Do, 14:03 Uhr
10.07.2014
700.000 Euro für 7 Kilometer
So kurz vor einer Wahl ist es immer schick, wenn Minister oder Staatssekretäre durch ihr Hoheitsrevier tändeln, um die Wohltaten der Regierenden für sich selbst und dann für ihre Partei auszunutzen. Ein Paradebeispiel gab es am Mittag zu erleben...
Von links: Ellrichs Bürgermeister Matthias Ehrhold, Landrätin Birgit Keller, Staatssekretär Jochen Staschewski und Bundestagsabgeordneter Steffen-Claudio Lemme
Rund einen Kilometer von Appenrode entfernt befindet sich die Kelle, die Karsterscheinung des Landkreises Nordhausen. Also die passende Kulisse für die Übergabe eines Blattes Papier, auf dem die Zahl 708.109 Euro zu lesen ist.
Mit diesem Geld sollen insgesamt rund sieben Kilometer Radweg zwischen Ellrich und Herrmannsacker ausgebaut werden, in diesem und im nächsten Jahr. Das alles im Zuge des Harzrundweges, den vermutlich nur die radelnden Insider bislang kannten. Nun aber sollen diese sieben Kilometer den Fahrradtourismus in der Region ankurbeln.
Das denkt und sagt zumindest der aus der Oberpflalz stammende und für den Thüringer Tourismus mitverantwortliche Staatssekretär Jochen Staschewski (SPD). Der Mann aus dem Wirtschaftsministerium kennt auch andere Zahlen. Zum Beispiel, dass allein der Fahrradtourismus 3,7 Millionen Menschen pro Jahr in den Freistaat locken, die einen Umsatz von 60 Millionen Euro generieren soll. Bislang jedoch degenerierte das Stück für den Landkreis Nordhausen eher zum Krümel. Das aber soll sich ändern.
Und weil die kleine wie die große Politik so fabelhaft inszenieren kann, wurde das Papier - also der Zuwendungsbescheid - nicht auf einem Radweg überreicht, sondern unten an der Kelle. Die gab also das passende Ambiente her und der Herr Staschewski war von dem Naturereignis, von er schon mehrfach gehört, so beeindruckt, dass er versprach, dass diese Karsterscheinung unbedingt bei der Konzeption und dem Druck der nächsten Tourismusbroschüren berücksichtigt werden soll. Bleibt am Rande die Frage, warum in den vergangenen fünf Jahren die Nordhäuser Region ziemlich dürftig in den diversen Kampagnen und Medien, die vom Wirtschaftsministerium des Herrn Staschweski verantwortet wurden, oder so gut wie nicht vorkam? Doch zurück zum nun prosperierenden Fahrradtourismus im Landkreis Nordhausen. Hier kommt die Landrätin ins Spiel, die im heutigen SPD-Polittross parteimäßig eigentlich nicht hineinpasste. Birgit Keller verwies auf die Schwierigkeiten für den Landkreis, die notwendigen zehn Prozent Eigenmittel in Höhe von 70.000 Euro zusammenkratzen zu können. Es sei die Kooperation zwischen den Südharz-Kommunen und der Kreisverwaltung gewesen, die das möglich gemacht hätte.
Und so waren am Ende alle zufrieden ob des schönen Wetters und der Kelle: Ein Bundestagsabgeordneter, zwei Kandidaten für den nächsten Landtag, ein Staatsekretär, ein Bürgermeister (alle SPD) und eine linke Landrätin. Nach getaner Arbeit konnte zum kulinarischen Teil des Naturbesuchs übergegangen werden.
Übrigens: die sozialdemokratische Wahlkampf-Delegation besuchte vor der Kelle das Unternehmen Norsystec in Nohra. Natürlich auch eine Vorzeigefirma, die Erweiterungen und Neueinstellungen plant. Deren Geschäftsleitung wird dann auch in der kommenden Woche vom erfolgreichen Dasein und der hoffentlich so erfolgreichen Zukunft im Landkreis Nordhausen berichten. Dann aber der christdemokratischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redVon links: Ellrichs Bürgermeister Matthias Ehrhold, Landrätin Birgit Keller, Staatssekretär Jochen Staschewski und Bundestagsabgeordneter Steffen-Claudio Lemme
Rund einen Kilometer von Appenrode entfernt befindet sich die Kelle, die Karsterscheinung des Landkreises Nordhausen. Also die passende Kulisse für die Übergabe eines Blattes Papier, auf dem die Zahl 708.109 Euro zu lesen ist.
Mit diesem Geld sollen insgesamt rund sieben Kilometer Radweg zwischen Ellrich und Herrmannsacker ausgebaut werden, in diesem und im nächsten Jahr. Das alles im Zuge des Harzrundweges, den vermutlich nur die radelnden Insider bislang kannten. Nun aber sollen diese sieben Kilometer den Fahrradtourismus in der Region ankurbeln.
Das denkt und sagt zumindest der aus der Oberpflalz stammende und für den Thüringer Tourismus mitverantwortliche Staatssekretär Jochen Staschewski (SPD). Der Mann aus dem Wirtschaftsministerium kennt auch andere Zahlen. Zum Beispiel, dass allein der Fahrradtourismus 3,7 Millionen Menschen pro Jahr in den Freistaat locken, die einen Umsatz von 60 Millionen Euro generieren soll. Bislang jedoch degenerierte das Stück für den Landkreis Nordhausen eher zum Krümel. Das aber soll sich ändern.
Und weil die kleine wie die große Politik so fabelhaft inszenieren kann, wurde das Papier - also der Zuwendungsbescheid - nicht auf einem Radweg überreicht, sondern unten an der Kelle. Die gab also das passende Ambiente her und der Herr Staschewski war von dem Naturereignis, von er schon mehrfach gehört, so beeindruckt, dass er versprach, dass diese Karsterscheinung unbedingt bei der Konzeption und dem Druck der nächsten Tourismusbroschüren berücksichtigt werden soll. Bleibt am Rande die Frage, warum in den vergangenen fünf Jahren die Nordhäuser Region ziemlich dürftig in den diversen Kampagnen und Medien, die vom Wirtschaftsministerium des Herrn Staschweski verantwortet wurden, oder so gut wie nicht vorkam? Doch zurück zum nun prosperierenden Fahrradtourismus im Landkreis Nordhausen. Hier kommt die Landrätin ins Spiel, die im heutigen SPD-Polittross parteimäßig eigentlich nicht hineinpasste. Birgit Keller verwies auf die Schwierigkeiten für den Landkreis, die notwendigen zehn Prozent Eigenmittel in Höhe von 70.000 Euro zusammenkratzen zu können. Es sei die Kooperation zwischen den Südharz-Kommunen und der Kreisverwaltung gewesen, die das möglich gemacht hätte.
Und so waren am Ende alle zufrieden ob des schönen Wetters und der Kelle: Ein Bundestagsabgeordneter, zwei Kandidaten für den nächsten Landtag, ein Staatsekretär, ein Bürgermeister (alle SPD) und eine linke Landrätin. Nach getaner Arbeit konnte zum kulinarischen Teil des Naturbesuchs übergegangen werden.
Übrigens: die sozialdemokratische Wahlkampf-Delegation besuchte vor der Kelle das Unternehmen Norsystec in Nohra. Natürlich auch eine Vorzeigefirma, die Erweiterungen und Neueinstellungen plant. Deren Geschäftsleitung wird dann auch in der kommenden Woche vom erfolgreichen Dasein und der hoffentlich so erfolgreichen Zukunft im Landkreis Nordhausen berichten. Dann aber der christdemokratischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht.
Peter-Stefan Greiner










