftspolitik in Deutschland wird auf den Prüfstein gestellt. Unsere Wettbewerbsfähigkeit sinkt – deshalb müssen die Prioritäten endlich neu gesetzt werden: vom Verteilen auf Wachstum. Wir brauchen Investitionen in die Infrastruktur, eine bessere Koordination der Energiewende und längst überfällige Entscheidungen in der Steuerpolitik.

