eic kyf msh nnz uhz tv nt
Do, 20:00 Uhr
25.09.2014

nnz-Forum: Seidel rief…. und alle kamen

Eine etwas unernste Nachbetrachtung zum „Tag der offenen Tür“ der Stadtbibliothek von Dr. Wolfgang R. Pientka in Ihrer nnz...

Beim Tag der offenen Tür (Foto: privat) Beim Tag der offenen Tür (Foto: privat)

Gleich vorweg – hier ist weder Bezug genommen auf die preußische Geschichte, noch ist Dr. Seidel gemeint, der Pfarrer von Niedersachswerfen, der seine ‚Schäfchen‘ dorthin gerufen hatte, wo einst die mächtige Nikolaikirche stand.

Anzeige symplr (1)
Leider erinnert an dieses, das Stadtbild mit prägende Gotteshaus heute nur noch der Förderverein ‚Nicolai in foro‘. Aber dazu später mehr. Nein, gerufen hatte Frau Seidel, die Leiterin der Stadtbibliothek zum ‚Tag der offenen Tür‘ am vergangenen Samstag.

Und wie beim ‚Alten Fritz‘ – es kamen alle, die geladen waren, nämlich die Vereine unserer Stadt, die sich um die Förderung der Kultur bemühen. An zentraler Stelle ‚Nicolai in foro‘, deren Mitgliederinnen mit weißem Halstuch und einer blauen Plakette auf sich aufmerksam machten. Ein schöner publikumswirksamer Einfall, auch wenn ein Lästerer, und von denen gab es an diesem Samstag einige, meinte, es erinnere ein wenig an den BdM.

Nach dem Hinweis, dass diese Stadt mehr solch erfrischende Ideen brauche, war des Lästern an dieser Stelle erst einmal ein Ende gesetzt und der Nachmittag verlief in einer für diese Stelle – hier sehr nahe an dem nicht immer harmonischem Wirken unserer Stadtregierenden – wohltuenden Harmonie. Keiner trat dem anderen auf den Zeh – und auch dies ist hier anatomisch gemeint und bezieht sich nicht auf unseren gleichnamigen OB.

Auch die Anordnung der Stände der Vereine gab Anlass zu Vergleichen, denn ein Maler der Rokokozeit hätte sich vielleicht zu einem Motiv hinreißen lassen – Geschichte, vertreten durch die Förderer der Flohburg, Wein anbietend der KUNSTHAUS MEYENBURG Förderverein, flankiert durch die Vertreter des Parks Hohenrode – fast ein Motiv für ein lauschiges Picknick im Stil unserer Altvorderen – gegenüber Brakteaten prägende Vertreter des Tabakspeichers. Auch politisch Eintracht – Dr. Bodo Seidel, privat, aber dennoch Vertreter der „Kirche“, ständig aktiv fotografierend - und am Stand des Kunsthauses, ebenfalls privat, aber dennoch irgendwie die LINKE, vertreten durch Katja Mitteldorf.

Und dann die Be- und Anmerkungen der Gäste. Zwei Damen aus Niedersachsen meinten, die Stadt müsse sehr viel Geld haben, um sich solch ein großes Ordnungsamt mit integrierter Bibliothek zu leisten. Man muss wirklich nicht viel Fantasie haben, um bei der momentanen Bezeichnung dieses Monumentalbaues nicht an Ordnungsamt, Standesamt, Bußgeldstelle o.ä. zu denken.

Auf die Erklärung, dass diese PR-trächtige Bezeichnung, die jeden Touristen sofort zu und in dieses Bauwerk locken würde, von den Oberen der Stadt kreiert bzw. angewiesen wurde, folgte ein Schulterzucken und dann ein Murmeln …aha ..“Order per mufti“. Also wurde wieder versucht zu erklären. Nur, wie soll man einem Gast solch eine Namensgebung für ein Gebäude nahe bringen, dessen Entstehen selbst bei dem ‚Festakt‘ als ‚Stroh zu Gold gesponnen‘ umschrieben wurde. Es besteht aber noch Hoffnung auf Korrektur – und schon war die Harmonie wieder da.

Ansonsten viel Spaß, Witz und Lachen – und dies lag gewiss nicht an dem Wein, der vom KUNSTHAUS MEYENBURG Förderverein für eine kleine Spende ausgeschenkt wurde. Die Rolandgruppe hätte Freude und viele Anregungen für das nächste Programm gehabt. Vielleicht abschließend noch ein Vorschlag eines Gastes zu der Außengestaltung des Rathauses: Man könne doch immer abwechselnd verputzen und dann wieder Sichtmauerwerk; also - immer zwischen zwei Fenstern putzen, dann wieder zwischen den nächsten Fenstern das Mauerwerk belassen.

Auf die Frage, was dieser Blödsinn denn solle, kam die Erklärung: Da unser Stadtoberer immer bestrebt ist, es allen recht zu machen, wäre dieser Kompromiss doch die Lösung! Keine Streitereien zwischen den Parteien, keine Bürgerbefragung – und dazu noch ein toller Beitrag für ein touristisches Highlight! Und da soll einer sagen, die Nordhäuser seien stur und hätten keinen Humor!
Dr. Wolfgang R. Pientka
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Anzeige symplr (6)
Kommentare
Luftikus
25.09.2014, 20:43 Uhr
Bürgerhaus und alle kamen
Sehr geehrter Herr Dr. Pientka,

bei allem Respekt, Sie schreiben da einen Schmarrn zusammen. Ich war nun so oft im Bürgerhaus bzw. der Bibliothek, viele Staunten manch einer fand es sehr groß aber die meisten waren von der Nutzung der Bibliothek angenehm überrascht. Wer glaubt, das ein Name der Grund sei, dass der Tourismus explodiert und die Menschen von überall herreisen, nur weil ein Betonklotz Nikolaiforum heißt, ist ein Tagträumer. Was sollen denn die Touristen dort tun, Bücher mit nach Leipzig oder Hannover nehmen und dann wieder zurück senden. NEIN, Herr Dr. Pientka, ein Objekt lebt von und mit den Personen die es bewirtschaften. Die Leute aus dem Kreis und aus der Stadt haben die Möglichkeit in der Bibliothek Rudolf Hagelstange Bücher etc. zu entleihen, im Lesecafé einen Kaffee zu trinken oder im Ratssaal eine Veranstaltung zu besuchen. Und wenn das Lesecafé mit ganz originellen Angeboten auffährt dann spricht sich das rum, oder wenn im Ratssaal ein bedeutender Autor sein Buch vorstellt. JA, dann kann das Gebäude auch Konsumeck oder Palazzoprotzo heißen, man kommt.
Seit gut 70 Jahren ist die Kirche zerstört und abgetragen. Hätten Sie auf die Adresse der Einladung geschaut, dann hätte sie die neue Adresse gelesen: Nikolaiplatz 1. Man hat es nach 69 Jahren geschafft, mit diesem Namen an die Stelle zu erinnern, an der die Kirche einst stand. Die einzigen, die hier in Nordhausen versuchen, mit aller Gewalt einen Namen über dieses Gebäude zu stülpen, war nicht die Stadt sondern der Verein Nicolai in foro. Dieser Verein gab sich diesen Namen und versuchte dann mit Hilfe der Presse die Nordhäuser verrückt zu machen. Nehmen sie es einfach hin, ich kann diese Diskussion nicht mehr hören. In der Presse stand zudem, dass eine erneute Namensänderung viel Geld kostet, dann sammeln Sie doch die fast sechsstellige Summe zusammen und kaufen sich den Namen im Rathaus.
Nörgler
25.09.2014, 20:52 Uhr
Netzwerke
Die Netzwerke funktionieren hervorragend. In den Kunst und Kultur Fördervereinen sind wahrscheinlich immer die gleichen Leute vertreten. Mir ist auch nicht klar, warum eine Leiterin einer Bibliothek so permanent in den Vordergrund gerückt wird. Die frühere Leiter der Rudolf Hagelstange Bibliothek stand nicht ständig mit ihrem Manen in der Presse und doch hat diese Leiterin hervorragende Arbeit geleistet. Was sagt uns das? Man muss nur die richtigen Verbindungen an der richtigen Stelle haben und schon geht die Huldigung los. Es geht hier nur um eine Bibliothek um mehr nicht. Es scheint ja, dass diese Bibliothek wichtiger ist als alle anderen Ämter. Oder hat es mit der Rechtfertigung dieser immensen Kosten dieses Baus zu tun, um zu signalisieren, Leute hier ist ständig was los. Der Marktplatz, wie der Vorraum der Bibliothek von der einstigen Oberbürgermeisterin beschrieben, muss ja ständig gefüllt sein damit die einstige Vision Realität wird. Man kann der Leiterin Bibliothek nur Wünschen, dass Sie diesen hohen Anspruch erfüllen kann. Aber vielleicht treffen sich ja Fördervereine in diesem Gebäude täglich.
Babette Klingert
25.09.2014, 21:11 Uhr
Mit Verlaub, Herr Dr.Pientka ...
... aber Satire ist die höchste und wohl auch schwerste Wortkunst. Beherrscht man sie nicht, lässt man den Leser ratlos zurück.
Glaskugel
25.09.2014, 21:21 Uhr
Hab schon besseres Kabarett gelesen und erlebt,
ha, ha ha ha, solange keiner dem Nicolai oder dem Jendricke auf die Zehen tritt, ist das alles doch nur durchschaubares Provinz Kabarett! Schade Herr Pientka. Der Nächste bitte!
Matthi
25.09.2014, 22:27 Uhr
Das ist Nordhausens Boheme!
Den wirklich brennenden Zeitfragen zugewandt - das ist Nordhausens Boheme.

Danke, Herr Dr. Pientka, dass Sie und ihre Freunde in den zahlreichen Fördervereinen der Stadt Nordhausen mit solchen brillanten Essays und stilistischen Leckerbissen wie dem hier vor uns liegenden endlich publizistisch die wirklichen Probleme aufgreifen, die 99 Prozent der Menschen dieser Stadt schon lange bewegen.


Verwandeln Sie die intellektuelle Ödnis gemeinsam mit den tragendenden sozialen und moralischen Säulen Nordhausens - den Familien Rinke, Hartmann, Jendricke u.a. - endlich wieder in eine Oase des geistigen Frohsinns. Führen Sie uns ans Licht!

Es war an der Zeit!
Gudrun1974
25.09.2014, 22:45 Uhr
Sehr geehrter Dr. Wolfgang R. Pientka
Die Qualität Ihrer Abhandlung zeigt eines klar:

Für Nordhausen wird es immer nur zum Titel Fachhochschulstadt reichen und nie zur Universitätsstadt. "Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten." O. wilde

Es verbleibt mit freundlichsten Grüßen

Roland S. Schwert.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)