Mo, 12:14 Uhr
14.07.2014
Ein langer Weg
Yuliana Barrón Cochachin ist aus Peru einst nach Spanien gekommen, weil sie dort auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Familie hoffte. Dort lebte und arbeitete sie acht Jahre, bekam einen Sohn und konnte für sich und ihn gut sorgen. Bis die Krise kam...
Sie verlor ihre Arbeit und damit ihren Lebensunterhalt. Daher hat Yuliana auch nicht lang gezögert, als sie das Angebot bekam, nach Deutschland zu gehen.
Leider lief in Erfurt, wo sie mit anderen arbeitsuchenden Spaniern ankam, nichts so wie im Vorfeld versprochen: keine Unterkunft war vorbereitet, einen Praktikumsplatz gab es auch nicht. Ein Hotelzimmer konnte sich die junge Frau nicht leisten, eine preiswertere Variante fand sie nicht und so zog sie zu einigen Kameraden, die in einem leeren Gewächshaus schliefen und übernachtete dort auf dem Fußboden.
Doch Yuliana hatte Glück. Sie lernte Andreas Knuhr, den Leiter des Welcome Centers in Erfurt, kennen, das sich eingeschaltet hatte, nachdem der Personaldienstleister, der die Spanier geholt hatte, seine Versprechungen nicht einhalten konnte. Knuhrs Frau Carmen Witzel leitet in Nordhausen das Jugendgäste- und Bildungshaus Rothleimmühle und sie fand eine Möglichkeit fünf Spanier hier unterzubringen.
Das JugendSozialwerk Nordhausen als Träger der Rothleimmühle und vieler sozialer Projekte bot fünf Praktikumsplätze an. So kam Yuliana ins Seniorenzentrum in Salza. Der Anfang war schwer, denn sie konnte nur wenig Deutsch - trotz 100 Stunden Intensivkurs. Yulianas Kameraden lernten deutlich leichter und schneller. Doch durch einen Kollegen, der ein wenig Spanisch sprach, fand sich Yuliana dennnoch zurecht und konnte sich mit den Senioren auch mit wenigen Worten verständigen.
In diesen ersten Monaten in Nordhausen war ich dankbar für die Wendung, die mein Schicksal genommen hatte. Ich hatte am Ende wirklich Glück. Da waren Menschen, die sich um mich und meine Probleme gekümmert haben. Wir hatten einen menschenwürdigen Platz zum Wohnen und ausreichend zu essen, erinnert sich Yuliana.
Yuliana fühlt sich wohl im Seniorenzentrum. Die Arbeit macht ihr Spaß. Sie findet es schön, wenn die Bewohner von sich erzählen, auch wenn sie nicht alles versteht. Gesten helfen. Einer der Bewohner, der mit Yuliana anfangs nicht so glücklich war, freut sich heute besonders, wenn sie kommt. Er unterhält sich mit ihr und hilft ihr bei der schwierigen deutschen Aussprache. Auch mit ihren Kollegen kommt Yuliana gut aus.
Wir arbeiten wirklich im Team. Einer springt für den anderen ein. Einige sind sehr mütterlich zu mir. Sie interessieren sich für mich, ich mich auch für sie. Wir hatten noch nie Probleme miteinander, freut sich Yuliana.
Momentan besucht Yuliana einen Integrationskurs in der Kreisvolkshochschule. Sie bezahlt ihn selbst und ist von Montag bis Freitag den ganzen Vormittag dort. Nachmittags arbeitet sie dann. Das sei zwar anstrengend, so Yuliana, aber es sei ihr eben immens wichtig, gut deutsch zu sprechen. Sie möchte mit den Menschen, die sie betreut, richtig reden und sie verstehen können.
Yuliana schickt ihrer Familie in Peru regelmäßig Geld. Sie hat ihren Sohn bei den Eltern gelassen. Sie möchte für ihn eine bessere Zukunft - in Europa. Ich warte darauf, dass ich ihn hierher holen kann. Es ist schwer für mich ohne ihn. Er ist jetzt 5 Jahre alt. Es tut weh zu wissen, dass ich so viel verpasse in seinem Leben – seine Vorlieben, seine Schularbeiten, seine Witze und Träume, dass ich kostbare gemeinsame Jahre mit ihm verliere, ich ihn nicht wachsen sehe. All das ist unwiederbringlich verloren. Wir telefonieren jeden zweiten Tag. Ich sehe ihn auf Fotos und im Internet, aber ich kann ihn nie in die Arme nehmen.
Yuliana wohnt inzwischen mit einer jungen Spanierin in einer eigenen Wohnung. Mit den Menschen in der Stadt habe ich nicht viel zu tun. Ich habe den Eindruck, dass sie sehr verschlossen sind, dass sie Ausländer nicht wirklich aufnehmen wollen. Ansonsten fühle ich mich wohl in Nordhausen. Es ist eine kleine Stadt. Man kann alles zu Fuß erreichen. Es ist ruhig und grün.
Genau dieses Ziel vereint die Akteure im Netzwerk zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, kurz NIMM: Menschen, die in die Region Nordhausen kommen, beim Einleben zu unterstützen und die Einheimischen für die Motive und Bedürfnisse von Zuwanderern zu sensibilisieren. Wer dazu Fragen hat oder sich engagieren möchte, kann sich an Beate Walzel in der Kreisvolkshochschule wenden, Telefon 03631 60910.
Autor: redSie verlor ihre Arbeit und damit ihren Lebensunterhalt. Daher hat Yuliana auch nicht lang gezögert, als sie das Angebot bekam, nach Deutschland zu gehen.
Leider lief in Erfurt, wo sie mit anderen arbeitsuchenden Spaniern ankam, nichts so wie im Vorfeld versprochen: keine Unterkunft war vorbereitet, einen Praktikumsplatz gab es auch nicht. Ein Hotelzimmer konnte sich die junge Frau nicht leisten, eine preiswertere Variante fand sie nicht und so zog sie zu einigen Kameraden, die in einem leeren Gewächshaus schliefen und übernachtete dort auf dem Fußboden.
Doch Yuliana hatte Glück. Sie lernte Andreas Knuhr, den Leiter des Welcome Centers in Erfurt, kennen, das sich eingeschaltet hatte, nachdem der Personaldienstleister, der die Spanier geholt hatte, seine Versprechungen nicht einhalten konnte. Knuhrs Frau Carmen Witzel leitet in Nordhausen das Jugendgäste- und Bildungshaus Rothleimmühle und sie fand eine Möglichkeit fünf Spanier hier unterzubringen.
Das JugendSozialwerk Nordhausen als Träger der Rothleimmühle und vieler sozialer Projekte bot fünf Praktikumsplätze an. So kam Yuliana ins Seniorenzentrum in Salza. Der Anfang war schwer, denn sie konnte nur wenig Deutsch - trotz 100 Stunden Intensivkurs. Yulianas Kameraden lernten deutlich leichter und schneller. Doch durch einen Kollegen, der ein wenig Spanisch sprach, fand sich Yuliana dennnoch zurecht und konnte sich mit den Senioren auch mit wenigen Worten verständigen.
In diesen ersten Monaten in Nordhausen war ich dankbar für die Wendung, die mein Schicksal genommen hatte. Ich hatte am Ende wirklich Glück. Da waren Menschen, die sich um mich und meine Probleme gekümmert haben. Wir hatten einen menschenwürdigen Platz zum Wohnen und ausreichend zu essen, erinnert sich Yuliana.
Yuliana fühlt sich wohl im Seniorenzentrum. Die Arbeit macht ihr Spaß. Sie findet es schön, wenn die Bewohner von sich erzählen, auch wenn sie nicht alles versteht. Gesten helfen. Einer der Bewohner, der mit Yuliana anfangs nicht so glücklich war, freut sich heute besonders, wenn sie kommt. Er unterhält sich mit ihr und hilft ihr bei der schwierigen deutschen Aussprache. Auch mit ihren Kollegen kommt Yuliana gut aus.
Wir arbeiten wirklich im Team. Einer springt für den anderen ein. Einige sind sehr mütterlich zu mir. Sie interessieren sich für mich, ich mich auch für sie. Wir hatten noch nie Probleme miteinander, freut sich Yuliana.
Momentan besucht Yuliana einen Integrationskurs in der Kreisvolkshochschule. Sie bezahlt ihn selbst und ist von Montag bis Freitag den ganzen Vormittag dort. Nachmittags arbeitet sie dann. Das sei zwar anstrengend, so Yuliana, aber es sei ihr eben immens wichtig, gut deutsch zu sprechen. Sie möchte mit den Menschen, die sie betreut, richtig reden und sie verstehen können.
Yuliana schickt ihrer Familie in Peru regelmäßig Geld. Sie hat ihren Sohn bei den Eltern gelassen. Sie möchte für ihn eine bessere Zukunft - in Europa. Ich warte darauf, dass ich ihn hierher holen kann. Es ist schwer für mich ohne ihn. Er ist jetzt 5 Jahre alt. Es tut weh zu wissen, dass ich so viel verpasse in seinem Leben – seine Vorlieben, seine Schularbeiten, seine Witze und Träume, dass ich kostbare gemeinsame Jahre mit ihm verliere, ich ihn nicht wachsen sehe. All das ist unwiederbringlich verloren. Wir telefonieren jeden zweiten Tag. Ich sehe ihn auf Fotos und im Internet, aber ich kann ihn nie in die Arme nehmen.
Yuliana wohnt inzwischen mit einer jungen Spanierin in einer eigenen Wohnung. Mit den Menschen in der Stadt habe ich nicht viel zu tun. Ich habe den Eindruck, dass sie sehr verschlossen sind, dass sie Ausländer nicht wirklich aufnehmen wollen. Ansonsten fühle ich mich wohl in Nordhausen. Es ist eine kleine Stadt. Man kann alles zu Fuß erreichen. Es ist ruhig und grün.
Genau dieses Ziel vereint die Akteure im Netzwerk zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, kurz NIMM: Menschen, die in die Region Nordhausen kommen, beim Einleben zu unterstützen und die Einheimischen für die Motive und Bedürfnisse von Zuwanderern zu sensibilisieren. Wer dazu Fragen hat oder sich engagieren möchte, kann sich an Beate Walzel in der Kreisvolkshochschule wenden, Telefon 03631 60910.


